Pandemie Warn App …

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Die IT Fachleute überschlagen sich mit den Lobhuldigungen. Die Corona App ist sicher. Niemand muss befürchten, dass persönliche Daten bei staatlichen Stellen landen. OK! Selbst bei Kritik, hätten Spötter Recht, wenn sie auf die Datenkraken hinweisen, die mittlerweile jede Information von uns bekommen.

Ich will die App nicht kritisieren. Das würde auch keinen Sinn ergeben, da sie da ist und man nun damit leben muss. Die Bezeichnung Corona App ist meiner Meinung nach irreführend. Warn – Applikation – Infektionskrankheiten fände ich korrekter. Sie wird bleiben, verbessert werden und künftig bei anderen Infektionskrankheiten ebenfalls zum Einsatz kommen. Ausserdem werden die vermeintlichen Vorteile ausgebaut werden. Bei Grippewellen wird der Restaurant-, Kino-, Konzert-, Theaterbesuch künftig den Leuten mit App erlaubt sein, während andere keinen Zutritt bekommen. Ich denke, dass die Krankenversicherungen draufsatteln werden. Aber auch Arbeitgeber. Bereits heute werden Boni an Mitarbeiter gezahlt, die während Corona nicht erkranken. Eine ziemlich interessante Taktik. Wer gesund bleibt bekommt mehr Geld! In Kombination mit der App eine wunderbare Knebelkette. Unabhängig davon, dass der Nachteil sich bald zeigen wird. Arbeitnehmer werden sich im Fall einer Erkrankung mit Medikamenten vollpumpen und fleissig alle anstecken.

Mit der App wird etwas Neues eingeleitet. Bisher konnte ich mich bei meinen Aktivitäten frei entscheiden, ob ich z.B. mein Telefon überhaupt mitnehme. Ja, richtig gelesen. Es gibt Tage, an denen ich mich digital ausklinke. Es soll auch vorkommen, dass ich es bei Gaststättenbesuch ausschalte. Die Freiheit nehm ich mir und zusehends häufiger.

Politisch gesehen ist dies nicht vorgesehen. Ein weiterer interessanter Aspekt, ebenso wie der Umstand, dass ältere Generationen der Telefone ausgenommen sind. Älter ist ein gutes Stichwort. Es wird vorausgesetzt, dass sich jeder Ältere der Digitalisierung angeschlossen hat. Nun, ich kenn diverse Leute die entweder kein Interesse haben, sich überfordert sehen oder schlicht Widerstand leisten.

Aber dies soll nicht unsere Zukunft sein. Digitalisierung findet statt u. wer nicht mitzieht ist rückständig. Dabei gäbe es einige gute Gründe über das Ausmass und die Folgen nachzudenken.

Es ist die erste ernstzunehmende Pandemie, die in die Ära der Digitalisierung fällt. Trotz aller kraftvollen Aussagen, bedroht sie die Menschheit nicht einmal ansatzweise. Bei unseren weltweiten Zuwachsraten müsste da deutlich mehr passieren. Und in den Gebieten, wo die Menschen nicht so eng aufeinanderhocken, juckt die Pandemie i.d.R. die Leute wenig. Kurzum, der homo sapiens ist nicht bedroht. Jedenfalls nicht von der aktuellen Pandemie.

Das Wundermittel „App“ wirkt ohnehin nur in Staaten, in denen Smartphones eine Selbstverständlichkeit sind. Ich denke dabei u.a. an Schwellenländer, bei denen die Smartphones aussehen, wie ein IPhone, Samsung, Huawei, aber das Innenleben weit davon entfernt ist. Oder die Länder, in denen das Aufladen eines Telefons ein Business ist. 

Die Corona App spiegelt das Verhältnis zu Tod und Krankheit bei denen Oben, und bei denen weiter Unten.

Ein indischer Wanderarbeiter steht grundsätzlich vor einem Dilemma. Möglicherweise an Corona sterben oder eben wegen Corona, und den damit verbundenen Maßnahmen, zu verhungern und ins Elend zu stürzen. Lässt man ihm freie Hand, wird er sich dazu entscheiden, das Corona Risiko in Kauf zu nehmen.
In Thailand kommt kein Streetkitchen Betreiber auf die Idee zum Arzt zu gehen, wenn er im Falle einer positiven Diagnose das komplette Familienbusiness in den Abgrund reisst. Ich glaube auch in Deutschland gibt es Menschen mit solchen Überlegungen.

Corona kann nicht als ein isoliertes Ereignis betrachtet werden. Es ist eine Krankheit, die von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann, u. unterschiedliche Folgen hat. Dies werden wir immer wieder erleben und taten es auch in der Vergangenheit. Aber die Haltung dazu, hat sich verändert. Die Argumentation, dass keine Immunisierung besteht und deshalb eine schlagartige Überlastung der Krankenhäuser zustande kommt, zieht ausschliesslich in Wohlstandsstaaten mit einer passenden medizinischen Versorgung.   Rückwärts betrachtet gab es lange Zeit nirgendwo diese Ausgangslage. Man musste sich fatalistisch mit der Gefahr anfreunden.

Pest, Cholera, Typhus, Pocken, TBC, lösten einst Fluchtbewegungen starteten den Städten aus. Wer konnte, suchte den Abstand und erhöhte so seine Überlebenschancen. Viel anders sieht’s heute auch nicht aus. Und schon immer wurde ein Schuldiger bzw. Absender für die Krankheiten gesucht. Die orthodoxen Muslime können sich noch nicht entscheiden, ob es diesmal Allah war oder vielleicht doch mal wieder die USA? In den USA gehen sie von China oder einer Gottesprüfung aus. Und Deutschland? Darüber will ich lieber nicht nachdenken. Es erscheint schwierig zu sein, die Pandemie als etwas Natürliches bzw. u.U. als Folge des menschlichen Gebaren zu sehen, welches den anderen Spezies immer mehr Lebensraum nimmt.

Beides würde bedeuten, dass mit Corona nichts beendet ist, sondern ein dauerhaftes Phänomen, basierend auf unseren Fehlern aufgetreten ist. Dies hätte auch zur Folge, dass es sich eben nicht um eine Corona Warn App handelt, sondern es sich um einen Vorstoss der besser aufgestellten Staaten digital Menschen innerhalb von Massengesellschaften in ihrem Verhalten zu steuern, handelt.

Interessant ist auch die neue Definition der Freiwilligkeit. Mit der Installation der App soll der Nutzer Freiheiten zurückerhalten, die ihm objektiv je nach persönlicher Haltung zur Pandemie berechtigt o. unberechtigt genommen wurden.

Ganz nüchtern gesehen, ist der Träger einer infektiösen Krankheit, bei der bestehenden ethischen Interpretation ein Risiko für die Mehrheit und ist zu isolieren. Die andere Sicht wäre die Anerkennung der Infektionskrankheit als natürlicher Bestandteil des Lebens, und wer Angst vor ihr hat, muss sich selbst schützen. Wohlgemerkt immer mit Blick auf eine nicht unbedingt zwingend tödlich verlaufende Krankheit.

Mir persönlich wird die Digitalisierung zu euphorisch begrüsst. Sie ist da, sie ist toll und bietet der Menschheit ungeahnte Möglichkeiten – wie kann da einer Zweifel haben?  Den gleichen Schub gab es am Anfang der Industrialisierung. Die Maschinen würden den Menschen die Arbeit abnehmen und weltweit entständen blühende Paradiese. Das war der Glaube des ausgehenden 19. u. 20. Jahrhunderts. Ist dies eingetreten?

Jede Innovation erzeugte mehr Optionen und komprimierte die Zeit. Heute kann ich von Berlin nach Hannover reisen und gleichzeitig einen Vortrag vorbereiten u. ein paar Freunde anrufen. Vor kurzer Zeit undenkbar. Optionen besitzen, solange ich sie nicht nutze, keinen Mehrwert. Meistens erzeugen sie eher einen Druck. Erreichbarkeit, zügige Beantwortung von SMS, eMail, Messenger Nachrichten wird erwartet.

Genau so, wie nunmehr ein neues eingeschaltetes Smartphone und die Mitnahme, eine Selbstverständlichkeit, quasi Bürgerpflicht ist, welche jedoch als Freiwilligkeit getarnt ist. Jeder der das nicht favorisiert, ist ein Sonderling.

Nein, allein den Schutz der persönlichen Daten zu betrachten, halte ich für deutlich zu kurz gedacht. Ach ja … ein Hinweis zum Titelbild. Das Telefon wird vom Besitzer, einem ehemaligen Beachboy auf Langkawi, immer noch verwendet.

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