Was bilden wir uns ein?

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Es ist noch gar nicht lange her, als Friedrich MERZ von der CDU die von Philosophen geführte Debatte nach einer Europäischen Leitkultur aufgriff und sie kurzerhand auf eine Deutsche Leitkultur reduzierte. Zu diesem Zeitpunkt fagte ich mich, ob dies noch konservativ ist oder bereits ins rechts – konservative Lager gehört. Auf jeden Fall ist es eine Aussage, die dem einen oder anderen nicht bekommt. „Du bist ein Deutscher und bist damit Teil einer Kultur, die es Wert ist, als Leitkultur angesehen zu werden – Du bist wer!“

Der Grundgedanke bezüglich der Notwendigkeit einer Europäischen Leitkultur war recht simpel. Der Philosoph Jürgen HABERMAS stellte fest, dass eine Forderung nach Integration die Definition nach dem erfordert, worin sich eine/r integrieren soll. Anders betrachtet ist es demnach prinzipiell das, wonach Eltern theoretisch die Sozialisation ihres Nachwuchs ausrichten sollten. Eine Deutsche Leitkultur rutscht in eine ganz andere Richtung ab.

Es sind die Fragen, die seit Bestehen Deutschlands im Raum stehen. Seit wann kann überhaupt von einem Deutschland gesprochen werden und was ist diese Deutsche? In jedem Fall gehört es zur deutschen Tradition, diejenigen welche darüber sinnieren und nicht zum gewünschten Ergebnis kommen, zu vertreiben, zu diskriminieren, einzusperren oder gar an die Wand zu stellen. Es ist faszinierend, wie sich gerade Konservative ausgerechnet auf die Philosophen und Intellektuellen berufen, die Deutschland den Rücken kehrten. Bisweilen geht das ins Unverschämte. Wenn ein Rechter wie Gauland ausgerechnet Heine zitiert, kann einem nur noch schlecht werden.

Bis in die jüngere Vergangenheit haben purer Rassismus und Antisemitismus EUROPA und seine Ableger USA/Australien im Denken geprägt. Seien es die europäischen religiösen Fanatiker die die ersten amerikanischen Siedler stellten, die ehemaligen britischen Sträflinge, welche die Aborigines versklavten und ihrer Menschenrechte beraubten, die europäischen Kolonialisten, welche die „Wilden“ in Menschenzoos in Gehege einsperrten (bis hinein in die Dreißiger des 20. Jahrhunderts), sie versklavten oder Massaker an ihnen verübten. Noch heute reagieren einige skeptisch, wenn man ihnen von Reisen in ferne Länder berichtet. „Na ja … so richtig unsere Standards haben die ja nicht!“ Unter Umständen haben sie die tatsächlich nicht, was nicht zuletzt an der Armut liegt. Doch an vielen Orten ist es einfach anders, damit nicht besser oder schlechter – einfach und simpel: anders. Dieses ANDERS ohne Bewertung, ist eine der größten Hürden im Denken eines Mitteleuropäers. Ohne Bewertung funktioniert bei uns fast gar nichts. Eigentlich wird dieses Männern zugeschrieben, aber ich kann nicht erkennen, dass europäische Frauen dagegen immun sind. Meiner Erfahrung nach, hat das auch nichts mit dieser ursprünglichen Herkunft zu tun, es genügt vollauf in Deutschland sozialisiert zu sein, womit dies zu einem kulturellen Aspekt wird. Dies negativ zu bewerten, wäre hier unlogisch. Mir geht es um die Feststellung, dass es auch anders geht und dies seine Berechtigung hat.

Es gibt in der europäischen Geschichte viele dunkle Flecken. Mit dieser Vergangenheit kann nur abgeschlossen werden, wenn man sich ihr stellt, eine Fehlerauswertung vornimmt, sich fragt, wie es dazu kommen konnte, um dann mit allen zusammen etwas Neues anzugehen. Genau dies passiert lediglich in geringen Teilen der Bevölkerung und schon gar nicht vom politischen Establishment ausgehend.

Manche ergehen sich in Geschichtsrevisionismus. „Es mag sein, dass wir nicht nett zu den Hottentotten und Hereros waren, aber andererseits haben wir denen doch so tolle Dinge gebracht.“ Andere setzen auf das Vergessen. Alles ist doch so lange her, was haben sie denn noch mit der Sache zu tun?

Ziemlich einfach! Wer regt sich in Deutschland nicht über kriminelle Strukturen auf, die ihr Geld in aller jüngster Vergangenheit ergaunerten, es nun waschen und eine legale gehobene Existenz anstreben? Das ist EUROPA! Geldwäsche im ganz großen Stil. Wir leben in einem Wohlstand, der ohne kriminellen Handlungen der Vorfahren nicht existieren würde. Von deutschen Kriegsprofiteuren mal ganz abgesehen. Gäbe es eine internationale Geldwäschekommission, wären einige deutsche Industrielle schnell verarmt.

Es ist auch interessant, wenn in diesem Zusammenhang ein Lindner, FDP, darüber referiert, dass kein Mensch das Recht hat sich seinen Platz auf der Erde selbst auszusuchen. Scheint recht einspurig zu sein. Die EUROPÄER dürfen überall ihr Unwesen treiben, im Zweifel tausende Menschen zwangsweise irgendwo hin verfrachten, aber wenn es die anderen machen, sieht alles ganz anders aus? Rechtskonservatives Denken eines selbsternannten Liberalen? Rechts und Geld gingen schon immer in fester Umarmung durch die Geschichte.

Oder was ist mit Seehofer, CSU, wenn er feststellt, dass die Afghanen gefälligst in Afghanistan bleiben sollen, wenn man ihnen so viel Geld gegeben hat. Ich denke die Geschichte der Deutschen Grenze zeigte, dass Menschen keine Lust haben in einem Land zu bleiben, wenn sie wo anders eine bessere Chance haben. Ulbricht ließ sich nicht ohne Grund und zum Spaß errichten.

Was soll das für eine Kultur sein? Was hat denn Deutschland fortwährend zusammen mit anderen europäischen Staaten geprägt. Da wäre auf jeden Fall die von England ausgehende Industrialisierung in Verbindung mit den Folgen einer Entfremdung von der Arbeit, massenhafte Ausbeutung und internationale Konflikte, zu nennen. Die Ausrichtung der Gesellschaften auf Fortschritt, Wachstum, Konsum, Geld und die Implementierung einer Hierarchie, in der nicht die geleistete körperliche Arbeit ausschlaggebend ist, sondern inwiefern das Individuum zur Vermehrung des Kapitals beiträgt. Regierungen setzen alles dran, um den Wohlstand auf einem Mindestniveau zu halten, damit gerade die Deutschen nicht auf dumme Gedanken kommen.

Dann wäre da die deutsche Opfer – Kultur. Der Kaiser wollte auch etwas vom Kuchen der Kolonialisierung abhaben. Deutschland war vom Selbstverständnis her ein Opfer der großen Kolonialmächte. Nach dem Ersten Weltkrieg dauerte es nicht lange, bis sich die Deutschen wieder übervorteilt fanden und es ging in den Zweiten Weltkrieg. Nach der Wiedervereinigung sind es die ehemaligen DDR Bürger, die feststellen, dass die Westfirmen sie über’s Ohr gehauen haben und sie aufgrund der Reparationsleistungen an die UdSSR ins Hintertreffen gerieten, während die BR Deutschland seitens der Alliierten jede erdenkliche Hilfe bekam. Ob zu Recht oder Unrecht, es läuft auf die Formulierung einer Opfer – Rolle und die Ableitung von Forderungen hinaus.

Bei den Briten, die ich unterwegs traf, läuft etwas Ähnliches ab. Die Weinen um ihr Empire und die Degradierung auf eine Insel im Meer. Das trifft sie hart und ist mit Sicherheit ein Grund für den Brexit. Geschichtlich betrachtet, ist das alles ziemlich langweilig. Wie wäre es denn mal mit neuen Überlegungen? Ich benutze mal dieses für deutsche Konservative Unwort: Progressiv.

Ich gehe es mal radikal an. Die Erschaffer des Grundgesetzes hatten die Machtübernahme Hitlers im Nacken. Es galt in diesem Regelwerk Klauseln einzubauen, die eine ähnliche Vorgehensweise von den damals bekannten Radikalen rechts und links zu verhindern galt. Über all die Jahre hat dies vor denen geschützt. Aktuell ergeben diese Klauseln durchaus einen Sinn. Doch nichts ist für die Ewigkeit und einiges im Grundgesetz Formulierte wird stoisch seitens des politischen Establishments ignoriert. Die Welt hat sich verändert. Darauf gilt es zu reagieren. Das Land wird nicht mehr klassisch von anderen Ländern bedroht oder muss sich im Innern mit offenen Visier antretenden Radikalen erwehren.

Das Jahr 1982, mit dem Mißtrauensantrag der CDU/CSU, FDP, war für meine Generation eine politische Zäsur. In seiner legendären Rede brachte Herbert Wehner einiges auf den Punkt. Er brachte zum Ausdruck, dass es nicht verwunderlich ist, wenn sich eine junge Generation angewidert von den abwendet, welche statt Integrität, Geradlinigkeit und Ehrlichkeit zu zeigen, nur noch auf Manipulation und Taktieren stzen. In seiner Rede verwies er auf die Aussage Kurt Schumachers 1947 in Nürnberg.

Erstens: Demokratie beruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit und Ehrlichkeit, zweitens: die Demokratie kann nur leben, wenn die Menschen den Willen zur Objektivität haben und Selbstständig sind, aber: drittens, die technokratische, oder nahezu kriegswissenschaftliche Handhabung der politischen Mittel, führt zum Gegenteil.

Kurt Schumacher, 1947

Im Fahrwasser einer von Helmuth Kohl angeführten CDU/CSU, Genscher und Otto Graf Lambsdorff wandelte sich die Politik und eben auch die Gesellschaft, die künftige Politiker nach sich zog. Man mag beinahe ausrufen: Die alten Kämpfer gegen die Nazis haben es Euch frühzeitig gesagt, jetzt habt ihr den Salat.

Wir wissen gar nicht mehr so genau, wer da alles an der Demokratie herum schraubt oder bisweilen unwissentlich die Wühlmaus an den Wurzeln ist. In vielen Bereichen bilden CDU/CSU, FDP, SPD eine Einheitspartei, die über einen rechten und einen linken Flügel verfügt. Diese Partei trifft Entscheidungen, die letztlich nur die Interessen der oberen Schichten des Landes spiegeln. Nach unten hin wird nicht mit offenen Argumentationen agiert, sondern es werden lediglich manipulative Appelle an Emotionen und Gefühle gerichtet.

Weiterhin wird die Struktur des Landes von internationalen Organisierten Kriminellen und multinationalen Konzernen bedroht. Die Abgrenzung zwischen beiden ist ebenfalls oftmals nicht möglich, hierfür ist die Vernetzung zu groß. Auch ohne Verfassungsrechtler zu sein, ahne ich, dass das Grundgesetz hiergegen auf Dauer nicht bestehen kann. Alles wird sich entwickeln.

Da ist für mich der springende Punkt. Wenn die Bürger nicht ein klares Ziel vorgeben, machen es andere. Ich kann mich mit einem wie auch immer erkauften Wohlstand zufrieden geben oder mir ein bis zwei Gedanken mehr machen. Der Klimawandel mit all seinen Folgen wird Entscheidungen abfordern. Selbstverständlich kann ich die Wohlfahrtsstaaten abschirmen. Es ist nur eine Frage der Mittel und ob sie einsetzen will. EUROPA startet diesbezüglich aktuell einen Testballon. Im Flüchtlingscamp Moria wird wahrscheinlich CORONA ausbrechen. Alles eine Frage der Zeit. Die Menschen dort haben dem wenig entgegen zu setzen … Problem gelöst. Halte ich Schiffe nur lange genug auf See, kommt ohnehin nur noch ein Drittel an. Wenn ich die entsprechend mies behandle, ist das langfristig auch eine Lösung. Bereits jetzt zahlt EUROPA Kriminellen Geld dafür, dass sie die Flüchtlinge in der Wüste halten. wo sich das Thema ebenfalls erledigt.

In Berlin ist gerade ein Zuwachs an Geldwäsche internationaler Krimineller Strukturen zu beobachten. Im Verhältnis zu anderen Metropolen war die Stadt bisher ein exotischer Zwerg. Dies wird sich ändern. Bereits jetzt arbeiten Makler, Immobilienhaie und Strukturen Hand in Hand. Jeder will etwas vom Kuchen abhaben. Meinem Lebensgefühl nach, ist ein großer Teil unserer modernen Kultur vom Anhäufen von Statussymbolen, Geld und Konsum geprägt. Da fällt die Integration nicht sonderlich schwer. Mit einem repräsentativen DAIMLER oder BMW in der Gegend herum zu fahren, entspricht exakt der deutschen Kultur des 21. Jahrhunderts. Sich Teilen der Presse als manipulatives Lobbyinstrument zu bedienen, ebenfalls.

Zurückhaltung, Bescheidenheit, einen Blick auf die Nachhaltigkeit zu haben, der Lebensleistung, einer gewissen Solidität in der Lebensführung Respekt zu zollen, sind Schnee von gestern und mehr die Angelegenheit einer aussterbenden Nachkriegsgeneration, die noch von einer längst verstorbenen Generation politisch engagierter Aufbruchvisionäre angeführt wurde. Das ICH, als Element, welches das Große positiv beeinflusst, hat ausgedient. Es ist wie beim Fußball. Wenn ich nur Stürmer habe, die selbst das Tor erzielen wollen und beim Fummeln nicht den Kopf hoch nehmen, gewinne ich ein oder zwei Spiele, aber nicht das Turnier.

Ich selbst habe auch keine Lösungen parat. Muss ich aber auch nicht. Mein Job war es immer, denen die sich über Lösungen Gedanken machen sollen, den Rücken frei zu halten. Doch ich sehe, dass das in dieser Art und Weise kein gutes Ende nimmt. Mein Beitrag kann darin bestehen, dass ich versuche in meiner unmittelbaren Umgebung kleine Marken zu setzen.

Manchmal ist selbst das frustrierend. Mit einer gewissen Traurigkeit sehe ich, wie sich Teile der Gesellschaft Regel gerecht vorführen lassen. Sie meinen es nicht einmal böse. Was einige Abziehen, sprengt schlicht ihre Vorstellungskraft, weil sie dieses Denken niemals kennenlernten. Vielleicht ist auch dies ein Aspekt einer neuen Kultur. Die Gutmütigkeit und Aufgeschlossenheit auszunutzen, ist ein alter Hut. Unter Ganoven gibt es solche und solche Charaktere. Selbst in kriminellen Kreisen gibt es Leute, die unter der rüden Bezeichnung Arschloch laufen. Der Unterschied besteht darin, ob man kriminell ist, weil man irgendwie durch das Leben kommen will oder ob man alles um sich herum als Beute betrachtet, was sich nicht schnell genug auf den Baum rettet. Bei diesen Charakteren ist die Grenze zwischen legal oder illegal fließend. Das Kriterium ist die Auswahl der zur Verfügung stehenden Mittel mit denen man sich bereichert. Nicht jeder bekommt im Leben die Chance BWL oder Jura zu studieren. Die anderen müssen halt jenseits der Gesetze agieren. Das Ziel ist identisch.

Gäbe es eine Kultur, die Besitz und Reichtum, mehr oder weniger auf dem Rücken anderer generiert, ächtet, würde es anders aussehen. Oder wäre das geckenhafte Präsentieren des Ergaunerten, Zusammengerafften, Erschlichenen, jenseits aller ethischen Vorstellungen Ergatterte, despektierlich, gäbe es weniger Interesse daran. Hätte eine breite Mehrheit die Nase von warmer Luft, Appellen an die niedrigen Ebenen und Gier voll und würde danach Handeln, sehe die politische Landschaft anders aus.

Was wäre mit einer Kultur, in der Weisheit und Intelligenz gehuldigt wird? Natürlich gibt es diese Menschen in Deutschland. Dummerweise kommen die zu Ergebnissen, welche der Macht nicht behagen. Weniger, weil sie nicht zu ähnlichen Ergebnissen kommen, sondern weil sie nicht mehr aus der eigenen Nummer herauskommen. Über Jahrzehnte hinweg haben sie sich gegenseitig hoch gepusht. miltärwissenschaftlich taktiert (wie es Schumacher ausdrückte) und den politischen Gegner diffamiert. Wie soll man jetzt noch zur Wahrheit, Integrität, Geradlinigkeit zurückkehren, ohne die Wähler an die Populisten zu verlieren, die einfach munter weitermachen? Wenn mir einer ein weiches Hotelzimmerbett verspricht, mich hofiert, werde ich mich nicht dem zuwenden, der mir einen Camping Platz anbietet.

Deutsche Leitkultur? Das kling auch ein wenig nach Klischees. Deutsche Planungsstruktur (unter Backpackern als „The German Way“ bekannt), Deutsche Marken (die häufig nur ein Gehäuse mit Aufdruck darstellen), Deutsche Pünktlichkeit, ein herrischer Dialekt, deutsche Arbeitswut und der deutsche Feierabend nach getaner Arbeit. Wobei sich die an geleisteten Stunden und nicht an Ergebnissen orientiert. In Zeiten der Digitalisierung und einer sich verändernden Arbeitswelt ein heikles Thema. Und immer ganz wichtig: Fortschritt, Wachstum, Unzufriedenheit – wer immer mehr haben will, wird nie zufrieden sein.

Was bilden wir uns ein? Wir machen alles richtig! Kann doch jeder sehen. Exportweltmeister, weltweiter Waffenlieferant, mit eins der reichsten Länder der Welt (zumindest für ein paar wenige eine tolle Sache), ein noch bestehendes Sozialsystem (welches spätestens bei der anstehenden Altersarmut mächtig ins Schlingern geraten wird) und die gelebte Arroganz, dass wir wieder eine führende Rolle in EUROPA einnehmen. Es geht also ausschließlich um Geld. Wenn sich das mal nicht im Hinblick auf die Entwicklung unser Welt als Schuss in den Ofen erweisen wird. Doch es funktioniert erst einmal. Die paar Irren, die bei Corona – Demonstrationen grenzdebil durch die Gegend laufen, atmet die Mehrheit entspannt weg.

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