Wer hat es möglich gemacht?

Reading Time: 10 minutes

So sehr ich mich auch bemühe, es ist nahezu unmöglich, sich dem allgemeinen Irrsinn zu entziehen. Kopfschüttelnd lese ich in den Nachrichten und in den Social Media die Kommentare zu den Ereignissen der letzten Wochen. In Berlin haben sich alle auf Frau Koppers eingeschossen und bundesweit nehmen sie sich Maaßen vor. Irgendwo muss doch einer sein, der an allem Schuld ist. Stets frage ich mich: Was zum Teufel habt ihr denn erwartet?

Maaßen stellte öffentlich den Begriff «Hetzjagd» in Zweifel. Zunächst müsste jemand die Frage beantworten, was denn eine Hetzjagd eigentlich ist. In meinem Verständnis jagt eine Gruppe einen Einzelnen durch die Straßen bis er nicht mehr wegrennen kann und verprügelt oder tötet diesen. Durchaus kommt dies immer wieder vor. Viele Ereignisse dieser Art werden aber nicht angezeigt, weil es sich bei den Opfern meist um Flüchtlinge handelt, die dankbar sind, mit dem Leben davon gekommen zu sein. Hat so etwas in Chemnitz stattgefunden? Den allgemeinen Berichten nach nicht.

Ein bedrohlich wirkender Mob, zusammengesetzt aus den üblichen hasserfüllt vor sich hin brüllenden Grenzdebilen zog durch die Stadt. Mob/ilisiert wurden sie von im Hintergrund agierenden Strategen der rechten Szene. Weder die immer mal wieder vorkommenden Hetzjagden, noch die Existenz von rechten straff organisierten Gruppen wird gern zugegeben. Solche Sachen mundgerecht und halbwegs verkäuflich zu formulieren, ist einer der Jobs eines Verfassungsschutzpräsidenten.

Wer etwas anderes erwartet ist naiv oder verfolgt eigene Ideen. Die Versetzung in ein höheres besser dotiertes Amt, entspricht dem Standardprocedere im Öffentlichen Dienst. Jeder, der dort beschäftigt ist, kennt das. Das hat nichts mit Politik zu tun, sondern ist Alltag im Höheren Dienst. Wer dies kritisiert, rüttelt an den Grundsätzen der Traditionen. Seehofer und Konsorten machen schlicht das, was sie immer schon taten. Da kann sich Frau Nahles noch so vor den Kameras betont streitlustig geben, wäre es einer der SPD, würde es nicht anders laufen. Ich glaube auch fest daran, dass das der Deal war. Ihr dürft ein wenig ins Mikrofon maulen, aber am Ende stimmt ihr laut knirschend zu. Vermutlich wurde es deshalb nicht einmal sonderlich gut vertuscht. Warum sollte etwas versteckt werden, was alltäglich in jeder Behörde glatt durchgeht?  Trotzdem hat es etwas Lächerliches an sich.

Maaßen ist ein Behördentechnokrat – mit Sicherheit, ist der weder links noch rechts. Er ist einer, der stets im vorauseilenden Gehorsam entscheidet. Sonst wäre er nicht auf dem Posten gelandet. Seehofer offenbarte, dass er die Fachkompetenz im Bereich der Inneren Sicherheit schätze. Immerhin ist er Jurist und kennt sich mit Ausländerrecht aus. Bei Kurnaz, der auf verschlungenen Wegen in Guantanamo landete, mochten sie seine Expertise nicht – aber alles um Kurnaz herum, ist ohnehin eine gigantische Tretmine, deren Sprengstoff sich aus BKA, BND, CIA und einigen anderen Beteiligten zusammensetzt. Manch einer sollte sich mal im Stillen überlegen, ob so ein Verfassungsschutzpräsident eine ganze Menge weiß und deshalb nicht spontan kalt gestellt werden sollte.

In Berlin geht es eine Nummer kleiner. Die vermeintlichen Bösewichter heißen Koppers, Kandt und Geisel. Mindestens Koppers und Kandt sollen persönlich für die maroden Schießstände und die daraus resultierenden Erkrankungen von Polizisten verantwortlich gemacht werden. Die beiden könnten einem beinahe leidtun, wenn sie nicht genau für solche Situationen verdammt viel Geld bekommen würden. Ich habe das immer Risikozulage für Führungskräfte genannt.

Wie sieht es denn kurz zusammengefasst aus? Die Berliner Schießstände sind bereits seit Jahrzehnten vollkommen veraltet. Die Anlage in der Bernauer Straße wurde einst von den Alliierten übernommen. In einer der Hallen fand das Training der Spezialeinheiten statt. Geschossen wurde nach optischen Kriterien. War die Luft blau und niemand konnte mehr die Scheiben sehen, wurde eine Pause eingelegt. Die am Boden liegenden Hülsen wurden mit der bloßen Hand aus dem mit Schwermetallen verseuchten Schlacke Boden eingesammelt. Jeder, der dort war, musste sich bei einem Gedanken mehr, darüber bewusst sein: Das kann nicht gesund sein.

Und wie Polizisten halt so sind: Was solls … haben ja nichts anderes. Weiter machen. An mehreren Stellen muss dies Sachbearbeitern klar gewesen sein. Fest steht, es geht und ging auch anders. Im gleichen Zeitraum bekam das BKA in Berlin – Treptow eine Anlage vom Feinsten hingestellt. Da stand der kleine Berliner Beamte mit großen Kulleraugen und dachte sich: Irgendwie verarschen die mich. Aber auch in dieses Schicksal kann man sich fügen. Die vom Bund bekommen alles und wir sind der Dreck unter den Fingernägeln.

Erste Feststellung: So bitter es auch sein mag – alle haben es mit sich machen lassen. Jederzeit hätte jede weitere Schussabgabe dort verweigert werden können.Wusste dies der Präsident? Ja! Vielleicht wusste er nicht, wie gefährlich die Beeinträchtigung ist. Aber er hat in seinem Leben genug Schießstände gesehen, um zu wissen: Die Dinger hier, welche ich bereits in meiner Dienstzeit beim SEK Berlin kennenlernte, sind nicht der Stand der Dinge. Wusste dies Frau Koppers? Ich weiß nicht, ob sie jemals im Leben eine Waffe in der Hand hatte, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie jenseits des Papiers ansatzweise ein Verständnis von Polizeidienst hat. Sie hat einige Dienststellen besucht und sich prompt beim SEK am Augustaplatz in die Nesseln gesetzt, aber wirklich Durchblick? Äh … Nein!

In Ihrer Zeit als Vizepräsidentin hat sie jedenfalls aus meiner Sicht nichts getan, worüber es sich lohnt, ernsthaft nachzudenken. Halt der übliche Dumpfsinn von Quereinsteigern auf der Durchreise.Auch wenn es erst einmal nicht danach aussieht, für mich gehören die aktuellen Meldungen bezüglich der in Berlin ihr Unwesen treibendes Clans mit dazu. Die sind nicht vom Himmel gefallen. Und wenn es nicht die Clans sind, dann sind es die Vietnamesen Banden, die Camorra (welche die Berliner Täter gern mit Falschgeld und Waffen verssorgt, oder auch gern zusammen mit den russischen Banden die Abnehmerseite stellt). Sie existieren in Berlin seit Jahrzehnten. Viel spannender finde ich die Tradition des Leugnens, wenn sie sich mal ein paar Tage ruhig verhalten. Dies wird dann sofort als Erfolg verkauft. So ein Blödsinn – sie wurden nur in Ruhe gelassen und konnten entspannt ihr Ding durchziehen.Spannend ist es auch, dass immer Leute aus der Deckung hervorgekrochen kommen und irgendetwas von Social Profiling, Rassismus und ähnlichen Quatsch von sich geben, wenn die Herrschaften mal etwas härter angefasst werden. Wer auf der Straße wie ein Puma im Käfig hin – und her läuft, sich in alle Richtungen absichert und mit einer dicken Karosse durch die Gegend fährt, die er nicht mit sauer verdientem Geld gekauft haben kann – ist verdächtig und verdient es kontrolliert zu werden. Wenn ein Kulturverein sämtliche Scheiben verklebt und einen Aufpasser vor der Tür zu sitzen hat, führt nichts Gutes im Schilde. Kein zwanzigjähriger Arbeitsloser gedenkt in nächster Zeit ein 50.000 EUR Fahrzeug zu kaufen, also hat er nichts in der Karre mit Händlerkennzeichen zu suchen. Alles im Bereich Rollberg – Kiez, Neukölln – Süd, Müllerstr., Pankstr. und Umgebung ist ein gefährlicher Ort. Die Polizei hat dort gefälligst jederzeit ohne weitere Gründe Personen kontrollieren zu dürfen. Wer sich breitbeinig, posend, mit einer Topfdeckelfrisur und dicken Armen durch die Straßen schiebt, ist verdächtig. So einfach könnte es sein. Außerdem sollten in diesen Bereichen spezielle Einsatzkräfte mit passender Ausbildung und Personenkenntnis in ausreichender Zahl eingesetzt werden. In der Potsdamer Straße machte man jahrelang nichts anderes – und zwar mit Erfolg. Weit über die Clans hinaus ist eine Frage ausschlaggebend: Warum immer dieses Gerede von den armen Unschuldigen und den wenigen Verdächtigen? Meiner Berufs- und Lebenserfahrung nach, entscheidet sich ein erfahrener Zivilfahnder selten für den Falschen. Ist doch mehr als praktisch, dass sich die Straßenkriminellen mittels uniformierten Auftreten selbst stellen.

In den höheren Regionen der Kriminalität wird es schon deutlich schwieriger.Wo ist die Verbindung? Wir, also die es tun, regen uns über die zugrundeliegenden Prinzipien auf. Das Prinzip, dass sich Leute ab einer gewissen Machtfülle gegenseitig selbst nach oben hieven. Wobei ich eine gewisse Schweigebesoldung bei einem ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten angezeigt finde. Wir wollen ja nicht, dass der Mann beginnt Bücher zu schreiben. Bei der Schießtraineraffäre hängen unzählige Leute mit drin, die alle eins getan haben: Sie haben die Sparpolitik auf den Knochen der Beamten ermöglicht und nicht im Kleinen und auch nicht im Großen, gegengehalten. Von A10 an, bis in die B Tarife, haben sich alle benommen, als wenn sie ihr eigenes Portemonnaie verteidigen und haben mitgemacht. Dumm gelaufen und es wird weiterhin so laufen. Der aktuelle Aufstand ist einem uralten Milieu Gesetz geschuldet.

Wenn Du Mauscheleien betreibst, musst Du ausreichend für die anderen springen lassen. Machst Du das nicht, fangen sie an zu reden. Bei der Mafia werden zusätzlich unangenehme Sanktionen angedroht. Nun, die Polizeibehörde ist am Ende mit ihren Drohungen. «Dann werden sie nicht befördert!» Ui! Das wird ohnehin nicht passieren … also Feuer frei.

Warum wird ein Maaßen einfach ins nächste Amt befördert? Weil sie es können! Warum wird die Karriere einer glatten angepassten Führungsperson, wie sie Frau Koppers darstellt, einfach weiter im System belassen?
Na, weil die anderen genauso sind und sie es können. Gelten unten die gleichen Bedingungen wie weiter oben? Nein! Auch dies ist ein Prinzip. Ein Polizeikommissar bekommt für einen billigen Plastikkugelschreiber ein Disziplinarverfahren wegen des Verdachts der Vorteilsannahme, ein Direktor ist beim Speisen mit öffentlichen Vertretern in der Situation, die Behörde passend zu vertreten. Gleiches gilt für Politiker, die zusammen mit einem Lobbyisten ganze Menüs herunterwürgen müssen. Einer muss es ja tun. Wie erläutert man dies der Kassiererin im Supermarkt, die wegen 25 Cent ihren Job verliert?Dieser kleine feine Unterschied, dass in unserer Gesellschaft nicht die gleiche Messlatte angelegt wird – stört uns. Und dann erkranken und sterben auch noch welche, während sich das Prinzip verkörpert von Frau Koppers, fortsetzt. Die «Glatten» kommen immer durch. Jene, welche durch ihren Dienst auf dem Abschnitt, in der geschlossenen Einheit oder Zivil die echte Polizei darstellen, schauen in die Röhre. Besonders bei den Leidtragenden der Schießtraineraffäre finde ich das tragisch. Alle die dort in Erscheinung treten, sind Beamte, die nicht nur in dieser Funktion 100 % gaben, sondern auch auf anderen Dienststellen, trotz aller besonderen Widrigkeiten in der Berliner Polizei ihre Knochen hingehalten haben. Da gibt es viele Gründe in der Persönlichkeit eines Menschen, warum man dieses macht. Am Ende sitzt man da und hört den gelackten Schreibtischtätern der Gesellschaft zu und erkennt, für wen man dieses getan hat. Klaus Kandt war noch der Schlaueste von allen.

Er hat rechtzeitig erkannt, wie es läuft, und hat sich einen Weg nach oben gesucht. Das ausgerechnet er mal Leuten Steine in den Weg legt, die Berlin verlassen wollen, um eine faire Chance zu bekommen, ist quasi Klassiker. Doch das sind die Regeln, wenn Du einen Pakt eingehst.Im Fernsehen triumphieren die Underdogs oftmals, doch das ist nicht die Realität, sondern das Bedienen eines Wunsches. Es ist ungemein menschlich, sich auf die Namen und Personen zu fokussieren. Mich persönlich interessiert mehr das Drum herum, welches jenes Verhalten fördert und das andere zum Werkzeug verkommen lässt. Wie heißt es doch: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wenn ich Menschen von ihrer Person ablöse und sie zu einer Alphanumerischen Variabel umwandele, in der die Position im Alphabet und die Höhe der Zahl darüber entscheidet, wie ich mit ihm umspringe, hat das meiner Meinung nach nichts mit Würde zu tun.Wo ist der Bezug zu den Clans bzw. Kriminalität? Ich wiederhole mich. In einer Gesellschaft, in der Statussymbole, Titel und das Talent, sich in einer Hierarchie nach oben zu boxen, ausschlaggebend sind, hingegen Lebensleistung, Verantwortungsübernahme, kritisches Denken, Persönlichkeit, für einen sozialen und monetären Aufstieg eher hinderlich sind, braucht sich nicht niemand zu wundern. Vor einiger Zeit las ich ein Buch über die Berliner Sparvereine in den Zwanziger Jahren. Einer der Vorsitzenden dieser Kriminellen sagte zu den Satzungen des Vereins: «Betrügen, Diebstahl, Prostitution sind nicht ehrenrührig, dass macht jeder Politiker auch … nur anders.»Ein ziemlich penetrant in meiner Timeline bei Twitter auftretender Bekannter, forderte von mir eine Aussage ein, wie ich es denn ändern wolle bzw. welches System ich favorisieren würde. Mit System hat das nichts zu tun. Es sind soziologische Prozesse, die mit Sicherheit nicht Leute wie ich ändern werden.

Georg Grimm schreibt in der Einführung zum Buch «Die Lehre des Buddho» :« … Religiös ist aber eine Weltanschauung, wenn man sich seinem Gewissen verpflichtet fühlt, auch auf eine Sicherung seiner großen Zukunft nach dem Tode bedacht zu sein, sich an diese Verpflichtung gebunden erachtet (religatur), gleichviel ob man dabei an einen persönlichen Gott glaubt oder nicht.
Das ist der eigentliche Sinn des Begriffs Religion, so befremdend diese Definition dem modernen, in diesem Sinne durchaus areligiösen Menschen auch erscheinen mag. Wegen dieser seiner Gewissensverpflichtung sieht sich ein religiöser Mensch insbesondere genötigt, sein Handeln nicht mehr ausschließlich auf die hemmungslose Befriedigung der Gier nach sinnlichen Genusse einzustellen, sondern auch die Folgen zu erwägen, die sich aus einem solch brutalen Egoismus für das kommende Leben ergeben könnten. … Fehlt diese das Gewissen verpflichtende Hemmung, so kann es höchstens zur Zivilisation kommen, zur Verfeinerung der Genusssucht, zu deren Befriedigung man auch nicht vor den brutalsten Mitteln zurückschreckt.»

Georg Grimm, Lehre des Buddho

Ob es dem einen oder anderen angeblich abgebrühten Polizisten gefällt oder nicht, die meisten haben eine Bindung an etwas, woran sie glauben. Die Präsentation der raumfüllenden Egos, denen das Geschehen auf der Straße längst am « …» vorbei geht, kann einem manchmal die Beherrschung rauben. Ich habe im Dienst immer gesagt: Könige fallen nicht vom Himmel. Ohne Untertanen gibt es keine. Wir haben dieses System mit gestaltet, nun dürfen wir nicht meckern. Dem einen oder anderen Kommissariatsleiter hat dieser versteckte Aufruf zum Königsmord nicht gefallen, aber ich stehe heute noch dazu. Alles was da aktuell passiert, ist auch unser eigener Verdienst. Vielleicht regen wir, also nochmals hervorgehoben – die sich daran beteiligen -, uns letztendlich über uns selbst auf.

Noch einmal auf die Clans heruntergebrochen: Wenn es gesellschaftlich schick und anerkennenswert wäre, mit Einhornkostümen durch die Gegend zu laufen, würden sie es tun. Bekanntermaßen sind aber Kreditkarten, fette Autos, schicke temporär angesagte Klamotten über die Chancen bei der Befriedigung des Sexualtriebes und Respektbezeugung, entscheidend. In anderen Kreisen ist es die Besoldungsgruppe, der Farbstift, das Haus im Berliner Norden und der dunkle gediegene Dienstwagen, um das Bedürfnis zu Befriedigen, nicht einer in der Masse zu sein.

In einem Konstrukt, wie dem Öffentlichen Dienst, kann das skurrile Blüten treiben.
Mir sagte mal ein durchgeknallter Kommissariatsleiter:

Schau mal auf den Boden! Hast Du jemals zuvor auf einer Dienststelle gearbeitet, in der Teppich ausliegt? Also hör auf Dich zu beschweren.

EKHK T.

Trotz aller Eskapaden, die er sich leistete, wurde er immerhin auf die Stelle A13 gesetzt.Abschließend habe ich noch ein kleines Beispiel. Ich durfte mal bei einer Versammlung der Führungselite der Berliner Polizei Zaungast spielen. In der Mitte saßen die jungen Paladine und heuchelten Aufmerksamkeit. Vorn saß der Präsident, Leiter Schutz- und Kriminalpolizei. An den Seitenwänden des Raumes hatten es sich die Abteilungsleiter und einige Direktionsleiter bequem gemacht. Vier von ihnen dösten nach fünfzehn Minuten weg. Je jünger die anwesenden Räte waren, umso höher war der Anteil ihrer Fragen, die nur positiv beantwortet werden konnten. Mein eigener Leiter erschien verspätet und trug einen Einsatzanzug mit Oberschenkelholster (in Berlin bis zu diesem Zeitpunkt Spezialeinheiten vorbehalten/ inkl. des Overall), weil er mit seinen «Jungs» noch schießen war.

An diesem Tag habe ich viel gelernt. Ich erinnerte mich auch an die Worte eines nicht mehr amtierenden stellvertretenden Leiters des LKA.

Sehen sie zu, dass Sie so schnell wie möglich nach oben kommen. Voller Status, nahezu Unantastbarkeit bei wenig Arbeit.

Den Zeitpunkt nenne ich nicht, ich will den armen Kerl nicht kompromittieren. Doch ich bleibe dabei … wer macht es jeden Tag erneut möglich und erhält dies am Leben?

Und den mitlesenden ehemaligen Kollegen aus dem Höheren Dienst teile ich hier mit: Ich weiß sehr gut, dass nicht alle so unterwegs sind. Ich weiß, dass ihr versucht Euren Beitrag zu leisten, damit dies nicht immer weiter geht. Aber ihr wisst auch, dass ich nicht völlig daneben liege und ihr regelmäßig Eure Zugeständnisse machen müsst. Sonst wäret ihr nämlich nicht an der Spitze. Und es gilt auch: Es gibt immer einen, der noch höher ist. Aber mal ehrlich: Bei Koppers, Kandt, Geisel, Maaß wird die Luft schon ganz schön dünn. Da haut sich niemand mehr gegenseitig die Beine dick.Ich bin dann mal weg und auf dem Wege nach Asien … über solche Themen schreibe ich erst wieder nach meiner Rückkehr.

Vielleicht aber auch nicht. Unter Umständen interessiert mich das alles dann auch nicht mehr. Viel Glück den ehemaligen Kollegen von B.I.S.S. und allen, mit denen ich in den letzten zwei Jahren gesprochen habe, die noch etwas ändern wollen. Diejenigen wissen selbst, wen ich meine. Ach … und denen, die sich nach mir erkundigten, sei gesagt, ich bin nunmehr pensioniert, sie müssten sich schon privat an mich wenden. Kontaktformular ist auf der Seite.





Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.