Huayxay – nur Durchreise?

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Laos. Backpacker, die nach Laos einreisen nehmen normalerweise den Standardweg. Von Chiang Rai aus nimmt man den Bus und fährt zur Bridge of Friendship, um dort die Grenze zu überschreiten. Von dort aus geht es direkt auf den Mekong, um mit dem Slowboat zum Weltkulturerbe Luan Prabang zu fahren. 2013 hatte ich mit meinem Kumpel Hardy die Strecke bereits aus der anderen Richtung bewältigt. Bei der Vorbereitung bin ich über eine Randnotiz im Reiseführer Lohse gestolpert. Im Grenzort Huayxay, der bereits in Laos liegt, würde es eine Einrichtung zur Unterstützung der laotischen Bergvölker geben. Dort könne man helfen, beim Kochen unterstützen und im Zweifel nur übernachten. Bisher weiß ich nicht viel über die Hilltribes, wie sie auch genannt werden, außer der Tatsache, dass sie im Vietnamkrieg missbraucht wurden und einen hohen Blutzoll für einen Krieg zahlten, der mit ihnen nichts zu tun hatte.

Als ich von der Grenze aus losfuhr, wies ich den Took Took Fahrer an, er solle mich zunächst ins Stadtzentrum bringen. Ich hatte mehr als Glück. Ich spazierte ins Guesthouse, vor dem er mich abgesetzt hatte, fragte nach einem Zimmer, bekam ein Einzelzimmer mit allem Notwendigen für 8 EUR und war glücklich. Die Grenze hatte ich zusammen mit dem deutschen Pärchen am Vortage überquert. Auch hier ein paar kleine Hinweise für Mitleser, die Ähnliches vor haben. Wer kein VISA hat, braucht ein VISA per Arrival. Das kostet 30 US Dollar – und auch nur diese nehmen sie. Dabei legen sie Wert auf neue Scheine. Alte sind ihnen suspekt. Nebenbei schwerer Fehler: Mir wären aus beruflicher Erfahrung heraus, die Neuen wesentlich verdächtiger. Auf der thailändischen Seite gibt es einen ATM, an dem man ausreichend Bath ziehen muss, die man dann beim Exchange tauschen könnte. Der Kerl dort macht sich einen Spaß daraus, alte Scheine herauszugeben, obwohl er Neue hat. Dabei ist das gar nicht notwendig. Was einem keiner sagt ist die Tatsache, dass man nach Durchschreiten der thailändischen Grenzkontrolle bei einer freundlichen Dame landet, bei der man ein Busticket für 20 Baht kaufen muss. Mit dem Bus wird man dann über die «Bridge of Friendship» gebracht. Die freundliche Frau verkauft aber nicht nur Tickets, sie tauscht auch ohne Gebühren Baht in druckfrische Dollar und Laotische Kip. Wie beschrieben – man muss es nur wissen. Auf der laotischen Seite wird man entweder nach Ausfüllen des obligatorischen Einreisezettels und vorhandenen VISA quasi durchgewunken oder eben die neuen Dollar entrichten.

Hinter der Kontrolle warten bereits die hervorragend organisierten Took – Took – Fahrer. Verhandeln mag sportliche Aspekte haben, doch bei der Strecke in die Stadt hinein reden wir von 5 EUR. Zusätzlich schwirren Schlepper der Reiseagenturen herum, die selbstverständlich das einzige beste Angebot für die Bootstour auf dem Mekong anbieten. Soviel ich weiß, gibt es ein Public Boat und eins für Touris. Ähnlich wie bei der Fahrt in Richtung Chiang Rai. An dieser Stelle ein kleiner Hinweis bezüglich des Reiseführers Lohse. So gut er auch sein mag, für Low – Budget Orientierte ist er mit Vorsicht zu genießen. Viele günstige Guesthouses tauchen schlicht nicht auf.

Am Tag meiner Ankunft tobte in den Abendstunden in Huayxay das Leben. Die Laoten feierten das Drachenboot Fest. Ich habe erfolglos versucht ein System zu erkennen, weil ich mir natürlich die beste Stelle aussuchen wollte. Ich habe nicht herausbekommen, an welcher Stelle die großen Papierboote zu Wasser gelassen wurden. Es war einfach zu voll. Die Hauptstraße war mit allen möglichen Ständen gesäumt. Zu Essen gab es auf jeden Fall genug. An einem Stand konnte man mit Luftdruckpistolen schießen. Vom Pistolenschießen verstehe ich ein wenig. Ich habe keine Ahnung warum, aber laotische Jugendliche sind verdammt gut darin. Die Packen einen Deutschuss hin, der beeindruckend ist. Ich zog mich ein wenig zurück und fand einen Zugang zum Mekong in der Nähe meines Hotels. Dort ließen dann einige junge Mönche ihre Blumeninseln zu Wasser. Bis tief in die Nacht waren die Familien mit Kind und Kegel unterwegs. Die Spuren sah ich dann am nächsten Morgen. Die halbe Stadt schien mir ein wenig verkatert zu sein.

Doch ich war immer noch neugierig auf das beschriebene Projekt. Viermal gab ich die Adresse auf Maps.me ein. Jedes Mal zeigte es mir an, dass sich die Einrichtung quasi auf der Rückseite meines Guesthouses befand. Ich konnte nicht fassen, dass ich mehr oder weniger per Zufall exakt an der richtigen Stelle gelandet war. 150 Meter Fußweg später, war ich schlauer. Es war genau dort, wo es sein sollte. Ich glaube weder an Schicksal, noch an Schuld und Teufel, aber manchmal ist es wirklich verrückt. Ich habe solche Dinge schon mehrfach erlebt. Besonders in Erinnerung ist mir geblieben, wie ich in den Achtzigern mit meiner Mutter quer durch Polen fuhr, um einen Welpen abzuholen, den uns eine Polin schuldete. Mehr oder weniger verzweifelt rannte meine Mutter, und ein Freund der Familie, mit einem Zettel in der Gegend herum und konnten nicht fassen, dass die freundlichen Passanten immer auf ein Haus zeigten. Wir waren traumwandlerisch genau an der richtigen Adresse gelandet.

Hohm

Ich bin mittlerweile weder durch Armut, Kinder, noch durch kleine Katzen, Romantik oder Engagement zu beeindrucken. Doch wenn alles zusammen kommt, ist das unfair. Was für ein Projekt! Der Besucher läuft eine Treppe hinauf und landet in einer anderen Welt. Eben war man noch in einer typischen laotischen Stadt mit Durchgangsstraße, den im kurzen Takten vorbei trötenden Rollern mit Dreier – Besetzung, laut den Abend Feiernden und grillenden Laoten, und plötzlich ist man bei den Hohms. Holzbauten auf Stelen, Holzkohleofen aus Lehm, ein Topf auf einem Holzfeuer, eine schwach beleuchtete Küche mit eifrig schnippelnden Frauen, herum rennende Kinder aller Altersklassen und ein rundherum, als wenn man sich Mitten im Dschungel befinden würde. Wow! Hinzu kamen noch ein paar kleine Mini – Katzen, die sich mit einigen Hühnern stritten.
Freundlich wurde ich von einer jungen Frau Anfang Zwanzig begrüßt. Bereitwillig zeigte sie mir eine der Holzhütten. Alles vorhanden. Strom, eine Dusche und ein Doppelbett … Ambiente ohne Ende und eine sagenhafte Ruhe, mit der Garantie von laut singenden Mönchen des angrenzenden Klosters geweckt zu werden. Spontan stotterte ich: «Two Nights?

Tomorrow?», die hatten mich einfach überrumpelt. Eigentlich wollte ich Huayxay nach zwei Nächten den Rücken kehren. In einem einfachen ausgelegten Prospekt las ich den Hinweis der aus Holland stammenden Initiatorin: «Huayxay, ist für viele Reisende nur ein Ort zur Durchreise, dabei ist es das Eingangstor für Nord -Laos.» Recht hat sie. Ich habe gerade Zeit und werde mir die Sache näher anschauen. Selten habe ich ein Platz in meinem Leben kennengelernt, der mich spontan so beeindruckt hat.

Fortsetzung folgt …

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