Vorurteile, Gangster und nun … ?

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Normalerweise sage ich stets: „Ich habe keine Vorurteile, sondern Lebens – und Berufserfahrung.“ Doch dies ist mehr ein eine scherzhafte Bemerkung. Jeder hat Vorurteile mit unterschiedlicher Qualitäten. Ich glaube, dass es gut ist, sich seiner Vorurteile bewusst zu sein. Dies hat nichts mit einem intellektuellen Anspruch zu tun. Man lernt einfach weniger Leute kennen, wenn man sich von ihnen kritiklos und unachtsam durch das leben treibe lässt. Hinzu kommt, dass dieses Intellektuell für mich eher den Charakter eines Schimpfwortes hat, denn von mir als Kompliment zu verstehen ist. Alles zu bedenken funktioniert nicht. Am Ende kommen die Triebe, Gefühle, das ganze unbewusste Gedöns um die Ecke gebogen und belehren einen eines Besseren.

In mir sitzt eine tiefe Abneigung gegen Mitglieder der Mhallami Familien. Das ich dies so konkret benennen kann, ist bereits ein Ergebnis des bewussten Umgangs damit. Damit werde ich mit Sicherheit nicht dem gesamten Volk in Anatolien gerecht. Ich war nie dort, habe niemals mit ihnen gesprochen oder ihre Lebensumstände kennengelernt. Ich kenne sie ausschließlich aus Berlin, Frankreich und mittlerweile auch aus Malaysia. Zeitweilig ging es soweit, dass mich alleine die arabische Sprache aggressiv machte. Dabei war es mir egal, ob ich einen Syrer, Ägypter, Palästinenser oder Saudi vor mir hatte.

Ich habe sie jahrzehntelang als „Poser“, brutale Schläger, rücksichtslose Räuber, dumm dreist, primitiv, als Mörder, arrogant und schmarotzend kennengelernt. Einer von ihnen hat einen meiner Kollegen erschossen. Seine Kumpels drohten mir und Kollegen das Gleiche an. Kommen sie einem auf der Straße entgegen, beanspruchen sie die gesamte Breite. Hält einer dagegen, kommt es zur Schlägerei. Alle Regeln des menschlichen Zusammenlebens, ich meine damit nicht einmal Gesetze, werden von ihnen konsequent ignoriert. Sie haben in den Großstädten die reale Kulisse eines Hollywood Mafia Films erschaffen. Allein schon, wenn man diese Typen sagen hört: „Das ist unsere Stadt!“, kommt einem der kalte Kaffee hoch.

Ich muss nicht einmal ihre Namen kennen. Ihre Zugehörigkeit präsentieren sie mit ihrem Aussehen. Dicke Bärte, ausrasierte Frisuren, halblange Lederjacken, aufgepumpter Körper, fettes Auto, dicker Goldschmuck, Auftreten. Das ist der Punkt. Ob die Araber, Türken oder Außerirdische sind, ist vollkommen irrelevant. Maximal hat es insofern eine Bedeutung, dass sie eine Stimmung gegen andere aus diesen Regionen erzeugen. Mir ist bisher auch noch kein Asiate, eine oder einer vom Nord – /Südamerikanischen Kontinent, Frankreich, Niederlande, Spanien, begegnet, der diese Vögel leiden konnte. Ich bin der festen Überzeugung, dass man ihnen lediglich mit maximaler Härte begegnen kann. Entweder sie lassen sich davon überzeugen, dass es neben ihnen noch andere Menschen gibt oder sie müssen die Gegenwehr spüren.

Natürlich sind sie nicht die einzigen mit dieser Lebensart. Sie teilen dieses Sozialverhalten mit allen anderen Gangstergruppierungen. Ich schreibe bewusst Sozialverhalten. Es besagt lediglich, dass sie mit anderen Menschen in irgendeiner Form interagieren. Leider nicht in einer Form, die es einem anderen Menschen ermöglicht, der auf ein friedliches Zusammenleben aus ist, mit ihnen auszukommen.

Wahrscheinlich gab es historisch solche Zusammenschlüsse schon immer. Raubritter, Freibeuter, plündernde Horden der Normannen, Mongolen, Hunnen. Wurde oder wird solchen Truppen kein Einhalt geboten, kann es keinen Frieden geben. Sie gehen so weit, wie es ihnen gestattet wird. Ethische, moralische oder spirituelle Überlegungen sind von denen nicht zu erwarten. Sie sind die Verkörperung des Skorpions in der Fabel, in der er einen Frosch bittet, ihn Huckepack auf die andere Seite des Sees zu bringen. Verständlicherweise hat der Frosch seine Bedenken. Was ist, wenn der Skorpion mitten auf dem See zu sticht? Dennoch lässt er sich überzeugen. Es kommt, wie erwartet. Der Skorpion sticht zu. Sterbend fragt der Frosch nach dem Grund, immerhin sterben nun beide. Der Skorpion antwortet lakonisch: Das ist halt meine Art.

Die zur Rede stehenden Typen zerstören das Umfeld, welches ihnen Aufenthalt gewährte. Wenn es sich anpasst und ihr Niveau erreicht hat, ziehen sie weiter und nehmen sich die nächste Gesellschaft vor. In der Welt der internationalen Verbrecherorganisationen gibt es eine Hierarchie der Gewalt. Zum Beispiel residierten in den Neunzigern an der Schwarzmeerküste erst die Serben, dann wurden sie von den brutaler auftretenden Bulgaren verdrängt, die wiederum den Russen weichen mussten. In West – Deutschland wurden zu dieser Zeit die alten Mobster, zunächst von den anrückenden Kriminellen aus der ehemaligen DDR vertrieben. Es folgten die Russen, Serben und eben die Clans. Doch noch heute haben die Clans den Tschetschenen und Russen nicht viel entgegenzusetzen. Wenn die ernst machen, steht der Sieger schnell fest. Fragt man bei einer Festnahme einen russischen Gangster, ob er Schmerzen hat, lautet die Antwort: „Njet!“ Fragt man ein Clan – Mitglied, ist das Gejammere groß.

Kriminelle Parallelgesellschaften gehören zum modernen Leben dazu. Aber selbst hierfür gibt es Regeln. Übertreiben sie es, folgt die Reaktion der staatlichen Organe. Zu laut, zu brutal, zu viel Unruhe, verdirbt dem Bürger die Laune und dem Gangster das Geschäft. In den USA kam es deshalb zu Offensiven gegen die Mafia, die Kolumbianer in Miami und selbst die Südamerikanischen Drogenbarone mussten ihre Lektion lernen. Russland forcierte den Kampf gegen die Banden und diverse „Diebe im Gesetz“ setzten sich ins Ausland ab. Unvergessen ist auch die Hochphase in Italien, in der mehrere Ermittlungsrichter ihr Leben ließen.

Doch die Zeiten und Gesellschaften verändern sich. Teile der deutschen Gesellschaft leiden an Realitätsverlust. In grenzenloser Naivität unterstellen sie Späti -, Barber Shop -, Spielotheken – und Shisha Bar Betreibern ein unternehmerisches Interesse und mutmaßen bei polizeilichen Ermittlungen rassistische Motive. Das Wort Geldwäsche scheint in ihrem Wortschatz zu fehlen. Wären es nur einige naive Heranwachsende, könnte darüber hinweg gesehen werden. Doch manch einer versteht sich als ausgewachsener Politiker. Es ist eine Haltung, die man sich nur in Bibliotheken ohne Feindkontakt mit dem echten Leben zulegen kann.

Aber etwas anderes ist auch nicht von der Hand zu weisen. Ohne diverse Schlupflöcher wäre die Geldwäsche kaum möglich. Warum existieren diese Löcher? Nun, weil die halbseidenen Leistungsträger der „legalen“ Wirtschaft an einem Verschluss keinerlei Interesse haben. Außerdem könnten die Clans ihren Geschäften ohne Kontakte zu Notaren, Immobilienmaklern, Rechtsanwälten, Finanz – und Steuerberatern nicht nachgehen. Skrupellosigkeit und Geldgier sind in Deutschland nicht strafbar – eher ist das Gegenteil der Fall. Den einschlägigen Rechtsanwälten ist die Herkunft des Honorars völlig egal. Hauptsache es kann seitens eines ambitionierten Ermittlers nicht nachgewiesen werden, dass es sich bei den Beträgen um Erlöse aus kriminellen Geschäften handelt. Aber wenn die Überweisung aus Beirut kommt, ist alles in Butter.

Prinzipiell wäre es ein Anfang, wenn beim Auftauchen bestimmter Familiennamen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens Warn – und Hinweismeldungen an Ermittlungsstellen gingen. Wenn dies eine oder einer politisch fordern würde, möchte ich den Aufschrei nicht hören. Gleichfalls könnte man Straßen schlagartig dicht machen und jeden Verdächtigen kontrollieren. Und selbstverständlich sind Aussehen, Frisur, Barttracht, Kleidung und ein teures Fahrzeug verdächtig. Warum soll man den Vorteil der Uniformierung der Gangster nicht nutzen?

Wer solche Zeilen schreibt, landet schnell in einer Ecke. Dabei wäre es mal bedenkenswert, wie man eine bessere Gesellschaft organisieren will, wenn man sich dieser Elemente nicht erwehren kann. Erst wenn ich den Willen besitze, die persönliche Verantwortungsübernahme für das gesamte Wohlbefinden der Gesellschaft zu fördern, im Gegenzuge alles Entgegenstehende sanktioniere, die Aktivposten für ein gedeihliches Zusammenleben mit Vorteilen ausstatte und die Egomanen, Kriminellen, Gierigen, schlechter stelle, wird sich etwas verändern. Woher jemand kommt, welchen Background er inne hat, ist dabei völlig egal. Es bleibt bei der alten Weisheit: Wenn ich etwas verändern will, muss ich die Leute von den Vorteilen gegenüber dem IST – Zustand überzeugen. Bisher liegen alle Vorteile auf der Seite der Gier, der Kriminalität, d.h. in der Schädigung eines anderen zur eigenen Besserstellung und in der Nutzung von Lücken. Alles was nicht verboten ist, darf gemacht werden. Nein! Verbote beziehen sich nur auf die erkannten Sauereien.

Eigentlich ist es ganz einfach. Das Verhalten richtet sich danach, welche Verhaltensweisen von der Mehrheit in der Gesellschaft geächtet sind, und welche im Gegenzuge bewundert und honoriert werden. Die Strippenzieher der Konsumgesellschaft haben es geschafft, Motorräder mit Freiheit und Rebellion zu verbinden, dicke Karossen zum Statussymbol zu deklarieren, den Gangster RAP und die damit verbundene Verblödung hoffähig zu machen, etc. pp. … dann sollten sie das Gegenteil auch hinbekommen. Alles eine Frage des Willens. Doch gibt es den … ?

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