Was wollen die da vorne eigentlich? Eine bessere Gesellschaft. Nieder mit dem Kapitalismus! Weg mit dem Bullenstaat! Nie wieder Krieg! Nette Parolen, die ihr da habt. Nazis raus! Was steht da hinten? Klasse gegen Klasse!

Kennt ihr Heinis Rio noch?

Der Traum ist ein Traum zu dieser Zeit.
Doch nicht mehr lange, mach dich bereit.
Für den Kampf um’s Paradies.
Wir hab’n nichts zu verlier’n außer unser Angst
Es ist uns’re Zukunft, unser Land.
Gib mir deine Liebe, gib mir deine Hand.

Für eine bessere Gesellschaft? Was ist denn eurer Meinung nach eine bessere Gesellschaft? Gestern habe ich ein paar Eurer Mädels dabei beobachtet, wie sie aus Eurem Haus gekommen sind und sich zum Pinkeln hinter den Glascontainer gesetzt haben. Gesellschaft? Was habt ihr bisher außer Schreien und Brandschatzen getan, für Eure Gesellschaft?

Wie sagte der Rudi 1968: „Heute würden Permanenzrevolutionäre, nicht Wortschwätzer (die Revolutionsdiskussion ist inzwischen von uns als Ersatz für die praktische Arbeit entlarvt worden), die in den Fabriken, in den landwirtschaftlichen Großbetrieben, in der Bundeswehr, in der staatlichen Bürokratie systematisch den Laden durcheinanderbringen, von allen Lohnabhängigen vollkommen akzeptiert werden… Den ,Laden in Unordnung bringen’ heißt nur, die Lohnabhängigen und andere mehr unterstützen, bei ihnen lernen, neue revolutionäre Fraktionen herauszubrechen. Die Permanenzrevolutionäre können immer wieder hinausgeworfen werden, immer wieder in neue Institutionen eindringen: Das ist der lange Marsch durch die Institutionen.“

Wortschwätzer hat er Euch genannt. Gut zu hören, ihr seit gemeint: Wortschwätzer!

Ihr Looser, mit Euren abgefuckten Klamotten, ihr werdet mit Sicherheit nicht eine einzige Institution unterwandern. Ihr werdet Euch mit keinem einzigen Arbeiter unterhalten, bevor ihr den Mund aufmacht, hat er Euch eine rein gezogen. Ihr kennt nur ein Zitat, dass haben sie Euch mit gegeben. Das was die Ulrike gesagt hat. „Wirft man einen Stein, so ist das eine strafbare Handlung. Werden tausend Steine geworfen, ist das eine politische Aktion. Zündet man ein Auto an, ist das eine strafbare Handlung, werden hunderte Autos angezündet, ist das eine politische Aktion.“ Aber das waren andere Zeiten ihr Wirrköpfe.

Da hatte der Arbeiter noch kein Auto und wenn nur ein kleines. Und auf tausend Steine kommt ihr nicht, selbst wenn ihr Euch die Arme auskugelt. Ulrike ist nämlich davon ausgegangen, dass sich die Arbeiter erheben und alle mitmachen. Nicht, dass ich die Ulrike besonders toll finden würde, aber im Gegensatz zu Euch, hätte ich sie gern mal gesprochen.

Ihr tragt heute noch RAF Symbole. Leute die RAF ist längst entzaubert. Baader war ein chauvinistisches Arschloch, eine zur Popikone verklärte Figur. So wie bei Dir da? Wie alt bist Du? 19 Jahre? Vielleicht schon 22 Jahre?

Mit Deinem karierten Röckchen, Springern und Kapuzenshirt. Stehen die Männer bei Euch auf so etwas? Kennst Du den Typen da auf Deinem Sweatshirt? Che! Der große Kommandant. An seinen Händen klebt mehr Blut, als Du jemals verkraften könntest. 14 Mann waren sie am Ende, er hat sie in einen Kampf geschickt, den sie nicht gewinnen konnten, schon ganz am Anfang nicht. Er hätte sich bei seinem Kumpel Mao mal erklären lassen sollen, wie ein Sun Zi, einen solchen Krieg in Bolivien betrachtet hätte.

Komm lächle ein wenig! Klick, und da haben wir Dein Foto, willkommen in der Galerie der politisch motivierten Straftäter! Ist vielleicht nicht der Pirelli Kalender, aber ein Anfang. Ach guck mal einer Schau. Unter dem Pflaster liegt der Strand. Und wieder einer im Kasten, schön scharf geworden.

Was schreiben Eure Denker in dem Pamphlet, wie man sich gegen Observationen wehrt?

„Dumm ist da nur, dass die BeamtInnen der Beschaffung oft einen nur begrenzten politischen Horizont haben und vieles von dem, was sie beobachten, nicht wirklich verstehen.“

Wie Recht ihr doch habt, ich verstehe nicht, was ich da draußen auf der Stasse sehe. Aber ich bin durch die Institutionen gegangen. Ich stehe hier an meinem Fenster und beobachte Euch. Ich entscheide, wen ich fotografiere und wen nicht.

Ich versuche im Stillen für den einen oder anderen von Euch zu kämpfen, versuche Verständnis zu vermitteln, für alle von Euch, die wirklich was verändern wollen. Auch ich kämpfe hier von meinem Fenster aus, für eine bessere Gesellschaft.

Aber ich sag‘ s Euch mit einem Lied von den Scherben aus meiner Zeit.

„Keine Macht für Niemand!
Komm rüber Schwester,
Du bist nicht allein
Komm rüber Mutter,
wir sind auf deiner Seite
Komm rüber Alter,
wir woll’n das Gleiche!“

Nein, wollen wir nicht! Deshalb, bleibe ich oben an meinem Fenster.

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