Das Dilemma

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“Mann, im Fight Club sehe ich die stärksten und klügsten Männer kämpfen, die jemals gelebt haben. Ich sehe all dieses Potential und ich sehe die Verschwendung. Verdammt, eine gesamte Generation zapft Benzin, räumt Tische ab oder sie sind Bürosklaven in Anzügen. Werbung macht uns heiß auf Autos und Klamotten, wir arbeiten in Jobs die wir hassen, nur damit wir Scheiße kaufen können die wir nicht brauchen.”

aus dem Film FIGHTCLUB

Ich las mal irgendwo, dass führende Politiker ein gewisses Interesse daran haben, größere Teile der Bevölkerung auf einem einfachen Bildungslevel und politischer Verdrossenheit zu halten. Mit solchen Aussagen kann ich nicht viel anfangen. Dies bedarf eines Vorsatzes, eines Plans, Personal, Logistik. Dies dürfte in den meisten Staaten wegen der Komplexität der Vorgänge nicht vorhanden sein.

Eher gehe ich davon aus, das alles zu Beobachtende die Ergebnisse von sich gegenseitig bedingenden Prozessen sind. Doch meiner Beobachtung nach neigen Leute, die sich politisch interessieren und sich berufen fühlen an der Gestaltung einer Gesellschaft, der Wirtschaft und den Geschicken eines Landes mitzuwirken, zur Arroganz. Überhaupt bringt alles, was gesellschaftlich als Erfolg deklariert wird, diese Arroganz mit sich. Was ist überhaupt Erfolg? In erster Linie das Erreichen eines Ziels. Dieses Ziel kann ich selbst festlegen oder ich orientiere mich an denen, die mir von anderer Seite her vorgegeben werden. Übernehme ich die Ziele anderer, legitimiere ich sie bewusst oder unbewusst dazu, mir diese zu formulieren.

Allgemein gilt, dass über Standpunkte nicht diskutiert werden kann. Eine Diskussion setzt ein gemeinsames Ziel voraus. Gegenstand der Diskussion ist der Weg, der genommen werden soll. Leute die Standpunkte einnehmen und über diese sprechen, befinden sich in einer Debatte. Sie beschreiben, wo sie stehen und erhoffen sich davon, dass andere zu ihrem Standort hinkommen. Dies sind zwei grundlegend verschiedene Prozesse. Wird von „rechts“, „mittig“ oder „links“ gesprochen, sind das Standortmitteilungen. Wer dort steht oder sich hin begibt, sammelt sich mit anderen an einem Punkt, von dem Wege zu einem benannten Ziel hingehen. Einst war das einfach zu überschauen. Wer gegen die Allmacht eines Königs und Zuweisung der Macht per Geburt war, saß linksseitig und die Monarchisten auf der rechten Seite. Kaiser, König, Adel und Kirche bestimmten die Ziele, oftmals auch die Wege. Dann wurden sie abgelöst. Für kurze Zeit übernahmen die Bürger. Doch diese Phase erledigte sich schnell. Für sehr kurze Zeit übernahmen im Königreich Bayern sogenannte intellektuelle Freigeister die Führung und riefen die Räterepublik aus. Sie scheiterten am damals von nahezu jedem erlernten Bedürfnis nach Autorität, welches sich durch das Militär manifestierte. Im Nachgang übernahm der neue Adel, die Industriellen, und diejenigen welche zwar nicht vom Geld gesegnet wurden, aber die Fähigkeit besaßen, für diesen neuen Adel die passenden Strukturen zu erschaffen.

Nach meinem Verständnis der Geschichte ging es seit dem Verlust der klerikalen Macht und des Kirchenvermögens immer um die Errichtung einer neuen Machtstruktur zum Aufbau von Vermögen. Erst übernahm der Adel, dann die Industriellen. Ohne die Unterstützung des industriellen Adels, wären die Nationalsozialisten niemals an die Macht gekommen und alles was Hitler und seine Mitstreiter unternahmen, ist mit dem Kapital untrennbar verwoben. Darf ich davon ableiten, dass der Standort „rechts“ stets vom Erhalt der bisherigen Machtverhältnisse, also den Inhabern des Kapitals, geprägt ist? Weiterhin, dass es zu jeder Zeit Leute gab, denen ein paar Stücken der Torte spendiert wurden? Das diese „Machtstrukturen“ immer die Aufbauform einer Pyramide haben? Eine, in der im mittleren Sektor genug Geld vorhanden ist, um nicht mürrig zu werden?

Auch wenn ich ein absoluter Mathe – Idiot bin, fasziniert mich seit Jahren die Spieletheorie. Wiederkehrende Situationen werden auf Gesetzmäßigkeiten hin analysiert. Auf Basis der Ergebnisse werden für kommende Situationen die optimalen Taktiken zur Lösung von Dilemma, Entwicklung von Entscheidungen und Handlungsstrategien entwickelt. Auf die Herleitung mittels Formeln verzichte ich und vertraue den Leuten, die damit mehr anfangen können. Dort gibt es den Begriff des „Öffentlichen Gut“. Also etwas, worauf theoretisch alle zugreifen können. Hierzu wurden unterschiedliche Versuchsanordnungen entwickelt. Was passiert, wenn Menschen ein derartiges Gut nutzen? Zum Beispiel ist die Entwicklung der Erde und der vom Mensch verursachte Zerstörungsprozess Teil der Betrachtungen.

Bei WIKIPEDIA steht zum Begriff „Soziales Dilemma“:

Soziale Dilemmata liegen vor, wenn die bestmögliche Verfolgung der individuellen Interessen der beteiligten Akteure diese in einen Zustand führt, der sie schlechter stellt als Lösungen, in denen auf die beste Handlung zur Maximierung der individuellen Interessen verzichtet wird. Die mathematische Spieltheorie bezeichnet entsprechend soziale Dilemma als Situationen, in denen im Vergleich zum Wohlfahrtsoptimum bzw. zur Pareto-Effizienz mindestens ein defizitärer Gleichgewichtszustand vorliegt. So kann ein soziales Dilemma etwa in einer gesellschaftlichen Konfliktsituation bestehen, bei der zwei unterschiedliche Interessengruppen einander im Wege stehen und gemeinsam schlechter dastehen als bei einer kooperativen Lösung.

Die ökonomische Beschreibung sozialer Dilemma besteht darin, dass das interessenbedingte Handeln der Gruppen zu sub-optimalen Zuständen führt. Die Beschreibung des optimalen (erstrebenswerten) Zustandes unterliegt natürlich der Bewertung. Ein Arbeitsuchender bewertet Tariflöhne vermutlich anders als ein Beschäftigter. In eindeutigen Fällen kann man die Pareto-Optimierung anwenden. Ausgehend von diesem Optimum kann man definieren:

Jeder Beteiligte erhält durch eine nicht-kooperative Handlung einen höheren Gewinn als durch eine kooperative Handlung, und alle Beteiligten sind insgesamt besser gestellt, wenn sie kooperieren, als wenn jeder die egoistische Wahl trifft.

Seite „Soziales Dilemma“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 8. August 2020, 13:36 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Soziales_Dilemma&oldid=202601143 (Abgerufen: 6. Oktober 2020, 11:19 UTC)

Treffen sich Länder zu einer Konferenz verfolgen sie eigene Interessen. Statt den Gewinn für die gesamte Menschheit zu favorisieren, setzen sie auf die eigenen Vorteile. Knallharte Spieltheoretiker geben keiner Klimakonferenz eine Chance. Genauso wenig halten sie etwas davon, mit einem guten Beispiel voranzugehen, um so andere zu beeinflussen. Es entsteht hierdurch maximal eine Lücke, in die andere hineingrätschen. Politisch rechtsseitig ist die Antwort einfach: Es bringt nichts! Also sehen wir lieber zu, dass unsere Interessen gewahrt bleiben. Alles was wir tun können, ist mit mehr Geld und Investitionen Techniken zu finden, die uns Vorteile verschaffen, andere aufhorchen lassen, so dass sie sich anschließen. Bei mir kommt diesbezüglich Skepsis auf.

Bisher hat uns dies alles von einer Katastrophe in die nächste geführt. Maximierung der Produktion, Eingriffe in die natürlichen Bedingungen zur Steigerung von Ernteerträgen, genetische Manipulationen, Steigerung der Effizienz der Waffen, Atomkraft … die Liste ist lang. Der grundlegende Fehler liegt für mich in der Definition. Die natürlichen Gegebenheiten des Planeten Erde, sind eben keine Güter oder Ressourcen. Sie sind Teil eines übergeordneten Systems, in dem der Mensch schlicht eine kleine Position ist. Ein lebender Körper ist ein faszinierendes Ergebnis dieses Systems. Und wir wissen, dass ein kleiner Virus oder wenige Spuren einer toxischen Verbindung, diesem Körper das Leben entziehen kann. Die Annahme in dieses System optimierend eingreifen zu können, halte ich für eine im Zeitalter der Industrialisierung entwickelten tödlichen Arroganz des Großhirns. Davor waren die Menschen bei schwindenden Lebensgrundlagen gezwungen, weiter zu ziehen oder die Leute in der besser aufgestellten Nachbarregion zu überfallen. Doch es gab auch immer wieder Völker, die über einen gewissen Zeitraum gut mit dem Vorhandenen wirtschafteten und nicht bei den Nachbarn einfielen. Tragischerweise wurden sie meistens Opfer von denjenigen, welche diese Fähigkeit nicht entwickelten.

Es gibt in der Spieltheorie einige Schwachpunkte. Sie entwickelte sich aus dem Bereich der Ökonomie. Alle Ansätze beziehen sich auf das Handeln von Menschen, die eben in dieser Ökonomie sozialisiert wurden. Zeitweilig gingen die Vertreter vom Ideal aus. In einem Setting wurden zwei Studenten 50 USD angeboten, die sie bei der Einhaltung folgender Bedingungen behalten durften. Das Geld erhielt einer der beiden zum Aufteilen. Stimmte der zweite Student der Aufteilung zu, durften sie das Geld behalten. Bei Ablehnung bekam keiner etwas. Faktisch hätte der zweite Student selbst bei einer Verteilung 49 zu 1 USD, mehr Geld in der Tasche gehabt als zuvor. Tatsächlich führten schon relativ geringe Abweichungen vom 50:50 Verhältnis zur Ablehnung. Der Faktor Mensch stand der Ökonomie entgegen.

Jener Faktor, der jede neoliberale Theorie sabotiert. Dort wird von idealen Märkten ausgegangen, die nach rationalen und ökonomischen Voraussetzungen funktionieren. Schnell erkannten findige Strategen, dass diese mittels Werbung, Propaganda und Appellen an die Gefühle der Menschen ausgehebelt werden können. In Verbindung mit der ebenfalls falschen Annahme der unendlich vorhandenen, weil sich ständig reproduzierenden Rohstoffe, ist der Neoliberalismus eine widerlegte Theorie, die abgeheftet werden könnte. Es geschieht nicht, weil sie einer geringen Anzahl Mächtiger die Position sichert, welche über ausreichende Mittel verfügen, die erwähnten Strategen zu bezahlen.

Immerhin gibt es bei den Spieltheoretikern kompliziert ermittelte Taktiken zur Änderung der Spielregeln, die dann zur Änderung des Ergebnisses führen. Eins stört mich dabei. Auf der Erde verstreut gibt es noch hier und da indigene Völker, die mit Maximierung, Ökonomie in unserem Sinne, nicht einmal mit Geld, etwas anfangen können. Ihre innere Programmierung entspricht abzüglich der in Europa vorherrschenden Sozialisierung durch Wirtschaft und Gesellschaftsformen zu 100 % unserer eigenen. Im Gegensatz zu uns sehen sie sehr wohl die Notwendigkeit des Einklangs mit dem vorgefundenen natürlichen System und der Abhängigkeit aller Lebewesen zueinander. Dies bedeutet: Es ist möglich anders zu leben und der Mensch ist nicht dazu verdammt, unseren Weg in den Abgrund zu gehen.

Ich glaube, man kann noch einen Schritt weiter gehen. Die wenigen ansatzweise noch als indigen zu bezeichnenden Frauen und Männer die ich treffen und sprechen durfte, tragen in sich einen Gefühlscocktail aus Wut, Verzweiflung, Überlebenswillen und eine gehörige Portion Verachtung für die Lächerlichkeit der in der Natur vollkommen hilflosen Kleinkinder aus den angeblich zivilisierten Staaten. Vielleicht gereichen ihnen ihre Kenntnisse noch einmal zum Vorteil. Es bedarf nicht viel, um die Masse der westlichen Gesellschaften an den Rand zu bringen. Ein größerer Blackout, eine weltweiter Zusammenbruch der Finanzmärkte, ein weltweiter Computervirus … und schon haben die alle Vorteile in der Hand.

Doch noch einmal Retour zum „öffentlichen Gut“. Für mich ist die Bezeichnung nicht griffig genug. Gemeint sind die Dinge, die uns alle unmittelbar betreffen. Das Klima, die Lebensgrundlagen, Grund – und Boden, Wasser und die Chance friedlich und unversehrt zu leben. Abgesehen von Straßen und öffentlichen Plätzen ist der meiste Grund und Boden im Privatbesitz. Berliner Straßen und Plätze sind der Beweis, dass eine Kooperation wünschenswert und zielführend wäre, aber es nicht funktioniert. Wobei sich mir bisher nicht erschlossen hat, welchen Vorteil ich vom Wegwerfen meines Mülls oder dem Spucken auf die Straße habe. Erst kürzlich wurde ich fast in eine Schlägerei verwickelt, weil ich einen jungen Mann bat, dies zu Unterlassen. Wörtlich sagte der Typ: „Was kümmert Dich? Geh weiter … !“ Genau, was kümmert es mich? Wie viele seiner Art wachsen da draußen heran? Und wo landen wir mit denen in 10 Jahren? Nebenbei ist das keine Frage der Herkunft. Dies scheint ein internationaler Schwund der kognitiven und sozialen Fähigkeiten zu sein.

Ein Nebenaspekt bei der Angelegenheit. Verhalten, welches für ein Miteinander ungeeignet ist, wird favorisiert, während ein positives Sozialverhalten immer mehr Nachteile mit sich bringt. Mal abgesehen davon, dass die Stadt Berlin für Geldwäsche aus Kokaingeschäften von Verbrecherbanden mit Shisha Bars, Barber Shops, Wettbüros und Spielotheken geflutet werden und damit ohnehin kaum legales Geld erwirtschaftet wird, stellt sich die Frage, warum dennoch Leute dorthin gehen. Oder warum hören sich Heranwachsende die Aufforderungen zum Leben als fieser Typ an und werfen dem auch noch Geld in den Rachen? Ich habe nichts gegen harte Texte, aber was BUSHIDO, FLER und Konsorten verzapfen ist absolut unterirdisch. Wohlgemerkt sie dürfen das, aber was ist mit denen los, die das mögen? Was ist mit Journalisten, Kriminologen, Politikern passiert, die sich schützend vor Kriminelle stellen? Doch letztlich sind das kleine Fische. Eine ganze Nation stützt einen langsam als Kriminelle Vereinigung erscheinenden Fußballverband. Korrumpierende und selbst korrupte Funktionäre haben einen quasi Heldenstatus, statt dass man lieber nicht in ihrer Nähe gesehen werden will.

Kann man Kooperation erzwingen ohne selbst zum Diktator zu werden? Gibt es denn keine brauchbare Option diese sozialen Dilemma zu überwinden? Es muss doch irgendwie zu machen sein. Oder doch nicht? Sind wir, die Menschen, dazu verdammt Überheblichen hinterherzulaufen, die sich über alles stellen? Über das faszinierende, unfassbar perfekte natürliche Lebenssystem Erde, dessen inneres Zusammenspiel uns nicht einmal ansatzweise bekannt ist. Mit technischen Innovationen, die neue Probleme schaffen, wollen sie alles richten? Die Menschen, welche mittlerweile sogar den Orbit zugemüllt haben?

Wie sieht das aktuelle Abbild der Lage aus? In Deutschland versuchen zwei sich gegenüber stehende Parteien die Deutungshoheit über die Sprache, Kunst und ihrer Zulässigkeit zu übernehmen. Die einen, jene mit dem Rechtsdrall, tun dies seit ihrer Existenz. Dabei befanden sie sich in der Tradition des Klerus, dem Adel und der nachfolgenden Konservativen. Die Vorgehensweise gehört zu ihrem politischen Instrumentarium. Die Kommunisten folgten ihnen. Wer sich den Neuschaffungen nicht beugte oder Altes nicht im Sinne eines Lenin, Stalin, Mao oder nach Diktion der SED verwendete, verschwand von der Bildfläche. George Orwell setzte sich hiermit auseinander und verarbeitete seine Auffassungen im Roman 1984. Er war nicht zwingend ein Gegner vom Unterlassen einer Verwendung bestimmter Wörter, wenn ein verbesserter Ersatz etabliert wird, der ausdrucksstärker ist. Um so treffender ein Begriff etwas beschreibt, desto freier die Gesellschaft und umfassender die Gedankengänge.

Doch wofür setzen sich heute die dominanten Kräfte ein? Einige stürzen sich mit Vehemenz und wenig Verständnis für die breiten Anteile der Gesellschaft auf Rassismus, Diskriminierung und Feminismus. Und weil sie keinen Kontakt zu den restlichen Teilen der Gesellschaft besitzen, schießen sie weit über das Leistbare hinaus, erzeugen Unwillen und damit das Gegenteil des Gewollten. Eine eher gefährliche, als nützliche Entwicklung. Doch richtig übel ist der Versuch, die Kunst als Spiegelbild der jeweiligen historischen Gesellschaft im Nachgang zu bereinigen. Beispielsweise verwendete Astrid Lindgren den Begriff „Negerkönig“. Geht es nach den soziologischen Bilderstürmern, dürfte hier nicht einmal das Wort stehen. Fakt ist, dass Kinder in der Entstehungszeit, diesen Begriff verwendeten. Es anzusprechen ist in Ordnung, ein nachträgliches redigieren ist absolut unzulässig. Zumal sich die Frage stellt, wo es beginnt und wieder endet. Da dürfte jeder seine eigenen Vorstellungen haben. Es ist auch eine Absage an die Erfolge der Entwicklung. Moralische Verbote, wie sie Schriftsteller aus allen vorhergehenden Epochen erfuhren, schienen überwunden. Heute würde niemand mehr Karl May als jugendgefährdend einstufen, einem Henry Miller die Publikation seiner Werke untersagen oder einen Ginsberg wegen vermeintlicher Pornografie vor Gericht stellen. Oder doch? Geht es wieder in diese Richtung? Die Angelegenheit hat zwei Seiten.

Gestehe ich den übermotivierten Soziologen das Recht einer Diktion bei der Sprache zu, erzeuge ich rechtsseitig eine Legitimation. Mit welchem Recht sollte ich ihnen dann ihre Euphemismen, die über den wahren Inhalt täuschen, ihre Implementierung naturwissenschaftlicher Begriffe zur Erzeugung einer vermeintlichen Seriosität und die Appelle an Gefühle zum Zwecke der Erweckung des Irrationalen, versagen? Und irgendwo dazwischen steht der ganz normale Durchschnittsbürger mit Fragezeichen auf der Stirn. Ich schließe einfach mal von mir auf andere. In den letzten fünf Jahren musste ich immer wieder Suchmaschinen benutzen um Debatten und Diskussionen folgen zu können. Framing, Cancel Culture, Gender, Gentrifizierung, politically correct, common sense, sind noch die einfachen Worte. Ich setze mal für mich voraus, dass ich aufgrund der Fremdsprachen Englisch, Französisch und ein wenig Latein, Griechisch, relativ gut gewappnet bin. Damit bin ich mit Sicherheit nicht der Bildungsdurchschnitt. Im ersten Schritt verstummen viele einfach und nehmen am Diskurs nicht mehr teil. Im zweiten Schritt regt sich innere Empörung und Ablehnung. Beim dritten Schritt wenden sie sich den Leuten zu, die ihnen sprachlich entgegen kommen. Ausgerechnet die Propagandisten und Akademiker im rechten Lager haben dies gut erkannt.

Sie befinden sich hierbei in einer Allianz mit den seit Jahrzehnten etablierten Parteien. In der Politik wird nicht mehr über Ziele, Vorstellungen, Maßnahmen oder die Gründe, welche am Ende zur Auswahl unter mehreren Optionen führten, gesprochen. Alle im Bundestag vertretenen Parteien bedienen sich der bis ins kleinste Detail ausgeklügelten Taktiken und Manipulationstechniken der Werbung, die den Konsum steigern sollen.

Die Frage war: Wie lässt sich das soziale Dilemma überwinden?

Eine Lösung besteht in der Kommunikation. Jene, die meiner Meinung nach, in der Breite kaum noch funktioniert. Mit anderen Worten: die Lösung des Dilemma wird von mehreren Seiten bewusst oder unbewusst verhindert. Die Taktiken der Rechten, ich meine an dieser Stelle die faschistischen Strömungen und die der PR Agenturen der gemäßigten Parteien, fördern stets das unkooperative Verhalten mit einem subjektiven Vorteil, der in der Addition zum Desaster aller führt. Dies gilt im Kleinen und im Großen. Die Schwellenländer fahren derzeit eine durchaus nachvollziehbare Kampagne, dass sie nunmehr im 21. Jahrhundert das Recht besitzen, es den westlichen Industriestaaten gleich zu tun. Für den wirtschaftlichen Aufstieg, wird derzeit in Südostasien und Südamerika alles geopfert. Indien baut seine Flugzeug Flotte massiv aus. Gleichzeitig versuchen sie mit allen Mitteln einen Wohlstand zu erzeugen, der den Indern eine Teilnahme am Zirkus der Wohlstandsgesellschaften ermöglichen soll. In den Ländern gibt es durchaus einen Widerstand. Einige wenige sagen: lasst uns deren Fehler im sogenannten Westen nicht nachmachen. Ich persönlich räume ihnen wenige Chancen ein. In den afrikanischen Staaten werden weiterhin sorgfältig ausgewählte Marionetten eingesetzt, die brav dem westlichen Muster folgen. Unfälle werden mittels militärischer oder nachrichtendienstlicher Operationen bereinigt. Oben drauf sitzen multinationale Konzerne, die sich jeder gesellschaftlichen Kontrolle entziehen. Sie funktionieren über Aufsichtsräte, Manager und Aktionäre, die zu 100 % nach dem Prinzip, nicht zu kooperieren erzeugt größere Gewinne, als sich dem übergeordneten Gesamtinteresse zu widmen, funktionieren.

Viele moderne Analytiker und Philosophen sind der Meinung, dass der Mensch, wie er bis zum Ende des 20. Jahrhunderts existierte, die nächsten Jahrzehnte nicht überleben wird. Mittels Technik, die teilweise Bestandteil des Körpers wird, werden Menschen die selbst erzeugten lebensfeindlichen Bedingungen überleben. Dabei ist fraglich, inwieweit die ärmeren Länder dabei mitziehen können. Wahrscheinlich ist dieser Drops gelutscht. Bereits Corona weist dabei auf einiges hin. Auf der südlichen Halbkugel existieren ungleich mehr Möglichkeiten an einer Krankheit innerhalb kürzester Zeit zu sterben. Malaria, Dengue, Ebola, fiese Parasiten, Entzündungen, raffen die Menschen dahin. Einige könnten behandelt werden, aber die Gesundheitssysteme schaffen es nicht die breite Masse zu retten. Malaria kann bei uns behandelt werden, gegen Dengue existiert eine Impfung für Personen im Alter zwischen 9 – 45 Jahren, doch dies gilt alles nicht für Menschen, die sich mit ihren Mitteln ca. 3 Tage am Leben erhalten können. Das ist der springende Punkt. Wie stehe ich zu Corona – Eindämmungs-maßnahmen, wenn ich eine Option habe, die Krankheit zu überleben, jedoch durch Entkräftung, Verfall des Systems, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sterben werde?

Die USA, China, Russland und Europa haben sich entschlossen, über einen ungewissen Zeitraum mittels nationalen Egoismus eigene Vorteile zu erlangen. Irgendwann wird dies vorbei sein und die Gesamtheit der Weltbevölkerung zahlt den Preis. Es sei denn, irgendjemand übernimmt die Führungsrolle und durchbricht das Dilemma. Weltweit wächst eine Bewegung, die sich das Ziel eines Ausstiegs aus dem bisherigen System gesetzt hat. Sie favorisieren hierbei kleine kommunale Lösungsansätze, welche die Überwindung quasi evolutionär herbeiführen sollen. In den besser aufgestellten Staaten mag das unter Umständen funktionieren. Bei den von den Großmächten kontrollierten Staaten sehe ich das nicht.

Eine andere Option der Überwindung ist der wie auch immer geartete Clash. Ausgelöst vom ersten Staat, der mit dem Rücken an der Wand steht und die Möglichkeiten besitzt oder einer gigantischen plötzlichen Naturkatastrophe. Prozesse lassen sich nur analysieren, wenn genug bekannte Parameter existieren und ungehindert ablaufen. Im Prinzip beginnt dann das Dilemma von vorn. Doch vielleicht schaffen es die Märkte und das Finanzsystem ganz allein. Gemäß einiger Experten ist der totale Zusammenbruch durchaus denkbar. Dann mischen wir die Karten neu. Ich gebe zu, dass ich dies für den wahrscheinlichsten Verlauf halte. Der ganze Mist ist so was von unnatürlich konstruiert und kompliziert gestaltet, dass er uns einfach um die Ohren fliegen muss. Den Kram hat keiner mehr unter Kontrolle. Komplizierte Pläne gehen immer schief!

Konrad Adenauer sagte in einem Interview, dass die Kunst darin besteht, hinter dem scheinbar Komplizierten das Einfache zu finden, erst dann hat man es verstanden. Die einfachste Lösung wäre, sich an einen Tisch zu setzen und der Politik konsequent Wissenschaftler, Philosophen und Analytiker vor die Nase zu setzen, die keinerlei nationale Interessen verfolgen. In etwa, wie Harald Lesch immer sagt: „Die Lösungen liegen seit Jahrzehnten auf dem Tisch.“ Aber wer soll sie innerhalb eines Systems umsetzen, welches Typen wie unsere aktuellen Staatenlenker produziert?

Bei allem muss ich für mich selbst eingestehen, dass ich wie viele andere zu feige bin, für meine Überzeugungen konsequent einzutreten. Ich ziehe mich gern auf die Haltung zurück, dass ich rücksichtsvoll zu anderen sein will und mich im Zweifel an die Vorgaben des Grundgesetzes halte. Möglicherweise betrüge ich mich dabei selbst. Anders herum habe ich im Buddhismus eine interessante Fragestellung kennengelernt. Es bestehen zwei große Ausrichtungen. In der einen wird angestrebt alle auf den richtigen Weg zu bringen und in der anderen geht es um den Weg des Einzelnen. Denn am Ende ergeben viele Einzelne auch eine Mehrheit. Das klingt auch ein wenig nach dem Dilemma. Es gibt aber einen alles veränderndes Detail. In der Lehre des Buddhismus geht es nicht um die gegenständlichen oder sozialen Vorteile gegenüber anderen! Womit das Dilemma seiner Grundlage beraubt ist. Und wie trägt man dies in die Welt hinaus?

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