Dagegen zu sein, ist kein Plan

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2020 ist wahrlich ein Markierungspunkt. Einzig gut ist für mich, dass ich auf dieses Jahr nicht angestossen habe. Um 00:00 Uhr MEZ befand ich mich in einem Flugzeug hoch über Europa auf demWeg nach Asien.

Geplant waren 2 1/5 Monate, nunmehr sind es wegen Covid19 etwa die doppelte Zeit. Erst haderte ich ein wenig damit. Dann dachte ich mir, vielleicht ist gar nicht verkehrt auf die Art dem Virus aus dem Weg zu gehen.

Dann entschied sich Malaysia ebenfalls Massnahmen zu ergreifen.

Wie überall auf der Welt, geht das alles mit einer hohen Polizeipräsenz einher. Auf der Insel Langkawi ein eher ungewöhnliches Bild. Normalerweise lässt es die Polizei hier ruhig angehen, ist ziemlich korrupt und arbeitet aus ihrer Sicht effizient. Ab und zu werden die „üblichen“ Verdächtigen festgenommen. Langhaarig, Malaie, männlich, rebellisch, passt! Die Insel hat bei den 20 – 50 jährigen ein eklatantes Drogenproblem. Heroin und Meth wird von einer unübersehbar grossen Gruppe konsumiert. Teilweise wird hier die Strategie gefahren, dass Marihuana Konsumenten regelmässig zu Untersuchungen antreten müssen. Kurzerhand steigen die Betroffenen dann auf das nicht getestete Meth um. Eine wahrlich sinnlose Aktion. Monatelange Haftstrafen wegen Drogenkonsums sind an der Tagesordnung. Der Horror dort, macht es nicht besser. Therapien sind nicht vorgesehen. Die wenigen, sind in der Regel orthodoxe islamische Einrichtungen, die substanzielle Sucht gegen religiösen Wahn tauschen und deshalb von den Abhängigen gemieden werden. Erst wenn man dies alles weiss, wird einem das Verhalten rund um begreiflich. Hinzu kommt, dass die Polizisten ebenfalls auf Droge sind.

Auf der Insel leben neben den gebürtigen Malaien malaiische Chinesen, Bangladeshis, Inder, Pakistanis, Afghanen, Libanesen, Kameruner, Nigerianer und einige Westerner aus Europa, Kanada, Grossbrittanien, Australien. Das Sagen haben vornehmlich die gebürtigen Malaien und in dieser Gruppe wiederum die Muslime. Wer nicht vermögend ist, muss sich in die unsichtbare Hierarchie einfügen. Und die wird auf den Ämtern und bei der Polizei ausgelebt.

Bemerkenswert ist dabei der Umstand, dass Malaien eine Zusammensetzung aus allen möglichen Völkern sind, die in das Gebiet einwanderten und die Indigenen (Orang Asli) ihres Lebensraums, ihrer Rechte beraubten. Gleiches taten die Thai Völker. Nur noch wenige haben in den Regenwäldern Zuflucht u. bald dürfte sich auch das erledigt haben.

Heute las ich einen Artikel im Berliner Tagesspiegel, in dem der Autor darüber schrieb, dass es einen Rassismus von Weissen nicht gäbe, weil der Sklavenhandel und die Kolonialisation nun einmal von Weissen ausging. Eine typische Sicht eines Westerners, der geflissentlich komplett Asien aus der Geschichte streicht. Auch in Asien haben sich Volksgruppen weit über andere gestellt. Nicht umsonst waren z.B. die Nationalsozialisten mit den Japanern ganz dick. Das Auftreten einiger Exil – Chinesen noch als arrogant durchgehen zu lassen, fällt schwer. Weiterhin sollte man einfach mal Bangladeshis u. Inder nach der Behandlung durch malaiische Offizielle fragen. Aber das Asien bei vielen Westernern in jeglicher Hinsicht ein blinder Fleck ist, hab ich schon länger bemerkt. Europa ist nun einmal auf die USA und Russland fixiert.

All dies hat mich bereits vor den Geschehnissen in den USA über autoritäre Denkmuster, Rassismus, Diskriminierung und dem Zerfall von Gesellschaften nachdenken lassen.

Rechte, Rechtsradikale und Extreme fortwährend als dumm zu betiteln ist eine Kapitulation.

Es geht um Zusammenleben, die Organisation einer Gesellschaft und die Koexistenz dieser mit anderen auf dem Planeten Erde.

Was wir im Allgemeinen als rechts bezeichnen ist eine Überschrift unter der sich vieles subsumiert. Da wäre zum Beispiel die Auffassung, dass Massengesellschaften nicht demokratisch organisiert werden können, sondern eine starke Führung benötigen. Hierzu gehört auch die Annahme, dass eine erkleckliche Zahl an Individuen nicht die intellektuellen Voraussetzungen mitbringen, in ihre Handlungen, den Konsequenzen Einsicht zu haben. Ihrer Auffassung nach, unterscheiden sich an diesem Punkt die Menschen. Eben jene mit Einsicht und die ohne.

In religiösen Staaten ist das nicht anders. Dort ist es der Klerus, der die Einsicht haben soll.

Dem kann in der rechten Theorie nur mit einer führenden Elite begegnet werden. Diese Eliten haben sich in der Historie des jeweiligen Landes herausgebildet. Und natürlich sehen sich diejenigen, welche diese Gedanken hegen, entweder selbst als Elite oder zumindest wissen sie, wer dieser Elite angehört.

Eine Gesellschaft mit vielen gleichberechtigt nebeneinander existierenden Untergruppen wird immer Konflikte auszutragen haben. Rechte betrachten diese Konflikte als unlösbar oder sehen ausschliesslich den negativen Konfliktverlauf, der alle zusammen in den Abgrund reisst. In weniger radikalen rechten Ansätzen (z.B. CDU) kann dieses umgangen werden, in dem eine Rollenzuweisung erfolgt und das Terrain der Gruppe abgesteckt ist. Jeder weiss was er darf und wo er hingehört. In stärkerer Ausprägung sind die Gruppen auf ein Mindestmaß zu reduzieren und sollten einen größten möglichen gemeinsamen Nenner haben, wie zum Beispiel eine übergeordnete Leitkultur. Jene sollte keine allzu grosse Dynamik haben, da es sonst für einfach strukturierte Menschen mit der Orientierung zu kompliziert wird.

Ein ganz wesentlicher Punkt ist, dass das Individuum zu funktionieren hat. Seine Arbeitsleistung und Kreativität sollte in grossen Teilen dem Wohl der Nation (Gemeinschaft), die Sicherheit und Wohlstand garantiert, dienen. Verweigerung ist inakzeptabel und objektive Unfähigkeit hierzu ist misslich.

Nationen sind dort angesiedelt, wo sie sich halt gerade befinden. Hier haben sich die Ahnen angesiedelt und das Leben wird dort fortgeführt, sozusagen ein historisches Ergebnis. Eine planetare Dynamik oder gar die Auflösung der Nation ist eine Horrorvision.

Rechte beziehen einen mehr oder weniger ausgeprägten Anteil ihrer Identität nicht aus sich selbst heraus. Dies würde auch nicht ins Gesamtkonzept passen. Sondern sie wird zugewiesen oder ergibt sich aus der Gemeinschaftszugehörigkeit. Eine Gruppenidentität auf höchster Ebene, nämlich die Zugehörigkeit zu einer Nation. Darauf sind sie stolz. Sehr frei nach Aristoteles: Das Gesamte ist mehr als die Summe seiner Teile. Nationalstolz und Nationalismus geht bei vielen fliessend ineinander über. Nationalismus wird es, wenn alles Handeln und Denken auf die Nation abgestellt wird.

Bei allem spielt eine Menge Psychologie mit hinein. Es ist nachvollziehbar wenn Leute von der eigenen und der ihrer unmittelbaren Mitmenschen auf das Gesamte schliessen. Psychologie basiert auf Beobachtungen. Ebenso verständlich ist es, das Eigene für gut zu halten. Das andere auszuhalten und gleichwertig zu sehen wäre ein weiterer Schritt. Aber wo sind die Grenzen? Hier in Malaysia sagten mir letztens Malaien, dass sie überhaupt nichts gegen Touristen oder Dauergäste einzuwenden hätten, aber sie können es nicht leiden, wenn Europäer ihnen ihr Business Gebaren aufdrücken wollen. Da hört es auf. In ihrem speziellen Fall meinten sie meiner Meinung nach weniger die Europäer an sich, sondern alles und jeden, der vom Festland kommt. Insulaner sind immer und überall speziell. Vielleicht aber auch die Gesunden, abseits vom Wahnsinn.

Jedenfalls signalisiert dieses: Rechte sind dumm! – das Fehlen einer Gegenargumentation. Ich denke auch, dass manch eine/r „rechter“ ist, als es der Selbsteinschätzung entspricht.

Anarchisten bemängeln an „links“ u. „rechts“ die Ähnlichkeiten. Beide Lösungsansätze einer gesellschaftlichen Organisation sehen Hierarchien vor. Auch die Kommunisten und Sozialisten trauen der menschlichen Natur nicht über den Weg. Bei aller vorgeschobenen sozialistischen Solidarität, war der Nationalstolz in der DDR stark ausgeprägt. Und gegenüber den Kolumbianern, Kambodschanischen Gästen, Mongolen, Vietnamesen, sogar Russen, gab es handfesten Rassismus.

Kropotkin, einer der Väter des kommunistischen Anarchismus, nahm sich sogar die Freiheit Lehnin zu kritisieren und überlebte dies. Er traute der menschlichen Natur mehr zu. Dies beruhte auf seinen Erfahrungen, die er in Sibirien mit den dort lebenden Menschen gemacht hatte. Auch Marx war vor der Kritik der Anarchisten nicht sicher. Diktatur des Proletariats? Wer sagt, dass Arbeiter die besseren Diktatoren sind?

Wer sich mit Rechten auseinandersetzt muss sich mit den Grundlagen beschäftigen und echte Alternativen schlüssig verkaufen. Gegen feste Hierarchien zu sein, ist eine Sache. Ein Modell zu entwickeln, wie es denn anders funktionieren kann, welche Voraussetzungen bei den Menschen bestehen müssen und wie man sie erlangt, ist eine andere.

Gleichfalls sieht es mit der Identität aus. Jeder benötigt eine. Nehme ich die Nationale weg, muss ich etwas anderes anbieten. Wobei ich mir die Frage stelle, ob nicht gerade die Nationale ein Ersatz für etwas ist, was den Leuten vor langer Zeit genommen wurde. Es muss eine Erörterung des Verhältnisses zwischen Individuum und der Gemeinschaft stattfinden. Zugeständnisse an die Gemeinschaft bedürfen einer Motivation, jedenfalls wenn sie bewusst erfolgen. Wie gross ist eigentlich die Gemeinschaft? Familie, Freundeskreis, Dorf, Bezirk, Stadt, Bundesland, Nation, Europa, die Welt?

Für Rechte und auch ihre Basis, die Konservativen, gibt es da keine offenen Fragestellungen. Für Kommunisten und Sozialisten ebenfalls nicht. Meiner Auffassung nach, wird dies allzu häufig übersehen. Ihre Vordenker waren Suchende, die eines Tages glaubten, die Lösung gefunden zu haben. Auf ihnen basieren die heutigen Diskussionen.

Die Zusätze radikal und extrem besagen, dass die Lösungen kompromisslos gegen alle Widerstände durchgesetzt werden sollen. Ob nun mit Gewalt oder taktischen Geschick, ist dabei irrelevant.

Gemässigt ist für mich jemand, der den Status Quo anerkennt, aber weitere Suchen in Betracht zieht, da bisher das Optimum nicht einmal ansatzweise erreicht wurde. Mit dem Grundgesetz wurden ideale Voraussetzungen für die Suche und den Gedankenaustausch geschaffen. Leider steht dies oftmals nicht im Einklang mit den geschaffenen Voraussetzungen in der Bevölkerung.

Die in der Linkspartei engagierte Rechtsanwältin Marlene Block zog kürzlich den Zorn aller nur möglichen Vertreter auf sich, als sie Abschaffung der Gefängnisse forderte. Es ist ein Gedanke! Nur weil es bisher immer welche gab, heisst dies nicht, dass es so bleiben muss. Hätte im Mittelalter die Abschaffung des Prangers gefordert, hätten alle genauso reagiert. Die Idee zieht Fragen nach sich. Was machen wir mit einreisenden Straftätern? Unser System besteht aus Strafe, Sühne, Abschreckung und Resozialisierung vor. Die Resozialisierung läuft vom Ziel her oftmals auf eine „Umerziehung“ hinaus, da eine Sozialisierung innerhalb einer kriminell geprägten Untergruppe der Gesellschaft stattgefunden hat. Oder sie fand in einer vollkommen anderen Gesellschaft statt. Es ist kein grosses Geheimnis, das osteuropäische Straftäter einen deutschen Gefängnisaufenthalt quasi als Kuraufenthalt biografisch einkalkulieren. Mit dem Gefängnisaufenthalt wird bei manchen Tätern der Gesellschaft eine kurze Pause gegönnt. Frau Block müsste diese Fragen beantworten. Hierzu müsste ihr zugehört werden. Wer weiss, vielleicht hat sie gute Ideen. Die Reaktionen der anderen Abgeordneten zeigten nur, dass sie ausser simplen Standards nichts vorzuweisen hatten. Dies zeigt ihr bisheriges Desinteresse sich mit der Realität des Strafvollzugs zu beschäftigen. Ist so, war schon immer so, der Pranger bleibt stehen – Basta!

Oder nehmen wir ein anderes aktuelles Thema. Gegen Diskriminierung und Rassismus vorzugehen ist erst einmal löblich. Will ich mich damit beschäftigen brauche ich erstmal einen IST – Zustand. Was verstehe ich unter Rassismus und Diskriminierung? Woher kommt beides? Was wurde bisher dagegen getan? Welche Positionen wurden eingesetzt?

In Deutschland ist nahezu jedes staatliche Handeln ein Verwaltungsakt. Verwaltungsakte müssen Anforderungen genügen. Kann eine/r vorbringen, das dieser von rassistischen oder diskriminierenden Aspekten begleitet wurde, wird der Verwaltungsakt nichtig. Ist dadurch ein Schaden entstanden, kann er per Klage bereinigt werden. Für die Feststellung sind Verwaltungsgerichte zuständig. Ein hoch komplexes System, von dem viele Staaten, träumen.

Sollte ich nun zum Ergebnis kommen, das Rassismus und Diskriminierung bei staatlichen Handeln trotzdem Tagesordnung ist, muss da bei Gericht etwas schief gelaufen sein.

Wie praktisch, wenn der Justizsenator ein Verwaltungsrichter war. Der wird seinen eigenen Laden kennen. Dann wäre es folgerichtig die Ausbildung der Richter anzugehen.

Aber in Berlin wurde dies umgangen. Ich denke, weil es ziemlich schwierig ist, eine Justizbehörde und ihre Hierarchie zu bezweifeln oder gar einzugreifen. Also wurde der Weg des geringsten Widerstands gewählt. Peinlicherweise mittels Benutzen der Gesetze einer Hierarchie. An der schwächsten Stelle mittels Macht und gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnissen.

Ein Befürworter dieser Lösung (Umgehen der Verbesserung der Verwaltungsgerichtsbarkeit) der Polizist und für die Partei der GRÜNEN engagierte Herr Oliver von Dobrowolski twitterte zum Thema:

In einer besseren Welt würde die Polizei alle Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft und ihres sozialen Hintergrunds, respektieren und schützen. In solch einer besseren Welt wäre die Polizei Teil der Lösung und nicht Teil des Problems.

Er stellt also fest: Die Polizei in Deutschland handelt genau anders. Es mangelt am Respekt und der Bereitschaft alle zu schützen. Hieraus folgt, dass er den in dieser Institution beschäftigten Eidbruch vorhält. Er schreibt nicht „alle Polizisten“, womit er auf eine Minderheit verweisen würde. Angesprochen ist die Institution an sich. Die, welcher er selbst angehört. Hiermit gibt er öffentlich preis, dass er für eine rassistisch handelnde „Firma“ arbeitet.

Für ihn ist die Polizei in ihrer Struktur, Einbettung in das staatliche Gesamtkonzept und Handlungsweise ein Problemfaktor, der dem entgegensteht, was er für eine bessere Welt hält. Wie sie am Ende aussehen soll, lässt er offen. Auf jeden Fall eine, in der Menschen mit einer sehr besonderen Eigenschaft, einem Ideal, Dienst am Volk machen. Er ist also ein Idealist.

Meiner praktischen Erfahrung nach, formt jahrelanger Polizeidienst Persönlichkeiten, die von diesem Ideal weit entfernt sind. Dies ist eine logische Konsequenz aus mehren Prozessen.

Die/der Polizist/in steht für die Ideale der dominierenden Gesellschaftsgruppe. Allzu grobe Abweichungen sollen abgewehrt werden. Damit erzeugt schon mal alles Abweichende eine gewisse Aufmerksamkeit. Recht schnell lernt ein Berufsanfänger/in, dass es mit dem Einhalten der Ideale in der Breite der Bevölkerung nicht wirklich ernst genommen wird.

Manche sind quasi gezwungen, gegen die Ideale zu verstossen oder werden durch die Umstände getrieben. Weder einem Obdachlosen, einem armen Schlucker, einem sich aus welchen Nöten auch immer in Deutschland aufhaltenden Illegalen, und diversen anderen, ist es möglich, sich ideal zu verhalten. Die Beurteilung, warum dies so ist, ist nicht Teil des Berufsbilds. So kommt es, dass es ein Standardklientel der Polizei gibt.

Es ist auch „normal“, dass sich in Deutschland nahezu jeder im Recht befindet und bei einem Hinweis auf das Gegenteil, je nach Persönlichkeit ungehalten reagiert. Nicht wenige verfallen auf die Idee, dass der vermeintlich ungerechtfertigte irgendwelche anderen Gründe gehabt haben muss. Von – die Polizisten hatten Langeweile, mussten ihre Quote erfüllen, Diskriminierung – ist da alles dabei. In meiner besseren Welt, würden sich mehr Menschen hinterfragen und alle Umstände berücksichtigen, bzw. in die Lage des anderen versetzen.

Ein weiterer formender Faktor sind die Erfahrungen, die mit den Jahren immer mehr werden. Im Kopf entsteht ein Raster, welches im Kontakt mit anderen abgearbeitet wird. Für dieses Raster gibt es viele Bezeichnungen. Eine ist Vorurteil!

Für mich sind Vorurteile allein kein Rassismus. Es muss noch mehr hinzukommen. Die negative Bewertung des von mir ohne weitere Kenntnisse angenommenen Verhaltens oder die erwartete Persönlichkeit, Eigenschaften. Z.B. haben meiner Erfahrung nach, die meisten dunklen Afrikaner ein recht sonniges Gemüt, tiefe Stimmen und ein ziemlich hohes Lachen. Lern ich einen kennen, bei dem das nicht der Fall ist, bin ich überrascht. Oder Malaien habe ich als recht kontrollierte Menschen kennengelernt, aber wehe man überschreitet eine Grenze, dann explodieren sie. Ich hatte da meine Erlebnisse in letzter Zeit.

Doch weder beim einen, noch beim anderen Beispiel, gibt es für mich eine Bewertung oder gar eine Erhebung meinerseits!

Wenn ich etwas einem jungen Polizisten raten würde, dann wäre es stets die saubere Trennung zwischen Tat und dem Menschen einzuhalten. Wie schwer es einem auch fallen mag: Urteilen ist im Job nicht vorgesehen! Das kann einem nicht immer gelingen, doch man es kann es sich hinter die Ohren schreiben. Für ein Urteil fehlen einfach zu viele Informationen.

Europa und seine historischen Ableger haben ein seit Urzeiten kulturell verankertes Rassismusproblem. Da bin ich mit dem Tagesspiegel ganz einer Meinung.

Die großen Entdecker, im Schlepptau die Missionare, welche den „Wilden“ die einzig richtige Weltanschauung, Ideologie, aufzwangen, die religiösen Hardliner, welche die ersten Siedler auf dem amerikanischen Kontinent stellten, die Kolonialisten und der Sklavenhandel, waren von Rassismus geprägt.

Noch heute ist der wirtschaftliche Imperialismus purer Rassismus. Und immer ist er auch Teil der von mir genannten rechten Denkmuster. Wir die Europäer wissen es besser, die wissen nicht wie es geht oder sind per Veranlagung nicht fähig, also übernehmen wir. Es ist doch nur zu ihrem Gunsten.

Ich bin für mich zur Auffassung gekommen, dass ein wesentlicher Faktor die Festlegung eines Ideals und die Ausgestaltung dessen ist. Wir neigen dazu, davon abweichende Dinge zu verurteilen. Je höher ich die moralische oder ethische Messlatte anlege, desto zahlreicher werden die Urteile und ich selbst bin irgendwann 24/7 Richter.

Ich habe nichts gegen Ideale, solange die Menschen sie auf sich alleine anwenden. Wie sie dann mit ihrem inneren Richtspruch umgehen ist ihr eigenes oder das Problem ihres Therapeuten. Wenn sie sich die eigene Messlatte zu hoch legen, sollen sie es tun.

Dies stört mich an einigen, die sich an Diskussionen beteiligen. Sie stellen ihre Ideologie gegen die andere. Am Besten noch mit einem Wortschatz, Verallgemeinerungsprinzip und einer Unsachlichkeit, die wiederum der rechten Ideologie in nichts nachsteht.

Noch übler wird es, wenn die Worte enden und die nackte Körpergewalt eingesetzt wird. Die Zeiten, in denen Kommunisten kampferprobte Arbeiter waren, sind vorbei. Da sind dann die Rechten mit ihrem Idealbild klar im Vorteil.

Fairerweise muss man zugeben, dass das Christentum die Angelegenheiten mit gleicher Münze heimzahlen und dem Richten vor langer Zeit erkannte. Hätten sich die europäischen Christen jemals an ihre eigenen Vorgaben im neuen Testament gehalten, wäre vieles nicht passiert. Aus Auge um Auge, Zahn um Zahn, wurde die linke hinzuhaltende Wange und aus dem Richten wurde die Warnung, das man selbst gerichtet werden wird.

Ideale und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die sich diesen anschliessen sind Identitätsstiftend. Die rechte Denkstruktur ist fest in die europäische Tradition eingebunden.

„Wir haben die Dampfmaschine, die Industrialisierung hinbekommen und wir sind die Gewinner des Kapitalismus – unsere Vorstellungen, Werte, Traditionen, Denkstrukturen, müssen besser sein!“

In dieser Überzeugung steckt ein Kampfgedanke. Höher, schneller, besser, weiter, reicher! Ein Kampf, der eine Hierarchie begründet, an deren Spitze man sich stellen will, weil es sonst ein anderer macht. Es wundert mich nicht, dass einige Schlussfolgerungen der FDP kaum von denen der AfD zu unterscheiden sind.

All das ist nicht dumm, sondern ergibt sich aus grundsätzlichen Annahmen und Überzeugungen. Wer etwas anderes will, muss die Annahmen vernünftig widerlegen und die Vorteile einer anderen Praxis des Denkens darlegen.

Das ist mühselig und fordert einiges ab. Dennoch meiner Meinung nach der einzig begehbare Weg. Alles andere verfestigt lediglich die Position.

Was nicht bedeutet, dass meiner Meinung nach, Personen mit diesem Denken nichts an den Schaltstellen der Gesellschaft zu suchen haben. Doch das ist eine reine Wunschvorstellung meinerseits.

Rechtes Denken ist für mich ein Persönlichkeitsmerkmal. Ich habe nicht den Eindruck, dass das Bedürfnis sich über andere zu erheben zu überwinden, aus sich selbst und den eingenommen Lebensrollen eine Identität zu schöpfen, echte Freiheit durch Unabhängigkeit von Statusdenken, Position in der Hierarchie pp. zu erlangen, Unterschiede aushalten zu lernen, sich selbst und andere in ihrer Fehlbarkeit anzuerkennen, kognitive Dissonanzen erst gar nicht aufkommen zu lassen, oder sie nicht durch Selbstbetrug, Schuldzuweisungen, Verdrängung zu kompensieren, gefördert wird. Ganz im Gegenteil!

Heute, auf verlorenen Posten …

Das Leben des Brian ist aus dem Jahr 1979, doch scheinbar brandaktuell. Die judäische Volksfront gegen die Volksfront von Judäa. Leider kann man auf den Social Media niemanden anbrüllen: Ihr Pfosten seid auf einer Seite!

Echte LINKE, z.B. die Kommunisten mit all ihren Untergruppen, Maoisten, Trotzkisten, Marxisten, Stalinisten, haben teilweise ein ähnliches Bild von den menschlichen Verhaltensmustern, aber entwickeln andere Ideen bezüglich der zu installierenden Hierarchie. Dies bedeutet, das sie Ziele verfolgen und einen Plan haben, wie sie diese erreichen wollen. Gleichsam sieht es bei den Sozialisten aus.

Anarchisten ersehen die Verhaltensmuster als eine Folge der erzeugten Voraussetzungen. Der Mensch an sich, ist von seiner Grundanlage zu anderem fähig. Fraglich ist, wie man diesen ursprünglichen Anlagen nach und nach wieder eine Chance gibt. Auf jeden Fall gilt es auszumachen, was genau diese Veranlagungen schädigt u. unterdrückt. Kapitalismus in seiner bestehenden Form gehört auf jeden Fall dazu. Das macht Anarchisten noch lange nicht zu Kommunisten, da diese ebenfalls die Anlagen unterdrücken.

Vielen, die sich als links bezeichnen oder so tituliert werden, spreche ich persönlich diese Kategorisierung ab. Sie haben schlicht keinen eigenen Plan für eine Alternative. Dagegen sein, Abschaffen, Zerstören, Irrationalität, ist kein Plan für danach.

Unsere und andere Gesellschaften der Industrienationen streben immer mehr in Richtung Dekadenz. Auch hierfür sensibilisierte mich der Aufenthalt auf Langkawi. Alte Traditionen, das einfache Leben der Fischer, die Versorgung aus dem Meer, formt einen Teil der Bevölkerung. Diverses davon wurde erst dem Kolonialismus der Briten und später einem langsam einsickernden orthodoxen Islam geopfert. Beides, die Destruktion u. die Installation der engen religiösen Fesseln, hat die Familien unter Stress gesetzt. Die Folgen sind häusliche Gewalt, Traumatisierungen und die Flucht in Drogen, Spielsucht, Lethargie, Depressionen. Aber sie handeln nahezu alle auf eigene Rechnung, nehmen kaum Unterstützungen in Anspruch, arrangieren sich irgendwie miteinander und ziehen staatliche Stellen selten hinzu.

Doch auch hier hat der Kapitalismus mit seinem Konsumterror verheerende Folgen. Echter Status und Identität werden durch käuflichen Ersatz ausgetauscht. Dicke Frauen werden von ihren Männern in schicken Autos von Klimaanlage zu Klimaanlage kutschiert. Vom Inhalt des Korans wissen wenige etwas. Die meisten orientieren sich an dem, was halt so gemacht wird. Während des Ramadan wird tagsüber gefastet und nachts gefressen. Traditionell werden nächtens Böller gezündet, die teilweise Bomben ähneln. Junge Männer und Frauen tragen Merchandising T – Shirts von Rock Bands, deren Texte garantiert nicht konform zum Islam sind, aber schick sind und Status geben.

Noch treffen hier kontrastreich Welten aufeinander. Doch was z.B. in Deutschland passiert, sprengt die Vorstellungskraft von allen. Soweit sind sie dann doch noch nicht vom echten Leben entfernt.

Ich sehe das Geschehen in Deutschland aus der Ferne. Menschen gehen in Markenklamotten auf die Strasse und brüllen gegen den Kapitalismus an. Sie ziehen marodierend durch die Gegend, skandieren irgendetwas mit Rassismus, während alles an ihrem Körper in Asien unter Umständen, die sie nicht erleben wollen, hergestellt wurde. Sie fressen sich voll mit Produkten, die entweder ökologisch fraglich entstanden sind oder von modernen Sklaven geerntet wurden.

Sie fordern die Abschaffung der Polizei, aber kriegen das Rennen, wenn ein paar rechte Honks auf der Bildfläche erscheinen. Sie mögen keine Pädophilen, rechte Straftäter, Terroristen, aber haben keine Idee, wer gegen die Ermitteln soll. Rechte Konzerte sollen unterbunden werden, aber sie wissen nicht, von wem. Und wenn Oma das Geld geklaut wird, was sie ihnen als Taschengeld zukommen lässt, schauen sie dumm aus der Wäsche.

In der bestehenden Gesellschaftsstruktur orientierungslos gewordene Halbstarke loten ihre Grenzen an Polizeiketten aus, sehen dabei aus, wie bei einem indigenen Initiationsritus, und wenn sie finden, was sie suchen, lamentieren ausgewachsene Mitglieder des Bundestags irgendetwas von Polizeigewalt.

Auf der einen Seite mauern sich die in der Mehrheit befindlichen verängstigten Normalbürger in spiessiger Belanglosigkeit und Drögheit ein, und hoffen darauf, dass die Rechten es richten werden. Denn es wurde der Beweis erbracht: Massengesellschaften benötigen harte Hand und Führung.

Auf der anderen Seite sammelt sich eine Gruppe egozentrisch Denkender, die von ihrem, meist nicht sonderlich weitem Lebensausschnitt ausgehend, hochrechnen.

Menschen mit ähnlichen Erfahrungen, gesellen sich gern zueinander. Traumatisierte suchen sich Traumatisierte, Geschiedene mögen Geschiedene, Handwerker können gut mit anderen Handwerkern und Musizierende finden schnell zueinander. Problematisch wird dies, wenn es keinen anderen Input mehr gibt, Abkapslungen statt finden und sie den Überblick verlieren. Wenn die dann noch politische Seilschaften finden, wird es schwierig. Der einzige Vorteil ist, dass sie schnell an ihrer Gruppensprache erkennbar sind. Für mich stets das Signal für Flucht.

Am Ende entsteht eine Partei voller Nischenvertreter, die übersehen, welche Folgen ihr Handeln für das Gesamte haben.

Ich kann verstehen, dass sich Diskriminierte, Gemobbte, Leute, die sich ständig erklären müssen, biestig, überzogen und ungehalten reagieren. Aber das bringt uns gesellschaftlich nicht weiter.

Wie auch immer. Kaputt machen ohne Plan, bringt nichts. Rechte für dumm halten, ebenfalls nicht. Es läuft auf Überzeugung hinaus und die funktioniert am ehesten mit Vorleben und vorteilhaften Alternativen.

Eine bessere Welt? Ich weiss nicht, wie die aussieht. Ich versuch erstmal zu verstehen, wie die in meinem Kopf zustande kommt. Denn nichts anderes ist gemeint. Die Zusammenfassung aller Infos in meinem Kopf. Ich kann nicht sagen was besser ist, denn ich kenn nur das Bestehende. Ich habe Wünsche, aber die wirken sich vielleicht auf andere negativ aus.

Was ich mit Sicherheit weiss, dass die Menschen beim Stand der Dinge eine Polizei benötigen und sie deren Vorgehen, mit dem eigenen Verhalten formen. So läuft das halt mit der Wechselwirkung. Erst gab es das Unvermögen gem. Vernunft und Verstand zu handeln. Dann wurden Gesetze erlassen. Und da die nicht alle einhielten, wurde die Polizei erfunden. Erst gab es eine Uniform, dann den ersten Stein und als Reaktion den Helm. Eines Tages kam es zum Spalt zw. Volk und Führung. An die Politiker kommen sie nicht ran, also arbeiten sie sich an der Polizei ab. Wer genug Geld hat, lehnt sich zurück und denkt sich: Macht ihr mal.

Polizist möchte ich bei den aktuellen Entwicklungen nicht mehr sein. Das sollen die jetzt mal brav alleine machen. Eigentlich wurde im Film „Das Leben des Brian“ alles über uns gesagt.

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