Der verwaltete Mensch …

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Längere Reisen bedingen eine gewisse Vorbereitung. Dazu gehört u.a. das Gewährleisten einer Liquidität. Aus Erfahrung weiß ich, wie es ist, in einer fremden Stadt ohne Bargeld zu stehen. Auf diese Art kann man einige Abenteuer erleben. Zum Beispiel verweigerte meine EC Karte der Deutschen Bank in Zürich aus unerfindlichen Gründen ihre Dienste. Selbst meine Kontenberaterin konnte mir diesbezüglich nicht helfen. In Folge dieser Notlage musste ich einige Stationen mit der Schweizer Bahn ohne Fahrkarte bewältigen. Kein Problem für einen erfahrenen Berliner. Man guckt sich einen Typen aus, der garantiert keine Fahrkarte hat und macht einfach genau das, was der unternimmt. Die Kerle erkennen einen Kontrolleur auf 100 Meter.

Unter dem Eindruck dieser Ereignisse, und vielleicht noch ein bis zwei weiteren in Saigon, Kambodscha und Vietnam, beschloss ich dieses Mal etwas taktischer vorzugehen. Also bestellte ich erfolgreich eine MASTERCARD Prepaidkarte bei der REISEBANK und zusätzlich eine ADAC VISA CARD. Zusammen mit der Maestro der DEUTSCHEN BANK sollte damit alles umschifft sein. Der Plan hätte aufgehen können und es gäbe keine Geschichte für diesen BLOG.

Der ADAC arbeitet mit der LBB zusammen, die als Direktbank neue Karten via Postident – Verfahren übersendet. Ich räume ein, dass ich den Besitz eines ZEITLICH gültigen Personalausweises überbewertet finde. Mein Reisepass ist gültig und in der Regel reicht er völlig aus, um mich auszuweisen. Bis auf dem Vermerk meiner Meldeanschrift, unterscheiden sich beide bekanntlich nicht sonderlich. Meldeanschriften sind bei mir, ähnlich wie Namen, Schall und Rauch. Viel spannender sind Aufenthaltsanschriften und postalische Anschriften, alles andere ist ein reiner Verwaltungsakt. Dafür kenne ich viel zu viele Menschen, die ihre Meldeanschrift letztmalig vor fünf Jahren gesehen haben. ABER ich habe die Rechnung ohne Postident – Verfahren gemacht. Zum Zwecke der VISA Beantragungen reist mein Pass derzeit ohne mich von Botschaft zu Botschaft.

Voller Naivität machte ich mich auf den Weg zu meiner Postfiliale. Unter Art der Sendung steht in Klammern immerhin nur: Ausweis- und ggf. Altersprüfung, Ausweisdokumentation sowie Unterschrift des Empfängers erforderlich. Immer noch guten Mutes legte ich der blässlich wirkenden Dame von der Post meinen ZEITLICH abgelaufenen Personalausweis vor, um meine KREDITKARTE, die an meine POSTALISCHE Anschrift gesandt wurde, abzuholen.

So rein von der menschlichen Betrachtung her, habe ich maximal die Chance, wie Mitte vierzig zu wirken, aber mit Verlaub die geforderten 18 Jahre bekomme ich nicht mehr hin. Das Bild auf meinem ZEITLICH abgelaufenen Ausweis ist auch recht eindeutig zu identifizieren. Bei meinem Führerschein – gültig -, der in meinem Fall noch aus grauen stabilen Spezialpapier besteht und auf dem das Bild eines Siebzehnjährigen prangt, wird es schon komplizierter. Mit Vorlage meines Ausweises bestätige ich also, dass ich es definitiv bin, bislang aber weder die Lust hatte einen Termin beim BZA zu organisieren, noch die horrende Gebühr zu bezahlen, die eigentlich mittels meiner Steuergelder bereits abgegolten sein sollte, zu bezahlen. Denn das Bild ist noch vollkommen in Ordnung, das Ding erfüllt seinen Zweck und mein Geburtsdatum hat sich auch nicht geändert. 

Menschlich! Finde den Fehler! „Nein … ohne zeitlich gültigen Ausweis, kann ich Ihnen hier nichts aushändigen.“ Dabei schaute mich die Dame an, als wenn ich sie aufgefordert hätte, die Tageseinahmen herauszugeben. Hmm … Bild stimmt, Name stimmt, Geburtsdatum stimmt, das Ding sieht verdammt echt aus mit seinem Hologramm, Prägungsmerkmalen … aber: wertlos! Ein Polizist würde mächtig eins auf den Deckel bekommen, wenn er einen vermeintlich Unbekannten, der einen Führerschein, einen zeitlich abgelaufenen Personalausweis, zwei EC Karten, eine Kreditkarte und einen GdP – Ausweis mit Bild vorlegt, zu einer Identitätsfeststellung „eintüten“ würde. Kurzfristig spielte ich mit dem Gedanken zu randalieren und das Eintreffen eines Funkstreifenwagen abzuwarten. Nach wenigen Minuten wären meine Identität geklärt gewesen. Ich beließ es jedoch bei einigen sarkastischen und zynischen Bemerkungen. Hieraufhin beschwerte sich die Dame über meine Unfreundlichkeit.

Ich grinste sie an. „Der Witz ist der, ich kann Sie hier komplett -Durchbeleidigen -, mir wird nichts passieren … denn ich bin für Sie der große Unbekannte!“

DAS ist doch alles nur noch Wahnsinn. Die Geschichte endet mit einem Palästinenser der sich schief lachte. „Siehst Du … ohne Pass existierst Du nicht … jedenfalls nicht, wenn es zu Deinem Vorteil ist. Wenn Sie etwas von Dir wollen … geht es deutlich schneller mit dem Identifizieren.

Irgendwie sprengt das meine Vorstellungskraft. Laufe ich durch das Bild einer modernen Kamera, liefert ein bereits bei der EU entwickeltes Programm, meinen Vor- und Zunamen, meinen Geburtsnamen und die Anschrift, zu der ich meine letzten Pakete haben liefern lassen. Google weiß meine Konfektionsgröße, den WLAN Schlüssel meines Routers, sämtliche Adressen, die Orte, welche ich in den letzten fünf Jahren besucht habe und viele weitere unheimliche Dinge. Ich habe eine ungefähre Vorstellung davon, was mit den Daten geschieht, die mittels Verwendung der Kreditkarte auflaufen. 

Aber … Hey … ohne Zahlung der Bearbeitungsgebühr und Erhalt eines neuen tollen Ausweises, der noch mehr Daten frei gibt, wie die Ausweise zuvor … läuft erst einmal nichts. Jedenfalls nicht bei der guten alten Deutschen Bundespost.

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1 thought on “Der verwaltete Mensch …”

  1. Auch ich war mal auf Reisen. von Tegel mit nem Flieger nach Turkei. Dort drei Wochen quer durchs Land.
    Ohne Probleme.
    Reise endete in Tegel mit 20 DM Busgeld weil mein Perso schon ein Jahr abgelauden war.

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