Zeit für eine Entscheidung …

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Idioten waren in der Antike einst die Bürger, welche sich am politischen Geschehen nicht beteiligten. OK! Aber es gibt auch noch die Situation einer Demokratie, in der die Mehrheit entscheidet, wo es hingehen soll. Leider gehöre ich dieser Mehrheit nicht an. Ich habe beschlossen dies sportlich zu nehmen. Wenn man verloren hat, muss man dies auch mal hinnehmen.

Die Gesellschaft, für die ich einst arbeite oder besser ausgedrückt: der ich mal diente, und ich, finden nicht mehr so richtig zusammen. Das ist weniger dramatisch, als es sich anhören mag. Ich glaubte ohnehin niemals an eine homogene Gesellschaft. Mir gehts hauptsächlich um das deutsche Bürgertum. Ich habe mich hier in meinem BLOG dazu mehrfach geäußert. Ob es nun die Nachwehen nach dem Terroranschlag am Breitscheidplatz, die sinnbefreite Aufregung über „feiernde Polizisten“ beim G20 war oder aktuell um die Geschehnisse beim Rocker Prozess. Alles was sich in diesem Zusammenhang abspielt ist in meinen Augen vollkommener Unfug.

Mir persönlich gehen auch all die windigen Diskussionen über Polizeigewalt mächtig auf den Zünder. In nahezu allen Ländern um uns herum, läuft das Spiel ein wenig anders. Bist Du freundlich zur Polizei, sind die auch freundlich zu Dir. Geht man volle Kanne auf contra, machen die das auch. Ende! Ich bin demnächst ein wenig unterwegs und werde mich tunlichst daran halten. Ich glaube Russen, Chinesen, Laoten, Vietnamesen, Thailänder haben wenig Verständnis für pöbelnde Backpacker.

Irgendwann muss man dann auch mal sagen: Wenn ihr es besser könnt … Bitte! Gestern sagte eine Frau recht unfreundlich zu mir, dass ich mir dies schließlich selbst ausgesucht hätte. Seufz, wie oft bekommt man dies als Polizist gesagt? Letztlich wird dieser Spruch nur noch von: Kümmern sie sich doch mal um die richtigen Verbrecher, überholt. Ausgesprochen wird er meistens von den Leuten, deren eigener Beitrag zur Gesellschaft auf das Zahlen von Steuern beschränkt ist. Da hat man leicht reden.

Wir sagten im Dienst immer: Hilft ja nichts, irgendeiner muss den Job machen. Egal!

Der römische Philosoph SENECA hat sich vor knappen 2000 Jahren ziemlich kompromisslos mit der Lebenszeit auseinandergesetzt. Ich kann jedem wärmstens empfehlen, sich den Text „Zur Kürze der Lebenszeit“  durchzulesen oder anzuhören. Für ihn gehört die Vergangenheit bereits dem Tod und jeden Tag sterben wir ein wenig mehr. Lebenszeit ist das kostbarste Gut unseres Lebens. Jede Stunde des Ärgers, verplemperte Zeit mit Sorgen und Angst, entspricht einem Tausender, den man einfach anzündet. Puff! Weg! Ich bedauere ein wenig, den Text nicht viel früher im Leben geĺesen zu haben. Aber vielleicht musste ich erst einmal dahin kommen, ihn zu lesen. SENECA beschreibt letztlich am Geschehen des römischen Lebens alles, was wir heute auch erleben. Wir kümmern uns um alles nur Erdenkliche, aber nicht um uns selbst. 

Von den Geheimnissen des Flusses aber sah er heute nur eines, das ergriff seine Seele. Er sah: Dies Wasser lief und lief, immerzu lief es, und war doch immer da, war immer und allezeit dasselbe und doch jeden Augenblick neu! Oh, wer dies fasste, dies verstünde! Er verstand und fasste es nicht, fühlte nur Ahnung in sich regen.

Hermann Hesse, Siddhartha, Büchergilde Zürich, 1922, S. 121
Mekong, Ufer Luan Prabang, 2013

Für mich persönlich ist es an der Zeit dies zu tun. Ich lege mir selbst auf, mich von Nachrichten und Politik fern zu halten. Ich bin gern auf TWITTER unterwegs, weil ich dort eine ganze Menge über Menschen dazu lerne, dort wird sich die Aufnahme von Nachrichten nicht vermeiden lassen. Aber Überfliegen hat nichts mit damit Auseinandersetzen zu tun. Wichtig erscheint mir eigentlich nur noch, wenn die Fenster geschlossen bleiben sollen, weil es irgendwo brennt, aber das werde ich auch anders mitbekommen.

Ich habe im letzten Jahr den Nachrichten keine Entwicklung wahrnehmen können, die mich wirklich überrascht hätte. Alles reiht sich einer nachvollziehbaren Logik folgend aneinander. Das sollte eigentlich nicht der Fall sein. Insofern könnte man ab und wann mal stutzig werden, aber es ist recht sinnlos und unwichtig darüber nachzudenken. Der nächste Terroranschlag wird kommen. Die Schubladen gehen wieder auf und die bereits heute geschmiedeten Pläne werden umgesetzt. Die Doofen von der AfD werden weiter ihr bizarres Unterhaltungsprogramm abliefern. Die großen Staaten werden weiterhin die Erde auffressen. Wieder werden Polizisten, Feuerwehrleute, Leute in sozialen Berufen den Kopf hinhalten. Die NERDS werden sich mal wieder etwas Neues einfallen lassen, was den Menschen noch mehr von seiner Ursprünglichkeit entfremdet. Dies und noch noch einiges mehr ist absehbar und damit langweilig. 

Buddha Tempel, Luan Prabang

Auf der vor mir liegenden Reise haben nahezu alle Staaten, bis auf Russland, eine uralte buddhistische Tradition. Womit deutlich wäre, warum ich diese Reiseroute gewählt habe. Bewusst umgehe ich den tibetischen Buddhismus, da ich diesen ablehne. Vielleicht schreibe ich unterwegs mal etwas dazu. Nur so viel: Geister, Naturreligionen und diese ganzen Sekten in Tibet sind mir unheimlich.  Ich glaube ich schrieb es schon einmal in einem Beitrag. Meiner Auffassung nach, erschließt sich ein echtes Verständnis des Buddhismus nicht, wenn man als wohlbehüteter Europäer lächelnd auf einem Meditationskissen sitzt. Je mehr Gewalt man im Leben gesehen hat, Elend, Verwahrlosung, selbst gewalttätig war, um so einfacher versteht man, worum es in dieser Philosophie geht. Nicht umsonst war der legendäre Prinz selbst ganz gut unterwegs und einer der ersten Herrscher, die den Buddhismus einführten war König Ashoka. Bis er Buddhist wurde, war er ein übler Eroberer, der das komplette heutige Indien unterwarf.  

Ich hoffe, auf der Fahrt endlich ein ehrgeiziges Projekt zu Ende zu bringen. Vor einem Jahrzehnt fand das Buch „Die Lehre des Buddho – die Religion der Vernunft und der Meditation“ von Georg Grimm zu mir. Die 415 Seiten haben es Satz für Satz in sich, vor allem wenn man sich auch noch mit den zitierten Texten aus dem Pali – Kanon beschäftigt. 

Die Überschrift lautete: Zeit für eine Entscheidung … Ich habe mich locker 35 Jahre kritisch mit der Politik um mich herum auseinandergesetzt. In dieser Zeit bin ich gegen die Folgen einer für mich heute noch unverständlichen Hierarchie angelaufen, dem entziehe ich mich und gebe den Staffelstab für lange Zeit an andere ab. Das passiert alles auch ohne mich und ich werde nichts mehr am Ablauf ändern. 

Hier soll es nur noch um Menschen an sich gehen. Mal schauen, wen ich alles treffe. Ich werde darüber schreiben.

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