#Boomer! OK, dann lasst mal sehen ..

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Mein Lieblingsrestaurant hat wieder aufgemacht. Local Coffee und Local Buffett. Auf dem Weg dahin hab ich Ahi getroffen. Ein Tagelöhner, den ich vom Strand kenne. Jetzt versucht er irgendwie durchzukommen. „Andreas, You have 2 Ringit?“ 5 Ringit sind ein EURO. Ich gab ihm 10. Klingt nicht viel, ist aber für ihn 3 x Essen.

Tja, nun sitz ich wieder hier mit Blick auf die Moschee. Im Grunde genommen ein Männerwohnheim. Der Besitzer daddelt auf seinem Smartphone herum und erwischt mehr aus Versehen, ABBA, The Winner takes it all!. Wie passend. Ich hab meine Wäsche abgegeben. 10 Ringit für 4,5 Kilo, der gesamte Inhalt meines Rucksacks. Der Wäschereibesitzer arbeitet ausser Freitags, da geht er zum Gebet, 15 Stunden bei 39 Grad Aussentemperatur zwischen den dampfenden Maschinen.

Immer mal wieder mach ich Twitter und Facebook auf. Mein täglicher Draht nach Deutschland. Ich muss an Mad Di, Cap und die anderen denken. Wegen ein paar Bier unter Freunden auf der „Terasse“ vor dem Haus, sitzen sie jetzt schon 8 Wochen im Lock – up. 8 Leute, kleine Zelle, 6 stehen, 2 schlafen kurz am Boden. Roy hat mir erzählt, nach 2 Tagen hat jeder Durchfall. Entsorgt wird in einer Rinne. Das waren verdammt teure Bier. Im Lock – up gibt es alles. Auch Tabletten gegen den Durchfall. Die Kumpels müssen sie nur für einen Monatslohn den Polizisten geben.

Deutschland! Berlin … Ich zieh die Bilder grösser und schau mir die Klamotten der Leute an. Alles dabei. Ich muss an die Rohingya denken, die gestern auf der Insel ankamen. Mit deren Boot wäre ich nicht mal zur nächsten Insel gefahren. 260 Leute! Die meisten Frauen und Kinder. Über 100 sollen in den 4 Monaten auf See krepiert sein. Die Polizei hat sie verhaftet und auf LKW verfrachtet. Arme Schweine!

Ein verzogener Bengel schreibt ACAB auf eine Wanne. Ich muss an Seyfried und an Atze Anarcho denken, der in einem Comic an einer Wanne die Luft heraus lässt. Ein Comic! Überzogen … zum Lachen. Aber der Bengel ist Realität. Sie haben ihn festgenommen. Prompt werfen die Umstehenden mit Flaschen und schreien mit überschlagenden Stimmen.

Eine Gruppe Halbstarker dreht am Rad und Deutschland wundert sich, wie die Polizei einem verspäteten Erziehungsauftrag nachkommt. Deutschland? Nein, die Üblichen. Soziologen, Lehrer, Verwaltungsbeamte, Erzieher, aufgeklärt, korrekt lebend. Der Habeck sagt im Fernsehen, dass man keine besseren Menschen erziehen muss, sondern bessere Regeln schaffen muss. Wie meint der das? An die Spielregeln halten sich doch sowieso nur noch die Ängstlichen, Doofen und einfachen Leute. Erziehen? Ihnen beibringen den Verstand und die Vernunft zu benutzen – also ich fände das gut.

Ja, Ja … der Andreas sieht die Welt so böse. Wie sagte eine meiner Ex – Freundinnen? „Freu Dich doch für die anderen Menschen, dass sie nie den Menschen erlebten, wie Du ihn erlebt hast.“ Wenn Sie begreifen würden, wie gut sie es haben und nicht die Klappe aufreissen würden, könnte man darüber reden.

Verständnis kommt von Verstand, und das bedeutet, ich sehe etwas und kann Schlüsse ziehen, es in einen Kontext setzen. Ich sehe und ziehe meine Schlüsse.

Erst zogen die europäischen Entdecker los um für die Herrscher, Ruhm, Ehre, Reichtümer zu ernten. Im Schlepptau hatten sie Missionare, die den Wilden erklärten, wie es läuft.

Dann kamen die Kolonialisten. Sklavenhändler scherten sich einen Dreck um die schönen Worte. Sie steckten ihre Claims ab und nannten es Grenzen. Sie erzeugten bis heute bestehende Abhängigkeiten, installierten für sie genehme Hierarchien. Alles zusammen genommen erschufen sie zu Gunsten ihrer eigenen Interessen eine Neue Weltordnung, die immer noch Bestand hat. Jeder in Europa, USA, Australien, Kanada, der nicht auf der Strasse lebt, profitiert irgendwie davon. Und selbst dem Obdachlosen geht es noch besser, als vielen in Afrika oder Asien, die dort auf der Strasse leben. Egal, wo man den Faden aufhebt, am Ende hängt historisch der Kolonialismus hinten dran.

2020 demonstrieren in den industrialisierten Ländern „altruistisch“ Leute auf der Strasse, weil sie die Sache mit der Selbstüberhebung nicht mal im eigenen Land auf die Reihe bekommen. Länder, deren Wohlstand auf dem Rücken anderer begründet wurde. Alleine, dass sie überhaupt demonstrieren können, basiert auf Wohlstand. Manch einer redet ein Zeug daher, als wenn er sein halbes Leben in einem Slum gelebt hat.

Nein, sich über all das aufzuregen macht keinen Sinn. Überall wo Du auf der Welt hin kommst, gibt es diese und eben andere Menschen. Der Mensch kann halt mehrere Nuancen. Und wenn man einen trifft, der in Armut lebt, heisst das lange nicht, dass er nicht mit Geld in der Tasche zum Arschloch mutiert.

Ich bin glücklich und hab alles was ich zum Leben brauche. Ich bin kein Rassist … glaub ich jedenfalls. Ich habe gelernt, dass niemand mit diesem ganzen Stuss „migrantisch“, Gender Sternchen und ähnlichen Unsinn etwas erreicht. Die beweihräuchern sich nur selbst. Taten und das eigene Handeln zählen. Wie heisst es doch so schön: Ein Geschwätz macht niemanden satt.

Von den wohlfeil daher redenden Vögeln hab ich im Leben genug kennengelernt. Fast immer waren es im Ernstfall die grössten Luschen. Und die am schrägsten lebten, kamen meist aus dem „besten“ Einfamilienhaus mit Partykeller und Gitarrenunterricht.

Wie sagte man in den Achtzigern? Tangiert mich mittlerweile peripher. Und wenn mich irgendwelche Pappnasen beschimpfen, weil ich nicht gendergerecht rede oder schreibe, mich nicht selbst als „alter weisser privilegierter Mann“ kasteie, denk ich mir das Gleiche, was ich früher von denen dachte, die meine Musik, Cowboystiefel und zerrissenen Hosen nicht mochten o. mich schräg ansahen, weil ich auf dem Gymnasium zwischen den „Lehrer – und Anwaltskindern“ auffiel. „Halt mein Bier u. quatsch Deinen Friseur voll.“

#Boomer ist der Hashtag für meine Generation.

Eine Entgegnung zur Kritik an der Jugend. Mittlerweile gern kombiniert mit alter Weisser Mann! Spannend, dass sie die Frauen gleich aussparen. Das lässt tief blicken.

Selbst der Berliner Innensenator, auch nicht ganz taufrisch, sattelt auf den Trend auf. Erbärmlich! Sich als Bestandteil des Establishment der verbitterten orthodoxen Truppe der Diskriminierten anzubiedern. Der Mann ist der Innensenator, ergo der natürliche Feind eines jeden Streetfighters und jungen ungestümen Pseudo – Revoluzzer. HALLO, sie der Innensenator, sind die Verkörperung des „alten weissen Mannes!“ Das mag weh tun, ist aber so.

Wir hatten auch unsere Feindbilder u. manch einer hat sie behalten. Establishment, BWL Studenten, White Skins, das Bürgertum, die DDR Bonzen, Burschenschaftler, Republikaner, NPD, Popper, Angepasste, usw. Aber eine ganze Generation über den Kamm scheren? Im Gegenteil! Die davor waren teilweise die legendären ‚68er. Punk, New Wave, Grunge, Anti AKW, Wackersdorf, Mutlangen, Brokdorf, Schriftsteller wie Böll, Philosophen des Existenzialismus, kritische Liedermacher, zu denen ich auch Rio Reiser, Hannes Wader, Reinhard Mey, rechne, Provokateure wie Peter Handke, Klaus Kinski, Nina Hagen, und, und … all das ist #Boomer.

Die GRUENEN sahen wir skeptisch. Normalos, die ein korrektes Leben zelebrierten. Lehrer, „Kultur Schaffende“, in der Hand den Prossecco, auf dem Teller das teure Olivenöl aus der Toscana und an den Füssen „gesundes Schuhwerk“. Mehr als einmal habe ich sie bedeutungsschwer redend, in Berliner Edelgalerien erlebt, in dem neueste hippe Künstler aus Südamerika seine zu Kunst gewordenen Drogenerfahrungen ausstellte. „Den trockenen Weisswein o. doch lieber den Frascati?“ Die Hamburger Punker (#Boomer) haben es mal auf den Punkt gebracht:

Ihr seid Lehrer und Beamte
Seid Gelehrte sogenannte
Ihr schreibt Bücher, seid im Fernsehen
Und ihr glaubt, daß wir euch gern sehen
Immer kritisch und politisch
Marx und Lenin auf dem Nachttisch
Doch ihr habt was gegen Rabatz
Und macht den Bullen gerne Platz
Refrain:
Ihr seid nichts als linke Spießer
Ich frag‘ mich, was wart ihr früher
Ihr seid nichts als linke Spießer
Ihr habt nichts dazugelernt
Ihr seid nichts als linke Spießer
Eigentlich wart ihr es schon immer
Und werden wir mal aggressiv,
Seid ihr auf einmal konservativ

Ich war nie ein Freund der GRUENEN u. werde auch keiner werden. Katholiken und Protestanten teilen sich eine Religion. Bei den Katholiken kommt man in die Kirche und alles ist voll mit bunten Bildern, teilweise recht freizügig. Und wenn man mal über die Strenge schlägt, gibt es die Absolution. Ganz anders bei den Protestanten. Keine Bilder, kein Spass, viel Disziplin und eine Menge Schimpfe. Für mich sind die GRUENEN, die Protestanten der „Schwarz Jacken„, gleiche Religion, nur korrekter.

Ihr, die den Hashtag #Boomer setzt, von alten weissen Männern sprecht, was habt ihr zu bieten? Hip Hop? Junge Männer, oftmals leicht grenzdebil, ausgestattet mit dem Talent unflätig zu Pöbeln? Paranoide junge Frauen und Männer, die Randale und Revolution ohne Konsequenzen machen wollen? Buh, der Staat wehrt sich. Ja, was habt ihr Euch denn vorgestellt? Wie bei Mama&Papa? Jonathan und Louisa, wir müssen mal mit Euch reden!

Im Verhältnis zu anderen Ländern wird es Euch leicht gemacht. Selbst im Verhältnis zu früher wird es Euch leicht gemacht. Ihr trefft auf eine völlig andere Staatsmacht, als Eure Eltern. Die kennen noch Langholz, Turnschuh Greifkommandos, Aussetzen im Wald, und wenn Du zerrissene Jeans und einen Parka an hattest, warst Du ein Penner, der sich gefälligst in den Osten verpissen sollte. Ich will das nicht für gut befinden, ganz im Gegenteil.

Aber viele verkennen die Situation. Deutschland ist nicht alleine und Lokales muss vom Grossem unterschieden werden. Erst einmal ist es, wie es ist. Die Welt ist kapitalistisch organisiert. Selbst Russland und China machen da keine Ausnahme. Also gibt es arme und reiche Leute, Wohlfahrtsstaaten und welche mit miesen Verhältnissen. Es gibt Staaten, in den das Überleben oftmals mit Kriminalität einher geht und eben den Gegensatz.

Hieraus entsteht ein Spannungsfeld und dies erzeugt Probleme, die gelöst werdwn wollen. Für die Abschwächung, nicht für die Lösung, gibt es die Polizei. Unter dem Strich ist sie ein gesellschaftliches Werkzeug bzw. Instrument. Und tatsächlich im gewissen Sinne ein Abbild der Gesellschaft. Hierarchie, Ober schlägt Unter, Linienführungsprinzip, Ausstattung der Führungskräfte mit Machtmitteln, institutioneller Autorität, die die natürliche persönliche ersetzt, Obrigkeitsdenken der Mitarbeiter, und Machtwillkür. Das alles gibt es auch in den Grundstrukturen der Gesellschaft. Eben so Leute, die diese Dinge mittels Euphemismen schön färben.

Aber ist das ein #Boomer – Ding? Ist die junge Generation anders? Ein paar vielleicht. Aber die Mehrheit? Schaue ich mir an, was die Junge Union, die Jungliberalen, die GRUENEN, Jusos und die LINKE nach oben schicken, bezweifle ich das. Wie sieht es auf der Strasse aus? Die Autonomen sind immer noch, wie immer. Mit denen ist kein Blumentopf zu gewinnen. Führende Köpfe? Eine Schwedin, die das Richtige anprangert, aber sich verständlicherweise aus dem politischen Kampf heraushält. Eine junge deutsche Wohlstandfrau, die sich mit ihrer Lebensart selbst ins Aus schiesst. Dann noch einige Pseudo – Vergeistigte, die in einer Sprache sprechen, die an korrekter Selbstverliebtheit erstickt. Alles sauber ummantelt von grün angemalten Konservativen. Hey Leute, die haben Euch alle längst gekauft … ihr wisst es nur noch nicht.

#Boomer? Die gibt es nicht. Dafür waren die 70er, 80er, viel zu bewegt und von Kontroversen geprägt. Aber die eine oder andere Untergruppe muss sich eingestehen, dass sie auf voller Breite eine Niederlage erlitten hat.

Sich den linken Dogmatikern zu widersetzen, das Establishment zu unterhölen, die Rechten dauerhaft in Schach zu halten und ihnen auf Dauer die Nährgrundlage, nämlich die Neoliberalen zu entziehen, mit Toleranz, Pragmatismus und der Weisheit einiger Vordenker, neue Wege zu gehen … ist schlicht gescheitert.

Ausgerechnet eine Berliner Kombination aus Rot und Gruen, ist zugenähter und hat einen längeren Stock im Hintern, als alle anderen zuvor. Der CDU und FDP sei es verziehn, die stehen schliesslich dafür.

Leute, fällt es Euch nicht auf? Neue Gesetze, neue Gremien, neue Posten, neue Verwaltungsvorschriften neue Verwaltungswege, neue Kontrollen … das ist das 1 x 1 einer verwalteten Gesellschaft, gebastelt von Verwaltungstypen, die mit dem echten Leben, eins was sich der Planung entzieht, von Unsicherheiten, Unvorhersehbaren Ereignissen und dem Charisma Lebenserfahrener geprägt ist, nichts anfangen können.

Wer gescheitert ist, muss dies akzeptieren. Alles andere läuft auf Gewalttätigkeiten hinaus, die anderen das gleiche Recht einräumen. Autonome werden das nie kapieren. Ihre Gewalt rechtfertigt Gegengewalt. So simpel!

Ich hab einen Vorschlag. Mottet den Tag #Boomer einfach 30 Jahre lang ein. Dann holt ihr ihn wieder heraus u. zieht einen Vergleich. Das wäre sportlich. Bisher sehe ich eine Generation, die sich mittels teurer kapitalistischer Konsumgüter selbst filmt, auf Instagram, Twitter, Facebook, selbst darstellt u. dabei entweder total schick aussieht o. hysterisch keift. Hätten wir vermutlich auch getan, aber wir hatten ausnahmsweise die Gnade der frühen Geburt.

Eins kann ich Euch sagen, wenigstens in Malaysia wirkt ihr auf Altersgenossen ein wenig lächerlich. O – Ton: Reiche Verwöhnte machen das, was Reiche halt tun. Dummheiten und Party, weil sie es sich leisten können.

Für die Leute hier, macht die gleiche Klientel, die sie hier als kulturell unterbelichtete und lebensfremde Backpacker kennen, auf der Strasse Party mit Polizeiaufsicht.

Meins ist das nicht mehr. Ich hab meine Freiräume gesucht und gefunden. Das ist doch auch was. Alles was es in Deutschland gibt, gibt es weltweit unter anderem Namen. Die hiesigen muslimischen Dogmatiker in der Regierung kenn ich von zu Hause mit anderer Bezeichnung. Und interessanterweise sind sich deren Freiräume hier, mit meinen sehr ähnlich.

Monkey Island, 2020

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