Die Seuche

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In Europa gibt es eine Ur – Angst, die auf der Pest basiert. Die Pest Epidemien dezimierten ganze Landstriche. Die Leute starben wie die Fliegen. Dies hat sich tief eingebrannt.

Seither ist viel passiert. Die medizinischen Kenntnisse sind immens gewachsen. Vieles ehemals Tödliche hat den Schrecken verloren u. selbst der Krebs ist nicht mehr ein ultimatives Todesurteil und kommt mit Hoffnung daher.

Dies hat auch seine Tücken. Manch Erkrankter klammert sich verzweifelt an den letzten Strohhalm und lässt für ein paar Tage mehr, jede Folter über sich ergehen. Viele Krebsarten explodieren nach einer OP, u. sind der Beginn eines langen Leidens. Ich kannte einen, der sich ständig auf ein Neues operieren liess, um die Geburt des Kindes erleben zu können. Ein anderer wollte sein vermeintliches Lebenswerk, mehr Gerechtigkeit in die Welt zu bringen, beenden u. stritt bis zum letzten Atemzug mit der Polizeibehörde.

Wiederum andere, wollen den letzten Gang gehen, aber die Angehörigen lassen sie aus Egoismus heraus, nicht sterben. Ich hörte einen Arzt sagen: Geben Sie dem Mann eine Chance, die Botschaft, dass er gehen kann u. die Welt mit ihm in Frieden ist.

Das Verhältnis zum Tod bzw. der Länge des Lebens hat sich stark gewandelt. Es ist die alte Inakzeptanz des Grosshirns der Sterblichkeit. In den modernen „zivilisierten“ Ländern herrscht die Illusion des garantierten langen Lebens über die biologische Programmierung hinaus. Früher war die Kindheit mit 12 Jahren vorbei u. mit Anfang 20ig entstanden große Werke. Mit 50 – 60 Jahren gehörte man zu den weisen Alten. 70 – 90 ging ins beinahe Mystische. Heute ist dies alles anders.

Stirbt ein Mensch vor dem Erreichen des 70ten Lebensjahr, fühlen wir uns vom Schicksal betrogen. Die Neigung, das Kapital Lebenszeit für nutzlosen Kram zu investieren, wird verstärkt, weil man für die wichtigen Dinge im Alter noch genug Zeit hat.

Corona tötet nicht zuverlässig. Das Überleben ist sehr wahrscheinlich. Das war bei der schwarzen Pest anders. Bedroht sind die Alten und die mit Vorerkrankungen. Das System Natur zeigt dem Menschen wieder einmal seine Grenzen auf. Das bereitet der Hybris des Menschen, einen quasi Gott Status erreicht zu haben, Schmerzen. Mehr noch, es entzieht sich der Kontrolle u. dies macht Menschen Angst. Sie geht meist mit Irrationalität einher.

Häufig lese ich in letzter Zeit von Kranken, die trotz aller medizinischer Kunst gegen den Krebs, am Ende von Corona geholt wurden. „Ätsch! Sagte Gevatter Tod und zog beim Spiel ums Leben einen letzten Trumpf!“

In Asien tragen manche Masken. Die Mehrheit verzichtet darauf. Wenige die teuren sinnhaften, die meisten jene, welche nur Staub abhalten. Nicht einmal Ehepaare sind sich einig und meistens tragen die Kleinkinder keine. Ausgerechnet die Alten, verzichten gänzlich darauf. In den meisten Ländern kommen sie ohnehin nicht in den Genuss der Intensìvmedizin. Die ist den Reichen vorbehalten. Gestern erlebte ich an der Grenze zu Thailand einen amüsierten zahnlosen Mann, dem die maskierten Grenzbeamten Spaß machten.

Der Zusammenbruch des Gesundheitssystems setzt die Existenz voraus. Die Leute rennen in die Krankenhäuser u. zum Arzt. Das erste Problem ist schon einmal, dass man in unserem System nicht einfach seinen Arbeitgeber anrufen kann u. sich krank meldet. Die Krankheit muss bestätigt werden. Sonst könnte ja einer einfach „blau“ machen. In China wird pure Heuchelei betrieben. In den ländlichen Gebieten sterben die Menschen o. überleben. Ende.

Quarantäne im Europa Style ist in vielen Ländern nicht durchführbar. Der Lebensunterhalt muss irgendwie verdient werden. Wenn Mutter krank ist, steht halt die Tochter mit der Gar Küche in der Strasse. Alles andere käme einem Todesurteil gleich.

Es liegt auch in der Natur der Sache, das Ärzte die grössten Mahner sind. Immerhin sind sie in der Illusion der Kontrolle, beim Zocken mit Gevatter Tod, die Spieler, welche mit am Tisch sitzen.

Corona zeigt an erster Stelle, wie die modernen industrialisierten Staaten „ticken“. Das Verhältnis zu Krankheit u. Tod. Gezeigt wird auch das Ausmaß der Heuchelei, wenn zuvor auf arme Staaten mit dem Finger gezeigt wurde und wird. Ein Umdenken, im Sinne einer Rückbesinnung wird nicht passieren. Vielmehr wird auf mehr Kontrolle gesetzt werden, statt sich mit der Angst, dem Fehler alles nach hinten in ein angenommenes späteres Leben im Alter zu beschäftigen und das System Natur, als eins über dem menschlich erdachten System, hinzunehmen.

Hierzu passt die Interpretation von „Carpe Diem“, als eine Aufforderung, heute alles zu besorgen und nicht auf Morgen zu verschieben. Doch ging es in der Antike nicht um den Mammon, Pflichterfüllung und Arbeit, sondern die Auseinandersetzung mit dem ICH – Prozess, der durch den Tod ein jähes Ende haben kann.

Zu Buddha soll eine Frau gekommen sein, die um die Heilung ihres todkranken Kindes bat. Buddha antwortete, dass er hierfür Wasser aus drei Häusern bräuchte, in denen noch nie der Tod gewesen wäre. Als sie keins fand, weil in allen Familien schon einmal jemand verstarb, verstand sie, das Leben den Tod bedingt.

Corona wird Folgen haben. Es kommt viel zusammen. Der sich stärker ausbreitende Nationalismus, die Situation an den Grenzen, das Verhältnis von Europa zu ärmeren Ländern, ein Amerika, welches sich unter der Führung von Trump immer mehr als etwas von den restlichen Staaten der Erde abgegrenztes betrachtet, der faktisch gebrochene Damm gegen Kontrolle und Überwachung. Corona wird zum politischen Argument werden. Und das Ende des Prozesses ist noch nicht absehbar. Eben noch belächelte Prepper, werden zu Vorbildern. Daraus wird vermutlich ein Wirtschaftszweig hervorgehen. Überhaupt sind die Folgen für die Weltwirtschaft noch nicht absehbar. Gesetze werden demnächst erlassen werden, die die Notstandsregelungen, wie Kinderkram erscheinen lassen. Existenzen werden innerhalb des Prozesses vernichtet. Die kommende Schliessung der gastronomischen Betriebe werden für einige Gastronomen bedrohliche Verluste bringen. Nichts bleibt ohne Reaktionen.

Der Glaube an die Kontrolle, die Überwindung des Schicksals, der Verlust des ausgeglichenen Verhältnis zwischen hinzunehmenden Risiken und Sicherheit, fordert Tribut.

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