Drogen und kein Ende

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Aus gegebenen Anlass, und der Tatsache, dass ich heute keine Lust auf Sightseeing habe, möchte ich etwas zu einem Thema schreiben, welches mich fast mein gesamtes Leben begleitet. Die Rede ist von harten Drogen. Ich befinde mich diesbezüglich in einem Zwiespalt. Einerseits gibt es Lebende, denen ich nichts in Erinnerung bringen will und andererseits ersehe ich aus meinem eigenen Leben eine Verpflichtung, etwas abzuwehren.

Schon vor langer Zeit ärgerte ich mich maßlos über eine Broschüre des Senats, die der Drogenprävention dienen sollte. Alle Drogen wurden dort auf ein Niveau gehoben. Cannabis wurde als die Einstiegsdroge schlechthin für Opiate wie Heroin dargestellt. Das ist ein gefährliches Unterfangen. Der Heranwachsende probiert Cannabis aus, stellt beim ersten Mal unter Umständen keinerlei Wirkung fest oder bemerkt den ausbleibenden sofortigen Suchtdruck. Wer sagt dem Heranwachsenden, dass die Spaßbremsen bei den anderen Drogen nicht ebenfalls gelogen haben? Warum nicht mal eine Prise Heroin sniefen? Warum nicht beim nächsten Mal intravenös spritzen. Aus mir unerklärlichen Gründen erfährt Heroin nach einer längeren Pause wieder Aufwind. Ich wäre davon ausgegangen, dass Drogen wie Heroin, Kokain, Opium nach und nach vollständig von den synthetischen Drogen verdrängt werden.

Heranwachsende bezweifeln grundsätzlich die Authentizität des den Finger hebenden Mahners. Ein: «Ich weiß, wovon ich rede!» , reicht selten aus. Im persönlichen Gespräch lässt sich dies meist schnell ausräumen. Wenigstens Abhängige merken verdammt schnell, mit wem sie reden. Ich will es mal so sagen: Ich hatte mal einen Freund, der seine eigene Drogenkarriere mit einem Suizid 1989 beendete. Sein Leben und sein Tod haben mein Leben über Jahre hinweg beeinflusst. Durch ihn lernte ich in den Achtzigern viele Heroinabhängige und ihre Biografien kennen. Die komplette Diskussion und Bezeichnung bezüglich Einstiegsdrogen ist schwachsinnig. Entscheidend ist, dass jemand gewillt ist Drogen zu konsumieren und was er damit bezwecken will. Viele hängen irgendwo mit anderen Leuten ab. Ist davor schon einiges schief gegangen, finden sie es toll, mit der Clique alles Erdenkliche auszuprobieren. In den seltensten Fällen kann man den Eltern einen Vorwurf machen. Es ist eine Mixtur aus sozialen Umfeld, Wohngegend, eigene Schwierigkeiten usw..
In dieser Zeit und im passenden Umfeld wird fast alles ausprobiert. Klebstoff inhalieren, bei den Eltern Tabletten klauen, Wodka bis zum Umfallen saufen, Kiffen, Pilze ausprobieren, Koks ziehen … alles Erlangbare wird probiert. Heroin hat einen Ruf. Einen zweifelhaften – aber es hat einen! Da liegt das Problem.

Bei anderen Drogen ist es die sagenhafte Wirkung, die in einem anderen Milieu magisch anzieht. Leute in der Gastronomie kommen schnell mit Kokain in Kontakt. Alkohol wird kompensiert, nach dem letzten Gast treffen sich alle in den einschlägigen Lokalen und die erste Nase ist schnell gezogen. Andere schwören darauf, wie geil der Sex unter Einwirkung von Pillen ist. Politiker trinken professionell einen zu viel, ziehen sich zurück, nehmen eine Nase und sind wieder voll da. Ehemalige Leistungssportler, die über Jahre hinweg mit Chemikalien vollgepumpt wurden, versuchen die sich danach einstellenden Depressionen mit Speed zu bekämpfen. So sind die Menschen halt.
Aber immer findet der Konsument zur Droge und nicht anders herum! Wer Drogen begegnen will, muss ehrlich mit ihnen umgehen, die Persönlichkeit berücksichtigen und über die langzeitige Wirkung sprechen. Ein ehemaliger Kokser sagte mal zu mir: «Wenn Koks nicht diese Scheiß Nebenwirkungen hätte, wäre es die geilste Droge der Welt.»

Wenn es in unseren Kreisen so etwas wie einen Einstieg gibt, sind es der Alkohol, eventuell bei den Eltern vorhandene Pillen und Zigaretten. Um das Wort Droge herum sammeln sich unzählige Assoziationen. Geselligkeit, Party, Musik, Entspannung, tiefgehende Gespräche und Erfahrungen, Spaß haben, Abgrenzung zu anderen Gruppen, Zugehörigkeit, erhöhte Leistungsfähigkeit, und vieles mehr. Exakt dieses leben die Älteren dem Nachwuchs vor. Damit tritt der Begriff Droge in ihr Leben. Meiner Auffassung nach, geht es nicht um die Untersagung eines Drogenkonsums, sondern ich muss den «Neuen» sagen, wie sie mit Drogen an sich umgehen sollten. Dazu gehört auch die Aussage, dass es Drogen gibt, die man steuern und dosieren kann, während es andere gibt, die ein Eigenleben entwickeln. Der erfahrene Nutzer kann Alkohol, wie auch Cannabis dosieren. Früher gab es in Deutschland keine echte Kiffer – Kultur. Nun, die Zeiten haben sich geändert. Viele der heute um die Fünfzigjährigen können auf Heranwachsende zugehen und offen mit ihnen sprechen. Tabus führen zu Unwissenheit und anschließenden Katastrophen. Jeder Jugendliche in Deutschland wird eines Tages Alkohol ausprobieren. Da macht es Sinn, ihm oder ihr einige Handlungsanweisungen mit auf den Weg zu geben.

Eben so kann man Ihnen sagen: «Wenn Du Dich auf dieses oder jenes einlässt, wird Folgendes passieren.» Trinke keinen Alkohol aus Flaschen ohne Etikett – Du hast keine Ahnung was da drin ist. Methylalkohol ist kein Spaß. Klinke nichts ein, was ein polnischer Chemiestudent im dritten Semester im Hinterzimmer zusammengekocht hat. Wenn Du schon Pilze ausprobieren willst, sorge für einen versierten nüchternen Begleiter. Heroin ist langweilig – es macht kurz bumm und Du musst Dir was Neues besorgen. Hole Dir lieber dreimal am Tag einen runter, da hast Du mehr von. Kokain macht paranoid, Dein Kreislauf klappt weg und ist mit allem gestreckt, was auch ein Kammerjäger benutzt. Freunde Dich schon mal mit einer kaputten Nasescheidewand an. Dieses ganze Herumgestottere führt zum gleichen Ergebnis, wie eine schlechte Sexualaufklärung.

Leute, die etwas von Einstiegsdrogen faseln, am besten dabei noch einen Wein trinken, sind 2018 nicht nur lächerliche Zeitgenossen, sondern gefährlich obendrein, weil sie eine brauchbare Aufklärung und Umgang behindern. Besonders mag ich diejenigen, welche von der schädlichen Langzeitwirkung bei Cannabis sprechen. ALLE Drogen haben die, sonst wären es Grundnahrungsmittel, klares Wasser, und saubere Luft. Dem Zigarettenraucher die schlechten Zähne, Lungenkrebs, Bluthochdruck und die Raucherbeine. Dem Alkoholiker die Verblödung, das Delirium und das qualvolle Ersticken am eigenen Blut, wenn die spröden Adern den Geist aufgeben. Nimmst Du Heroin, entscheidest Du Dich für eine Abkürzung, die wenig Gegenwert hat. Der wirkungsvollste Schutz gegen jeden schlechten Drogenkonsum ist eine stabile Persönlichkeit, die sozialen Druck standhält und „Nein“ ohne jegliche weitere Begründung sagen kann. „Ich nehme dies oder das nicht, weil ich Angst davor habe oder es nicht vertrage …“, ist der erste von vielen Schritten in die falsche Richtung. Dies bedeutet nämlich: „Ich will zu Euch gehören, ihr seid cool … ich bin am zweifeln. Aber grundsätzlich wäre ich bereit … wenn nicht …“

Also … lasst uns endlich offen mit dem Thema umgehen und hören wir auf, uns in die Taschen zu lügen. Davon profitieren am Ende nur miese Dealer und Freier, die die Not junger Drogensüchtiger ausnutzen. Die meisten Deutschen sind sozialverträgliche Alkoholiker. Hinzu kommen die von Tabletten Abhängigen. Wenn wir uns fragen, warum das so ist … nähern wir uns der Antwort, wie man andere Drogen unter Kontrolle bekommt.

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