September 23 2020

Die Insel

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Monkey Island

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Wir saßen auf der Holzplattform des traditionell konstruierten Hauses. Unten eine Holzterrasse mit einer kleinen Küche und darüber auf Pfählen der geschlossene Teil, in dem sich eine kleine Radiostation befand. Wir aßen gemeinsam von dem Reis mit Fisch, in dem sich jeder mit den bloßen Händen vom Teller bediente. Dazu gab es aus einer Karaffe kalten Tee mit kleinen Geleestücken. 

„Andreas, kommst Du Morgen mit zur Insel?“, fragte Big Roy. Wie die anderen Einheimischen um mich herum, hatte er sich diesen Namen als Ersatz für seinen islamischen Namen zugelegt. Fat Roy, Indian Roy, Little Roy, aber auch „I“, „AI“, „G“, alles Beachboys, trugen offiziell eine elend lange Aneinanderreihung von Namen des Vaters, des Vaters vom Vater und einem religiösen Symbolnamen. Ziemlich uncool, wenn man das Leben eines Rebellen führen will. Es war die Zeit der Corona Pandemie und der hierauf hin erlassenen „Mobil Control Order“. Gemäß dieser durften ausschließlich absolut notwendige Sachen erledigt werden. Der Strand war gesperrt und jegliche Aktivität dort, war seitens der Behörden untersagt worden. Auf Langkawi, einer Insel in der Straße von Malaka, eine ziemlich überzogene Maßnahme. Wir saßen im April zusammen und die letzten zwei Corona Fälle lagen drei Monate in der Vergangenheit. Seit dem war niemand mehr auf die Insel gekommen. Die anwesenden Einheimischen und die paar Backpacker hockten schon über drei Monate zusammen. Wenn einer von uns Corona gehabt hätte, wäre das längst herausgekommen.

Aber in einer Amtsstube hatte einer für das ganze Land eine Regel aufgestellt. Das Schwimmen in einem Hotelpool zu untersagen ist nachvollziehbar. Aber ein Besuch  eines kilometerlangen leeren Strandes und schwimmen in einem Ozean? Dort ist jederzeit genug Platz um Abstand zu halten. Da ist die Bockigkeit vorprogrammiert. Überhaupt hatte Corona seltsame Dinge zur Folge. In den kleinen Märkten wurde bei den Kunden mit einem Lasergerät die Körpertemperatur gemessen. Die Geräte waren eher nette Gadgets, denn man sie für voll nehmen konnte. Die gemessenen Werte wurden in Listen eingetragen. Demnach was da stand, mussten sich um mich herum eine Menge Zombies mit einer Körpertemperatur von 32 Grad herum treiben. In anderen Läden wurden durch die Bank 42 Grad gemessen. Der Irrsinn machte sich breit. Ein Inselbesuch verstieß nicht gegen die Vernunft, aber gegen Regeln. Ein Verstoß der eine Inhaftierung oder wenigstens eine Geldbuße in Höhe von umgerechnet 200 EUR nach sich ziehen konnte. Jedenfalls galt dies zu dieser Zeit. Mittlerweile hat sich die Lage deutlich verschärft. Kürzlich veranstaltete die Polizei einige Razzien. Jeder der noch nach Mitternacht und vor allem ohne Maske angetroffen wurde eingesammelt und ins „Lock – Up“ verfrachtet. Das entspricht von der Idee her dem deutschen Polizeigewahrsam. In der Ausgestaltung sieht alles ein wenig anders aus. Die kleinen Beton Zellen sind meistens mit 10 Insassen überfüllt. Es können immer nur drei oder vier auf dem nackten Boden schlafen, der Rest muss Stehen oder Hocken. Im hinteren Teil befindet sich eine Rinne für die Notdurft, der Wasserhahn ist mit Vorsatz niedrig installiert. Zu Essen gibt es halbgaren Fisch, der zuverlässig Durchfallerkrankungen verursacht. Kurz um: Da will man nicht landen! Frauen trifft es besonders hart. Sanitäre Mittel sind nicht vorgesehen und bei 10 Frauen ist mindestens eine ihre Periode. Die Behörden hatten sich das Spiel mit den Touristen eine Weile angesehen. Bei der letzten Razzia muss ihnen der Geduldsfaden gerissen sein. Diesmal traf es nicht nur die Locals, sondern auch die anwesenden Touristen. Besser noch, die Locals wurden nach 48 Stunden entlassen, während die Touristen erst zwei Tage später vor Gericht gestellt wurden. Die dortigen Gepflogenheiten dürften den einen oder anderen überrascht haben. Die Polizei trägt standardmäßig einen Widerstand ein. Wenn man diesen bei Gericht einräumt, gibt es einen kleinen Zusatz. Widerspricht man der Aussage der Polizei, gibt es einen ordentlichen Strafzuschlag. Die Polizei ist ohne Wenn und Aber der verlängerte Arm der Regierung. Zweifel an deren Handlungen sind unzulässig. Aber sie müssen auch damit rechnen, im Falle eines Ermittlungsverfahrens, meistens aus Konkurrenzdenken entstanden, böse bestraft zu werden. Im Lock Up gibt es gegen Bezahlung alles. Medikamente, halbwegs verträgliches Essen, Drogen … Außenstehende müssen halt die Wärter bestechen und den zehnfachen Preis zahlen. Blöd, wenn man als Tourist niemanden hat.

Aber wie erwähnt, war es zum Zeitpunkt der Frage an mich noch nicht soweit vorangeschritten. „Wer wird noch dabei sein?“, fragte ich nach. Big Roy zuckte mit den Schultern. „Ich denke die üblichen Leute, vielleicht noch ein paar Backpacker.“ Dabei nickte er in die Richtung einer Gruppe, die sich an einen kleinen zum Grundstück gehörenden See gesetzt hatte. Eine Schwedin, zwei Norwegerinnen, ein Pärchen aus Belgien, zwei Deutsche und eine Österreicherin, alle bereits seit drei Monaten im Lockdown. Ich kannte sie mittlerweile ganz gut. Der Belgier war nicht gerade der Hellste. Seine Freundin hatte er unterwegs kennengelernt. Im Gegensatz zu ihm hatte sie eine ganze Menge im Kopf. Ihr Problem bestand in ihrer Experimentierfreudigkeit mit Magic Mashrooms. Die Norwegerinnen waren keine echten Backpackerinnen. Mit Unterbrechungen waren sie bereits fünf Jahre auf der Insel. Die Schwedin hatte irgendein Problem am laufen. Ich wusste nichts genaues, aber Big Roy hatte erwähnt, dass sie etwas von Trauma erzählt hatte und deshalb ständig Gras rauchte.Weil eine der Deutschen überall herum erzählt hatte, dass sie in Vietnam Englisch unterrichtet hatte, gaben ihr die Einheimischen den Spitznamen „Teacher“. Von der anderen wusste ich nichts. Die Österreicherin war wohl Hals über Kopf von zu Hause weg. Einen echten Plan hatte sie nicht. Sie redete ohne Unterbrechung und vor allem unangenehm laut. Weil ihr das Geld aus ging, hatte sie sich einen der Beachboys geschnappt. Der arme Kerl dachte einen guten Fang gemacht zu haben. Dabei hatte sie den Spieß längst umgedreht.

Eine der beiden Deutschen hatte sich den Spitznamen „Teacher“ eingehandelt, weil sie überall herum erzählte, dass sie in Vietnam Englisch unterrichtet hatte. Sie selbst besaß ein beeindruckendes Selbstbewusstsein. Dem Eigenbild nach war sie mit ihren knappen 24 Jahren eine erfahrene Frau, die das Talent besaß, jeden erfolgreich zu machen. Aus diesem Grunde hatte sie sich in den Kopf gesetzt Lebensberaterin zu werden. Die Beachboys waren ihr suspekt. Sie verstand nicht deren konsequente Abwehrhaltung gegen Karriere, Erfolg und Konsum. Deren Leben hatte tatsächlich einige Tücken. Oberflächlich wirkten sie wie Typen, die ein freies selbstbestimmtes Leben führten.Entweder sie verbrachten den Hauptteil des Tages dösend in einem der Guesthäuser oder sie hatten einen Job am Strand. Dort warteten sie auf Touristen, denen sie einen Jet Ski vermieteten. Manche heizten selbst mit den Dingern auf dem Wasser herum oder verdingten sich als Tourguide. Das Geld reichte für Reis mit Hähnchen. Für Abwechslung sorgten die jungen Backpackerinnen, die ihrem Charme erlagen. Mit denen machten sie Ausflüge auf ihren Scootern. Die Mädels zahlten im Gegenzuge das Essen. Schaute man etwas genauer hin, kamen oft tragische Geschichten zum Vorschein. Die meisten gehörten zu kinderreichen Familien. In Malaysia funktioniert die soziale Absicherung oft noch über die Kinder. Mindestens zwei sind auserkoren, sie im Alter zu versorgen. Damit dies, trotz möglicher Ausfälle funktioniert, haben die meisten Familien um die fünf Kinder. Prügel und drakonische Erziehungsmaßnahmen, die man als solche gar nicht bezeichnen will, sind nicht ungewöhnlich. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Junge Leute aus den westlichen Industriestaaten, die über das Unverständnis der Eltern klagen und dieses als ausreichenden Grund für ihre Verhaltensstörungen ersehen, treffen auf junge Männer, deren Kindheit einen deutlich anderen Verlauf nahm. Auf den Inseln versucht man der Polizei und den Behörden so weit es geht, aus dem Weg zu gehen. Was alleine geregelt werden kann, wird jenseits der „Offiziellen“ verhandelt. Thailänder und Malaien streiten sich darüber, wer mehr Korruption zu bieten hat. Meiner Beobachtung nach, nimmt sich das nicht viel. Die örtliche Polizei beteiligt sich fleißig am Drogenhandel, in dem sie ihre eigenen Dealer unterhalten, die an sie Geld abzuführen haben. Alles was sie an Verfolgung unternehmen, dient dem Ausschalten der Konkurrenz. Hinzu kommt, dass sie selbst alles einwerfen, was sie bekommen. Zweimal im Jahr ist Jagdsaison. Ein Offizier erklärte mir, dass sie dann ihre Quoten erfüllen, die sie an die Hauptstelle in Kuala Lumpur weiter melden. In dieser Zeit wird alles mit langen Haaren und Dreadlocks festgesetzt. Die mit einer positiven Urinprobe gehen für einen Monat in eine Umerziehungsanstalt. Wer Drogen dabei hat, bekommt erst eine Geldstrafe, im Wiederholungsfall landen sie im Arrest. Da in der Regel nur auf THC getestet wird, weichen in dieser Zeit die Beachboys auf andere Drogen aus. Eine Taktik, die die zu erwartenden Folgen hat. Spätestens mit Anfang Zwanzig sind die meisten von Meth, Heroin und Schmerztablettencocktails abhängig. Trotz allem gibt es unter den Beachboys wenig Beschaffungskriminalität. Ganz bleibt sie nicht aus. Ich hörte von diversen gescheiterten Überfällen. Einmal kam einer auf die glorreiche Idee ausgerechnet die Hütte einer am Strand lebenden Rohingya Familie zu überfallen. Ich denke, es war eine Verwechslung. Jedenfalls wurde er erst vom Vater entwaffnet, dann von der Mutter verprügelt. Wie mir einen Tag aufgeregt der jüngste Sohn erzählte, ein Knirps von 9 Jahren, fielen danach die Kinder über ihn her. Bereits nach meinem ersten Besuch der Insel wunderte mich nicht der Soundtrack, der ihnen Halt gab. Reggae! Keiner von Ihnen hat sich jemals mit der Geschichte des Reggae beschäftigt. Ihnen geht es um die Idee, die in den Slums von Kingston Town entstand. Bob Marley, und vor allem „One Love „, ist überall zu jeder Zeit gegenwärtig. Tatsächlich gibt es auch eine Hard Rock, Trash Metal und Jazz Szene. Doch der Reggae setzt sich immer wieder durch. Praktischerweise zieht die Musik die Touristen in die Strandbars. Wenn man schon nicht das Original auf der anderen Seite der Welt haben kann, dann doch wenigstens ein Cover. Auch hier entsteht ein spannender Kontrast. Die Beachboys, welche die Roots des Reggae leben und die jungen Touristen, die sich den Reggae als Fashion Bewegung einkaufen. Es ist für einen Beobachter befremdlich, wenn sich ein Kanadier mit Dreadlocks von einem Beachboy eine Shisha servieren lässt. Am Ende kauft der Kapitalismus alles ein. Manch einer bekam eines Tages die Kurve. Häufig wandten sie sich dann intensiver der Religion zu. So etwas wie eine Entzugseinrichtung nach europäischen Vorstellungen gibt es nicht. Die vorhandenen Einrichtungen haben die gleiche Wirkung, wie Synanon in Berlin. Mittels Gehirnwäsche wird eine Sucht gegen die andere ausgetauscht. Aber immerhin verlängert sie das Leben.

Unter Travellern gibt es ein Motto. Why not? Wer einen festen Plan hat oder Risiken scheut, braucht gar nicht erst auf Tour zu gehen. Pläne sind für Touristen, die sich bei einem Agenten vierzehn Tage Lebenszeit gestalten lassen. Vielleicht ist Tour unpassend. Die meisten fragen untereinander wie lange sie unterwegs sind. Unterwegs trifft es besser. Verbrachte Zeit jenseits des Orts, an dem man gestartet ist. Dieses „Why Not “ ist eine Art Kompass, wie ihn Jack Sparrow benutzt. Er führt einen an Orte, die man niemals auf dem Zettel hatte. Nun, wie beschrieben gab es einige Gründe. Es war etwas vermessen, ausgerechnet während der Pandemie auf einer Insel mit zwei Jahreszeiten zu sitzen und sich nach etwas Neuen zu sehnen. Immerhin saßen weltweit Menschen in ihren Wohnungen fest. Mir ging es weniger um die Insel, als Zeit mit den Einheimischen in einer besonderen Umgebung zu verbringen.

„OK! Ich bin dabei!“, antwortete ich. Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg zum Strand. Vorher kaufte ich noch Zigaretten, sechs Dosen Bier und drei Portionen Reis mit Hähnchen. Roy hatte Mittag gesagt und dabei grinsend hinzugefügt: „Aber Langkawi Style!“ Das bedeutete mindestens eine Stunde Platz. Es wurden zwei Stunden. Selbst die Backpacker kamen anderthalb Stunden später. Ich setzte mich in den Schatten eines wegen Corona brach liegenden Jetski Verleih. Nach und nach sammelten sich alle, als wenn es keine Mobil Control Order geben würde. Roy verfügte über ein kleines Boot, welches er aus dem Rumpf eines Jetskis gebaut hatte. Da passten gerade fünf Leute hinein. Die Jungs hatten noch ein weiteres Boot, welches normalerweise für Tourismus Touren in die Mangroven genutzt wurde, organisiert. Nach zwanzig Minuten erreichten wir das andere Ufer. Mir bereitete ein wenig Sorge, dass der Strand zwar für das bloße Auge schwer sichtbar war, aber mit einem einfachen Fernglas locker beobachtet werden konnte. Die Beachboys hatten sich auf der Insel im Laufe der Jahre einen Abenteuerspielplatz für Erwachsene eingerichtet. Mit allem was gerade da war, errichteten sie kleine Hütte. Um sie herum befanden sich einige improvisierte Sitzgelegenheiten, zwei Feuerstellen und ein langer aus einer alten Bohle gezimmerter Tisch. Ich griff mir eine Machete und begann von alten gestrandeten Bäumen Feuerholz abzuschlagen. Dabei spürte ich im Nacken die skeptischen Blicke der Einheimischen. Ein Westerner mit einer Machete. Mit einem falschen Hieb konnte man sich schnell einen Finger abtrennen. Ich konnte die Sorge nachvollziehen. Die Leute von der Insel bekommen selten einen Westerner zu sehen, der mit seinen Händen umgehen kann. Deutsche Touristen haben bei mir unzählige Male Fremdschämen ausgelöst.

Seit den Vorfällen in den USA wird über Rassismus in Deutschland diskutiert. Die Meute der selbsternannten Linksintellektuellen zieht sich an Kleinigkeiten hoch. Worte, miese Sprüche oder schlechte Witze, werden als Signale für Rassismus ausgemacht. Dabei sind die meisten, welche sie sich vornehmen, einfach harmlose Hilflose, die überfordert sind. Touristen, die in eine Bar gehen und sich zum Bezahlen konsequent an die weiße Anreisserin wenden, leben im Rassismus. Oder im Guesthouse den einheimischen Besitzer ignorieren, weil sie den weißen Volontär für eben jenen halten. Dann sind da die Deutschen, die mit jeder Geste eine herrische Haltung zeigen. „Ich bezahle hier Geld, also haben alle zu springen.“ Einmal liefen ein paar Deutsche auf der Straße vor mir. Es war selbst für Inselverhältnisse spät. Die Gruppe wollte zu einer thailändischen Fußpflege. Ein Frau unter ihnen fragte sich, ob der Laden noch offen hätte. Ihr Begleiter antwortete: „Wir sind Deutsche und die wollen unser Geld haben, da kann man erwarten, dass sie wieder aufmachen.“ Jenseits dieser Aspekte ist die grenzenlose Naivität der jungen Frauen aus Europa bemerkenswert. Die lassen sich von den Kerlen aus Ländern mit härterer Gangart nahezu alles erzählen. Die Brüder verkaufen sich als nahezu alles. Mitglieder der nigerianischen Banden mutieren zur an der Regierung gescheiterten Geschäftsleuten, Rechtsanwälten oder ehemals erfolgreichen Beratern. Locals verkaufen sich als Architekten mit Eheproblemen oder sind mindestens an einem Startup beteiligt, welches eben noch in der Start Phase ist, wie der Name ja andeutet. Europäische Glücksritter erzählen die haarsträubendsten Geschichten, bei denen ich mir nicht sicher war, ob sie nicht teilweise selbst an sie glaubten. Es gibt ja diesen Effekt, dass Lügner irgendwann ihre eigenen Fiktionen glauben. Das Ergebnis eine Meute Lügner, die sich als Opfer darstellen und eine Menge naiver junger Frauen, die ihnen die Storys abkaufen und sich in der Rolle der Retterin sonnen. Bis ihnen eine Story richtig schadet und sie zur frustrierten erwachsenen Frau heranwachsen. Irgendwie eine ziemlich vertrackte Nummer.

Als es ans Essen ging, trennte sich erstmals Spreu von Weizen. Die Österreicherin forderte lautstark Hähnchen und ein Bier ein. Gezahlt hatte sie nichts. Womit sich die Frage stellte, wovon sie einen Anspruch ableitete. Ein wenig später verstand ich es. Ich sprach mit ihr über mögliche Kontrollen. „Dann mach ich auf kleines Mädchen und schöne Augen. Und ich spreche schlechtes Englisch. Machen doch die Ausländer bei uns auch.“ Ich ließ sie in ihrem Glauben. Sie würde allein lernen, dass vornehmlich männliche malaiische Polizisten ein etwas anderes Frauenbild haben, als ihre europäischen Kollegen. „Teacher“ hielt mir einen soziologischen Vortrag und wie sehr sie versucht hatte den armen Beachboys unter die Arme zu greifen. Dabei redete sie sich um Kopf und Kragen. Sie wähnte sich als Abkömmling einer auf einem höheren Niveau rangierenden organisierten Gesellschaft. Eine, in der auf Umwelt geachtet, der Müll getrennt und die Tiere geliebt werden. Mit Sicherheit entspricht dies dem Lebensgefühl vieler Deutscher. Über das Gesicht von Roy, der ein ziemlich gutes Deutsch spricht, flog ein Ausdruck, der auf mich wie eine Mischung von Verachtung, Ablehnung und Zorn wirkte. Doch es war minimaler Anflug. Er hatte jahrelang trainiert, vor Deutschen seine Sprachkenntnisse zu verbergen. Reist man durch Südostasien, kann der Müll und der unbedachte Umgang mit ihm nicht übersehen werden. Überall sind Haufen mit Unrat und ein Heer riesiger Ratten zieht durch die Städte. Die Folgen einer mangelnden Abfallwirtschaft und die Auswirkungen einer sich global ausbreitenden Wegwerfkultur sind jederzeit präsent. Aber ganz so einfach ist es meiner Meinung nach nicht. Ich habe darüber auf einer thailändischen Insel nachgedacht. Dort ging ich jeden Tag auf der Rückseite einer halb ins Meer gebauten Pfahlbausiedlung der idigenen Moken vorbei. Im Auslaufbereich der Flut sammelte sich jede Menge Müll. Plastikverpackungen, allerlei Wohlstandsmüll aus Kunststoff, alte Nylonnetze, nahezu alles war synthetisch. Demnach Müll aus einer Welt, mit der die Moken nur am Rande etwas zu tun hatten. Eher eine, die sie innerhalb der vergangenen vierzig Jahre aus ihrer eigenen vertrieben hat. Alles anfallende musste mit Booten von der Insel abtransportiert werden. Eine Luxushotel Kette behalf sich mit einer Art Müllverbrennungsanlage. Bedienstete sammelten jeden Tag den Müll am Strand ein und abends wurde er durch einen hohen Schornstein gejagt. Selbstverständlich ohne eine Filteranlage. Bis in die Siebziger lebten die Moken das Leben eines Seenomadenvolks. Dann befiel die Inseln eine tödliche Krankheit. Der Massentourismus entdeckte das Gebiet. Damit änderte sich alles. Das Warenangebot in den Läden stellte sich auf die Touristen ein. Die Moken verloren das Recht, sich nach Belieben überall aufhalten zu dürfen. Fischerei, Arbeitsverhältnisse, Business, nichts blieb bestehen. Die sind schlicht mit dem Geschehen überfordert. Das Meer spült an, ihre Traditionen wurden vom Konsum zerstört und hinter dem Haus stapelt sich alles.

In Deutschland wird der täglich entstehende Müllberg straff organisiert aus dem Sinn geschafft. Irgendwo hin, wo sich der Normalbürger nicht mehr daran stört. Der säuberlich, zur Beruhigung des Gewissens in die richtige Tonne entsorgte, Plastikbecher verschwindet, zumindest aus dem Blick. Also er geht mit einem Containerschiff auf eine lange Reise. Dorthin, wo auch all die von deutschen Kuttern gefangenen Krabben landen. Asien! Dort wird er granuliert und aufbereitet, um dann wieder zusammen mit den Krabben, die jetzt frisch gepult sind, in die Heimat zurückzukehren. Wenn Deutsche etwas gut können, dann ist es alles schön zu machen. Chemikalien verschwinden im Meer, in den Flüssen oder werden in Wüstensand versickert. Wird das Abholzen von Wäldern verboten, beauftragt man halt in fernen Ländern über drei bis vier Mittelsmänner eine Söldnertruppe, die ein indigenes Völkchen vom Umzug überzeugen und schiebt es einem rechtspopulistischen Präsidenten in die Tasche, der ist mit einem Lächeln und einer vollen Brieftasche weg steckt. Einerseits demonstrieren wütende junge Demonstranten gegen innerdeutsche Umweltsünden, andererseits posten sie die Gegenwehr des Systems mit Smartphones, deren Bestandteile aus den jeden Tag ein wenig mehr zerklüfteten Steppe der Mongolei stammen. ur Wahrheit gehört auch, dass ihren Altersgenossen, die ihre schicken Klamotten genäht haben, ein wenig die Zeit zum Nachdenken fehlt. Deutsche Häuser haben nicht ohne Grund deutlich mehr Gardinen, Rollos, blickdichte Zäune, Räume, die Gäste niemals zu sehen bekommen. Muss ja nicht jeder alles sehen! Die Moken sind da anders. Ihre Häuser sind in fast alle Richtungen offen, Zäune existieren nicht, jeder sieht alles. Aber ist einer, der etwas Sehen könnte, aber um sich besser zu fühlen, nichts sehen will, ein besserer Mensch?

In die Zeit fiel auch ein Flüchtlingsboot, welches auf der Hauptinsel landete. Um die 150 sunnitische Rohingya hatten es mit ihrem alten Kutter bis nach Langkawi geschafft. Weitere 150 waren auf der drei Monate langen Fahrt gestorben. Die Flüchtenden orientieren sich auf dem letzten Teil der Flucht an der Beleuchtung für den Flughafen auf Langkawi, die ihnen den Weg weist. Obwohl Malaysia ein muslimisches Land ist, haben die Flüchtlinge keine Solidarität zu erwarten. So weit geht der Glauben dann doch nicht. Eine abstruse Nummer. Sie werden von Buddhisten in die Flucht getrieben und von muslimischen Glaubensgenossen abgewiesen, wie es Christen mit den Afrikanern handhaben. Immerhin hat Malaysia wenig mit den Fluchtursachen zu tun und zur Rettung der Buddhisten gibt es einen schwachen Lichtblick. Alle großen Richtungen haben sich zusammengetan und die Vorgänge in Myanmar scharf kritisiert. Nein, das ist kein Lichtblick. Für mich ist es die Endstation einer Hoffnung. Buddha soll gesagt haben: Wer die Lehre kennt und ihr zuwider lebt, ist ein Hirte, der die Herde eines Nachbarn hütet und seine eigene Herde aufgibt. Das unvorstellbare Grauen, was sich dort abspielt ist für kein menschliches Wesen nachvollziehbar.
Wer von uns will sich anmaßen im Angesicht all dieses Elends von Myanmar, Zentralafrika bis Syrien von gerechtfertigten Ängsten der Deutschen vor unkontrollierten Fluchtbewegungen zu sprechen? Es ist auch die Geschichte von Bangladesch. Das größte Flüchtlingslager der Welt. Fast 1 Million Menschen flüchteten dort hin. Wie fast immer ist es auch ein Überbleibsel des Kolonialismus. Die Engländer benutzten die Rohingya zur Bekämpfung der restlichen Bevölkerung. Den daraus resultierenden Hass teilen sie mit den Hmong in Laos, welche von den Amerikanern im Vietnamkrieg eingespannt wurden. Zu guter Letzt kommt noch der gute alte Kapitalismus um die Ecke gebogen. Im Gebiet der Rohingya befinden sich unter der Oberfläche Uran, Nickel und seltene Erden, die sich die Militärs unter den Nagel reißen wollen.
Eine besonders schillernde Figur ist ein Mönch mit dem Namen Ashin Wirathu, den man nicht als Buddhisten bezeichnen kann. Der Mann ist Rassist, Hetzer, Hassprediger, der am Straßenrand ein orangefarbenes Tuch gefunden hat. Immerhin besteht mittlerweile gegen ihn ein Haftbefehl und Thailand, ein zentraler Punkt im Theravada Buddhismus, verwehrt ihm die Einreise.

Mir fallen bei solchen Sachen immer wieder die Worte eines Vietnam Veteranen ein, die ich schon mal niederschrieb. „Der Vietnamkrieg hat nicht gezeigt, wozu der Mensch fähig ist. Der Krieg hat gezeigt, was der Mensch ist. Ein bösartiges, brutales, intelligentes Raubtier, welches mit diesen Eigenschaften die dominante Spezies des Planeten wurde.“ Aber Raubtiere töten nicht sinnlos. Sie folgen dem Instinkt des Überlebens. Mir unterlief beim Besuch der Killing Fields in Kambodscha, dem Vietnam Museum in Saigon/Ho Chi Minh Stadt oder dem Hilfscenter für Amputierte in Vientiane/Laos ein gedanklicher Fehler. Für einen ganz kurzen Moment fragte ich mich, warum ausgerechnet asiatische Gesellschaften diese Brutalität zeigten. Merkwürdig, wie einem in solchen Augenblicken die eigene Geschichte entgleitet. Gegen die Deutschen im Nationalsozialismus sehen die Roten Khmer und die Junta in Myanmar blass aus. Nicht, dass diese Gräuel irgendwie ein Ranking verdienen. Aber es zeigt, dass dieses Raubtier in uns allen steckt. Einzig eins bändigt es: die Fähigkeit einen Willen zu entwickeln, der es bändigt. Wird dieser Wille, wie auch immer entfernt oder gar nicht erst ausgebildet, sind die Folgen bestialisch.

Mit diesen Gedanken war ich meilenweit vom Teacher entfernt. Ich fragte mich beim Anblick der unbekümmert wirkenden Backpacker, warum ich mir all diese Dinge angetan hatte. Niemand hatte mich gezwungen diese Orte aufzusuchen. Gibt es für einen Privilegierten die Pflicht des Hinsehens? Diese Frage stellt sich mir schon lange. Niemand kann die Zeit zurückdrehen. Es gibt keine Wiedergutmachung. Ich wollte verstehen, was die Täter sahen. Wie kann man, selbst wenn man verblendet oder voller Hass ist, diese Bilder, das Geschrei, den Geruch, die Verzweiflung ertragen? Wie geht das? Ich lebe nicht und lebte niemals gewaltfrei. Körperlicher Kampf, Faustschläge, Schmerz, Verletzungen sind mir nicht fremd. Doch ich kenne meine Grenzen. Eine Freundin sagte mal, dass ich doch den Leuten gönnen soll, dass sie einige Bilder nicht im Kopf haben. Kann das richtig sein? Weg schauen? Weiter machen? Schweigen? Anders herum, kann man etwas ändern? Wenigstens kann man lernen! Ändern? Daran glaube ich nicht. In allen Systemen, die ich in den letzten Jahren ein wenig kennenlernte, hat sich ein ähnlicher Typ Mensch in Hierarchien nach oben bugsiert. Vielleicht ist das genau der Punkt. Man benötigt besondere Eigenarten, um lange in einem Team oder innerhalb einer kleinen Anarchie arbeiten und leben zu können, genau so wie man dafür geeignet sein muss, sich in einer festen Hierarchie nach oben zu boxen. Letztere Eigenarten besitze ich nicht, also werde ich auch nichts verändern. Irgendwie ist das eine Sackgasse. Die Hierarchie Freaks werden nichts verändern, schon gar nicht die Hierarchie selbst.

Ein Typ wie ich, kommt an einem solchen Ort nicht am Nachdenken vorbei. Ich kenne einige Leute, die dieses Problem gleichfalls haben und derartige Plätze vermeiden. Der Wunsch nach der einfachen Insel ist schnell ausgesprochen. Doch wer schützt einen davor, dass man sich mit sich selbst auseinandersetzen muss? Die vielen Bilder, Geschichten, Entscheidungen, die einen plötzlich einholen. Die Anwesenheit von jungen Frauen und Typen unter Dreißig macht es für einen Mann in den Fünfzigern nicht einfacher. Der Vergleich zwischen deren Leben und dem eigenen, springt einem quasi mit dem nackten Hintern ins Gesicht. Eine bessere Trainingseinheit für das Abgewöhnen der bereits in der Kindheit entstandenen Sucht nach Bewertung kann man sich kaum ausdenken. Anders heißt nicht falsch und schon gar nicht schlechter. Um uns herum passiert ein Prozess, bei dem nicht genau gesagt werden kann, wann er gestartet wurde. Keiner kann genau sagen, wann die Europäer begannen, verheerend ins globale System einzugreifen. Spätestens mit der Industrialisierung waren die Weichen gestellt. Bei Prozessen kann man unter Umständen voraussagen, wie das Ergebnis bei ungehinderten Ablauf aussehen wird. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass der Prozess nicht eines Tages eine vehemente Unterbrechung erfährt? Schlaue Philosophen konnten unter dem Joch von Kirche und Monarchie eine gewisse Prognose treffen. Mit der Ablösung des zentralistischen Weltbilds und der Aufklärung konnten sie nicht rechnen. Jeder mit ein wenig Verstand kann sehen, dass sich der Neoliberalismus und ähnliche kapitalistische Gesellschaftsmodelle vor sich dahin siechen. Die Frage ist nur noch: Wann tritt der Tod ein und wer tritt das Erbe an? Von den ehemaligen dominierenden westlichen Zivilisationen kommt nichts mehr Bedeutendes. Die von der Insel werden mit dem Geschehen wenig zu tun haben. 

Der Tag verstrich nach und nach. Plötzlich tauchte ein Boot der Küstenwache auf. Zum Verstecken war es zu spät. Doch sie zeigten an uns kein erkennbares Interesse. Trotzdem machte sich unter den Vernünftigen eine sorgenvolle Stimmung breit. Die konnten jederzeit per Funk ein Polizeiboot alarmieren. Zusammen mit Roy beobachtete ich wachsam das Wasser. Nach einiger Zeit kehrte das Boot zurück. Ich verdünnisierte mich in Richtung Dschungel. Aber sie hielten wieder nicht an. Als ich zum Strand zurück kehrte, musste ich feststellen, dass sich Roy einer kleinen Gruppe angeschlossen hatte, die mit einem vorbei gekommenen Fischerboot zum Strand übersetzte. Für mich bedeutete dies über Stunden mit dem verbliebenen erlebnisorientierten Rest auf der Insel fest zu sitzen. Die Jungs hatten sich schon einige Bongs genehmigt. Entspannt lagerten sie am Feuer. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich in das Schicksal zu fügen. Mit einem letzten Aufbäumen bat ich einen in der Nacht zum gegenüberliegenden Strand zu fahren. Das Gespräch mit einer Palme hätte mehr Erfolg versprochen. Volle sieben Stunden saß ich am Strand und schaute wütend auf das schwarze Meer. Genau genommen saßen da zwei. Ich und mein Inneres im Zwiegespräch. Ich dachte an Deutschland und mein Leben dort nach. Fragte mich, ob ich die Polizei jemals los werden würde. Kaum sinnierte ich hierüber, fragte ich mich, warum ich dieses unbedingt erreichen wollte. Ja, es waren wilde Zeiten gewesen. Vieles davon, kann sich ein junger Kriminalbeamter von heute nicht mehr vorstellen. Eine andere Polizei in einer anderen Gesellschaft mit anderen Ansprüchen, Vorstellungen, informellen Regeln. Da war dieser Tag, an dem wir im Team merkten, dass jede Truppe ihre Zeit hat. Irgendwann kommt man an Kreuzungen an. Dort muss eine Entscheidung getroffen werden, wie es weiter gehen soll. Der alten Richtung folgen, oder wahlweise nach links oder rechts abbiegen? Ich wollte weiter gehen. Aber die Vorgaben lauteten anders. In diesem Fall steht einem frei, die Truppe zu verlassen. Viel zu lange folgte ich auf einem Weg, der nichts mit mir zu tun hatte. Dieses Gefühl von der Insel nicht wegzukommen, den Hintern nicht nach den eigenen Vorstellungen in Sicherheit bringen zu können, kam mir plötzlich unangenehm bekannt vor.

Als wir bei Flut die Boote klar machten, stand die Sonne bereits weit oben. Ungeschützt setzten wir über. Bis auf die Russin, welche begeistert sich selbst und die Fahrt filmte, hatten alle ein flaues Gefühl. Aber wir hatten Glück. Die Polizeistreifen hingen noch in den Unterkünften. Hurtig suchten wir nach der Landung das Weite. Für mich war klar, dass ich auf weitere Abenteuer dieser Art verzichten würde. Wenige Tage später wurden die meisten der beteiligten Locals anlässlich eines kleinen Umtrunks bei Big Roy verhaftet. Drei Monate Lock Up und Verlust der Dreadlocks, waren eine harte, und ich finde unverhältnismäßige, Strafe. Die Russin wurde dabei auch einkassiert, aber damals konnte sie sich noch frei kaufen. Teacher hat in Deutschland eine Lehrstelle bekommen und die Österreicherin ist wieder zu Hause. Big Roy war kurz in Deutschland um seinen Sohn zu sehen. Ich werde auf jeden Fall nach Langkawi zurück kehren. Warum? Das ist eine andere Geschichte und ein anderer Beitrag.

Bis dahin …

 

Musik: Job2do bei Wikipedia

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Juni 16 2019

Krieg zwischen Arm und Reich oder doch nicht?

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The Rojos on one side of town, the Baxters on the other, and me right in the middle.

The man with no name, A Fistful of Dollars

Warren Buffet sprach in einem Interview von Ben Stein der New York Times von einem Krieg zwischen Arm und Reich. Ein Krieg, den seine Klasse angezettelt hat und gedenkt zu gewinnen. Später fügte er hinzu, dass er dies nicht richtig findet, was aber an der grundsätzlichen Aussage nichts ändere.

“There’s class warfare, all right,” Mr. Buffett said, “but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.”

NYT, 26.11.2006 – In Class Warfare, Guess Which Class Is Winning

In Deutschland wurde dieses Zitat durch den Kabarettisten Georg Schramm bekannt, der es unter anderen mehrfach in der Sendung „Die Anstalt“ unter brachte.

Das Grundübel ist nach Warren Buffett (amerikanischer Multimilliardär, Red.) der Krieg Reich gegen Arm. Und das wird nicht miterwähnt, nicht nur von der AfD nicht. Die suchen nur einen Sündenbock – und das sind eben die Flüchtlinge. Reich und Arm sind ja keine Kategorien mehr, die man auf Länder anwenden könnte. Die wirklich Reichen haben sich ja längst von den Staaten gelöst. Es ist doch eine Posse, dass Apple 13 Milliarden Euro Steuern an Irland zahlen soll, die Iren das Geld aber gar nicht haben wollen. Das zeigt doch, wo die Macht tatsächlich sitzt. Darüber wird aber nicht geredet, ebenso wenig über die wahren Gründe der weltweiten Flüchtlingsströme. Das gehört aber zwingend dazu./…

Quelle: https://www.merkur.de/kultur/georg-schramm-merkur-interview-grunduebel-krieg-reich-gegen-arm-6738295.html

Bei Recherchen zu diesem berühmten Zitat, stolperte ich über den Eifelphilosophen. Hinter diesem Synonym verbirgt sich der examinierte Philosoph Reiner Damman. Er widerspricht dem nicht im eigentlichen Sinne, sondern ersieht einen anderen Konflikt. Über viele Stationen leitet er in einem Beitrag unter der Überschrift – Die Lüge vom Krieg Reich gegen Arm – und der wirkliche Weltkrieg – ab, dass es unter Umständen um etwas anderes geht.

Wir leben aktuell in hochbrisanten Zeiten, wo zwei große Ideen um die Vorherrschaft in der politischen Welt ringen (ach: wie gerne würde ich solch einen Satz mal in der Tagesschau hören), wir haben wirklich einen Kampf der Kulturen – doch er ist anders als der, den man uns einreden will, um uns gegeneinander aufzuhetzen. Es ist der Kampf des urmenschlichen Mitleids – gegen den antimenschlichen Sadismus.
Die gute Nachricht: wir werden ihn auf jeden Fall gewinnen – weil sich antimenschliche Gedanken nicht ewig im System Mensch festsetzen können, sie werden als lebensfeindliche Fremdkörper irgendwann automatisch herausgeworfen.
Die schlechte Nachricht: es kann dauern – und je länger wir zögern, eine gemeinsame Front gegen die sadistische Internationale aufzubauen, umso mehr Opfer wird es geben.

Rainer Damman, Eifelphilosoph

Mit dem menschlich und unmenschlich habe ich persönlich meine Probleme. Wenn ein Mensch handelt, muss es per logischer Ableitung menschlich sein. Nur weil uns Eigenarten unserer Spezies nicht gefallen, können wir sie nicht einfach abspalten. Sie gehören schlicht zum Verhaltensspektrum dazu. Nichtsdestotrotz fand ich die Ableitungen in einem Punkt interessant. Reichtum entsteht nicht mal eben im Vorbeigehen. Zum einem muss er irgendwo her kommen und zum anderen bedarf es des Willens, ihn zu behalten und eventuell zu mehren.

Dem französischen Schriftsteller Honoré de Balzac wird das Zitat: „Hinter jedem großen Vermögen, steht ein Verbrechen!“, zugeschrieben. Wie so häufig bei Zitaten ist das nicht ganz richtig. Tatsächlich schreibt er in seinem Zyklus „Die menschliche Komödie“ im Roman „Vater Goriot“:

Le secret des grandes fortunes sans cause apparente est un crime oublié, parce qu’il a été proprement fait.

Übersetzt:

Das Geheimnis großer Vermögen ohne ersichtlichen Grund ist ein vergessenes Verbrechen, weil es richtig gemacht wurde.

Das trifft mit Sicherheit auf viele Vermögen zu. Ein deutsches Paradebeispiel ist der Familienclan Quandt, welcher u.a. Günther Quandt und seinen Aktivitäten im Dritten Reich eine Menge zu verdanken hat. Gerade bei Industrieerben, liegt viel Staub auf der Basis des Geldes. Aber nicht jedes Handeln, welches ein „Geschmäckle“ hat, ist auch ein Verbrechen.
Fraglich ist auch, ob ich einen individuellen oder einen kollektiven Reichtum betrachte. Zwar sagt Schramm, dass sich die wirklich Reichen längst von den Nationen gelöst haben, dennoch haben wir objektiv betrachtet industrielle Wohlstandgesellschaften und ärmere Nationen. Historisch betrachtet, basiert der Reichtum der sogenannten westlichen Welt auf Ereignissen, die wir heute eher als ethisch verwerflich anersehen. Sei es der Sklavenhandel, der Kolonialismus, die damit verbundenen künstlich gezogenen Grenzen, Aufzwingen eines Wirtschaftssystems, Landenteignungen, Einsetzen von Lakaien in den Regierungen, Ausbeutung der Bodenschätze, Aufzwingen von Handelsverträgen – die Liste ist lang. Vieles passiert heute noch. Der neue Kolonialismus trägt die Bezeichung „geopolitische Sicherheitsinteressen“.

Im Übermaß zu leben ist meiner Auffassung nach eine Frage der inneren Haltung. Erst recht, wenn es anderen mies geht. Es muss manchmal gar nicht das Übermaß sein. Es geht oftmlas im Kleinen los. Hierzu zwei Beispiele. Ich habe mal eine Übung erlebt, in der Verhandler der Polizei die Bewältigung einer Geiselnahme probten. Hierzu wurden die Verhandler unter Stress gesetzt. Getränke wurden vorenthalten, es gab stundenlang nichts zu essen, der Kaffee wurde kalt serviert, ein Rauchverbot verhängt, eben die üblichen Spielchen. In dieser Situation griff eine Verhandlerin in ihre Tasche und holte einen Schokoladenriegel hervor und aß ihn auf. Die Übung musste hieraufhin abgebrochen werden.

Beim zweiten Beispiel geht es um einen Versuch (ultimative Verhandlung), aus Spieletheorie. In ihm werden einem von zwei Probanden 100 Dollar übergeben. Jener sollte den Betrag unter beiden nach seinen eigenen Vorstellungen aufteilen. Stimmte der andere der Verteilung zu, können sie das Geld behalten. Im Falle der Ablehnung, muss das Geld zurückgegeben werden. Im Ergebnis zeigte sich vordergründig eine Art „Gerechtigkeitssinn“, der stärker war, wie der Wunsch mit mehr Geld aus dem Versuch herauszugehen, denn vorher in der Tasche war. Wich der Betrag im hohen Maß vom Ideal 50 : 50 ab, kam es vermehrt zu Ablehnungen. Der Versuch wurde in westlichen Industrieländern, mit kleinen ethnischen Gruppen und Kindern unterschiedlicher Altersstufen durchgeführt. Die Ergebnisse fand ich ziemlich spannend.

Besonders faszinierten mich die Versuche mit den Kindern. Erst teilte man die Kinder in zwei Gruppen und gab einer etwas, was sie dann mit der zweiten Gruppe teilen sollten. Nun sie teilten, aber wirklich gerecht ging es dabei nicht zu. Dann wurde die Erweiterung „Ultimatum“ eingeführt. Jüngere Kinder begriffen, dass es schlecht für sie ausgehen würde und am Ende niemand etwas bekäme, veränderten aber ihr Zuteilungsverhalten nicht. Ältere änderten ihr Verhalten. Hirnforscher gingen der Sache auf den Grund. Sie fanden heraus, dass das Fairnessverhalten mit der Entwicklung des präfrontalen Kortex in Verbindung steht. Empathie wird vom Menschen erlernt und genau dafür werden die Entwicklungen der Gehirnareale benötigt.

… „Die Studie demonstriert, wie sich Fairness entwickelt. Und sie stellt eine Verbindung zwischen dem Verhalten und der Entwicklung von Hirnstruktur und -funktion her – das macht sie einzigartig.“ …

Berna Güroğlu, Entwicklungspsychologin an der Universität Leiden



Die neue Erkenntnis zeigt, dass allein moralische Appelle des Erziehers nicht weiterhelfen. „Man muss die Situationen identifizieren, in denen trotz besseren Wissens egoistisches Verhalten auftritt“, sagt Steinbeis. Den Kleinen müsse in der konkreten Situation gezeigt werden, wie man sich korrekt verhalte. Zu wissen, was richtig ist, und das Richtige zu tun sind eben zwei grundlegend verschiedene Dinge – an denen selbst Erwachsene immer wieder scheitern.

15. März 2012 DIE ZEIT Nr. 12/2012, Die Kunst des Teilens, Alina Schadwinkel

Was mache ich daraus? Ich selbst war noch niemals reich und meine empathischen Fähigkeiten genügen nicht, um mich in einen reichen Mann hineinzuversetzen. Es gibt unter den Superreichen eine erkleckliche Zahl von Großspendern, die jährlich oder bisweilen Milliarden spenden. Was ich bei einigen nicht verstehe, ist der Umstand, dass sie zuvor augenscheinlich nicht interessierte, wie das gespendete Geld generiert wurde. Auf jeden Fall versuchen sie nachträglich ethisch zu handeln.

Der Eifelphilosoph sieht ein sadistisches Verhalten. So weit würde ich nicht gehen. Fakt ist, dass ich Leute erlebt habe, die aus einem reichen Land kommend, die Armut in anderen Ländern sahen und ein schweres Trauma davon trugen. Vielleicht versuchen sich die hartnäckigen Leugner einer Ursächlichkeit der westeuropäischen Staaten bei dieser Misere, einen Schutz aufzubauen.

https://twitter.com/Super_Rezepte/status/1139056395825946624
… Schutz? Zynismus?

Letztlich habe ich mir, mit meiner inneren Haltung, dass ich mich ausschließlich für meine eigene Saat und der daraus entstehenden Ernte verantwortlich sehe, ebenfalls einen Schutzmantel angezogen.

Aber ich stimme zu, dass es letztlich nicht um Reich und Arm geht, sondern eine Stufe davor zu betrachten ist. Reichtum, also ein erhebliches mehr, denn man zum Leben braucht, ist immer ein Ergebnis der Gier. Dabei nehme ich mich selbst nicht aus. Auch ich habe deutlich mehr, denn ich zum Leben brauche. Jedenfalls, wenn ich mir Leute zum Vergleich nehme, die sich bewusst gegen alles Unnötige entscheiden haben.

Die Welt sähe schöner und in vielen Gebieten weniger schrecklich aus, wenn wir Teilen, Verteilen und Gönnen würden. Es ist nicht so, dass wir es nicht besser wissen . Selbst in relativ trivialen Serien, wie Star Trek, Raumschiff Enterprise oder Deep Space Nine wird das Thema immer mal wieder aufgegriffen, wenn feindlich gesinnten Lebensformen erläutert wird, dass die Menschheit das 21. Jahrhundert und seinen Unsinn irgendwann im 24. Jahrhundert überwandt.

Vielleicht geht es wirklich nicht um Arm oder Reich, sondern darum, welche der beiden menschlichen Seiten die Oberhand gewinnt. Die erkennende, welche sich bewusst ist, dass die Kooperation und Kommunikation, einer der entscheidenden evolutionären Faktoren war und ist, oder die andere, welche immer auf der Suche nach neuen zu befriedigenden Bedürfnissen ist.

Ich begann diesen Beitrag mit einem Zitat aus einem alten Western mit Clint Eastwood. Er blickt auf zwei Rivalen, die sich beide der Gier verschrieben haben. Frei nach dem Motto, wenn sich zwei sich streiten, freut es den Dritten. Die Gier kann am Ende nicht gewinnen, weil sich die Gierigen langfristig gegenseitig vernichten werden. Da hat der Eifelphilosoph vollkommen recht. Es dauert halt, aber es wird passieren. Der Kapitalismus ist zum Scheitern verurteilt und wird sich auf lange Sicht, nicht durchsetzen. Und die Opfer sehe ich auch.

Es gilt das „Gute“ zu suchen und zu unterstützen. Wobei für mich alles Gut ist, was dazu geeignet ist, das Leid zu überwinden. Das „Negative“, also alles was das Leid steigert, bekommt viel zu viel Aufmerksamkeit. Ich glaube, am besten ist man damit beraten, es wie der namenlose Reiter auf dem Balkon zu halten und sich die gegenseitige Zerstörung anzusehen. Wenn da nicht die vielen unschuldigen Opfer wären. Manchmal überkommt mich die Lust, den ein oder anderen Krakeeler im Internet oder über den Segen der kapitalistischen Markwirtschaft referierenden Politiker ein Jahr lang nach Somalia verschleppen zu lassen.

Spaß bereiten mir persönlich auch die Menschen, die dann auf den bösen Kommunismus verweisen.

q.e.d.

Als ob wir in den letzten hundert Jahren irgendwo ein System erlebt hätten, in dem es unter dem Strich nicht doch wieder um die Gier einzelner ging. Unter Umständen sollte man über neue Bezeichnungen nachdenken. Mir wäre ein gerechtes Verteilungssystem genehm, welches sich weniger auf die Unterschiedlichkeiten der Menschen konzentriert – Konservative -, denn auf die gemeinsamen Verhaltensstrukturen und Bedürfnisse.

Irgendetwas mit kleineren Einheiten, in denen das Individuum mehr zur Geltung kommt und die Folgen des eigenen Handelns sehen kann, flexiblen situativen Hierachien, die sich nach Bedarf bilden und wieder lösen und vor allem eine gerechtere globale Verteilung. Und der Mensch sollte mal beginnen darüber nachzudenken, ob er wirklich alles erforschen und möglich machen soll. Bisher haben wir uns mit allem Fortschritt mehr Probleme erschaffen, denn echte Vorteile.

Meines Erachtens haben uns bisher nur die Menschen weiter gebracht, die sich über das „Menschliche“ und alles damit in Verbindung stehende Gedanken machten. Diejenigen, welche das gesamte Spektrum akzeptierten, und nach Lösungen für das Überwinden der zerstörerischen Faktoren nachdachten, statt Systeme zu generieren, die ausgerechnet jene forcieren. Das haben auch die Versuche gezeigt. Wenn die Probanden erkannten, dass sie vom kooperativen, fairen und gerechten Verhalten mehr zu erwarten haben, denn von der Ungerechtigkeit, begannen sie vernünftig zu entscheiden.

Nur, wie setzt man das um? „Zu wissen, was richtig ist, und das Richtige zu tun sind eben zwei grundlegend verschiedene Dinge – an denen selbst Erwachsene immer wieder scheitern.

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Juni 13 2019

Einfach nur Leben oder Kapitulation?

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Bin ich ökologisch korrekt unterwegs? Nein! Ich trenne nicht einmal konsequent meinen Müll. Ich esse Fleisch und kaufe auch die billigen Produkte. Im Wissen, dass ich damit die Massentierhaltung unterstütze. Mein Kaffee stammt nicht aus dem Faire Trade. Ich weiß, dass da der letzte Dreck mit verarbeitet wird. Deshalb betreibe ich nicht sonderlich viel Zinnober darum. Im Gegenzuge weiß ich, wie richtig guter Kaffee schmeckt, weil ich ihn mal auf einer Kaffeeplantage getrunken habe. Ich verzichte auf ein Auto und fahre viel Fahrrad. Wenigstens dabei schneide ich ganz gut ab. Unter meinen Klamotten sich bestimmt einige dabei, die von kleinen Kinderhänden in Bangladesch genäht wurden. Werbung prallt an mir ab, weil ich sie mit wenigen Ausnahmen alle für übelste Betrüger halte.
Ich bin mir bewusst, dass der Wohlstand meines Landes auf den Verbrechen der europäischen Länder ab Beginn der Industrialisierung beruht. Mir ist klar, dass die militärischen Einsätze der Bundeswehr nichts mit Humanität zu tun haben, sondern geopolitische Ziele unterstützen. Ebenso weiß ich um den Euphemismus Entwicklungshilfe, weil es sich vornehmlich um Gelder handelt, die Hintertüren für Ressourcenausbeutung öffnen.

Was tue ich nicht?

Ich gebe mich nicht der stinkenden Verlogenheit hin. Ich lebe in einem Land, welches zusammen mit anderen europäischen Ländern große Teile der restlichen Welt ausbeutet und ausnutzt. Mich wundert nicht, dass in vielen Ländern eine Radikalisierung stattfindet. Ich habe mal versucht, mir vorzustellen, wenn ich irgendwo hungrig in Zentralafrika säße und ein Sendeformat von RTL im Fernseher liefe, wo sich ein 2 Meter langer fetter Mann Monster – Steaks in den Wanst stopft. Wahrscheinlich würde ich nach Europa fahren und wahlweise einem die Schnauze polieren. Mir wurde in Malaysia bewusst, wie die Sache mit der islamistischen Radikalisierung läuft.

Die Eltern schicken ihre Söhne nach Saudi – Arabien und werden dort an den Koran Schulen zu orthodoxen Eiferern. Die Wahhabiten verdanken ihre Vormachtstellung wiederum den Briten in der Zeit des Kolonialismus, während wir sie heute aus geopolitischen Gründen stützen. Ähnlich läuft es in anderen Ländern.

Für mich ist das alles wie in einer Kneipe, in der eine rauschende Party mit Prostituierten, Koks, Freibier, Band und allem drum und dran läuft. Irgendwann muss einer die Rechnung zahlen. Wenn nicht, lässt der Ärger nicht lange auf sich warten.

Der Mensch ist unvernünftig und in der Masse absolut verblödet. Wir bestimmen uns politische Führer, die die Masse lenken soll. Ich bin Teil einer Massengesellschaft und ein kleines Teilchen innerhalb eines Systems. Es ist ein System, welches die niedrigsten Triebe der Menschen anspricht und zum Lenken benutzt. Angst, Ablehnung von Fremden, Gier, Neid, Sex, Drogen heißen die Steuerungsmittel. Ich habe mir dieses System lange und sehr genau angesehen. Es ist perfekt auf das Verhalten jenseits der Vernunft zugeschnitten.

Mit der Freiheit und der Demokratie ist das so eine Sache. Die absolute Freiheit gibt es nicht, sie endet immer wieder an Situationen, in denen der Mensch abwägen muss. Ein wesentlicher Faktor ist die Verantwortlichkeit für das eigene individuelle Verhalten.

Wenn mein Verhalten den Kohl auch nicht mehr fett macht oder ich von der Gestaltungsmöglichkeit meiner Umgebung ausgeschlossen bin, schwindet das Interesse und es kommt zum Verfall. Das funktioniert im Kleinen, innerhalb eines Teams, einer Firma, in einer Hochhaussiedlung oder auch in einer Stadt, bis hin zur ganzen Gesellschaft.

Dieses System benötigt eine Führung, die die Menschen und die Wirtschaft, zur Vernunft zwingt. Interessanterweise funktioniert das bei Kriegen hervorragend.

Krieg ist schwachsinnig, unvernünftig, tödlich und ist die ultimative Kündigung der Freiheit. Wir haben in Deutschland eine vollkommen verblödete Diskussion erlebt. Freiheit wurde mit dem Unterlassen einer Geschwindigkeitsregelung auf den Autobahnen verbunden. Wer das braucht, soll sich gefälligst in einen Fahrsimulator setzen und kann da seinen Spaß haben. Es ist gefährlich, doof, zerstört die Umwelt alleine schon durch die Bahnen selbst und mittels CO2 Ausstoß ebenfalls. Keine Sau braucht Geschwindigkeiten über 130 Kilometer in der Stunde. Was für ein Aufschrei ging durch das Land! Parteien, die diesem System die Stirn bieten wollen, werden entweder zur Verbotspartei oder werden zu Kommunisten.

Fakt ist, dass es ohne massive Verbote innerhalb des Systems nicht funktioniert. Ebenso macht es keinen Sinn sich mit Wunschvorstellungen aufzuhalten. Der Klimawandel ist nicht an dem Punkt fünf Minuten vor Zwölf, sondern es ist längst 13:00 Uhr. Die Welt wird sich verändern. Wir werden wahre Völkerwanderungen und die Aufgabe von Siedlungsgebieten erleben. Darauf müsste man sich in irgendeiner Form vorbereiten, vor allem wenn man in einem Gebiet lebt, wo es vermutlich noch eine Weile recht komfortabel bleiben wird. Wie immer: Fehlanzeige!

Ich kann einigermaßen mit Menschen umgehen, die klipp und und klar sagen: Ich bin ein Gauner und nehme den Schaden eines anderen billigend in Kauf. Werde ich erwischt, muss ich damit umgehen. Bekomme ich dafür von einem Opfer auf die Nase, nehme ich das sportlich. Es ist ein gutes Recht, sich zu wehren. Ich habe noch nie einen Einbrecher kennengelernt, der sich als Samariter dargestellt hat und behauptete, er wollte das Opfer nur vom Leid des Besitzes befreien. Ich habe genug Nachrichtendienstler kennengelernt, die sagten: «Selbstverständlich machen wir Sauereien, aber sie sind zu unserem nationalen Vorteil. So läuft das nun einmal.»

Jeder kann von mir halten, was er will, aber ich habe aufgegeben.

Demokratien sind nicht sonderlich gut beim Reagieren auf drohende Gefahren. Es muss erst knallen, bis die Menschen begreifen. Dann beginnen sie zu wimmern. Hätten wir mal … Ja, hätten wir mal. Einige Wissenschaftler haben die Situation bezüglich des Klimas, Verschmutzung des Planeten, mit dem Vorabend des Dritten Weltkriegs verglichen.

Einen Krieg führe ich nicht mit Sprüchen wie: Der einzelne Verbraucher muss umdenken. Es bedarf einer Führung, die dazu in der Lage ist, die Vernunft zu wecken, und die Massen unter Kontrolle bekommt. Es bedarf auch klarer Aussagen, wo die Reise hingehen soll. Wir lassen die Flüchtlinge ersaufen und in der Wüste verrecken, damit sie abgeschreckt werden. Es ist davon auszugehen, dass sich in nächster Zeit noch viel mehr auf den Weg machen werden. Was wollt ihr? Einschränkungen, Abstriche beim Wohlstand und kleinere Flamme, dafür aber humanes Handeln, dann lassen wir sie rein oder wollt ihr weiter dick, fett, satt leben … dann lassen wir sie weiter verrecken und bauen die Grenzen aus. Entscheidet Euch! Nein, wir zahlen keine altruistische Entwicklungshilfe. Haben wir noch nie gemacht. Wir sichern damit Eure Lebensstandards. Die müssen für Sachen, die bei Euch nicht gut gelitten sind, die Märkte öffnen und sie verkaufen uns die Rohstoffe für kleines Geld. Ab und zu stürzen wir eine Regierung oder helfen dabei. Wollt ihr das weiterhin oder sollen wir denen die Schulden erlassen und für reale Preise die Rohstoffe abkaufen? Dann wird es aber recht einfach in Deutschland. Wollt ihr weiterhin Jeans Hosen für 35 EUR kaufen oder sollen wir die Kinderarbeit 24/7 in Asien unterbinden? Schuhe für 10 EUR von Deichmann gibt es dann aber auch nicht mehr.

Ökodiktatur? Warum eigentlich nicht? Verbindliche globale Richtlinien, die im Zweifel auch mit Zwangsmitteln durchgesetzt werden, an denen weniger Politiker, denn mehr Wissenschaftler beteiligt sind. Eine Utopie … die nicht passieren wird. Jedenfalls noch nicht. Was passiert, wenn es richtig zur Sache geht, weiß niemand.

Man kann von Vladimir Putin halten, was man will, aber der Mann ist ein eiskalter Stratege und Realist. Die NATO liegt derzeit mit 29 Staaten bei 963 Milliarden Dollar. Die Russen liegen bei 61 Milliarden. Beide Seiten rasseln mächtig mit den Säbeln. Man mag meinen, die befürchten etwas. Ich glaube fest daran, dass man sich auf die Situationen vorbereitet, die sich aus den anstehenden Veränderungen ergeben werden. Die Militärs und die Nachrichtendienste agieren nicht mit Wunschvorstellungen. Sie versuchen, nationale Verteidigungslösungen zu finden, mit denen sie ihre Staaten vor Flüchtlingen, inneren Unruhen und Konflikten um Ressourcen schützen können.

So läuft es …

Nein, ich bin nicht ökologisch korrekt unterwegs. Ich versuche es mit Bescheidenheit und habe meinen Konsum massiv eingeschränkt.

Auf meiner zurückliegenden Reise habe ich mit Erschrecken gemerkt, wie viel sinnloses Zeug ich eigentlich habe. Mich hat die Apathie der Menschen schockiert, mit der sie den Wohlstandsmüll der Touristen verbrennen und die beißenden Rauchgase in Kauf nehmen. Die traurigen Blicke der einheimischen Fischer in Thailand und der mongolischen Nomaden in den Slums haben mich tief getroffen und das war nicht einmal Indien. Mich hat es mit Wut erfüllt, wenn sie mir erzählten, dass sie zu Gunsten der Konzerne und ihrer Plantagen alle Lebensgrundlagen verloren, weswegen sie nun als Lakaien in Hotels Laken aufziehen.

Ich lese die Kommentare in den Social Media, höre die Reden der Politiker, sehe tumbe Menschen, die: Wir sind das Volk!, skandieren und dabei Klamotten tragen, die für Bergexpeditionen entworfen wurden und billig in Asien zusammengeknallt werden. Hätte ich den Glauben, mit meinem Verhalten auch nur ein wenig etwas an diesem System und bei meinen Mitmenschen signifikant etwas zu verändern … würde ich es tun.

nochmal von vorn?

Im Buddhismus wird zwischen dem kleinen und dem großen Weg unterschieden. Grob skizziert kann man sagen: Beim kleinen Weg kümmert man sich um seinen eigenen, und beim großen um den für alle. Letztens wurde mir gesagt, ich wirke in meinem BLOG belehrend und besserwisserisch. Kann man so sehen, ist aber unter Umständen ganz anders. Mal abgesehen davon, dass von mir geschätzte Autoren heutzutage tatsächlich öfter mal den Erklärbär herauskehren müssen, weil schlicht die nötigsten Grundlagen fehlen und sie nie so genau wissen, was man reinschreiben soll und was man weglassen kann.

Ich weiß vieles nicht, will es auch gar nicht wissen und werde niemanden etwas aufdrücken. Was bei mir hier steht, sind meine persönlichen Rückschlüsse, die ich aus meinen Erfahrungen, dem Gesehenen und der Beobachtung von Menschen ziehe. Ich unterscheide sehr wohl zwischen Annahmen, Glauben, Wissen, Erkenntnis, Realität, Meinung und Vermutungen. Jemanden anders ändern zu wollen, ersehe ich als ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.

In vielen Dingen bin ich mit Verlaub ein ziemlich kaltes abgebrühtes Wesen, welches sich mittlerweile eine gesunde Portion Egoismus leistet. Das liegt an einer gewissen Desillusion. Wie ich bereits mehrfach in meinen BLOG Texten beschrieb, ist dies für mich der Verlust einer Illusion. Mein Leben, mein Weg, meine Regeln, meine Verantwortung! Ich meide die Masse und versuche es hauptsächlich mit kleinen Kontakten. Genau so meide ich die Spaßgesellschaft, der Kram ist mir unterwegs in Asien zu doof geworden und ich halte vieles davon – für mich – als Verschwendung von Lebenszeit. Manche kommen mir vor, als wenn sie nur noch ein Ziel haben, nämlich so lustig und unterhaltsam wie möglich ihre Lebenszeit abzuleben. Jedem seine eigene Entscheidung, dann aber bitte die Klappe halten, wenn sich ein paar Leute aus Afrika auf dem Weg machen, weil sie auch etwas vom Kuchen abhaben wollen.

Wenn ich nichts verändern will und mich auch nicht selbst darstellen will, warum schreibe ich dann?

Ziemlich einfach! Charles Bukowski hat es auf den Punkt gebracht. Wenn in einem etwas ist, was raus muss und es wert ist aufgeschrieben zu werden, mach es einfach und frage nicht nach dem Warum. Was aus meinen Worten am Ende wird, steht nicht unter meinem Einfluss. Vielleicht sagt sich der eine oder andere: Danke, einer der es sieht wie ich, dann bin ich nicht mehr alleine. Dieses «heraus schreiben» hat mir Gelassenheit verschafft. Die Erkenntnis, dass Menschen immer genau das machen, was sie können und zugelassen wird, habe ich nach langer Zeit begriffen. Ich habe auch verstanden, dass jeder sein eigenes Abbild von der Welt in sich trägt. Dies lässt sich nicht ändern. Gleichfalls kann ich nicht das Bild von mir bei einem anderen Menschen in meinem Sinne oder Wunsch, verändern. Mir bleibt also einfach nur, nach meiner Façon zu leben.

Ich habe volles Verständnis für junge Menschen, die von alledem gefrustet sind und mit Gewalt gegen den Staat und das System angehen. Ich glaube in Anbetracht der Entwicklungen und der Stase der internationalen Politik, haben sie sogar ein Recht dazu. Unterschwellig passiert eine ganze Menge. Auch die elektronische Zerstörung ist in Zeiten der Digitalisierung Gewalt. Mein Ding ist es nicht. Ich halte von Gewalt ausgehend von mir, nicht sonderlich viel. Doch die Zeit ist gekommen, dass folgende Generationen die Unsinnigkeiten des 20 Jahrhunderts überwinden. Mit Teebeutelweitwerfen und Wattebäuschen wird das nicht funktionieren. So wurde der Absolutismus überwunden, dies vergessen viele. Ich bin da raus und widme mich lieber der Gestaltung meines restlichen noch verbleibenden Lebens. Es ist die Zeit der aktuell Zwanzigjährigen. Sie müssen für sich entscheiden, wo es hingehen soll. In Deutschland werden einige von Ihnen merken, dass es durchaus andere Länder gibt, wo diese Generation aus der Not heraus wesentlich giftiger und bissiger ist. Sich in die Hängematten der Marken «Doof» u. «Business as usual» zu legen, wird sich als schwerer Fehler erweisen. Doch wie geschrieben: deren Problem!

Nein, ich weiß nichts besser und ich will niemanden belehren. Ich versuche, mich selbst zu reflektieren, und schreibe meine Gedankenfehler bzw. Irrtümer, beinahe wie der Versuch einer Wiedergutmachung auf. Ich glaubte an vieles, was man mir eintrichterte. Das gab ich an Jüngere weiter. Dies bereue ich zutiefst. Für jedes Mal, bei dem ich sagte: «Du musst Dich auch mal anpassen.», «Du musst Dich in diesem System durchbeißen!», «Lerne Härte, nur so kommst Du weiter und bring Deine Gefühle unter Kontrolle!», könnte ich mir nachträglich ein Stück Zunge abbeißen.

Heute würde ich sagen: «Suche Dir einen Platz, wo Du glücklich, nach eigener Verantwortung handeln kannst und die Früchte Deiner individuellen Arbeit siehst. Lass Dir Zeit damit und entziehe Dich dem Druck, der nützt nämlich nur den anderen, die an Dir verdienen. Und vor allem, lass die Alten reden. Wenn sie mit allem Recht hätten, wäre die Welt gerechter, in Deutschland gäbe es weniger Spannungen, Gewalt, soziales Gefälle, die Industrie würde weniger Psychopharmaka verkaufen, weniger Jugendliche würden sich für Dahinvegetieren entscheiden, die Rechten hätten keinen Zulauf, kein junger Mann müsste sein Leben in einem Gefecht lassen, inhumane Arbeitsbedingungen wären längst überwunden und das Individuum bzw. der Mensch würde wieder im Vordergrund stehen.»

MEINER Meinung nach, leben wir in einem System, welches eben genau die Antagonisten oder die Problemerzeuger, in der gesellschaftlichen Hierarchie befördert. Was will ich von diesen studierten Wachstumsreligionsangehörigen, auf Statussymbole und Macht fixierten Typen erwarten? Jedenfalls keine internationalen kooperativen Lösungen, die wenigstens noch das Schlimmste verhindern. Die sind wie kleine Kinder. Man sagt ihnen zigfach, dass sie etwas unterlassen sollen. Am Ende ist es dann doch kaputt und sie sagen traurig: «Das wollte ich nicht!» Jeden Tag sagt man ihnen: «Fasse nicht auf die Herdplatte!» Lernen tun sie es erst, wenn die Hand verbrannt ist.

Ob ich nun meinen Yoghurt Becher trenne, eine Bio – Wurst kaufe oder sonst was tue, oder der berühmte Spaten umfällt, ist so derartig egal. Die Containerschiffe werden weiter die Krabben von der deutschen Küste nach Asien zum Pulen bringen, sie werden weiter mit Schleppnetzen fischen, die Wale torpedieren, Atomkraftwerke auf tektonisch unsichere Plätze stellen, den Chemie Müll in die Dritte Welt exportieren, Ölquellen anzünden, Tanker absaufen lassen, Kaffee Kapseln verkaufen und mit schicken SUV durch die Gegend fahren. Um das zu ändern … bräuchte es Dinge, die ich nicht tun kann.

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Juni 9 2019

Seltsame Vorstellungen …

Reading Time: 6 minutes

Träume junger Gangster

Es war irgendwann zu Beginn der Neunziger, als ich das erste Mal auf einen der jungen Männer traf, deren Geschichte und damit auch meine, ich hier erzähle. Sie alle stammten aus Belgrad. Die Stadt wurde zur damaligen Zeit boykottiert. Die «Jungs» saßen in einer Siedlung im Stadtteil Zemun und schlugen die Zeit mit Fernsehen tot. Dort wurde ihnen gezeigt, wie erfolgreiche Menschen leben. Schnelle große Autos, leichtbekleidete Frauen, Schmuck, Geld, Kreditkarten, all die für sie unerreichbaren Statussymbole wurden ihnen jeden Tag wie die berühmte Möhre vor die Nase gehalten.

Die Straßen und die Politik waren fest in der Hand der Gangster. Der stärkste, brutalste und skrupelloseste hatte die Macht, bis ein anderer ihn über den Haufen knallte. Aber immerhin gab es einen Weg des Entkommens. Auch wenn er sehr gefährlich war. Überall hörten sie von den internationalen Verbrechern, die außerhalb Serbiens ihr Glück machten. Spieler, Drogenhändler, Taschendiebe und Einbrecher.

Zoran R. setzte sich eines Tages in den Zug und wollte dieses Leben führen. In Berlin spazierte er in ein Lokal, von dem er wusste, dass sich dort Serben trafen, die bereits wussten, wie es geht. Ich las von ihm erstmals, als er mit einer Schussverletzung im Unterleib ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Nicht klassisch mit der Feuerwehr, sondern mit einer Taxe, in die sie ihn blutend gesetzt hatten. Trotz allem Zuredens, machte er keine Aussage. Zu dieser Zeit war er bereits mehrfach bei Einbrüchen in Einfamilienhäuser festgenommen worden. Aus seiner Akte erfuhr ich, dass er einen engen Freund hatte, der ebenfalls aus der Siedlung in der Heimat stammte. Jovica S. träumte denselben Traum. Nach und nach, fand ich eine ganze Gruppe junger Männer, aus dieser Gegend, im gleichen Alter und mit demselben Beruf: Einbrecher! Aber mit Jovica S. schien Zoran R. mehr zu verbinden. Ich musste ihn ziehen lassen. Immerhin war er vordergründig das Opfer.

Die beiden und ihre Freunde tauchten immer wieder auf. Unterstützt wurden sie von allen nur möglichen Landsleuten. Ältere Bauunternehmer nahmen ihr erbeutetes Geld entgegen und überwiesen es über ihre Konten an die Familien oder Sparkonten. Manche gaben ihnen konspirative Wohnungen. Andere wiederum nahmen ihnen den Schmuck und die Kreditkarten ab, die sie nächtens aus den Häusern ihrer schlafenden Opfer heraus holten. Manchmal erbeuteten sie auch teure Autos, die sie an Albaner weiter gaben. Wurden sie erwischt, bekamen sie Jugendstrafen und landeten in der JVA Plötzensee. Dort bekamen sie die Gelegenheit, sich mit einer Sozialbetreuerin zu unterhalten. Eine engagierte Serbin, die mit einem Stadtrat verheiratet war. Passte die nicht auf, und das tat sie häufig, schmiedeten die Jungs neue Pläne.

Eines Tages tauchte ein weiterer engerer Kumpan der beiden auf. Zoran E. liebte Cabriolets. Zu dritt fuhren sie mit einem durch die Stadt und posierten vor den Frauen. Andere begannen über die drei zu reden. Dabei verrieten sie auch, was Zoran R. widerfahren war. Er hatte sich eine schusssichere Weste besorgt. Mit dieser prahlte er und schoß aus nächster Nähe auf sich selbst. Dabei berücksichtigte er nicht, dass sich dabei die Weste nach oben schob und den Unterleib frei gab.

Hunderte Einbrüche trugen die Handschrift der drei «Internationalen Einbrecher», wie sie sich selbst bezeichneten. Als einer aus ihrem Kreis erschossen wurde, fanden sie sich alle auf einem Gruppenfoto zusammen, dass der italienischen Mafia ebenbürtig war. Bei einer Gerichtsverhandlung legte ich so viele ihrer Einbrüche vor, dass der Rechtsanwalt S. empört sagte: «Wollen sie meinen Mandanten alle Einbrüche dieser Stadt vorwerfen?».

Gangster sein ist gefährlich

Sie konnten es nicht lassen. Zoran R. wurde dreist. Im Suff versuchte er in einer anderen Stadt in eine Bank einzubrechen. Es ging schief und er landete in Untersuchungshaft. Seine Freunde sammelten Geld und verdienten welches dazu, in dem sie den anderen serbischen Einbrechern in der anderen Stadt ihre besonderen Techniken bei brachten. Irgendwie schaffte es der Rechtsanwalt, Zoran R. wieder frei zu bekommen. Dann machten sie einen Fehler. Sie erweiterten ihren Aktionsradius auf das Bundesland Bayern. Der Richter dort, ließ nicht mit sich reden. «Über 150 Einbrüche verlangen eine Hintergrundstruktur … 6 Jahre ohne Bewährung.»
Wieder auf freien Fuß versuchten sie, wieder ins Geschäft einzusteigen. Etwas muss schief gegangen sein. Zoran R., der niemals Heroin genommen hatte, wurde mit einer Überdosis in einer Wohnung gefunden. Sein Freund Jovica S. tauchte mit einer seiner vielen Identitäten unter und Zoran E. verschwand ins Ausland. Der Rest ihrer Leute macht bis heute fleißig weiter.

Ich kümmerte mich nicht mehr darum. Vergessen hatte ich sie nie. Da fragte mich ein Schweizer Ermittler, ob ich aus meiner alten Zeit einen Einbrecher kennen würde, der während die anderen einstiegen, mit einem Cabrio in der Gegend patrouillierte. Zoran E. hatte sich mittlerweile ein Porsche zugelegt. Die Geschäfte mussten gut gegangen sein. Für mich war das ein Anlass, mal wieder ein wenig zu recherchieren, was aus all ihnen geworden war. Nichts hat sich geändert. Vielleicht doch! Niemand redet mehr über sie. Sie sind etwas ruhiger und leiser geworden.

Internationale Kriminelle … vs. Deutschland … ein Dilemma

Alle reden und diskutieren über die Organisierte Kriminalität. Kriminologen versuchen, Definitionen zu finden. Dezentralisierte Bandenstrukturen hören sich besser an, denn dieses böse Wort. OK – klingt nach Mafia, Camorra oder `Ndrangheta. Ständig wird nach einer Hierarchie gesucht.

Ein Bekannter der drei Kumpane sagte mal zu mir: «Ihr Deutschen sucht immer einen Führer. Bei uns herrscht immer der gerade Stärkste. Und der kann Übermorgen tot in der Ecke liegen.»

Nemanja S.

Ich habe sie nicht nur als Gangster kennengelernt, sondern auch ein wenig die menschlichen Hintergründe. Sie wollten das haben, was alle anderen auch haben, aber es gab keine legalen Chancen dafür. Also fanden sie einen anderen Weg. Dies passiert jeden Tag, in Bukarest, Warschau, Moskau, Belgrad usw.. Um so größer die sozialen Abstände werden, je härter werden diese Typen.

Wir hängen in einem Dilemma. Die Sozialisation findet nicht in Deutschland statt. Keine Strafe hält sie von ihrem Treiben ab. Wir können Gefängnisse schlecht in unterschiedliche Kategorien unterteilen. 50 Mann Zellen für die Russen, 20 Mann Zellen ohne Betten für die Serben, Sammelareale für Asiaten … das funktioniert nicht. Man müsste den Menschen soziale Aufstiegsmöglichkeiten im eigenen Land geben. Auch das ist eine irreale Option. Eine Abschottung Deutschlands ist nicht möglich, die finden immer einen Weg und außerdem würde alles noch viel schlimmer werden.

Unterstützt wird dies alles von Politikern und Strategen, die sich niemals mit einem dieser Typen auseinandergesetzt haben und ihre Antriebe, Psyche und Sozialisation kennen. Uns bleibt, bei unveränderten sozialen Gefälle zwischen den Gesellschaften, nur ein ewiger Kampf. Wir rollen den Felsbrocken ein paar Meter nach oben und dann rollt er wieder herunter. Zahlen werden interpretiert, verfälscht, Erfolge werden vermeldet, die keine sind, es wird verdrängt und unter den Teppich gekehrt. Mal sind es die russischen Banden, dann die Vietnamesen, ein anderes Mal werden einige Italiener gesichtet und aktuell sind die Clans in der Mode. Und wenn es zu langweilig wird, wird ein Terroranschlag analysiert.

Der Untersuchungsausschuss – wir stellen uns in einen Kreis ….

Und was macht die Politik? Wir bilden einen Kreis, fassen uns alle an den Schultern und nennen es Untersuchungsausschuss. Wer nur ein wenig Insiderwissen besitzt und wenigstens die Grundzüge des Aufbaus der Polizei kennt, erkennt schnell die Ahnungslosigkeit und den dort betriebenen Alibismus. Der neueste Unsinn ist die Behauptung, die Polizei hätte sich mehr auf ein besetztes Haus, denn auf einen «Top» Terroristen und Tob – Gangster Anis AMRI konzentriert.

Selbstverständlich hat die Kriminalpolizei nur diese beiden Probleme gehabt. Russen, Serben, Vietnamesen, Italiener, fremde Nachrichtendienste, bewaffnete Räuber, richtige Dealer (nicht «Körperschmuggler», wie ein Amri), Clans, Vergewaltiger, Feuerteufel und was sich sonst noch in der Stadt herumtreibt, spielen keine Rolle. Dunkle Mächte hatten in Berlin die gesamte Polizei inklusive aller Spezialisten für Observationen auf ein besetztes Haus angesetzt. Diese Gestalten im Hintergrund sorgten auch dafür, dass alle anderen der knapp über 100 angesiedelten islamistischen Gefährder, vollkommen außer Acht gelassen wurden. Wer will in dieser Stadt, mit Leuten, die so denken und argumentieren auch nur einen ganz kleinen Stein einige Meter den Berg hoch rollen?

In meiner Fantasie gibt es irgendwo in Berlin ein Lokal, in dem sich die alten Kumpane von meinem Trio, zusammen mit den Russen, Albanern, Italienern, einigen deutschen Geldwäschern und Räubern, ein paar Zuhälter aller Nationalitäten, jeden Tag die Schampusflaschen schmecken lassen. Was Besseres, als ein AMRI und die deutschen Antworten darauf, konnte denen nicht passieren.

Die Mutter von AMRI bedankte sich bei ihrem Sohn, dass er ihr in mehreren Raten die gewaltige Summe von 1500 EUR überwiesen hatte. Ein mit Koks, XTC, Haschisch, Pillen dealender Marokkaner mit bescheidenen Lebensstil kann gerade Mal in Raten 1500 EUR an Mama überweisen?

Quelle: https://www.bundestag.de/presse/hib/2018_06/562330-562330

Den Betrag hatte mein Trio in einer Nacht zusammen. Irgendwo an der Adria Küste stehen einige Häuser, die sich ihre Kumpels erarbeiteten und sich dort zur Ruhe setzten. Ihre albanischen Fahrzeugabnehmer haben sich vornehmlich in Decin, Usty und Teplice Villen gebaut. Und mit – eintausendfünhundert- EUR wird AMRI in einem U – Ausschuss zum Top Dealer, der im großen Stil dealte? Ui, Ui, Ui …

Wir bräuchten diverse Ausschüsse, wenn einer auf die Idee kommen sollte, auf solche Hansel das Schwergewicht der Spezialeinheiten zu bündeln.

Aber darum geht es der Politik vermutlich auch gar nicht. Sie wollen sich für den nächsten Wahlkampf gegenseitig die Beine dick hauen. Anders lässt sich das alles nicht begreifen. Ach ja … was wurde aus E. in der Schweiz? Soviel ich weiß, hat er eine zweistellige Haftstrafe bekommen. Aber so wie ich ihn kenne, hat mittlerweile genug gespart , um sich danach ein gutes Leben leisten zu können. Vielleicht erzählt er den Jungen Nachkömmlingen in Zemun seine Geschichte. Dann werden sie eines Tages nach Berlin kommen.

Was soll ihnen passieren? Gemäß Untersuchungsausschuss stehen ja alle Ermittler vor einem besetzten Haus herum, oder kümmern sich um Top – Verbrecher mit terroristischen Ambitionen, wie den ehemals erfolgreichen Dealer AMRI.

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Mai 25 2019

Rechte Netzwerke in der Polizei

Reading Time: 8 minutes

Eine Frage bewegt seit geraumer Zeit die Medien. Gibt es rechte Netzwerke in der Polizei? Zu einer geschlossenen Frage gehört prinzipiell eine knappe Antwort. Nein! Erledigt! Nun, so funktioniert es ja leider nicht. Die Frage zu beantworten ist allein deshalb schwierig, weil die Fragesteller unterschiedliche Vorstellungen von einem politischen rechts haben, genauso wie es sehr differente Auslegungen von links gibt.

Ich interpretiere die Frage folgendermaßen: Gibt es konkrete Zusammenschlüsse von Beamten, die sich zum Ziel gesetzt haben, die bestehende Staatsform der Bundesrepublik Deutschland in eine faschistisch ausgerichtete Diktatur mit Analogien zur NS – Zeit zu verändern?

Diese Frage kann ich mit ruhigen Gewissen verneinen und behaupte, davon hätte ich mal was gehört. Beispielhaft wären für mich Ausführungen und Pläne eines Horst Mahler oder Björn Höcke. Beidseitig sind die politischen Kontrahenten ein wenig hysterisch unterwegs. Kritisiert jemand wie ich, dass wirtschaftliche System und seine Auswirkungen, wird mir unterstellt, dass ich mindestens eine zentrale Planwirtschaft, ein Politbüro und die Einführung eines Kommunistischen Systems befürworte. Nichts davon habe ich mit meiner Kritik im Sinn. Aber so ist nun einmal der Zeitgeist.

Ich beziehe mich mal auf die Stadt Berlin. Allgemein ist auf den Straßen, eine Verrohung, eine sinkende Gewaltschwelle und ein Wegfall von Hemmungen zu beobachten. Zu großen Teilen ist das sicherlich der Urbanisierung geschuldet. Dennoch hat man so seine Fragezeichen auf der Stirn. Ich unterhielt mich darüber letztens mit einem türkischen Barbesitzer, mit dem mich eine gemeinsame Jugend in einer Hochhaussiedlung am Rande der Stadt verbindet. Beide sind wir Straßenkampf erprobt und Kummer gewohnt. Doch selbst er kommt nicht daran vorbei, so etwas wie ein geschickt getarntes Schutzgeld an einen Clan zu zahlen. Wir beide konnten uns nicht so recht erklären, was in den letzten Jahren passiert ist. Regeln und Gesetze, die ehemals auf ein klar begrenztes Milieu beschränkt waren, breiten sich in der Stadt Berlin aus. Sozialer Verfall? Zeitenwandel? Allgemeine Veränderungen in der Gesellschaft?

Ein Beispiel! Ich selbst stand vor zwei Wochen nachts an Berlins größter Bushaltestelle am Rathaus Spandau und ohne Vorwarnung springt mir ein betrunkener knapp über zwanzigjähriger Deutscher mit dem gestreckten Bein in den Rücken. Es ist nicht mehr meine Art, mich in Schlägereien verwickeln zu lassen, deshalb unterließ ich eine Vergeltung und nahm nur eine Verteidigungshaltung ein. Der untalentierte Kickboxer brüllte vor sich hin und versuchte trotz seiner Promille im Blut Highkicks anzusetzen, mit denen er sich selbst zu Fall brachte. Sein Kumpel versuchte erfolglos, auf ihn einzuwirken. Da mischte sich ein junger Ausländer ein, der mehr Lust auf eine Auseinandersetzung verspürte. Seinem Deckungsverhalten nach, kämpfte er nicht zum ersten Mal. Mir wurde das ganze Geschehen zu dämlich und ich nahm die nächst beste Taxe. Was soll das? Warum? Unverständlich!

Nach Berichten meiner ehemaligen Kollegen vergeht kaum noch eine Nacht, ohne das die Meldung «Eigensicherung Messer!», durch den Äther geht. Wie gesagt, ich kenne das Nachtleben in Berlin ganz gut. Normalerweise beschränkten sich solche Geschichten auf kriminelle Milieus. Hier mal ein Messer, da eine Schusswaffe oder ein Baseball Schläger.

Polizisten sehen jeden Tag die negativen Spitzen des Stadtlebens. Das verändert einen Menschen. Sei es die Annahme eines für außenstehende Personen schwer nachvollziehbaren Humors, für zarte Gemüter schwer verdauliche rüde Aussagen und sicherlich auch die Einteilung von Menschen in Stereotype. Ich fasse es mal allgemein als charakterliche Verrohung zusammen. Die Selbstschädigung ist dabei deutlich höher, denn die Außenwirkung. Nebenbei macht das im Milieu jeder! Ich finde, an dieser Stelle gilt: Rassismus beginnt an der Stelle, wo man anfängt, Minderheiten partiell auszusparen, bzw. bevorzugt zu behandeln. Soweit ich das Überblicken kann, stimme ich jederzeit zu, wenn jemand behauptet, bei der Polizei seien vermehrt Misanthropen, Zyniker und Traumatisierte anzutreffen. Damit ist man aber noch nicht rechts im Sinne eines faschistischen Denkens. Nicht einmal die Forderung nach Law and Order erfordert dieses Kriterium. Das ist konservativ und meiner Meinung nach nicht zielführend, hat jedoch nichts mit Faschismus zu tun.

Problematisch sind die psychologischen Aspekte und institutionelle Prozesse, die zusammen wirken und einen in Situationen bringen, die man selbst niemals für möglich hielt. Ich bringe ein Beispiel:

Beginn der 90er wurde Berlin von bandenmäßig organisierten Ladendieben, die vornehmlich aus Sippen der Sinti und Roma stammten, überrannt. Bevor der Blutdruck steigt, bitte ich um genaues Lesen meiner Worte. Die beiden Volksgruppen können nichts für den sozialen Abstieg in den sie gedrängt wurden und noch viel weniger kann man der Mehrheit von ihnen vorwerfen, dass eine Teilgruppe ihre Abgeschlossenheit als systemischen Vorteil bei kriminellen Handlungen in besser aufgestellten westlichen Industriestaaten erkannt hat. Um Festnahmen von der Polizei zu erschweren, flochten sich die Frauen dieser Banden, Rasierklingen in die Haare. Weitere Klingen versteckten sie in der Bekleidung. Kindern brachten sie bei, auf Kommando epileptische Anfälle vorzutäuschen. Säuglinge wurden von ihnen zu taktischen Mitteln gemacht, in dem sie diese entweder zur Tarnung verwendeten oder sich mit ihnen Zugang verschafften. Kurzum, um aus dem Elend zu entkommen, entwickelten sie jede erdenkliche Taktik, die Menschen aus industrialisierten Wohlstandsgesellschaften nicht nachvollziehen können. Heute sage ich, im gewissen Sinne legitim, damals hatte ich eine andere Einstellung dazu. Not, Krieg und Elend lässt Menschen zum Überleben alles machen!

Es erging die Weisung, dass Festgenommene zu entkleiden sind und aus der Kleiderkammer der Polizei mit Trainingsanzügen und Schuhen zu versorgen sind. Gummizüge, Reißverschlüsse, Schnürsenkel, sind für Menschen in solchen Lebenssituationen Werkzeuge für alles. Angriffe, Suizide, Fluchtversuche lassen sich damit durchführen. Also wurden die entfernt. Im Ergebnis wurden u.a. mir selbst Frauen zur Vernehmung zugeführt, die in offenen Schuhen schlurften, mit der einen Hand notdürftig Säugling und Jacke hielten, während sie mit der anderen die Hose am Herunterrutschen hinderten. Selbstverständlich verweigerten die damals alle Angaben. Ein alter Kommissar hatte mir einen Trick beigebracht. Wir legten damals in den Pass ein Blanco – Papier und taten mit einem Taschenspielertrick so, als wenn wir eine Seite aus dem Pass herausreißen würden.

Ich denke, dies ist ein klarer Verstoß gegen Paragraf 136 a StPO – unerlaubte Vernehmungsmethoden. Schlimmer noch! Ich fühlte mich im Recht. Diese widerlichen Menschen verstießen gegen alles, was ich mir so vorstellte. Manchmal rieben sie sich mit der Hand an den Geschlechtsteilen, um dann aufzuspringen und mir mit den Fingern durch das Gesicht zu fahren.

Dann kam Poddi ins Spiel. Ein Hauptkommissar, der in der Abschiebung seinen Dienst leistete und ein wenig Abstand hatte. Nach seiner Pensionierung wandte er sich an Amnesty International und wies auf die Zustände in der Polizei diesbezüglich hin. Ich traf mich in dieser Zeit mit ihm auf ein Bier. Ich, der junge Kommissar und der Mann am Ende seiner Laufbahn. Er fragte mich, ob ich die Bilder vom Volksgerichtshof und Freisler kennen würde. Männer ohne Gürtel und Schnürsenkel, entmenschlicht, gedemütigt, der Würde beraubt, der Macht eines Systems ausgeliefert. In diesem Augenblick wurde mir eins klar: Verdammt … es geht so schnell und bist in einer Nummer, die Du nicht mehr unter Kontrolle hast. War ich damals rechts? Ich, der sich immer auf die Fahne schrieb: Du willst den Weg durch die Instanzen gehen!

Das mit dem rechts ist schnell gesagt. In Asien gibt es ein gutes Sprichwort: «Es ist schwer einen Menschen zu beurteilen, wenn Du nicht in seinen Schuhen gelaufen bist.» Mir fällt es von außen her leicht zu sagen: Entspannt Euch mal ne Runde! Die in der Rigaer wollen nur aus dem verwalteten System ausbrechen und die meisten von denen wollen einfach in Ruhe ihr Ding machen. Fällt Dir eine Gehwegplatte auf das Autodach oder Du frisst Steine, sieht das alles ganz anders aus.

Ja, es ist leider nicht zu verleugnen, dass einige Brühbirnen, die in der Polizei nichts zu suchen haben, Informationen an offen erkennbare rechte Kreise weiter geleitet haben. Das ist weder zu ignorieren, zu verniedlichen oder zu tolerieren. Ich unterstelle diesen Bummsköppen, dass sie sich in einer Blase bewegt haben. Fraglich ist die Motivlage. Ich befürchte, dass sie Opfer dieser Kampagne wurden, welche nebenbei auch von der CDU/CSU einträchtig zusammen mit der AfD gefahren wird, deren Inhalt nach, die Linken dürften, was bei den Rechten bekämpft wird. Fakt ist, dass das die Ämter aller Couleur, spätestens nach der RAF rechtsseitig eine Sehschwäche hatten. Gesellschaftlich ist das nachvollziehbar. Erst die RAF, der Terror, alles begleitet vom Kalten Krieg, das Dauerfeuer „Rot ist böse!“, die DDR und dann auch noch die autonome Bewegung zusammen mit der radikalen Hausbesetzerszene, machte die kognitiven Fähigkeiten weich. Die hätten sagen können: „Seid mal nicht sauer, aber die eigentliche Messlatte haben die Nazis gesetzt! 6 Millionen Tote, Holocaust, 14 Millionen deutsche Flüchtlinge, schon im Vorfeld von 1933, Straßenschlachten, Putschversuche usw. sind schwer zu toppen und zeigen auf ewig, wozu diese Brut fähig ist.“ Wie gesagt, dass alles wollen diese Durchstecher nicht einmal. Ich will es mal so ausdrücken: Nicht alle sind die hellsten Kerzen auf der Torte. Und schon bin ich wieder in der Schublade „Arrogantes A.“ unterwegs. Sie sind es wirklich nicht. Ich kenne echte überzeugte Faschisten, mit beängstigenden intellektuellen Fähigkeiten und Argumentationsketten, die mit beeindruckender Dialektik argumentieren. Da sind die weit von entfernt. Irgendwann ist das das mal einen Eintrag wert.

Was ist mit den Clans? Selbstverständlich gibt es in Berlin noch ganz andere Gesellen, die normalerweise deutlich mehr Aufmerksamkeit verdienten. Aber wer nervt mehr? Die Moskitos, die mich rund um die Uhr attackieren oder der fiese Immobilienhai, der nach und nach meine Stadt kaputt macht? Natürlich kann der arme Libanese, Türke, Marokkaner oder Algerier nichts dafür, dass Mitteleuropäer sie schlecht auseinanderhalten halten kann und sie deshalb mit den Mhallamiye Volkszugehörigen verwechseln. Auch so ein Ding. Die sind weder Türken, Kurden oder Araber. Und weil sie seit Jahrhunderten um ihre Identität ringen, sind sie aufgestellt, wie sie es sind. Aber ist man deshalb rechts?

Die freiheitlich demokratische Grundordnung ist ein großer Begriff. Beinahe wie leben als guter Christ, Moslem oder Jude. Ein Idealbild, das angestrebt wird, aber schwer zu erreichen ist. Zwischendurch wird es immer mal wieder menschlich. Gibt es echte Rechte in der Polizei? Ja! Ich hab in den Achtzigern mal einen Typen kennengelernt, der aus Südafrika kam und offen die Rassentrennung favorisierte. Immerhin ein Hauptkommissar. Einer von den Republikanern wollte sich mal meine Stelle als Hauptkommissar per Verwaltungsgericht ergattern. Natürlich gibt es solche Vögel bei der Polizei. Manche sind einfach nur Armeefreaks und stehen auf Marschieren und blinden Gehorsam. Das ist aber ein völlig anderes Thema. Die werden zur Gefahr, wenn es extern den Rechten gelingt, die Oberhand zu bekommen. Dann finden sie bei denen willige Unterstützer, weil sie zu dämlich sind, die Folgen zu erkennen.

Wie gesagt eine andere Fragestellung. Gibt es im Aufbau der Polizei und der Bundeswehr Schwachstellen, die im Falle einer schleichenden Machtübernahme wenig Widerstand bei der Installation eines diktatorischen Systems aufbringen? Nun … da wird es analytisch sehr, sehr, schwer. Dazu müsste man in den Aufbau der deutschen Gesellschaft, das Selbstverständnis der Deutschen, die Stellung zu Hierarchien durchleuchten, sich nochmals die Begünstigung faschistischer Systeme durch Autoritätsverhältnisse bis in die Familien hinein, mit Berücksichtigung von Erich fromm, Adorno, Marcuse u.a. anschauen. Das hat aber nichts mit der Frage nach rechten Netzwerken in der Polizei zu tun. Selbst einige selbsternannte Linke machen an der Stelle dicke Backen.

Ich persönlich halte überhaupt nichts von diesen Schnellschüssen aus der Hüfte, bei den Links und Rechts beliebig abgefeuert werden. Andere könnten ebenso nachfragen, ob es linke Netzwerke in der Polizei gibt. Nur mal am Rande erwähnt, nach dem Mauerfall war das im Berlin des Jahres 1989 ein ernsthaftes Problem. Keiner wollte sich die Staatssicherheit und ehemals systemtreue Volkspolizisten ins Nest setzen. Die Auseinandersetzung mit den ehemaligen Volkspolizisten führte bei mir zur Erkenntnis, dass die DDR kein „links“ in meinem Verständnis war. Für mich ist das immer noch klassisch die Philosophie des Marxismus und damit hatten die wenig zu tun. Ich hatte dienstlich tiefe Einblicke in die Staatssicherheit und dem dazugehörigen Denken. Genauso wie ich mich intensiv mit echten Anhängern des Nationalsozialismus auseinandersetzen durfte bzw. musste.

Aus dieser Perspektive heraus, behaupte ICH, dass die echten Rechten wirtschaftlich und intellektuell mit Abstand besser positioniert sind, wie diejenigen, welche einen Kommunismus im klassischen Sinne installieren wollen. Die Russen und der FSB stänkern immer mal wieder und basteln an der Destabilisierung der westlichen Industriegesellschaften, damit sie in Ruhe ihr Ding machen können, dafür paktieren sie sogar taktisch mit den Rechten, weil sie wissen, wie zerstörerisch die sind, aber eine ernsthafte Übernahme liegt denen fern. Doch dies geht weit über die gängige politische Auseinandersetzung in der Polizei hinaus.

Ich wiederhole: Alles immer unter den Gesichtspunkt, wie es außerhalb der Polizei aussieht. Kippen die Verhältnisse, bedarf es einer neuen Analyse. Dann könnte es eng werden, aber in beide Richtungen. Widerstand ist wenig zu erwarten, Mitläufertum in alle Richtungen durchaus. Hierarchien sind multifunktionale Werkzeuge und die Volkspolizei unterschied sich nicht wesentlich von der bundesdeutschen Polizei. Auch hierzu abschließend ein Beispiel (in 30 Jahren mit Mauerfall kommt da einiges zusammen 😉 )

Auf meiner Dienststelle kündigte sich der Besuch des damals amtierenden Polizeipräsidenten an. Wie alle Polizeidienststellen in Berlin, waren wir in einem desolaten Gebäude mit viel zu kleinen Aufenthaltsräumen untergebracht. Deshalb hatten wir Garderobenständer, Sitzgelegenheiten, Wäscheständer für nasse Sportsachen und nicht dauerhaft genutztes Zeug auf den Flur verbannt. Jenes, rief in Aussicht auf den hohen Besuch eine Führungskraft aus der oberen Etage auf den Plan. Alles sei sofort zu entfernen, weil der Präsident keinen „falschen“ Eindruck bekommen solle. Eine ehemalige DDR – Bürgerin, nun Polizistin, brachte es auf den Punkt: „Wie früher! Wenn Honni kam, mussten wir auch immer die Straße säubern und mit Wink – Elementen wedeln.“

Auch der Führungsstil in der Polizei kam einigen aus der Volkspolizei gut bekannt vor. Ein Kollege, immerhin ein verdeckter Ermittler, dessen Eltern zu DDR Zeiten hohe Ämter bekleideten, sagte zu mir: „Ernsthaft? Für den Scheiß hier bin ich bei vollem Risiko Montags auf die Straße gegangen?“ Solche Aussagen machen einen nachdenklich. In der Polizei funktionieren ein paar Sachen hervorragend. Dazu gehört: Ober schlägt Unter! Ein klassisches bedingendes Merkmal, wenn ich ein diktatorisches System installieren will. Aber weltweit, werden die Impulse von der Politik, Gesellschaft oder im Zweifel vom Militär gesetzt. Der Polizist wurde in der Vergangenheit immer vor die Wahl gestellt, mitzumachen oder drauf zu gehen. Deutschland, Italien, Spanien, Griechenland und Südamerika … immer das gleiche Bild. Wer also ernstzunehmende rechte Netzwerke finden will, muss sie an anderen Stellen suchen.

Ich ahne jetzt schon, was kommt ….

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März 19 2019

Macht Strategien

Reading Time: 5 minutesIch habe weder Politik, BWL oder Soziologie studiert. Aber in den letzten Jahren, habe ich versucht zu verstehen, wie das mit der Taktik im Hintergrund funktioniert. Bereits nach kurzer Zeit begriff ich, dass es eigentlich wenige Standards sind, die einem nach und nach verstehen lassen, warum und wieso, bestimmte Dinge passieren.

Sun Zi – Die Kunst des Krieges

Ich setze dieses Werk auf Platz 1, weil es schlicht das Älteste ist. Ähnlich wie bei Shakespeare ist nicht ganz geklärt, ob es wirklich nur diesen einen Urheber gibt oder vielmehr Erkenntnisse einer Epoche gesammelt wurden. In mehreren Abschnitten wird abgehandelt, wie ein Krieg gewonnen werden kann oder aufgrund welcher Voraussetzungen, er mit Sicherheit verloren wird. Wann ist die Zeit für einen Rückzug oder einen Angriff. Wie kann ein General den Zustand der feindlichen Armee einschätzen und vieles mehr. Jeder Aspekt der militärischen Taktik wird analysiert. Ein Krieg ist unter dem Strich ein Konflikt, deshalb können die dort formulierten Grundsätze auch mit einer gewissen Abstraktion in einem Disput hilfreich sein. Das Werk wird, obwohl tausende Jahre alt, heute noch in Militärischen Akademien herangezogen. Viele taktische Züge im Golfkrieg sind nach bekunden der Generäle darauf basierend vorgenommen worden. Es ist auch davon auszugehen, dass Mao sich damit auseinandersetzte. Ebenso wie Ho Chi Minh und andere historische Personen.

Sunzi Kunst des Krieges PDF

Arthur Schopenhauer

Wer sich mit Rhetorik beschäftigt, kommt an ihm nicht vorbei. Seine Abhandlungen zur Eristischen Dialektik sind in einer Zeit der Rabulistik und Wählergewinnung Pflichtprogramm. Es geht nicht um eine Wahrheitsfindung, sondern darum aus einer Debatte, als derjenige hervorzugehen, der scheinbar recht hat. In 38 Punkten beschreibt er die notwendigen Kunstgriffe. Nahezu jede Talkshow oder Bundestagsdebatte ist ein Schopenhauer – Bingo.

Schopenhauer 38 Kunstgriffe

Spieletheorie

Spätestens bei den Verhandlungen zum griechischen Rettungsschirm wurde deutlich klar, wie sehr sie bei derartigen Verhandlungen eine Rolle spielt. Das war mit dem Auftauchen des Wirtschaftswissenschaftlers Varoufakis, einer internationalen Ikone der «Spieletheorie» auch nicht anders zu erwarten. Wer sich mit der Spieletheorie und den sich daraus ergebenden Erkenntnissen auseinandersetzt, wird überrascht sein, wie oft sie eine maßgebliche Rolle in den Verhandlungen spielt. Varoufakis überließ nichts dem Zufall und hielt sich klar, bei einer schlechten Ausgangslage, an die Regeln und holte das beste Ergebnis heraus.

Nebenbei sind die Erkenntnisse daraus auch dafür verantwortlich, dass im Gegensatz zu Deutschland, in vielen Ländern die «Tiefpreisgarantie» verboten ist, weil sie zu einem versteckten Kartell führt.

Spieletheorie – Erklärungsseite

 
Harvard – Konzept

Prinzipiell ist es wünschenswert, wenn es in der Politik zur Anwendung kommt. Es gibt ein schönes Einstiegsbeispiel. Zwei Schwestern streiten sich um eine Zitrone. Jede will sie haben. Nach einem längeren Gespräch bekommt die Mutter heraus, dass die eine den Saft für eine Limonade benötigt und die andere die Schale für einen Kuchen. Der Konflikt ist gelöst. Die Verhandlungspartner konzentrieren sich nicht auf die Positionen, sondern darauf wohin die Reise hingehen soll, entwickeln gemeinsam Alternativen und Trennen Menschen von Interessen. Nicht umsonst spricht von Varoufakis in Talkshows von Schäuble als einem sympathischen integren Menschen – saubere Trennung. Letztens machte er mit Christian Lindner nichts anderes.

Das Harvard Konzept

Nebenbei ist die verlinkte Seite immer einen Besuch wert!

 

Saul D. Alinsky

Die berühmteste Studentin von ihm ist Hillary Clinton. Zu Lebzeiten verfasste er das Buch «Rules for Radikals». Brillant und glasklar analysiert er die Taktiken der Mächtigen, und die Möglichkeiten dagegen anzutreten, wenn man bestrebt ist die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse neu zu organisieren. Er stellt in seinem Buch Regeln und Taktiken vor, mit dem insbesondere im Gemeindewesen agiert werden kann. Er spricht auch die Hindernisse auf der Seite der «Widerständler» an. Zentrale Forderungen sind der Umgang mit den realen Verhältnissen und nicht irgendwelchen Wunschvorstellungen, die Erzeugung einer Akzeptanz bei möglichen Verbündeten (geht z.B. bei den Linken in Deutschland ständig schief) und einem konkreten Plan nach der Überwindung der Mächtigen. Alinsky geht beispielsweise auch darauf ein, dass es ein kalkulierter Verteidigungsmechanismus der Machthaber ist, jeglichen Kritiker als Links oder Kommunist zu verorten. So als gäbe gegen die bestehenden Machtverhältnisse, meist im Kapitalismus begründet, ausschließlich einen natürlichen Antagonisten. Das Werk ist schon ein wenig betagt, heute wird in Deutschland zusätzlich «Gutmensch» eingebracht. Hinter der Implementierung solcher Begriffe stecken die Köpfe von Thinktanks und PR Agenturen. Und es funktioniert offensichtlich.

Rules for Radikals – Einführung

Ich habe diese Seite verlinkt, obwohl ich mit den ersten Sätzen nicht anfreunden kann, schon weil Alinsky als Kommunist bezeichnet wird. Ich sehe das nach dem Lesen seines Buchs anders. Wer sich dafür interessiert kommt am Studium des Buchs nicht vorbei.

 

Edward Bernays

„Wenn wir den Mechanismus und die Motive des Gruppendenkens verstehen, wird es möglich sein, die Massen, ohne deren Wissen, nach unserem Willen zu kontrollieren und zu steuern.“

Der Neffe von Sigmund Freud gilt zusammen mit Ivy Lee als der Vater der Public Relation. Er muss ein eiskalter gewissenloser Stratege gewesen. Diverse seiner von ihm – zugegeben genial – durchgeführten Kampagnen, sind mehr als bedenklich. Dennoch ist es wichtig, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Auf der Grundlage seiner Veröffentlichungen funktionieren prinzipiell alle Kampagnen und sind recht sauber zu entschlüsseln. Durch seine Arbeit für die Amerikanische Fruit Company stürzte er sogar eine legitime Regierung. Zu seinem eigenem Erstaunen stellte er einst fest, dass Joseph Goebbels sich bei ihm bedient hatte.

Spätestens, als die AfD eine amerikanische Agentur beauftragte, war klar, was passieren würde.
Ob es nun die großen Verlagshäuser sind, irgendwelche neoliberalen Stiftungen, es sind gigantische und vor allem maximal erfolgreiche PR Kampagnen, mit denen viel Geld verdient wird. Ohne sie geht gar nichts. Selbst vor Soaps oder Schulbüchern wird nicht halt gemacht. Immer wenn ein neuer Slogan oder ein Schlagwort irgendwo eingeführt wird, steckt Kalkül dahinter.

ARTE Dokumentation – Freie Mediathek VIDEO GOLD

 


Nachdem ich mich ausreichend mit diesen sechs genannten Themen, Standards und Personen auseinandersetzte, stellte ich fest, dass alle anderen relevanten, mehr oder weniger abschrieben, umformulierten oder weiter entwickelten. Ich habe hier alle nur kurz angerissen. Eine Lese – und Studienempfehlung für alle, die sich mit dem auseinandersetzen wollen, was um sie herum passiert. Bis auf vielleicht das «Harvard – Konzept» bewegt sich alles jenseits meiner Lebenseinstellung und dem, wie ich mir den Umgang mit Menschen vorstelle – aber das ist ja eine persönliche Entscheidung.

Ganz frei bin ich nicht. Denn ich muss einräumen, das genannte Wissen zusammen mit einigen Sachen aus der «experimentellen Psychologie» in der ein oder anderen beruflichen Nische angewandt zu haben. Aber das war einmal und gehört nicht mehr zu meinem Leben. Mit meinen beschränkten Möglichkeiten werde ich weiterhin dagegen anschreiben, dass bin ich mir aus Gründen selbst schuldig. Dennoch bin ich Realist und kenne die Perfektion, mit der diese Leute agieren. Aber wer weiß, vielleicht stolpert der eine oder andere Jüngere mal über den BLOG und nimmt diesen Beitrag zum Anlass sich mal einzulesen.

Eins werde ich allerdings nie verstehen. Wenn ein Mensch dazu in der Lage ist, sich dieses Wissen anzueignen und umzusetzen, muss doch eines Tages die Frage nach dem «Mehr» auftauchen? Ich sehe ein, dass dieses «Ich hab’s geschafft – ich bin am Schaltpult der Macht angekommen!», eine große Verlockung ist. Dieser ständige Kampf gegen Menschen, die tägliche Jagd nach der kurzfristigen Befriedigung der unsäglichen Gier, jenes dauerhafte böse Spiel mit Menschen und die darin steckende Verachtung für das «normal» lebende Individuum muss doch eines Tages seinen Tribut fordern. Aber die menschliche Psyche ist unergründlich.

 

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März 18 2019

Schluss mit lustig …

Reading Time: 5 minutesDas Maß ist voll! Ich bin, wie meiner Bio auf der Seite entnehmen kann Jahrgang 1966. Damit bin ich gerade noch so ein Babyboomer. Meine Generation beginnt seit einigen Jahren am Schaltpult der Macht Platz zu nehmen.

Eine Generation, die sich in vielen Bereichen nicht mit: «Wir wussten es nicht besser!», herausreden kann. In der alten Bundesrepublik Deutschland war dies eine der ersten Generationen mit den Best möglichen Bildungschancen, die es jemals in Deutschland gegeben hat. Ich ziehe Brecht heran: «Erst kommt das Fressen, dann die Moral!» Wir hatten alles. Fressen, Reisen, Freizeit, Zugang zu Bibliotheken, freie Unterrichtsmaterialien, die Freiheit Kritik zu üben, zu Demonstrieren, an die Universitäten zu gehen – und doch haben wir es verkackt. Wo lag der Fehler? Wo sind wir falsch abgebogen? Vielleicht war der Wohlstand unser Problem? Die Drogen? Die Sicherheit? Keine Ahnung! Die Tatsache, dass wir auf eine Politikergeneration setzten, die in Teilen noch charismatische durch Not, Elend, der Nachkriegszeit geformte Persönlichkeiten waren? Wir hätten sie ablösen sollen. Wen haben wir entsandt?

Wir hatten unsere Problemfälle. Die welche durch ihre Anpassungsfähigkeit und Zielstrebigkeit in einem von uns grundsätzlich abgelehnten ungesunden Leistung -, Zuwachs -, Status – und Expansivsystem ihre Chance sahen. Mit Kritik, Neuorganisation, Widerstand, Revolte gegen das damals bereits überkommene Wirtschaftswundersystem», welches auf einen niemals endenden Wachstum setzte und dabei bereit war ohne Rücksicht auf Verluste alles kaputt zu machen, hatten die nichts am Hut. Jeder meiner Generation kennt sie. Von Mama eingekleidet, programmierbare Digitaluhr, schwarzer Aktenkoffer statt Umhängetasche, Mitglied in der Jungen Union oder bei den JuLi’s (Junge Liberale), Jura -, Sozial – oder BWL Studium, Parteiaufstieg.

Die andere Fraktion waren diejenigen, welche sich mit Ach und Krach ohne Lust durch die Schulzeit bewegten, am Wochenende schlechtgemachte Musik in billigen Diskotheken hörten, Goldkettchen von Cartier trugen, aufgemotzte Autos durch die Gegend chauffierten und sich auf ein Leben mit Ende unter der thailändischen Sonne von Koh Samui oder auf Mallorca vorbereiteten. Ein Leben mit dem Tiefgang eines «Hover Boat», nämlich gar keinen.

Beide hatten wir nicht auf dem Zettel. Noch weniger passten wir darauf auf, was nach der Wiedervereinigung passierte. Theoretisch hätten sich jeder denken können, dass eine Gesellschaft die über Jahrzehnte von staatlicher Alimentierung, gegenseitigen Verrat und staatlicher Propaganda, Geschichtsrevision und einer despotischen Clique geprägt wurde, Probleme machen würde. Aber wir schliefen einen sehr tiefen Schlaf. Trotz der Tatsache, dass wir wussten, dass die CDU in der DDR reine Makulatur war und nicht umsonst den Beinamen «Blockflöten» trug, ließen wir einen Helmuth Kohl brav machen. Und standen eines Tages vor dem bekannten Ergebnis!

Seit Ende der 70er warnten uns die Forschenden an den Universitäten vor dem, was sich am Horizont abzeichnet. Aber sie mussten mit Zahlen und Tabellen agieren und die interessieren einen Konzernvorstand, einen Minenbetreiber, einen Energieriesen, Chemieriesen, Banken und Waffenschmieden recht wenig, wenn auf der anderen Seite unbegrenzter Wachstum und Gewinne, Gewinne, und nochmals Gewinne stehen.

Wie bei einer ungewohnten Benutzung eines Schnellkochtopfes stehen wir nur ängstlich neben dem Herd und beobachten das Ablassventil, immer darauf vertrauend, dass uns das Ding nicht um die Ohren fliegt. Ach, ging doch immer alles irgendwie weiter, wird wie immer am Ende alles Gut. Das ist doch alles nur ein Generationsproblem. War doch schon immer so. Unter dem Strich leben wir doch in einer guten Zeit. BULLSHIT! Die Kacke ist am Dampfen! Man weiß schon nicht mehr, wo man anfangen soll. Öltanker, Müll, Plastik, keine Antwort auf die Frage, was wir mit dem atomaren Müll machen sollen, zur Neige gehende Rohstoffe, seltene Erden, Buntmetalle, Dürrekatastrophen, ein klirrend kalter Krieg, Stellvertreterkriege, überall instabile Länder, Atommächte die im Clinch sind, Armut wo man hinschaut, zerstörte Natur, Vernichtung des Regenwalds, ungebremste Gier nach Energie, stets wachsende Technologien, die noch mehr Energie verbrauchen, Hinterlassenschaften des II. Weltkriegs, der die Meere vergiftet, irre Minengesellschaften die wie zum Ölboom Anfang des 20. Jahrhunderts alles niedermachen, und, und, und.

Der Kongress tanzt, während sich draußen ein Unwetter zusammenbraut. Prinz Prospero lädt zum Maskenball und vor den Türen wütet der «Rote Tod». Ja, das Leben des Einzelnen sollte sich ändern. Das Individuum muss umdenken. Um Himmelswillen, der freie Bürger darf zu nichts gezwungen werden. Am Arsch! Wenn das funktionierte, könnten wir eine Menge Geld einsparen. Wir bräuchten keine schwarzen Limousinen, Regierungsgebäude, Büros und Diäten. Dann könnten wir es alleine und müssten nicht Leuten, die von sich selbst behaupten, dass sie es drauf haben, finanzieren. Der nackte Affe braucht Führung, besonders wenn er nicht mehr in Horden, sondern in Massen organisiert ist.

Doch was sind unsere Sorgen? Lasst mich kurz nachschauen. Icardi wechselt zu Real Madrid, Verena macht auf Lombardi, Apple stellt neue Produktreihe vor, bei DSDS hat einer einen Kreislaufkollaps, ich kann mir meine Lebensmittel günstiger liefern lassen, Meghan plant eine zweite Babypartie … ach ja … wir sind in Gedanken bei den Opfern wo auch immer … die Bundesbahn bekommt neue Milliarden … Pakistan liegt immer noch im Clinch mit Indien … der neue Fidel Castro – Maduro – entlässt seine Minister, während in Brasilien gerade in diesem Augenblick dank eines anderen Irren ihr Leben aushauchen. Und nicht zu vergessen, dass Allerwichtigste: Schüler trauen sich, innerhalb der verordneten Schulzeit zu demonstrieren und die Frage zu stellen: «Sagt mal, hackt es bei Euch?»
Woraufhin Tante Erna in Wuppertal beim Kaffeekränzchen vor Empörung der Kaffee aus dem Gesicht fällt und das Kreuzworträtsel im «Bild der Frau» versaut. Der Herr CDU Abgeordnete im Bundestag wird bei seiner Terminplanung mit dem Lobbyisten vom Bauernverband gestört. Die knallharte Businesskostümträgerin der Bayer AG bleibt im Verkehr stecken. Der Mann von BLACKROCK hängt im Bundestagsgebäude fest und muss dem Piloten im Learjet Bescheid sagen. Die Herrschaften von der AfD, gedanklich längst im Puff, reimen sich schnell noch eine Verschwörung zusammen, aus der irgendwie hervor geht, dass sie die eigentlichen Opfer von allem sind. Und der Lindner von der FDP ist sauer, weil er vor der nächsten Talkshow seinen Beratertermin für 15.000 EUR nicht wahrnehmen kann. Weidel übt vor dem nächsten Fototermin für das neue Propaganda Plakat, das ihr die amerikanische PR Agentur noch schuldig ist, die arrogante Oberlippe unter Kontrolle zu bekommen. Trixi lässt nochmals erklären, warum sich die Sonne doch um die Erde, welche im übrigen eine Scheibe ist, dreht und was Mohammed damit zu tun hat.

Jetzt mal ehrlich, seit Ihr Euch Eurer Lächerlichkeit nicht bewusst? Was hat eine Vorsitzende der CDU auf der Bühne einer Karnevalsveranstaltung zu suchen? Grüne und Linke, ist es Euch nicht zu blöd über irgendwelche Sterne, Kreuze oder Striche zu streiten? Bei jedem Scheiß erst einmal wie ein Papagei das Wort Rassismus heraus zu krächzen? LINKE? Hallo … da könnte was passieren. Ihr wollt die Welt umorganisieren? Dann jetzt! Nahles? Sie haben einfach nicht das Format eines Wehners, Dem hat man die hemdsärmelige Pöbelei abgenommen. Bei Ihnen wirkt das wie auf der Schultoilette in der großen Pause, finden sie ein würdiges Format. Und zieht den Bayern bitte endlich die Lederhosen aus. Nichts, inclusive FJS, was aus dieser Ecke Deutschlands kam, hat die Republik wirklich weiter gebracht. Neugierige könnten bei den Hinterbliebenen der Starfighter Piloten Nachfrage halten. Den meisten in Eurem Haufen ist das Leben fremd. Aber die Zeit wird eng. Belegt irgendwo einen Schnellkursus im Umgang mit normalen Menschen. Nehmt Euch kein Beispiel an all denen, die noch im Ablösungsprozess zu Mama und Papa stehen. Seht Euch Dobrindt an und sagt Euch einfach: Ich will nicht wie Dobrindt sein. Ja, Jura ist ganz nett … aber nach dem Studium muss man langsam auch begreifen, dass Papierlage nicht alles im Leben ist. Tipp: Macht auf das Papier Ketchup und versucht es zu essen, dann wisst ihr Bescheid.

Schluss mit lustig! Jede Mutter, jeder Vater, der Kinder in diese Welt gesetzt hat, welche die kommenden 50 Jahre erleben werden muss jetzt endlich Farbe, Flagge und Verantwortung zeigen. Es ist schlicht unwürdig und peinlich, dass bei den Demos mehr Großeltern auftauchen, denn Babyboomer.

Das werden die Schüler noch begreifen, wenn sie älter sind? Bullshit! Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! Und im Bundestag rennen offensichtlich einige ehemalige ungelehrige Hänschen herum. Aber Deutschland reicht dafür nicht aus. Ich habe auf meiner Reise gelernt, dass es weltweit Menschen wie mir ähnlich geht. Briten, Australier, Malaien, Kanadier, US Amerikaner, Polen, Afrikaner und wo sie alle herkamen, haben die gleichen Gedanken. Es reicht über alle Maßen. Jetzt ist der Zeitpunkt nochmals auf die Straße zu gehen.

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März 16 2019

Lasst es nur einen Anfang sein … Friday for Future

Reading Time: 10 minutesafdscreenkufferscreen

Die beiden Tweets sind lediglich Beispiele für Reaktionen des Establishments auf die Bewegung, die seitens Greta Thunberg initialisiert wurde, sie als Einzelperson aber längst, wie jede Bewegung überholt hat. Mittlerweile haben sich ihr auch Eltern und Wissenschaftler angeschlossen.

Mal abgesehen davon, dass der Tweet des AfD – Vertreters vollkommen irre ist, zeigt er dennoch eine gewisse Tendenz auf. Nebenbei hat der Attentäter Donald Trump als Vorbild und Wegbereiter seines Gedankenguts benannt. Dem Herrn von der CDU ist nicht abzusprechen, dass er sich zwar in der CDU befindet, aber durch aus mit solchen Worten bei der AfD mit offenen Armen empfangen werden würde. Mir fallen auch ein paar geschichtliche Ereignisse ein, wo die Demonstranten, später Revolutionäre nicht einmal zur Schule gehen durften. Französische Revolution, Deutsche Revolution, Russische Revolution … und es dürfte eine spannende Diskussion sein, was denn eigentlich das „Richtige“ ist.

I can see you in the morning when you go to school
Don’t forget your books, you know you’ve got to learn the golden rule
Teacher tells you stop your play and get on with your work
And be like Johnnie too-good, don’t you know he never shirks
He’s coming along

Supertramp – School

We don’t need no education
We dont need no thought control
No dark sarcasm in the classroom
Teachers leave them kids alone
Hey! Teachers! Leave them kids alone!
All in all it’s just another brick in the wall.
All in all you’re just another brick in the wall.

We don’t need no education
We dont need no thought control
No dark sarcasm in the classroom
Teachers leave them kids alone
Hey! Teachers! Leave them kids alone!
All in all it’s just another brick in the wall.
All in all you’re just another brick in the wall.

Pink Floyd – The Wall

Ich würde die Diskussion damit beginnen. Aber Herr Kuffer ist 6 Jahre jünger als ich (ursprünglich ging ich hier davon aus, dass er älter wäre, aber ich habe es nochmals nachgelesen) , vielleicht ist er mit anderen Vorbildern und Gedankenanregungen aufgewachsen. Vielleicht liegt es aber auch an mangelnden Sprachkenntnissen.

Was passiert eigentlich? Da ich selbst kein Naturwissenschaftler bin, muss ich mich auf die Aussagen der Wissenschaftler verlassen. Ich sehe dabei auch keinerlei Probleme. Wenn gleich weltweit tausende, in unterschiedlichen politischen Systemen agierende und forschende Wissenschaftler, zu übereinstimmenden Ergebnissen kommen, ist salopp gesagt «die Kacke am Dampfen!»

Über Fakten zu diskutieren ist ziemlich sinnlos, Zeitverschwendung und im Übrigen auch vollkommen irrational. Damit ist schon mal jeder Leugner aus dem Lösungsprozess heraus. Was soll die Weltgemeinschaft mit politischen Führern, die nicht einmal derart elementare Dinge intellektuell verarbeiten können. Aber es stellt sich die Frage, wie unser System funktioniert, dass solch einfach strukturierte Menschen in diese Position kommen konnten. Irgendetwas muss falsch sein.

Ein System, in dem die Ignoranz, Narzissmus, diverse Persönlichkeitsstörungen und schlicht nicht dem Durchschnitt entsprechende Intelligenz die politische Elite stellt, muss etwas schief gegangen sein. Auch das ist ein Fakt.

Das Gute an unserer medialen Gesellschaft ist der Umstand, dass sich Menschen mit diesen Störungen gern dort präsentieren und ihr Lebensweg über Jahrzehnte hinweg nachzuvollziehen ist. So hat uns zum Beispiel Christian Lindner viele schöne Zeitdokumente über seinen Werdegang geliefert, die durchaus beispielhaft für diverse Karrieren sind. Schon als Schüler war sein Verhalten auffällig. Mit Anzug und Krawatte saß er seinen Unterricht ab, erkannte schnell, wie man sich innerhalb des Systems Geld verschafft, ohne durch produktive Arbeit bzw. intellektuelle Beteiligung am gesellschaftlichen Geschehen ausgebremst zu werden. Dabei vermarktete er sich bereits zu Abiturzeiten geschickt und vor allem angepasst medial.

Lindner ist quasi eine Gebrauchsanleitung für jeden Abiturienten, wie man im bestehenden System nach oben in die Machtregion gelangt. Eine Professionalität kann ihm in diesem Zusammenhang nicht abgesprochen werden. Mit einem Anspruch einer in Anbetracht der Klimaänderung notwendigen Neuorganisation des globalen und nationalen gesellschaftlichen Denkens hat das nichts zu tun.

Ich habe u.a. die unter dem Durchschnitt liegende Intelligenz, etwas provokativ, angeführt. Ein schwieriges und sehr weites Thema. Die Kriterien für den IQ stehen schon seit Jahrzehnten in der Kritik. Viele Wissenschaftler sagen mittlerweile: Der IQ – Test gibt darüber Auskunft, wie gut jemand einen IQ – Test bewältigen kann – mehr nicht.» Bei der Auswertung der tabellarischen Werte an amerikanischen Universitäten wurde festgestellt, dass die mit den hohen Werten oftmals tatsächlich in der Forschung landeten, während die mit den geringeren ihre Vorgesetzten wurden. Eben eine andere Form der Intelligenz. Sie erkennen die Spielregeln und entwickeln Fähigkeiten im hierarchisch geprägten System, nach oben zu kommen.

Wenn dies beinhalten würde, dass beide Hand in Hand arbeiten würden, ergo die Führungskräfte die Erkenntnisse der Forschenden zum Wohle der Menschheit koordinieren würden, wäre unsere Welt eine andere. Wir wissen aber, dass es nicht an dem ist.

Das angelegte Kriterium lautet: Wie kann das wissenschaftliche Ergebnis für eine Kapitalerzeugung oder militärisch benutzt werden? Ergebnisse, die genau dem entgegen sprechen, sind von vornherein ungewollt, werden angezweifelt und müssen irgendwie vom Tisch.

Kapitalismusfreunde behaupten stets, dass die Finanzierung der Forschung nur über den Kapitalismus funktioniert. Das stimmt bedingt und bezieht sich nur auf die Forschung, die eben jenem Kapitalismus förderlich ist. Geisteswissenschaften, wie zum Beispiel die Philosophie verkommen zur Krawattennadel. Wie das Bild eines hoch gehandelten Künstlers wird die Philosophie als Statussymbol in den Tresor gelegt oder hängt hinter dem Manager eines Konzerns an der Wand. Saul D. Alinsky spricht von «Have» und «Have – Not». Trotz der Tatsache, dass die erste Gruppe in der Minderheit ist, ist sie dominant und verfügt über alle notwendigen Machtmittel, ihren Status zu behalten.

Betrachte ich diese Einteilung global, befinden sich die westlichen Industriestaaten klar in der Gruppe «Have» und der Rest der Welt in der «Have – Not» Position. Und es gibt noch die geringe Zahl, bei denen sich das Kapital fokussiert und ein unterdrückendes Machtschwergewicht jenseits aller Vorstellungen von Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung besteht. Niemand auf der «Have» – Seite, weder die «Echten», noch ihre domestizierten Haustiere, die brav am Tisch warten, dass ihnen etwas vom Braten zugeworfen wird, haben ein Interesse am Wandel bzw. der unausweichlich einzuleitenden Neuorganisation des Systems, wenn eine gemeinsame Reaktion auf die sich ergebenden resultierenden Probleme des bereits eingetretenen Klimawandels, ernsthaft angestrebt wird. Sie sind die Einzigen, die von der Theorie profitieren, dass ein gedeckter Tisch der Reichen durch Investitionen den Armen nutzt. Abschließend!

Es gilt eher der in der Psychologie meiner Auffassung viel zu wenig beachtete Dunning – Kruger Effekt:

„Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. […] Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, [sind] genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen.“

Das Kalkül der «Have» ist eigentlich recht einfach. Harald Lesch hat dieses hervorragend skizziert. Es wird in einigen Teilen dieser Welt möglich sein, mit ausgeklügelten Technologien die eintretenden lebensfeindlichen Umstände zu kompensieren. Zum Beispiel wenn die Menschen in diesen Gebieten hoch technisierte künstliche Bio – Reservate einrichten.

Meiner Auffassung nach, findet die Vorbereitung bereits statt. Die Forderungen nach Abgrenzung zu den Entwicklungsländern durch den Bau einer «Festung Europa» ist nichts anderes. Denn selbstverständlich werden Menschen aus lebensfeindlich gewordenen Gebieten versuchen sich zu retten. Um dieses zu verhindern, werden Grenzen mit Robotern, Drohnen und Hightech Alarmsystemen eingerichtet werden, die analog zum Drohnenkrieg aus der sicheren Entfernung betreut und gesichert werden können. Bereits heute ist ein Punkt erreicht, an dem die Entwicklungsländer den technischen Vorsprung nie wieder einholen werden. Dafür reicht die Zeit auch nicht mehr aus.

Ich befürchte, das ist die von Herrn Lindner angesprochene professionelle, nahezu desillusionierte militärische Sicht. Die Schüler und die Wissenschaftler sind davon weit entfernt.

Ihre Botschaft: Das ist falsch, inhuman, widerspricht der Vernunft und verachtet das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Spezies.

Damit kann man einem Liberalen, Neoliberalen, Konservativen und Anhänger des Kapitalismus aber nicht kommen. Vernunft ist bei ihm durch den Glauben an das Kapital und die Gier ersetzt. Erst Recht darf man keine spirituellen Überlegungen erwarten.

Die AfD, die Konservativen CDU/CSU, die FDP und große Teile der SPD sind meiner Meinung gar nicht weit auseinander. Prinzipiell sind die von der AfD die Ehrlichen innerhalb des Clubs. Selbstredend kann auf Dauer eine bei unverändert ablaufenden Prozessen notwendige Grenze nur militärisch und mit Tötung von Menschen gesichert werden. Gauland irrt allerdings, wenn er von Bildern spricht, die die Bevölkerung aushalten muss. Sie wird diese Bilder gar nicht zu sehen bekommen. Eine ausreichend große Verbotszone und passende PR Strategien werden dies zu verhindern wissen. Bereits heute passieren weltweit Dinge, die geschickt manipuliert werden. Ich erinnere nur an den als quasi Video – Spiel inszenierten Golf – Krieg.

Auch die Bildung von Sammellagern außerhalb des Lebensraums der «Have», in denen die anbrandenden Menschenmassen aus den anderen Gebieten dahin vegetieren, nehmen alle genannten Parteien billigend, genauso wie die bereits bestehenden Massengräber in der Libyschen und Marokkanischen Wüste, hin. Das System, welches u.a. dafür sorgt, dass reihenweise Staaten destabilisiert wurden, Despoten die sich zu alimentierten Hunden der «Have» haben machen lassen einsetzte, das seinen Technologievorsprung mittels Rohstoffraub, Versklavung, Stellvertreterkriege sichert, wird von allen forciert und bejaht. Da nehmen sie sich alle nichts, die Geschicklichkeit beim Verkauf der Botschaft ist nur anders.

Zum Thema vorgelagerte Flüchtlingslager werden immer die altbackenen Nationalsozialisten herangezogen. Warum so kompliziert? Die geförderte Forschung an Biowaffen und Virologie macht es doch längst möglich unauffällige Lösungen zu finden. Ich bin davon überzeugt, dass der Tag kommen wird, an dem in diesen Bereichen diese Mittel zum Einsatz kommen. Öfen und Gaskammern sind alte Technologien, da hat man heute andere Sachen. Zynismus? Nein! Der Mensch ist so und nicht anders. Wäre er anders, würden diese Forschungen gar nicht erst finanziert werden.

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Spezialfall. Meiner Kenntnis nach, sind wir der einzige Staat, der mal aufbrachte: Von deutschen Boden aus, darf nie wieder ein Krieg ausgehen. Ein frommer Wunsch! Wir sind mitten drin. Wenn die deutschen Waffenschmieden unter Beteiligung des BND, ergo mit Billigung der Repräsentanten der deutschen Bevölkerung, in instabile Gebiete liefern, ist das eine Beteiligung an Kriegen zum Zweck der Sicherung des eigenen Status. Eigentlich ist es eine einfache Rechnung. Wie viele Waffen wurden in Deutschland produziert, welche Menge wurde davon an unkritische NATO Partner veräußert und was genau passierte mit dem Rest?

Wie viele chemische Substanzen wurden produziert, in welchen legalen Bereichen landeten wie viel, und wo ist der Rest gelandet? Irgendwann wurde schleichend der «Kalte Krieg» für beendet erklärt. Bitte? Wir sind mitten drin und dummerweise sind die beteiligten Parteien gefährlicher den je aufgestellt.

Ja, all das sieht ein 16 jähriger Schüler nicht. Da stimme ich Herrn Lindner vollkommen zu. Die stehen da auf der Straße und sagen: «Ist uns alles scheißegal, es muss eine Lösung geben, wir sind zu jung, macht was!»

Das Problem dabei ist, dass sie fordern, ein sehr wehrhaftes ausgeklügeltes System mit dem Namen Kapitalismus zu überwinden, in dem sie aufgrund des Alters zwar leben, aber nicht handlungsberechtigt sind. Schlimmer noch, sie sind bereits vollkommen inhaliert worden. Sie konsumieren bereits, sie sind längst registrierte Verwaltungseinheiten, werden auf funktionieren vorbereitet, selbst ihr Protest ist bereits zum Produkt geworden, an dem Geld verdient wird. Die Social Media verdienen, die Verlage verdienen, die Populisten verdienen, die privaten Fernsehsender verdienen … das ist nun einmal so im Kapitalismus und wurde von Karl Marx schon vor langer Zeit trefflich analysiert. Dies soll aber kein Hinderungsgrund für den Protest sein.

Die Stärke besteht nicht in dem, was man wirklich an Mitteln hat oder welche realen Möglichkeiten des Handelns existieren, sondern in dem, was der Gegner an Potenzial annimmt. Die Bewegung hat nur eine Chance. Ihr muss die Radikalität abgekauft werden.

Wenn zwei in einem Fahrzeug aufeinander zu rasen und ermitteln wollen, wer der Hasenfuß ist und ausweicht, gibt es ein probates Mittel zu gewinnen. Den Lenker aus dem Fenster halten. Schau mal … selbst wenn ich im letzten Augenblick ausweichen wollte, ich kann gar nicht! Wenn der andere überleben will, bleibt ihm nichts anderes übrig. (Spieletheorie Chicken Run – Game).

Freitags den Unterricht auf die Straße zu verlagern, ist ein netter Anfang. Wird aber sofort konterkariert mit: Die machen das nur, weil sie «schwänzen» wollen.

Die erste Auskunft, die darin steckt, ist: «Als ich zur Schule ging und mich auf ein angepasstes systemgerechtes Leben vorbereitete, hatte ich öfter keinen Bock, und machte blau. Protest war eher nicht mein Ding, weil für meine Karriere hinderlich.» Das sind auch Menschen, die die Anwesenheit in der Schule mit Lernen verwechseln. Ein systemimmanentes Denken. Anwesenheit bedeutet konformes, also ein gutes Verhalten. Die Zweite ist das Denken: Das sind Kinder/Jugendliche, die sind noch unmündig, weil sie noch nicht vom System vollständig im Sinne einer Anpassung geformt wurden. Eine radikale Ablehnung des Systems aus den vorstehenden Gründen kommt ihn nicht den Sinn. Das bedeutet: Die da so reden sind vollständig systemergebende Fürsprecher, welches einer Veränderung bedarf. Sie sind weder zu verändern, noch zu beeinflussen oder überzeugbar. Mit Ihnen sind Gespräche vollkommen überflüssig.

Es bleibt nur die Mobilisierung aller gesellschaftlichen Kräfte, die mit dem System unzufrieden sind und die Notwendigkeit einer Neuorganisation erkennen. Was ethisch u. moralisch zulässig ist und die damit i.V. stehenden Regeln werden immer von der gesellschaftlichen Gruppe bestimmt, die sich im Besitz der Machtmittel befindet. Deshalb ist es durchaus zulässig und vertretbar, wenn die jugendlichen Demonstranten überschaubares Regelwerk missachten. Schulbehörden die mit Geldbußen reagieren, kann man mit öffentlich wirksamer unterlassener Zahlung begegnen. Die Publicity würde ich mir nicht entgehen lassen. 

Die Gegner haben sich zu erkennen gegeben. Dazu gehören die großen Mediengruppen, angeführt vom SPRINGER Verlag (das war zu erwarten), Bertelsmann (auch zu erwarten), die Liberalen, die CDU/CSU, sämtliche im Hintergrund agierende beauftragten PR Strategen, und nachvollziehbar die Konzerne.

Etwas durchsichtig fand ich letztens den rührseligen Brief eines Investmentbankers, der unglücklicherweise von den Betreuern des Thunberg Accounts «geliked» wurde, der selbstverständlich im zweiten Teil seines Briefs auf die Notwendigkeit des Kapitalismus zur Lösung des Klimawandelproblems verwies. Aber immerhin wurde eine neue Strategie gezeigt.

Reumütigkeit antäuschen und das alte ursächliche «Have» – System als Lösung anbieten. Mich wundert dabei, dass die Liberalen da nicht aufgesprungen sind. Merkel war mal wieder schlau und hat es bereits getan.

Die Freitagsdemonstrationen dürfen nur ein Anfang bleiben. Dem Establishment muss mit radikalen Techniken das Potenzial der Bewegung in Aussicht gestellt werden. Das wird schwer. Den Schülern muss zur Seite gestanden werden. Wenn zum Beispiel Oberschlaue die rhetorische Keule herausholen und darauf verweisen, dass die Schüler ebenfalls konsumieren und Müll produzieren, muss sofort die volle Breitseite von etablierten «Willigen» kommen. Erstens haben wir «Älteren» dies zu verantworten, denn wir haben ihnen dieses System vor die Nase gesetzt, zweitens gibt es bekanntermaßen kein Recht im Unrecht. Wenn die Müll hinterlassen, hast Du Vogel noch lange nicht das Recht ungehindert weiter zu machen und drittens bedarf es immer einen Anfang und sei Dir sicher mein Freund, dies ist erst der Anfang. Du schaust nämlich ziemlich doof aus der Wäsche, wenn die den Konsum verweigern.

Notwendig wäre, das alle realistischen Radikalen, sich des positiv belegten Status der Schüler, anschließen, ihre unsinnigen ins Leere gelaufenen rhetorischen Grabenkämpfe aufgeben und einen realen am Menschen orientierten Dialog zu den noch untätigen, aber unzufriedenen Bürgern suchen. Dann ergäbe sich eine echte Chance. Ob sich das umsetzen lässt, wird die Zukunft zeigen.

Ideologisch bereits kaputte Typen, deren Vokabular und Rhetorik nur aus Gender, metoo, Rassismus, politischer Korrektheit, Feminismus pp. besteht, können getrost zu Hause bleiben. Sie sind Teil des Systems, ohne es zu wissen, in dem sie als Funktionäre agieren. Sie liefern nur die passenden Vorlagen für die PR Strategen, damit die mit dem Aufzeigen des Unsinns dieser vollkommen abgehoben argumentierenden selbsternannten Rettern der Moral – also das was die andere Seite auch macht, nur anders, das Bürgertum mobilisieren können.

Ich weiß jetzt schon, was ich nächsten Freitag mache …

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Februar 26 2019

On the road -Old Style /English Vers.

Reading Time: 2 minutes

It’s a mystery to me
We have a greed
With which we have agreed
You think you have to want
More than you need
Until you have it all you
Won’t be free
Society, you’re a crazy breed
I hope you’re not lonely without me

Eddie Vedder, Society, «Into the wild»

Two young men started three years ago. „On the road! For one, the journey began in northern Italy, while the other started in Marrakech. They are searching. I don’t know what they are looking for and even they don’t know it. The Moroccan wanted to escape the ideas of his parents for his life. They are rich, even very rich. The Italian didn’t like the life in Milan.
„On the road! That sounds like Jack Kerouac, Hemmingway, Bob Dylan, Allan Ginsberg, Jon Krakauer, Willie Nelson, Johnny Cash, Lynnyrd Skynnyrd and other names full of sound. Freedom, time, adventure, seemingly endless streets and vastness. „On the road!“ is also hunger, thirst, the search for a place to sleep, no money in one’s pocket, sitting on the floor with a guitar and watching people pass by with a stone gaze. Sometimes being alone with one’s own thoughts drives one to the strangest places of the psyche.
Both are highly intelligent. They speak several languages, play their guitars, are well versed in classical literature, philosophy and natural sciences. What could they be looking for? The human being in himself? Real life? What do people really need? A life beyond greed? Does that still exist? One beyond advertising, consumption, artificial needs, generated fears? Are there still real people out there on the street?
Recently, the Italian has started to collect wealthy waste on the beach. He can be enthusiastic about a small doll’s arm that has burned fingers for some unknown reason.
A toy sieve, a piece of wire, an old water canister, a plastic three, he has been stuffing everything into his plastic bags for days. A psychosis triggered by drugs or a sympathetic attention to detail? I don’t know.

Both write their own songs. Songs that are about life. Lyrics about speechlessness, which they bridge with guitar playing. Is there something in them for which they have no words? The Moroccan started to read Charles Bukowski with enthusiasm. Whenever I meet him, he quotes a new paragraph from „Portions From a Wine-stained Notebook“.
Don’t we all collect some stuff every day and put it in invisible plastic bags? Aren’t they all begging for attention and sitting on the floor with a guitar? Don’t they all play their songs every day in the hope that someone will know them? What will the two think about this life „On the road“ twenty years later?
The Moroccan has pawned his laptop for 300 Ringits (50 EUR). He was given the money by a Muslim who was a beach boy in his youth, who gradually lost everything and lived on the streets for years. „Be careful brother, it’s not much money.“

On the way beyond all conventions, outside society, renouncing all prosperity, can that work? Refusal of any subordination, hierarchy, without greed! Where will it lead the two? I will not experience it. In two days I will leave the island. It is very unlikely that I will ever see them again. But what they do to me has the function of a bright spotlight that illuminates the society I come from.
I thank you both for that. „Always travel safely and in good ways!

 

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Februar 26 2019

„On the road“ – Old Style /Deutsch

Reading Time: 2 minutes

It’s a mystery to me
We have a greed
With which we have agreed
You think you have to want
More than you need
Until you have it all you
Won’t be free
Society, you’re a crazy breed
I hope you’re not lonely without me

Eddie Vedder, Society, «Into the wild»

Zwei junge Männer haben sich vor drei Jahren auf den Weg gemacht. «On the road!!» Für den einen begann die Reise im Norden Italiens, der andere startete in Marrakesch. Sie sind auf der Suche. Was sie suchen, weiß ich nicht und selbst wissen sie es auch nicht. Der Marokkaner wollte den Vorstellungen seiner Eltern für sein Leben entkommen. Sie sind reich, sogar sehr reich. Dem Italiener gefiel das eingefahrene Leben in Mailand nicht.

«On the road!» Das klingt nach Jack Kerouac, Hemmingway, Bob Dylan, Allan Ginsberg, Jon Krakauer, Willie Nelson, Johnny Cash, Lynnyrd Skynnyrd und anderen klangvollen Namen. Freiheit, Zeit, Abenteuer, unendlich erscheinende Straßen und Weite. «On the road!», ist auch Hunger, Durst, die Suche nach einem Schlafplatz, kein Geld in der Tasche, mit einer Gitarre auf dem Boden sitzen und die Menschen mit steinernen Blick an sich vorbeiziehen sehen. Manchmal ist auch ein Alleinsein mit den eigenen Gedanken, die einen zu den merkwürdigsten Orten der Psyche treiben.

Beide sind hoch intelligent. Sie sprechen mehrere Sprachen, beherrschen ihre Gitarren, sind belesen in klassischer Literatur, Philosophie und Naturwissenschaften. Was könnten sie suchen? Den Menschen in sich? Das echte Leben? Was braucht der Mensch wirklich? Ein Leben jenseits der Gier? Gibt es das noch? Eins jenseits der Werbung, Konsum, künstlichen Bedürfnissen, erzeugten Ängsten? Gibt es da draußen auf der Straße noch echte Menschen?

Neuerdings ist der Italiener dazu übergegangen am Strand Wohlstandsmüll einzusammeln. Er kann sich für einen kleinen Puppenarm begeistern, der aus unerfindlichen Gründen angebrannte Finger hat.
Ein Spielzeugsieb, ein Stück Draht, ein alter Wasserkanister, eine Drei aus Plastik, alles stopft er seit Tagen in seine Plastiktüten. Eine von Drogen ausgelöste Psychose oder sympathische Zuwendung zum Detail? Ich weiß es nicht.

Beide schreiben eigene Lieder. Lieder in denen es um das Leben geht. Texte über Sprachlosigkeit, die sie mit dem Gitarrenspiel überbrücken. Ist etwas in Ihnen, wofür sie keine Worte besitzen? Der Marokkaner hat begonnen mit Begeisterung Charles Bukowski zu lesen. Immer wenn ich ihm begegne, zitiert er einen neuen Absatz aus «Portions From a Wine-stained Notebook – Das weingetränkte Notizbuch».

Sammeln wir nicht alle jeden Tag irgendwelches Zeug ein und stecken es in unsichtbare Plastiktüten? Sind nicht alle bettelnd nach Aufmerksamkeit unterwegs und sitzen auf dem Boden mit einer Gitarre? Spielen nicht alle jeden Tag ihre Lieder in der Hoffnung, dass einer sie würdigen weiß? Was werden die beiden zwanzig Jahre später über dieses Leben «On the road» denken?

Der Marokkaner hat seinen Laptop für 300 Ringits (50 EUR) als Pfand hinterlegt. Gegeben hat ihm das Geld ein Muslim, der in seiner Jugend ein Beachboy war, der nach und nach alles verlor und jahrelang auf der Straße lebte. «Sei vorsichtig Bruder, es ist nicht viel Geld.»

Unterwegs jenseits aller Konventionen, außerhalb der Gesellschaft, Verzicht auf allen Wohlstand, kann das funktionieren? Verweigerung von jeder Unterordnung, Hierarchie, ohne die Gier! Wo wird es die beiden hinführen? Ich werde es nicht erfahren. In zwei Tagen verlasse ich die Insel. Es ist unwahrscheinlich, dass ich sie jemals wiedersehe. Aber das was sie tun hat bei mir die Funktion eines hellen Richtstrahlers, mit dem die Gesellschaft beleuchtet wird, aus der ich komme.

Dafür Danke ich Euch beiden. «Reist immer sicher und auf guten Wegen!»

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