Feste Jungs immer weiter so …

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Demokratie, Grundgesetz, Neoliberalismus, Kommunismus, Nationalismus, Soziale Marktwirtschaft, Rechtsstaat, Parteien … ein Reigen an Begriffen, unter denen sich diverse Interpretationen gliedern. Antworten des Großhirns auf die Probleme, welche entstehen, wenn Menschen das Zusammenleben in einer Horde zu Gunsten einer Massengesellschaft aufgeben. Wie lange halten wir an diesen Strategien fest? Mindestens seit dem Beginn der Industriellen Revolution und dem daraus geborenen Kapitalismus in seinen unterschiedlichen Ausformulierungen. Einige von denen, welche erkannten, dass das in die falsche Richtung geht, ersannen den Kommunismus. Im ersten Zuge war es eine philosophische Überlegung. Was passiert nach den Gesetzen der Logik, wenn sich die Sache mit der Industrialisierung weiter entwickelt? Später, etwa in den 60ger – 70ger Jahren, dachten Philosophen darüber nach, wie sich ein Leben in einer dekadenten Wohlstandsgesellschaft entwickeln würde. Basierend auf den alten Überlegungen, machten sie sich Gedanken darüber, wie der Mensch als monetär bewertetes Gut verwaltet werden wird und sich seine Menschlichkeit erhalten könnte. 

Die Zeit wurde begleitet von furchtbaren Kriegen, Atomwaffeneinsätzen, Hungersnöten, Genoziden, Despoten, Wirtschaftskrisen und Zusammenbrüchen. Jeden Motor, der so unzuverlässig funktioniert, hätten wir längst verschrottet. Seit längerer Zeit erleben wir eine weitere Revolution: die Digitalisierung. Schon in den 20gern des letzten Jahrhunderts, arbeiteten die Strategen des Kapitalismus mit Massenmanipulationen, die komplette Gesellschaften unter die Kontrolle der Auftraggeber brachten. Sie erreichten sogar den Sturz von Regierungen (siehe Veröffentlichungen CIA zur Fruit Company Affäre). In den USA spricht man mittlerweile vom Deep State. Hat das alles noch etwas mit dem ursprünglichen Demokratiegedanken zu tun?

Wo stehen wir 2018? Engagierte Wissenschaftler turnen auf Gletschern in Südamerika, Neuseeland, Europa und Grönland herum und schlagen Alarm. Eisproben ergeben eindeutige belastbare wissenschaftliche Ergebnisse für unseren Anteil daran. Täglich ereilen uns neue Horrorbilder von Plastikmüll in den Meeren. Die Strategen sorgen dafür, dass das Gehirn des im Wohlstand lebenden Bürgers das Problem auf die Dritte Welt abschiebt. Fukushima und Tschernobyl haben gezeigt, was passieren kann. Zur Entwicklung neuer Atomwaffen wurden gigantische Landmassen atomar verstrahlt. Große Teile des Atommülls lagert oberirdisch, weil kein Endlagerort gefunden wird und neueren Erkenntnissen nach, auch nicht gefunden werden wird. Naturkatastrophen häufen sich. Ungebremst werden die Regenwälder abgeholzt, demnächst werden die Meere leiden dürfen, wenn die Manganknollen geschürft werden, obwohl bereits bekannt ist, dass der Vorgang auf hunderte von Jahren alles zerstört. Das immer wiederkehrende Argument: Die Industrie braucht Energie und die garantiert unseren Wohlstand. Ein Wohlstand, an dem global nur ein kleiner Anteil partizipiert. Nahezu alle versierten Wirtschaftswissenschaftler warten auf die nächste große Krise. Parallel wird gerüstet und gerasselt, was das Zeug hält. Vieles findet man nur in den Tiefen des Internets. Ob es die Chinesen sind, die den anderen asiatischen Staaten im Himalaya das Wasser abstellen, die USA sich geopolitisch ihre Pfründe im Nahen Osten sichern und den Keil zwischen Russland und Europa aufrecht erhalten … nichts davon verheißt etwas Gutes für die Zukunft.

Zukunft impliziert zwei Dinge. Folgende Generationen Lebewesen auf diesem Planeten und ein Gewissen, der aktuell Lebenden. Wer sich heute mit Fragestellungen wie Gewissen, Vernunft, ethischen Betrachtungen und ähnlichen Themen auseinandersetzt, wird von den einfachen Gemütern als Gutmensch bezeichnet. In der großen Politik geht es so weit, dass sich Menschen ans Mikrofon stellen und von der Migration als Mutter aller Probleme sprechen. Wer das sagt, ist entweder unter Umständen zu Recht davon überzeugt, dass seine Zuhörer verblödet sind oder ist es selbst. Wenn es Eltern geben sollte, dann sind es die Prinzipien, die diese Migration erzeugen. Die Staaten investieren in Wissenschaftler, die den Stand der Dinge ermitteln, die Zukunft bei ungeänderten Ablauf prognostizieren sollen und brauchbare Lösungen ermitteln sollen. Doch es wird ihnen weder zu gehört, noch werden die geforderten Änderungen eingeleitet. Mit Verlaub, dann hätte man das Geld auch zum Fenster heraus werfen können.

Im Kleinen gibt es engagierte Menschen, die Häuser entwickeln, in denen Menschen mit erheblich reduzierten Ressourcenverbrauch leben können. Längst gibt es neue Verfahren, die Energie liefern könnten. Um sie produktiv einzusetzen, müssten von Menschen gezogene bunte Linien auf Papier überwunden werden. Allen bisherigen Prinzipien müsste eins übergeordnet werden: Das Prinzip der Vernunft – und zwar global. Schaut man Reportagen über innovative Antworten auf die Probleme, stellt man eines sehr schnell fest. Die Lösungen beschränken sich auf einen elitären Kreis finanzkräftiger Personen. Im Gegenzuge werden obszöne Summen für die Verteidigung der bunten Linien ausgegeben.

2018 … ein Energieriese setzt mit aller Macht seine Interessen durch. Der kleine Wald wird den Kohl nicht fett machen. Weder wird er, wie behauptet, das Energiefressproblem der anhängigen Industrieriesen lösen, noch fällt er bei der globalen Situation ins Gewicht. Aber er hat eine Symbolkraft. Junge Menschen haben sich bei Wind und Wetter in den Bäumen verschanzt. Wenn ein Mensch bei unter Null in einem Baum ausharrt, beweist er Engagement und Überzeugung. Unterstützt wurden sie von Anwohnern aller Altersklassen, Förstern und Anrainern. Mich erinnern diese Bilder an die 80ger. Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich an damals 70 – 80 Jährige denke, die von der Polizei weggetragen wurden. Sie verwiesen darauf, dass der Widerstand gegen einen Staat, der sich mittels Polizei gegen seine Bürger wendet, eine Frage des Gewissens ist und ihnen aus ihrer Jugend bekannt vor kommt. 

Wie damals eskaliert die Lage irgendwann. Herbert Marcuse wurde einst gefragt, wie er für sich die Frage der Gewalt beantwortet. Er antwortete, dass Gewalt niemals allein stehend betrachtet werden kann. Gewalt muss sich immer gegen etwas richten und dies kann auch die Gewalt, ausgehend von einem anderen sein. Mit dem Eingriff in die Natur im Umfeld der Anwohner, übt die Landesregierung zusammen mit RWE Gewalt aus. Fraglich ist, ob sie durch die Wahl der Regierung innerhalb eines parlamentarischen demokratischen Systems legitimiert ist. Früher sagte man, das Individuum hat gegenüber den Belangen der Allgemeinheit zurück zu stehen. Hiermit wurden unter anderen Zwischenlager für Atommüll gerechtfertigt. Mir stellt sich die Frage, wie sich das Individuum verhalten soll, wenn nach verständiger und vernünftiger Bewertung die Entscheidungen der herrschenden politischen Elite nicht dem Wohl der Allgemeinheit dienen, sondern ausschließlich der Aufrechterhaltung eines ins Verderben führenden Systems. Mit Sicherheit kann es nicht angezeigt sein, das eine Gruppe aus zehn Leuten sich anmaßt, dies beurteilen zu können. Wenn namhafte Wissenschaftler, Organisationen deren Reputation nicht im Zweifel steht und das Individuum gemeinsam zu diesem Ergebnis kommen, sieht das schon anders aus.

Die Geschichte hat uns gelehrt, dass diverse Entscheidungen, die nicht auf Vernunft basierten, sondern wirtschaftlichen Interessen oder vorübergehenden Eitelkeiten genügten, heute noch sichtbaren Schaden anrichteten. Es gab Leute, die massiv dagegen antraten und mittels staatlicher Gewalt bekämpft wurden. Wer stur auf die Buchstaben des Gesetzes verweist, negiert den Akt des zivilen Widerstands. Doch ob der Widerstand berechtigt war, zeigt sich meistens erst nachträglich. Nun könnte man behaupten, dass auch die Aktivitäten der AfD und der Rechten Bewegung einen zivilen Widerstand darstellen. Persönlich verneine ich dies. Meiner Meinung nach, will dieser Widerstand wohl überdacht sein und darf nicht von sogenannten niederen emotionalen Appellen begleitet bzw. geleitet sein. 

Die AfD und ihre Anhänger bewegen sich ausschließlich auf der Ebene des Appells. Wissenschaftliche Bezüge, die für eine vernünftige Entscheidung notwendig sind werden ignoriert. Spätestens wenn Frau Weidel dezent infantil von ihrem Biologieunterricht erzählt, in dem man ihr etwas über die Photosynthese und CO2 beigebracht hat, wird einem dies klar. Ähnlichen Unsinn geben Curio und von Storch von sich. Mit Vernunft hat das nichts zu tun, eher mit den Auswirkungen der Dekadenz, gegen die der Widerstand zu richten ist. 

Meiner Auffassung nach ist ein Spalt zwischen Politik und Wissenschaft entstanden. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt bedingten sich Wissenschaften und politische Entscheidungen. Heute wird die Wissenschaft nur noch zu Rate gezogen, wenn es der Geldvermehrung dient oder einen militärischen Vorteil verschafft. Das ist nicht vernünftig. Wie beschrieben, ist der Hambacher Forst für mich ein Symbol und eine Denkaufgabe für die nächste Generation. Die Politik handelt unvernünftig, setzt völlig falsche Signale und verschafft einem global agierenden Energiekonzern und energiehungrigen Industrien Vorteile. Die heute 20zig jährigen lernen, dass sich im bestehenden System die Konzerne über die Politik durchsetzen werden, das Feindbild Polizei wird vertieft und die aktive politische Beteiligung wird bereits in diesem Alter ausgebremst. Bravo!

Das Symbol Hambacher Forst bedeutet: In welche Richtung soll es gehen? Bisher werden Industrie und Energieproduzent weiterhin hofiert. Nichts ändert sich. Gorleben, Brockdorf und die Castor – Transporte wiederholen sich. Aber eins ist dann doch neu dabei. Der Landesvater Laschet kann sich auf die rot – grüne Vorgängerregierung berufen. Nach dem Verlust des Status Friedenspartei unter Joschka Fischer, verlieren die Grünen nun auch noch den Status Umweltpartei. 

Ich betrachte das politische Geschehen in der Gesellschaft ein wenig analog zu einem Team. In jedem Team muss es eine Starke Fraktion geben, die gegen die gängigen Entscheidungen der Mehrheit argumentieren. Ein intelligenter Teamführer wird diese Fraktion stützen und zuhören. Unter dem wirtschaftlichen Druck einer Wohlstandsgesellschaft, die nichts Schlimmeres kennt, als Einschränkungen hinnehmen zu müssen hat sich ein politischer Einheitsbrei entwickelt, der seitens der PR Strategen unterstützt wird. Kritische Geister verlieren ihre politische Heimat. Die Folge ist außerparlamentarischer Widerstand.

Die beiden aktuellen in den Medien favorisierten Vordenker Precht und Lesch haben es auf unterschiedlichen Wegen gut zum Ausdruck gebracht. Precht hat auf die ernsthaften Bedrohungsszenarien für die globalen Gesellschaften hingewiesen. Zu denen auch der ungebremst steigende Energiehunger und die Förderung von Techniken (z.B. Bitcoins) gehört, die diesen noch steigern. Lesch wird nicht müde, auf die Unvernunft der Menschen hinzuweisen, die einen Eingriff in diese Szenarien verhindert. Es bleibt die Frage offen: Wie begegnet man Unvernunft, die täglich von Profis am Leben erhalten wird. Der Kampf kann theoretisch am effektivsten bei denen ansetzen, die ein Interesse an einem irrationalen Handeln zur Mehrung ihres Vermögens bzw. Aufrechterhaltung eines sie begünstigenden Systems besitzen und ihren Dienstleistern. Zum Beweis muss man sich nur die Internetpräsenz von RWE ansehen. Sie ist ein Schulbeispiel für Greenwashing und PR Strategien zur Übertünchung dessen, worum es tatsächlich geht. Warum setzen kritische Journalisten dort nicht an? Was wäre, wenn auch die Boulevardpresse über die Aktivitäten von RWE in Südamerika berichten würde, statt nur auf die Demonstranten hinzuweisen? Wie wäre es, wenn die großen bunten Blätter dieses fadenscheinige Aufforstungsprogramm an den Pranger stellen würden? Vielleicht könnte man bei Taff dem Promimagazin auch mal die Anwohner zu Wort kommen lassen. Dies alles wird nicht passieren. 

Am Ende möchte ich auf einen Auszug bei Wikipedia hinweisen:

Die gewachsene, traditionelle Unternehmenskultur von RWE ist stark von der Verwurzelung im rheinischen Bergbau und der Montanmitbestimmung geprägt. Sie ist konsensorientiert und bürokratisch.[64] Charakteristisch für den Konzern ist die wechselseitige Einflussnahme durch und auf kommunale Anteilseigner. Diese ist durch nach Aktiengesetz nicht vorgeschriebene[65] Regionalbeiräte institutionalisiert, in denen lokale Politiker, Vertreter städtischer Energieerzeuger und weitere Interessenvertreter sitzen.[66] Diese erhalten von RWE eine Aufwandsentschädigung in Höhe von jährlich 6650[67] bis 7400 Euro.[68] Das Kopfnicken mit Büffetbezeichnen Kritiker des Konzerns als „legalisierte Korruption“.[65][67][69] Nach einem Rechtsstreit des Beirats Napp vor dem Bundesverwaltungsgericht müssen seit 2011 die kommunalen Beiräte die Vergütung abführen.[70]

Auch kam es in diesem Zusammenhang in der Vergangenheit immer wieder zu direkten Zuwendungen an Kommunal- und Landespolitiker; so wurde im November 2004 bekannt, dass RWE unter anderem an Hermann-Josef Arentz 60.000 Euro jährlich bezahlt und kostenlos Strom geliefert hat. Ebenso wurden an den CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer 81.800 Euro gezahlt und kostenlos Strom geliefert. Der Konzern begründete die Zahlungen mit einem „Kommunikationsfehler“. Durch diese sog. RWE-Affäre geriet RWEs Lobbyismuspolitik generell in die Kritik.

Lobbyisten des RWE-Konzerns beziehen über die SPD Hausausweise des deutschen Bundestags, mit denen sie direkten Zugang zum Gebäude haben.[71][72]

Seite „RWE“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 13. September 2018, 21:38 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=RWE&oldid=180886705 (Abgerufen: 14. September 2018, 12:07 UTC)

Bei mir bleiben wenige Fragen offen.

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