Januar 6 2021

Das Übergeordnete und das Ich

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„Wenn alle Hoffnung vorbei ist, beginnt die Freiheit!“

Fight Club

Ohne Zweifel ist der Mensch ein soziales Wesen, welches alleine kaum überleben kann. Säuglinge und Kinder bekommen einen Schaden, wenn sich niemand um sie kümmert. Alleine bekommt der Mensch wenig auf die Reihe und wenn sich nicht bereits die Hominiden zu Horden zusammengeschlossen hätten, gäbe es kein Wesen, welches sich mit der ihm innewohnenden Arroganz selbst als homo sapiens bezeichnet. Bekanntlich favorisiere ich die Bezeichnung spärlich behaarter Affe mit trockener Nase. Wahrscheinlich tue ich damit den Naturvölkern ein wenig unrecht, die für die Auswüchse der Entwicklung nichts können. Wie auch immer, der Mensch hat Veranlagungen, die ihn schlicht zu einem katastrophalen Unfall der Evolution werden lassen. An sich etwas wahnsinnig Faszinierendes. Das Zusammenspiel auf dem Planeten Erde ist eigentlich perfekt und hat etwas hervorgebracht, was sich Leben nennt. Ein Prozess der vor Millionen an Jahren gestartet wurde. Eins bedingte das andere. Selbst kosmische Einwirkungen, wie zum Beispiel Meteoriteneinschläge konnten das Leben nicht auslöschen. Faszinierend ist auch der Umstand, dass der Mensch zwar seine Rolle des Zerstörers erkennen kann, aber nicht dazu in der Lage ist, dies zu ändern. Ich weiß nicht, ob faszinierend es trifft. Auf jeden Fall dreht es sich um Bewusstsein. Die meisten anderen Spezies handeln entweder instinktiv oder sie sind einfach Teil des Prozesses. Sie können schlicht nicht anders, als den Gesetzen der Natur zu folgen. Mir hat die Aussage eines Neurowissenschaftlers gefallen. Anfangs entwickelten sich die Kapazitäten des Großhirns, um ein Überleben zu gewährleisten. Nahrungsbeschaffung und Überleben in Konkurrenz zu anderen Spezies. Dann erreichte es eine Kapazität, die weit über das Notwendige hinaus ging und es begann sich zu langweilen. In Anbetracht der Tatsache, dass Menschen gemäß Untersuchungsergebnissen seit ca. 50 Jahren immer dümmer werden, scheint sich ein verzweifelter Rettungsversuch der Natur abzuzeichnen. Das Großhirn war eine Fehlkonstruktion innerhalb des Prozesses, also Kommando Rücksturz!

Aber leider erscheint dies ein wenig zu langsam von statten zu gehen. Selbst Kriege, bisher immer zuverlässige Reduzierungen, sind nicht mehr, was sie mal waren. Das Großhirn hat sie perfektioniert. Atomwaffen ziehen alle anderen Spezies mit ins Verderben. Doch die müssen es gar nicht einmal sein. Das Öl in den zerschossenen Schiffen des II. Weltkriegs bedroht die Weltmeere. Gleichermaßen sieht es mit den zig Tonnen giftigen TNT aus. Doch damit nicht genug. In unzähligen Folgekriegen, sind weitere Hinterlassenschaften, u.a. mit Uran angereicherte Munition hinzu gekommen. Mit Pfeil und Bogen, Kanonenkugeln, Schwarzpulver und auf das Elend folgende Seuchen sah das noch alles anders aus. Die Population wurde verringert und einige Landstriche konnten aufatmen.

Ich denke, es gibt drei gebotene Perspektiven, wenn man den Mensch betrachtet. Als Individuum, sein Verhalten in der Gruppe und das in der Masse. Wobei diese Unterscheidung Schwächen hat. Würde theoretisch jedes Individuum verantwortlich, vernünftig, sozial, mit der Fragestellung, was das eigene Verhalten für Auswirkungen auf die Gesamtheit, also Gruppe und Masse, handeln, sähe unsere Welt vollkommen anders aus. Betrachte ich mein eigenes Leben, bin ich trotz aller negativen Erlebnisse, auf mehr Menschen getroffen, die nach diesen Maximen mehr oder weniger handeln, denn ich auf Leute traf, die anders unterwegs waren. Aber: Eben jene wenigen Exemplare mit Persönlichkeitsstörungen bekamen Macht über die anderen und das Verhängnis nahm seinen Lauf. Daraus schließe ich, dass ein eklatantes Problem darin besteht, nach welchen Kriterien sich Menschen anderen Menschen unterordnen. Da wo ich her komme und verkehre, würde ein Vielzahl Politiker oder Führungskräfte aus der Wirtschaft nicht einmal ein Bier ausgegeben bekommen, im Gegenteil, man würde schlicht einen engeren Kontakt vermeiden. Was will man mit diesen Heißluftstandgebläsen anfangen, die mit Geschwätz und Selbstdarstellung viel Geld verdienen, aber sonst nichts können? Die Zeiten, in denen gelernte Handwerker, Landwirte, wegen meiner auch altgediente Bürokaufleute, Buchhalter, ergo Menschen, die irgendwann mal im Leben etwas erschaffen haben, was jemanden anderes unmittelbar nützlich war, im Bundestag anzutreffen sind, haben sich erledigt. Parteien sind Wirtschaftsunternehmen, die am Profit orientiert von Managern geleitet werden, die wiederum als Arbeitgeber in der Politik Branche auftreten.

Dennoch lässt sich alles auf das Individuum herunterbrechen. Da gibt es irgendwo eine oder einen mit einem Universitätsabschluss. Nach dem Studium landet die – oder derjenige in einer deutschen Waffenschmiede. Die Aufgabe besteht in der Entwicklung einer Munition, welche dazu in der Lage ist eine Panzerung zu durchbrechen, die wiederum frech von einer oder einem anderen mit Abschluss entwickelt wurde. Möglicherweise sogar im gleichen Betrieb. Vielleicht kommt es mal zu einer Besprechung, in der zur Sprache kommt, was die Munition kann und welche Folgen sie hat. Sie kann den Panzer durchbrechen, aber der Nachteil ist, dass sie die nächsten hundert Jahre die komplette Umgebung verseucht. Warum ziehe ich da nicht die Notbremse? Ein paar Etagen höher geht es an den gewinnbringenden Verkauf. Die Strippen werden über Politiker gezogen. Fragen die sich mal, an wen sie verkaufen? Stellt mal eine/r die Frage, welche Folgen diese Waffen haben? Es gibt Institute, die an Tieren die Wirkung der Waffen ausprobieren. Schauen sich Politiker mal diese Auswirkungen an? Haben sie jemals einen teilweisen zerfetzten Körper gesehen, mit dem der Betroffene sein restliches Leben fristen muss? Was passiert da im Kopf des Einzelnen? Mit welchen nachvollziehbaren Gedankengängen befriedigen die ihr Gewissen? Wie sieht das mit Drohnen aus? Bombardierungen? Was geht in deren Köpfen vor, wenn sie den Einsatz herunterspielen, weil Deutschland ja nur das Waffenlenksystem in der Luft hatte? Was würde passieren, wenn ich einem Söder, Lindner, Laschet, Röttgen, Schröder, Joschka Fischer, ein Kampfmesser in die Hand gäbe und sie im Kampf Mann gegen Mann in Afghanistan oder damals in Jugoslawien losschicken würde? Natürlich würden sie es nicht tun – dafür werden ja andere Menschen bezahlt. Damals in den 80gern gab es diesen Spruch: „Stell Dir vor, es gibt Krieg und keiner geht hin!“ Ui, würden die alle blöd aus der Wäsche schauen.

Jede Minute, Stunde und Tag zerstört der Mensch mit Industrie, Abfall, Emissionen, das Lebenssystem der Erde ein wenig mehr. Jeder in der gesamten Kette weiß das. Der Arbeiter, der Autofahrer, der Abteilungsleiter, der Manager, der Investor, der Minister, jedes Mitglied des Landesparlament. Eben so verhält es sich mit dem Waffenhandel, begonnen bei der Entwicklung, der Produktion in den Werkshallen, Ingenieur, Facharbeiter, Kolonnenleiter, Abteilungsleiter, Buchhaltung, Firmenbesitzer oder Aufsichtsrat, Minister, Ministerialbeamter, Staatssekretär, Verpacker, einfach jeder. Als ich ein Kind war, sagten mein Vater oder mein Großvater: „Schau mal Junge, da habe ich mit gebaut!“ Was sagen die? „Schau mal, dass wurde mit unseren Bomben platt gemacht? Oh, sieh mal der kleine Junge mit dem abgerissenen Arm, dass war bestimmt eine von unseren Granaten.“ Oder wenn in Südostasien neuerdings der Plastikmüll anbrandet: „Mensch, guck mal, die Tüten sind total charakteristisch für unsere Produktion. Tolle Innovation, lässt sich mit keinem anderen Kunststoff zusammen recyceln.“ Oder: „Dieser Husten ist absolut typisch für unsere Abgase. Wenn wir die nicht hätten.“ Wie zum Teufel lebt man mit solchen Dingen? Wie schickt man seine Kinder ins Bett, wenn man weiß, dass man wenige Stunden zuvor an einem Gesetz beteiligt war, welches SUV’s und Hybrid – Motoren völlig unsinniger Ausgestaltung Vorteile verschafft hat? Was geht einem durch den Kopf, wenn einem die PR Agentur ein Image verschafft, welches nichts mit einem zu tun hat und einzig einer Wahl und damit Machtgewinn dient? Wer solche Dinge fragt, wird sofort der Polemik gescholten. Das ist keine Polemik, sondern aus dem Abstrakten etwas sehr Anfassbares zu machen. Etwas, was den Damen und Herren in der Politik nicht gefällt. Sieh hin! Das … genau das da, hast Du angerichtet! Stell Dich!

Bei der Kriminalpolizei verfolgt man Dealer, Rauschgiftschmuggler, illegale Waffenhändler, illegale Abfallentsorger, mittelbare und unmittelbare Mörder, Wirtschaftsbetrüger. Frauen und Männer, die Wege gefunden haben mit wenig Aufwand, einem gewissen Risiko, maximalen Profit zumeist auf Kosten von Opfern zu erzielen. Die Bezeichnungen lassen sich auch anders deuten. Ein Dealer handelt mit einem Produkt, von dem seine Kunden abhängig sind. Jenes bekommt er von einem Großhändler angeliefert. Waffenhändler vertreiben Produkte, mit den ihre Kunden Macht erlangen. Illegale Abfallentsorger bieten eine Dienstleistung an, die legale Betriebe wettbewerbsfähig bleiben lassen und sichern Arbeitsplätze, ungesunde, aber immerhin. Wirtschaftsbetrüger bewegen sich in Grauzonen. Eben noch staatstragender Lobbyist, einmal unachtsam oder zu geizig und ein Gesetz macht sie zu kriminellen Steuervermeidern. Abhängigkeit von Produkten ist ein weites Feld und wenn jemand weiß, wie man Abhängigkeiten produziert sind das PR Agenturen und die Big Data Händler im Internet. Kriminalität hat für mich zwei Seiten. Die Täterin oder Täter mit seiner Persönlichkeit und das ausgewählte Delikt. Dealer unterscheiden sich von Räubern, Erpresser sind in der Regel anders strukturiert, als die Vorgenannten, und nochmals anders sind Leute die große Transporte organisieren. Jedes Delikt erfordert andere Voraussetzungen, bei der Planung, Struktur, bei manchen kommt es zum unmittelbaren Kontakt mit den Opfern, während andere einen großen Abstand bedingen und auch extra gewollt ist.

Viele dieser Persönlichkeitsstrukturen sehe ich auch, wenn sich Politiker, Führungskräfte, in Talkshows, Reden oder Büchern offenbaren. Besonders fällt mir dies immer wieder bei einem Typ Mann auf. Jeans, teures Jacket, eine teure Uhr, stylische Brille, auffällige – meist braune – Rahmengenähte Schuhe. Sie sitzen überaus selbstbewusst mit einem Drink in Hotellobbys, übermäßig raumgreifend am Tresen einer teuren Bar sitzend, der gesamte Körper signalisiert eine latente Angriffshaltung. Ihre Intelligenz ist auf Rhetorik, Manipulation und Anpassung ausgerichtet. Ein vollkommen anderer Menschentyp, als zum Beispiel hochintelligente Nerds, die eher in sich gekehrt sind und Probleme damit haben in einer Gruppe einen Status zu erlangen. Dies ist kein Menschentyp, der sich wirklich um die Nöte anderer kümmert oder dafür interessiert. Das ganze Engagement ist eine Show. Die Angelegenheiten anderer zu regeln, gibt ihnen das Gefühl von Macht. Es sind die Kerle, welche einem Freund einen langen Vortrag halten, wie sie die Probleme des Lebens anzugehen haben, dabei aber in keiner Weise die Möglichkeiten des Gegenübers berücksichtigen.

Selbstverständlich ist dies nur ein Persönlichkeitstyp unter vielen, stellvertretend für viele andere. Das Individuum ist ein Teil des Ganzen und damit ist es auch ein Teil des Einzelnen. Es ist bezeichnend, welche Persönlichkeiten es auf der Leiter nach oben schaffen. Meinem Gefühl nach ist der Hauptanteil in den oberen Rängen der deutschen Gesellschaft in der Regel ein männliches Stereotyp, welches sich wenig von erfolgreichen Dealern und Organisatoren Krimineller Vereinigungen unterscheidet. Nur, dass die einen legale Wege und Mittel finden, während sich die anderen mangels Zugang illegaler bedienen. Ich finde, dass da im Verlaufe der letzten Jahrzehnte etwas deutlich schief gegangen ist.

Was in den USA schon deutlich früher begann, fasste irgendwann in den Siebzigern in Deutschland Fuß. Ich persönlich merkte dies ab dem Ende der Achtziger auch in der Berliner Polizeibehörde. In den oberen Etagen fand ein unübersehbarer Charakterwechsel statt. Das Menschliche geriet in den Hintergrund, während der Managementgedanke und das Wirtschaftliche in den Vordergrund traten. Und die Gesellschaft, die Gesamtheit, ließ es zu. Ich will es nochmals deutlicher ausdrücken. In der Politik, in der Administration und der Wirtschaft, ging es nirgendwo mehr darum, dass das Handeln der Führung dem menschlichen Wohl vom Rest diente, sondern dem Profit und dem Wachstum, welche dem Wohl gleichgesetzt wurden. Aber ist das zulässig? Kann man Profit und Wachstum dem Wohl gleichsetzen? Meiner Meinung nach nicht.

Aber genau das ist passiert, wahrscheinlich schon deutlich früher, aber zuvor habe ich es nicht so intensiv verspürt. Ist es nicht bezeichnend, wenn sich Leute nach Paradiesen mit unberührter Natur sehnen? Nebenbei habe ich es erlebt und finde, dass man da deutliche Abstriche machen muss. Bier, Zigaretten, ab – und zu mal eine Dusche und nicht jeden Tag seine Notdurft zwischen den Felsen kurz vor der Flut zu verrichten, sind durchaus nachvollziehbare Bedürfnisse eines Mitteleuropäers. Eine intakte Natur, menschliche Nähe, die Anerkennung als Mensch und nicht nur aufgrund von messbaren Leistungen, Nachsicht, Vergebung, die Akzeptanz der menschlichen Fehlbarkeit, emotionale Sicherheit usw. gehören ebenso zum Wohl. Hat nicht die Gemeinschaft einen Anspruch darauf, dass diejenigen, welchen vertrauensvoll Führung, Macht und Machtmittel in die Hände gegeben wurden, darauf ein Auge haben? Ist es nicht Teil der Ethik, dass sich die aktuell an den Schaltstellen der Macht befindlichen Personen auch die Frage für das Auskommen der Jüngeren in der Zukunft stellen? Nicht nur wirtschaftlich, sondern weit darüber hinaus. Mittlerweile sind die Zusammenhänge zwischen Profit, Wachstum und unseren Problemen auf dieser Welt bestens bekannt, doch wir finden keinen Weg aus dem Dilemma hinaus.

Dieses Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gesamtheit ist das Thema der Moderne. Es steht immer in Verbindung mit den Begriffen Freiheit, Verantwortung, politisches System. Das Grundgesetz soll den Einzelnen vor zuviel Übergriffigkeit der Gesamtheit schützen, in dem es festlegt, was erwartet werden darf und wo die Grenzen sind. Freiheit ist oftmals nicht die Verpflichtung, sondern drückt sich darin aus, was nicht getan werden muss. Aber an eins kommt niemand vorbei: dem Gesetz der Wechselwirkung. Wer anderen keine Freiheiten einräumt, hat im Gegenzuge auch nichts zu erwarten. So wie mit der Anwendung von Gewalt eine Legimitation von Gewalt erzeugt wird. Das Problem eines jeden Revolutionärs. Der gewaltsame Sturz eines Regimes legitimiert im Gegenzuge den Sturz des mühsam errichteten eigenen Systems. Diejenigen welche das Grundgesetz erdachten, mussten in die weite Zukunft denken. Was kannten sie? Arbeitslosigkeit, Arbeitskämpfe, politische Extremisten und Radikale, die Folgen von sozialen Spannungen, die Tendenz des Machtmissbrauchs durch Eliten und die Neigung von Staaten andere Staaten zu überfallen. Keiner von ihnen konnte die weltweite Verknappung der Ressourcen, die Auswirkungen des von Menschen erzeugten Klimawandels und die kontinuierliche Zerstörung der Lebensgrundlagen einschätzen. Prinzipiell war das auch nicht notwenig. Immerhin handelt es sich um Verhaltensweisen, politische Entscheidungen, wirtschaftliches Handeln, welches der Allgemeinheit, weit über Deutschland hinaus nachhaltig Schaden zufügt und damit der Idee des Grundgesetzes widerspricht.

Ich habe einen sehr alten Bekannten, der für einen der größten Konzerne im Vertrieb von allem was sich um Kosmetika, Reinigungsmittel, Körperpflege, pp. arbeitet. Seine Dauerbotschaft lautet: Wir! Er und der Konzern für den er steht. Wir, das bedeutet für ihn auch, wie sich der Konzern nach außen verkauft. Faire weltweite Bezahlung, Arbeitsschutz, Maßnahmen gegen Diskriminierung und was alles dazu gehört. Das dieser Konzern weltweit, bis hinein in die Mongolei, Bedürfnisse weckt, die sonst a) gar nicht da wären und b) in den Gesellschaften nichts Gutes anrichten, übersieht er geflissentlich. Das naehzu alles, was dieser Konzern weltweit verkauft ein riesiges Verpackungsproblem erzeugt. Immerhin will der Konzern bis 2030 auf 100 % Recycling umgestellt haben. In einem Nebensatz ist davon die Rede, dass bis 2030 „nur“ noch 50 % der Verpackungen aus reinen Petro – Chemieprodukten bestehen soll. Dies bedeutet, dass sie bisher aus 100 % bestanden und das Umdenken interessanterweise mit der Plastikmüllkrise, eingeleitet durch das Einfuhrverbot nach China und der Gesetzesvorlagen in Südostasien, in denen nur noch 100 % recycelfähiges Material reingelassen wird, einher geht. Es ist immer das gleiche Spiel. Sie reizen die möglichen Sauereien bis ins Letzte aus, dann gibt es eins auf den Deckel und sie verkaufen es als sympathische Firmenpolitik. Bei mir läuft das im Hinterkopf immer mit der Bezeichnung BASF – Taktik. Erstmal eine Weile machen, Geld verdienen, warten bis man erwischt wird und dann mit einer PR Kampagne den Rückzug als positiv verkaufen. Und eins ist sicher, wenn die Petro – Chemie irgendwo 50 % einbüsst, haben die noch etwas in der Hinterhand.

So wie ich das sehe, wird nach und nach alles ausgehebelt. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem den normalen Bürgern suggeriert wird, dass er etwas für die Allgemeinheit, also ganz im Sinne des Grundgestzes und der Demokratie handelt, tatsächlich aber den Interessen weniger Vorschub leistet. Ein gutes Beispiel ist dafür das Recycling System. Dem Bürger wird vorgegaukelt, dass das Trennen von Müll allen dient. Tatsächlich ist nur ein geringer Anteil für das Recyceln geeignet. Es geht dabei auch um etwas ganz anderes. Die Plastikhersteller haben damit einen Dreh gefunden, ungehindert weiter Kunststoffe herstellen zu können, ohne auf einen nennenswerten Widerstand zu stoßen. Viele Verpackungen sind im Hausmüll besser aufgehoben, denn in der Trennung. Greenwashing ist mittlerweile Standard. Ständig werden neue Strategien erdacht. Doch nicht allen entgeht das. Gerade die nächste politische Generation bekommt etwas zu spüren. Was auch immer sie tun, es endet wie ein Stoß in einer absorbierenden Gallertmasse. Manche passen sich an, treten der CDU/CSU, FDP oder SPD bei, die meisten geben auf und landen in der Apathie, wenige radikalisieren sich.

Nachdem Friday for Future entstand, vergingen wenige Wochen und die PR Leute hatten ihre Konzepte fertig. Erst stürzten sie sich auf die Person Greta Thunberg. Asperger, Beleuchtung des familiären Hintergrunds und Diffamierung. Im zweiten Zuge wurden ihre Motive angegangen. Die üblichen Geschichten. Sie verdient Geld damit, benutzt selbst ein Smartphone und ihre Reisemittel sind fraglich. Danach wurde die Botschaft demontiert. Der Klimawandel existiert, aber FFF würden wie eine apokalyptische Sekte anmuten und Greta wurde zur religiösen Sektenanführerin. Apokalypse, Sekte, Guru … das zog in den Sozialen Medien, wurde von den Angehörigen des politischen Establishment in die Talk Shows getragen und sogar der eine oder andere Satiriker wurde Opfer der Manipulation. Mittlerweile ist die Phase der Übernahme der Bewegung, Absorption und dann das Sterben lassen im Gange. Dafür musste man nur die Vertreter zu Konferenzen einladen, ein wenig Interesse und Bestürzung heucheln, ein paar Preise verleihen und die Zeit arbeiten lassen. Sie haben sich mit den Mächtigen angelegt und ich meiner Prognose nach, haben sie verloren. Aktuell läuft eine weitere Kampagne: Unterwanderung. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie ausgerechnet bei solchen Bewegungen plötzlich Leute in Erscheinung treten, die nach kurzer Mitgliedschaft, merkwürdige Dinge tun. Zur Zeit ist es ein gerade einmal 22 jähriger junger Mann, der wohl nachweislich kaum in Erscheiung trat, nun aber ein Buch beim Bastei – Lübbe Verlag verlegt, in denen er die „Selbstvermarktung“ von Neubauer und Thunberg, sowie die Radikalität anprangert. Hätte ich eine Akte vor mir zu liegen, in der ein 22 jähriger Politikstudent der ersten Semester auf dem direkten Wege ein Manuskript in einem Buchverlag unterbringt, kaum nachdem Dirk Rossmann finanziell beim Verlag eingestiegen ist, ständen meine Augenbrauen im Querformat. Aber ehrlich? Keine Lust das zu recherchieren. Dies überlasse ich anderen.

Überall wird von der Macht des Verbrauchers, also dem Einzelnen gesprochen. Für mich eine etwas merkwürdige Herangehensweise. Wenn ich, der Einzelne, mit meinem Verhalten nicht die Produzenten, Konzerne, Anbieter, Politiker, mittels Kaufverhalten zwinge, zucken die mit den Achseln und pumpen Dreck in die Umgebung. Habe ich das richtig verstanden? Wenn es genug Leuten egal ist, ergibt sich daraus eine Legitimität der Zerstörung? Nicht genug, dass ich die Besitzregelungen bezüglich des Grund – und Bodens auf dem sich die Fabriken befinden, bemerkenswert finde, wird ihnen dies auch noch zugestanden? Ethisch betrachtet sind Boden, Luft, Wasser, die Lebensgrundlagen des Planeten Erde Allgemeingut. Ursprünglich konnten Menschen mittels dieser Lebensgrundlagen und Arbeitsleistung leben. Dann wurden sie enteignet. Erst von Herrschern, dann von Religionsgemeinschaften und der Monarchie, zu guter Letzt von Industriellen. Unter anderen deshalb steht im Grundgesetz, dass Eigentum verpflichtet. Ja, ich weiß … da wollen sie ran. Wie sagte der CEO von NESTLÈ? Wasser ist ein Produkt und dafür muss man halt zahlen.

Mit der digitalen Revolution ist ein neues Produkt erschienen, eins was mittlerweile wertvoller als Erdöl ist. Ich spreche von Daten! Jedes Individuum ist mit seiner Geburt zu einem Datenträger geworden. Jedes Verhalten wird in Daten umgearbeitet, gespeichert und analysiert. Mit den Analysen lassen sich Gesellschaften steuern, Macht begründen, jede Menge Geld verdienen und vor allem das Verbraucherverhalten beeinflussen. Jenes Verbraucherverhalten, welches angeblich Macht gegenüber den Konzernen, welche die Daten auswerten und ihre Kampagnen darauf abstellen, erzeugt. Aha! Das böse Wort nennt sich Manipulation im ganz großen Stil. Es mag sich penetrant lesen, aber ich wiederhole es nochmals. Die Konzerne und Politiker, welche davon ausgehen, dass die Konzerne quasi zu einem verträglichen nicht zerstörerischen Verhalten über das Verhalten der Verbraucher gezwungen werden müssen, verfügen über die Daten, welche eine Manipulation des Verbrauchers ermöglichen? Ich glaube in Deutschand gibt es dafür die Redewendung: Hier beisst sich die Katze in den Schwanz. Wie wäre es, wenn die Daten da im Besitz blieben, wo sie hingehören? Nämlich beim Individuum! Was passierte, wenn die Datensammler für jeden einzelnen Datensatz bzw. Datenpunkte zahlen müssten? Es ist doch ein Produkt.

Individuum und Gemeinschaft! Moderne Industriegesellschaften sind bis in die Tiefe verwaltet. Wer einmal im System erfasst wurde, ist nicht mehr zu entfernen und virtuelle Personen ins System hineinzubekommen, ist beinahe unmöglich, wenn man nicht jede Menge Leute einweiht. Ich weiss, wovon ich spreche. Neben der staatlichen Katalogisierung beginnt die Aufzeichnung der Daten in diversen Clouds. Seit Mitte der Neunziger geht nichts mehr verloren. Besteht denn überhaupt noch ein Interesse an Individualität, damit ein geschützter individueller Handlungsbereich, welcher bei verantwortlichen Handeln eine Freiheit garantiert? Ist es nicht vielmehr so, dass ich nicht einem Schutz unterliege, sondern aktiv meine Freiheit verteidigen muss? Im Falle der Datenerhebung auf jeden Fall. Wenn ich es ernst nehme, muss ich mir bei allen nur erdenklichen Aktivitäten die AGB’s bis ins letzte Detail ansehen. Nahezu immer ist da ein Passus, in dem ich nicht nur in diesem Augenblick einwillige sondern meine Daten auch an Partner (namentlich natürlich nicht benannt) weitergereicht werden und für jede Menge weitere Aktionen verwendet werden. Ich kann mich auch mit einer Freigabe infizieren. Das ist bei Facebook passiert. Willigte einer meiner Freunde ein, war das die Freigabe auch meine Daten zu verwenden.

Gesellschaften sind zu Datenbanken geworden, die von zahlenden Bedarfsträgern nach Kriterien abgefragt werden können. Die Ergebnisse werden dann in Kategorien zusammengefasst, mit denen dann weiter gearbeitet werden kann. Die Tage von Instituten mit Studenten, die mies gelaunte Leute abtelefonieren müssen, sind gezählt. Und wenn doch mal einer anruft, ist es mit Sicherheit der Versuch etwas am Telefon zu verkaufen, weil der Algorhytmus eine gewisse Erfolgswahrscheinlichkeit ausgerechnet hat. Ich bin längst nicht mehr ich, sondern ich bin das, was die Analyse ergeben hat und ich bin nicht alleine, sondern gehöre einer Zielgruppe an. Dies schlägt sich auch sprachlich nieder. In den seltensten Fällen wird noch von einzelnen Menschen gesprochen. Es werden Gruppen angesprochen, denen wiederum Eigenschaften zugeordnet werden, welche wiederum politische Wirkung haben. Das wirkt bis ins Private hinein. Kaum jemanden interessiert, wie meine Meinung zustande gekommen ist. Bei einem hellhäutigen heterosexuellen Mann Mitte 50, der sich seines Geschlechts bewusst ist, eine Beamtenlaufbahn hinter sich hat, bei der Polizei war und in Pension ist, ist das meiste bereits abgedeckt, bevor ich auch nur ein Wort gesagt habe. Wenn meine Gesprächspartnerin auch noch Esoterikerin ist, kommt das Sternzeichen Steinbock mit Aszendent – schlag mich tot – hinzu. Na ja gut … die wenigsten Erfahrungen habe ich wahrscheinlich als Balletttänzer gemacht, aber immerhin stand ich mal als Frau auf der Bühne. Selbstredend geht dies auch jeder/jedem anderen nicht anders. Flüchtling! Woher? Warum? Wieso? Weshalb? Linker? Was für einer? Welche Ziele? Wieso? Warum? Jeder kann sich alleine unzählige Beispiele überlegen.

Doch mir geht es nicht ausschließlich darum. In Deutschland haben wir fast alles den Verwaltungen übergeben. Wir machen nicht etwas, weil wir mittels logischer Überlegung auf etwas gekommen sind, sondern weil es so bestimmt wurde. Wir müssen gar nicht mehr darüber nachdenken. Wehe, wenn die Regulierungsmacht mal gerade abwesent ist. Ein Beispiel: Vor einigen Jahren lief ich über den Weihnachtsmarkt meines Bezirks. Erst hatte es geschneit, dann getaut und wieder gefroren. Kurz, es war an verschiedenen Stelle böse glatt. Vor dem Schaufenster eines Schuhladens befand sich eine geriffelte Metallplatte als Abdeckung zu einem Kellerzugang. Durch die Wetterbedingungen hatte sich das Ding zu einer bösen Falle entwickelt. Mehrere Passanten glitten fast aus, eine junge Frau setzte sich auf den Hintern, richtete sich wieder auf und ging dann aber doch weiter. Ich entschloss mich dazu, zunächst breitbeinig das Ding zu sichern. Danach sprach ich eine Frau an, damit sie Hilfe mit Streusalz holt. Typisch Bulle! Nein! Meine Oma stürzte mal im Winter, brach sich einen Arm und die alte Dame musste böse leiden. Wieder einige Jahre später saß ich in Malaysia vor einem Mini – Market und lauschte einigen mit mir befreundeten Straßenmusikanten. Die Leute vom Markt hatten für Rollstuhlfahrer eine Metallrampe auf die Stufen gelegt. Zwischenzeitlich hatte es einen kleinen Regenguss gegeben, das Ding war glitschig geworden und jede Menge doofe Touristen rutschten aus. Ausgerechnet der Gitarrist der Kombo, der weltweit als Hippie durchgehen würde, fasste sich ein Herz und entfernte die Platte. Von wegen Bulle!

Corona hat es uns in aller Nachdrücklichkeit gezeigt. Masken sind in Asien seit über ein Jahrzehnt kein Thema mehr. Es begann mit der Luftverschmutzung der großen Metropolen, ging weiter mit der Hygiene und eines Tages war es schick, eine zu tragen. Für manch eine Frau ein echter Kostenfaktor. Atemnot, Befreiung, Angst ist … Sorry … absoluter Bullshit. Millionen Chinesen, Taiwanesen, Japaner, Indonesier, Malaien, Vietnamesen irren nicht. Ende! Wären Masken ein Statussymbol, würde jeder Idiot in Deutschand damit herum rennen. Sich in einer Pandemie, egal wie das dämliche Virus heisst, in großen Mengen zu treffen, sich nach guter alter Mittelaltersitte die Hand zu geben (ganz nebenbei einst ein Zeichen der Unterwürfigkeit), sich wie die Schickeria abzuküssen, wie wir Berliner zu sagen pflegen: ist schlicht komplett Plemplem! Spannend ist auch, wenn sich ausgerechnet ehemalige DDR – Bürger gegen eine Impfpflicht aussprechen. Ihr Pfosten hattet bis 1989 eine staatlich verordnete Impfpflicht und habt das als Errungenschaft des Sozialismus verkauft. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Überall in den Medien ist von einem Staatsversagen die Rede. Mal weil … ein anderes Mal wegen nicht. Fakt ist: Erwachsene volljährige Bürger haben ihr Gehirn abgegeben und wollen vom Staat Verhaltensregeln bekommen. Und wenn sie erlassen werden, verhalten sie sich wie Kinder. Ich habe zwei Töchter groß gezogen und kenne das Spiel. Wenn die keinen Bock hatten irgendwo hinzugehen, erwartetetn sie von mir ein Verbot, welches sie den Freundinnen/Freunden gut verkaufen konnten und außerdem noch auf Palastrevolution machten. Ein solches Verhalten nennt sich Spätpubertär. Ich habe mir teilweise die BILD – Dokumentation angesehen. In voller Gänze habe ich Julian Reichelt nicht ertragen. Was ist denn das bitte für eine Trümmertruppe, die sich anfangs über die Maßnahmen lustig macht, wissenschaftliche Grundsätze nicht auf die Reihe bekommt, und dann eine zweite Schicht als Notlaufprogramm einrichtet? Vielleicht sollte sich Julian Reichelt als Einsatzleiter für BAO Lagen (Besondere Ablauforganisationen wie z.B. Entführungen/Geiselnahmen/Bedrohung/Erpressung/Raub) bewerben, da trifft er Gleichgesinnte. OK! Da kommt wirklich der Bulle durch! Krisenlagen kann ich, glaube ich jedenfalls nach 25 Jahren Erfahrung. Ich erinnere auch an meine Beschreibung von bestimmten Personen in Führungspositionen. Mir bereitete es immer einen bösen Spaß, wenn solche Typen auf Verhandler trafen. Speckjeans, ausgelatschte Schuhe, Pulli, gelbe Finger und abgebrüht bis in die Haarspitzen. Verhandler sind die Frauen und Männer, welche in extremen Situationen mit den Straftätern sprechen, die gerade jemanden umbringen wollen.

Der Punkt auf den ich heraus will, ist die abgegebene Eigenverantwortung, die sich wie ein roter Faden durch die Gesellschaft zieht. Wer alles abgibt, darf sich nicht wundern, wenn sie/er zur Spielfigur wird. Gut, wenn man noch dazu in der Lage ist, es zu merken, schlecht, wenn dies nicht mehr der Fall ist. Mit dem Beitritt der DDR sind Millionen von Menschen Teil der Bundesrepublik Deutschland geworden, die Eigenverantwortung aus politischen Gründen nicht gewohnt waren. Sie trafen auf Menschen, die in einer verwalteten kapitalistischen Konsumgesellschaft der Freiheit des Individuums beraubt wurden. Ich habe da in meinem eigenen Leben vieles missverstanden. Zum Beispiel verstand ich meine eigenen Eltern nicht, als ich zum Spielball des Konsums wurde und sie als Nachkriegsgeneration andere Maßstäbe anlegten. Mir war auch nicht bewusst, dass es ein überzeugtes „Ja“ zum Konsum und ein von einer Entscheidung getragenes „Nein“ gibt. Ebenso war mir mir nicht gegenwärtig, in welchen Strudel ich bei der Digitalisierung hineingeraten bin. Mir half vor wenigen Tagen einmal wieder der Vergleich damals mit heute. Ein Freund schenkte mir ein Cartoon – Sammlungs – Heft vom Beginn der Neunziger. Harter Stoff! Den kann man heute über dem Tresen, also in den Social Media nicht mehr bringen. Aber da kam ich mal her. Ich gebe auch zu, meine Kinder „geglättet“ zu haben. Alles was in den 70ern und 80ern noch einen Sinn machte, heute aber vollkommen unsinnig ist. Dumm, dass die auf mich teilweise hörten. 2021, also nunmehr 21 Jahre im 21. Jahrhundert, gelten andere Regeln. Mir wurde dies bewusst, als ich das Buch von Edward Snowden las. Meine Eltern haben, also habe ich … und dann kam das Gewissen. Vieleicht hätte Leute meiner Generation und Herkunft, mehr auf das Gewissen, also der Basis des Ganzen Wert legen sollen.

Ich will mit etwas schließen, was ich an anderer Stelle mal schrieb, aber im BLOG, glaube ich jedenfalls, noch nicht untergebracht habe. Für meine Eltern war es etwas Besonderes und vor allem recht kostspieliges Unterfangen, in den Ski – Urlaub zu fahren. Familie Trölsch landete dort, wo auch die Frau Bundeskanzlerin Urlaub machte, nämlich in Süd – Tirol, Italien, Sulden, unterhalb vom Ortler. Neben der guten Frau Merkel, residiert dort eine andere bekannte Persönlichkeit: Reinhold Messner. Diese Urlaube sind eine Kindheits – und Jugenderinnerung. Da gab es diesen Gletscher. Majestätisch, ewig, unveränderbar, mit hellblauen Spalten. Was soll ich sagen? Der ist fast weg. Einfach mal so … weg! Was kann ich als Individuum tun, damit die damit aufhören? DAS IST MEINE FRAGE! BLOG? Wird schwer …

Dezember 27 2020

Thoughts on an island

Reading Time: 17 minutes

We sat on the wooden platform of the traditionally constructed house. Below a wooden terrace with a small kitchen and above it on poles the closed part, where there was a small radio station. We ate together from the rice with fish, in which everyone helped themselves from the plate with their bare hands. In addition, there was cold tea with small pieces of jelly from a carafe.

„Andreas, are you coming to the island tomorrow?“ asked Big Roy. Like the other locals around me, he had adopted this name as a substitute for his Islamic name. Fat Roy, Indian Roy, Little Roy, but also „I“, „AI“, „G“, all beach boys, officially bore a miserably long string of their father’s name, their father’s father’s name, and a religious symbol name. Pretty uncool if you wanted to live the life of a rebel. It was the time of the Corona Pandemic and the resulting „Mobil Control Order“. According to this order, only absolutely necessary things were allowed to be done. The beach was closed and any activity there was prohibited by the authorities. On Langkawi, an island in the Strait of Malaka, a rather excessive measure. We were sitting together in April and the last two Corona falls were three months in the past. Since then, no one had come to the island. The locals present and the few backpackers had been squatting together for over three months. If any of us had had Corona, it would have come out long ago.

But in an office someone had made a rule for the whole country. To prohibit swimming in a hotel pool is understandable. But visiting a mile-long empty beach and swimming in an ocean? There’s plenty of room there to keep your distance at all times. There the petulance is pre-programmed. In fact, Corona caused strange things to happen. In the small markets, customers had their body temperature measured with a laser device. The devices were rather nice gadgets, because someone could not take them seriously. The measured values were entered in lists. According to what it said, there must be a lot of zombies surfing around with a body temperature of 32 degrees. In other stores, everyone was measured at 42 degrees. The insanity spread. A visit to the island did not violate sanity, but it did violate rules. A violation that could result in imprisonment or at least a fine of the equivalent of 200 EUR. At least this was true at that time. In the meantime, the situation has worsened considerably. Recently, the police organized some raids. Everyone who was found after midnight and especially without a mask was collected and taken to the „Lock – Up“. The idea is similar to the German police custody. In the arrangement everything looks a little differently. The small concrete cells are usually overcrowded with 10 inmates. Only three or four can sleep on the bare floor, the rest have to stand or squat. In the back there is a gutter for defecation, the water tap is installed low with an attachment. To eat, there is half-cooked fish, which reliably causes diarrhea. Make a long story short: You don’t want to end up there! Women are particularly hard hit.Sanitation is not provided and among 10 women at least one has her period. The authorities had been watching the game with the tourists for a while. During the last raid, they must have run out of patience. This time it hit not only the locals, but also the tourists who were present. Better yet, the locals were released after 48 hours, while the tourists were not brought to justice until two days later. The customs there might have surprised one or the other. The police enter a resistance by default. If one admits this in court, there is a small addition. If one contradicts the statement of the police, there is a proper penalty surcharge. Without any ifs and buts, the police are the extended arm of the government. Doubts about their actions are inadmissible. But they also have to reckon with being nastily punished in the event of an investigation, usually arising from a competitive motive. At Lock Up, everything is available for a fee. Medicines, halfway tolerable food, drugs … Outsiders have to bribe the guards and pay ten times the price.It’s a shame when you, as a tourist, have no one to help you.

But as mentioned, it hadn’t progressed that far at the time I asked. „Who else is going to be there?“, I inquired. Big Roy shrugged his shoulders. „I think the usual people, maybe a few more backpackers.“ With that, he nodded in the direction of a group that had sat down by a small lake belonging to the property. A Swedish woman, two Norwegians, a couple from Belgium, two Germans and an Austrian, all of whom had been at the Lockdown for three months. I knew them quite well by now. The Belgian was not exactly the smartest. He had met his girlfriend on the road. Unlike him, she had a lot on her mind. Her problem was her experimentation with magic mashrooms. The Norwegian girls were not real backpackers. With interruptions, they had been on the island for five years. The Swedish girl had some kind of problem going on. I didn’t know anything for sure, but Big Roy had mentioned that she had said something about trauma and therefore smoked weed all the time.Because one of the Germans had told around everywhere that she had taught English in Vietnam, the locals gave her the nickname „Teacher“. I knew nothing about the other one. The Austrian had probably run away from home. She didn’t have a real plan. She talked without interruption and, above all, unpleasantly loudly. Because she was running out of money, she had grabbed one of the beach boys. The poor guy thought he had made a good catch. But she had long since turned the tables on him.

According to her self-image, the German teacher, who was barely 24 years old, was an experienced woman who had the talent to make anyone successful. For this reason, she had set her mind on becoming a life coach. The Beach Boys were suspicious to her. She did not understand their consistent resistance to career, success and consumption. Their lives did indeed have some pitfalls. On the surface, they seemed like guys who lived a free, self-determined life, either spending most of the day dozing in one of the guesthouses or working on the beach. There they waited for tourists to whom they rented a jet ski. Some of them even rode the skis on the water or hired themselves out as tour guides. The money was enough for rice with chicken. The young backpackers who succumbed to her charm provided a change of pace. With them they made trips on their scooters. In return, the girls paid for the food. If you looked a little closer, tragic stories often came to light. Most of them belonged to families with many children. In Malaysia, social security often still works through the children. At least two are chosen to provide for the parents in their old age. For this to work, despite possible failures, most families have around five children. Beatings and draconian educational measures, which one does not even want to call such, are not uncommon. The contrast could not be greater. Young people from the western industrialized countries, who complain about the lack of understanding on the part of their parents and see this as a sufficient reason for their behavioral problems, meet young men whose childhood took a clearly different course. On the islands, people try to avoid the police and the authorities as much as possible. What cannot be settled alone is negotiated beyond the „officials“. Thais and Malays argue about who has more corruption to offer. In my observation, this does not take much. The local police participate diligently in the drug trade by maintaining their own dealers who have to pay money to them. Everything they do in terms of prosecution is to eliminate the competition. In addition, they themselves throw in everything they get. Twice a year is hunting season. An officer explained to me that this is when they fill their quotas, which they report back to headquarters in Kuala Lumpur. During this time, anything with long hair and dreadlocks is fixed. Those with a positive urine test go to a re-education center for a month. Those with drugs on them first get a fine, in case of a repeat they end up in jail. Since they are usually only tested for THC, the beach boys switch to other drugs during this time. A tactic that has the expected consequences. By their early twenties at the latest, most are addicted to meth, heroin and pain pill cocktails. Despite all this, there is little acquisitive crime among beach boys. It is not entirely absent. I heard about various failed jobs.

Once, someone had the glorious idea to attack the hut of a Rohingya family living on the beach. I think it was a case of mistaken identity. In any case, he was first disarmed by the father, then beaten up by the mother. As I was told one day excitedly by the youngest son, a peck of 9 years, the children attacked him afterwards.
Already after my first visit to the island, I was not surprised by the soundtrack that sustained them. Reggae! None of them has ever dealt with the history of reggae. They are concerned with the idea that was born in the slums of Kingston Town. Bob Marley, and especially „One Love „, is present everywhere at all times. In fact, there is also a hard rock, trash metal and jazz scene. But reggae always prevails. Conveniently, the music draws tourists to the beach bars. If you cannot have the original on the other side of the world, you can at least have a cover. Here, too, an exciting contrast is created. The beach boys who live the roots of reggae and the young tourists who buy into reggae as a fashion movement. It is strange for an observer to see a Canadian with dreadlocks being served a shisha by a beach boy. In the end, capitalism buys everything. Some people got their act together one day. Often, they then turned more intensely to religion. There is no such thing as a rehab facility according to European ideas. The existing facilities have the same effect as Synanon in Berlin. By means of brainwashing, one addiction is exchanged for another. But at least it prolongs life.

There is a motto among travelers. Why not? Those who have a fixed plan or shy away from risks don’t even need to go on tour. Plans are for tourists who have an agent design a fortnight of their lives. Perhaps tour is inappropriate. Most ask among themselves how long they will be on the road. On the road is a better term. Time spent beyond the place where one started. This „Why Not “ is a kind of compass like Jack Sparrow uses. It leads you to places you never had on your mind. Well, as described, there were some reasons. It was a bit presumptuous to sit on an island with two seasons during the pandemic, of all times, and long for something new. After all, people were stuck in their homes all over the world. For me, it was less about the island than spending time with the locals in a special environment.

„OK! I’m in!“, I replied. The next day I set off for the beach. Before that, I bought cigarettes, six cans of beer, and three servings of rice with chicken. Roy had said noon, adding with a grin: „But Langkawi style!“ That meant at least an hour’s space. It turned out to be two hours. Even the backpackers arrived an hour and a half later. I sat down in the shade of a jet ski rental that was fallow because of Corona. One by one everyone gathered as if there was no Mobil Control Order. Roy had a small boat that he had built from the hull of a jet ski. Five people could just fit in it. The dudes had organized another boat, which was normally used for tourism tours into the mangroves. After twenty minutes we reached the other shore. I was a little concerned that although the beach was difficult to see with the naked eye, it could be easily observed with simple binoculars. The beach boys had created an adult adventure playground on the island over the years. With whatever was around, they erected small huts. Around them were some improvised seating, two fireplaces, and a long table carved from an old plank. I grabbed a machete and started cutting firewood from old stranded trees. As I did so, I felt the skeptical looks of the locals on the back of my neck. A Westerner with a machete. One wrong blow could quickly sever a finger. I could understand the concern. People from the island rarely get to see a Westerner who cannot handle his hands. German tourists have countless times given me the feeling of second hand embarrassment.

Since the incidents in the USA, racism has also been discussed in Germany. The pack of self-proclaimed left-wing intellectuals pulls itself up on trivialities. Words, bad sayings or bad jokes are identified as signals of racism. Yet most of those who take them on are simply harmless helpless people who are out of their depth. Tourists who go to a bar and consistently turn to the white barker to pay are living in racism. Or ignore the local owner in the guesthouse because they think the white volunteer is just that. Then there are the Germans who show a bossy attitude with every gesture. „I pay money here, so everyone has to jump.“ Once, a couple of Germans walked in front of me on the street. It was late even by island standards. The group was headed to a Thai pedicure. A woman among them wondered if the store was still open. Her companion replied, „We’re Germans and they want our money, so you can expect them to reopen.“ Beyond these aspects, the boundless naiveté of the young women from Europe is remarkable. They’ll let guys from tougher countries tell them almost anything. The Members of the Nigerian gangs mutate into failed businessmen, lawyers or formerly successful consultants. Locals sell themselves as architects with marriage problems or are at least involved in a startup, which is still in the startup phase, as the name suggests. European soldiers of fortune tell the most outrageous stories, some of which I wasn’t sure they didn’t believe in themselves. There is this effect that liars eventually believe their own fictions. The result is a pack of liars who portray themselves as victims and a crowd of naive young women who buy their stories and bask in the role of savior. Until one story really hurts them and they grow up to be frustrated adult women. Somehow a pretty tricky act.

When it came to eating, the wheat was separated from the chaff for the first time. The Austrian woman loudly demanded chicken and a beer. She had paid nothing. Which raised the question of what she derived a claim from. A little later I understood. I talked to her about possible checks. „Then I play the little girl and make pretty eyes. And I speak bad English. Don’t foreigners do the same in our country?“ I let her believe. She would learn on her own that predominantly male Malay policemen have a somewhat different image of women than their European counterparts. „Teacher“ gave me a sociological lecture and how much she had tried to help the poor beach boys. She talked herself in trouble. She thought of herself as a descendant of a higher level organized society. One in which the environment is respected, garbage is separated and animals are loved. Certainly this corresponds to the attitude towards life of many Germans. Across the face of Roy, who speaks pretty good German, flashed an expression that struck me as a mixture of contempt, rejection and anger. But it was minimal tinge. He had trained for years to hide his language skills from Germans. Traveling through Southeast Asia, garbage and the careless handling of it cannot be overlooked. Piles of garbage are everywhere and an army of giant rats roams the cities. The consequences of poor waste management and the effects of a throwaway culture that is spreading globally are present at all times.But the facts are not quite that simple, in my opinion. I thought about this on a Thai island. There, every day, I walked past the back of a pile-dwelling settlement of the indigenous Moken people, half-built into the sea. Lots of trash collected in the outflow area of the tide. Plastic packaging, all kinds of affluent plastic garbage, old nylon nets, almost everything was synthetic. Accordingly, garbage from a world with which the Moken had only marginally something to do. Rather, one that had driven them out of their own within the past forty years. Everything accumulating had to be transported away from the island by boats. A luxury hotel company operated a kind of garbage incinerator. Servants collected the garbage on the beach every day and in the evening it was chased through a high chimney. Of course without a filter system. Until the seventies, the Moken lived the life of a sea nomad people. Then a deadly disease struck the islands. Mass tourism discovered the area. This changed everything. The range of goods in the stores adjusted to the tourists. The Moken lost the right to be anywhere they wanted. Fishing, employment, business, nothing remained. They are simply overwhelmed with what is happening. The sea washes up, their traditions were destroyed by consumption, and behind the house everything piles up.

In Germany, the mountain of garbage that is created every day is removed from sight in a tightly organized manner. Somewhere where the average citizen is no longer bothered by it. The plastic cup, neatly disposed of in the right garbage can to ease the conscience, disappears, at least from view. So it goes with a container ship on a long journey. There, where also all the crabs caught by German cutters land. Asia! There it is granulated and processed, to then return home again together with the crabs, which are now freshly poulticed. If Germans can do anything well, it is to make everything beautiful. Chemicals disappear into the sea, into rivers or are seeped away into desert sand. If the cutting down of forests is forbidden, one simply commissions a mercenary force in distant countries through three or four intermediaries to convince an indigenous people to move and shoves it into the pocket of a right-wing populist president, who puts it away with a smile and a full wallet.On the one hand, angry young protesters demonstrate against domestic environmental sins; on the other, they post the system’s opposition with smartphones whose components come from the steppes of Mongolia, which become a little more rugged every day. Part of the truth is that their peers in the dark alleys of Bangkok, Bangladesh, who have sewn their fancy clothes, lack a little time for reflection. There is a reason why German houses have significantly more curtains, blinds, opaque fences, rooms that guests never get to see. Not everyone has to see everything! The Moken are different. Their houses are open in almost all directions, fences do not exist, everyone sees everything. But is someone who could see something, but in order to feel better, does not want to see anything, a better person?

During this time, a refugee boat landed on the main island. About 150 Sunni Rohingya had made it to Langkawi in their old cutter. Another 150 had died on the three-month journey. During the last part of the escape, the fugitives orient themselves by the lighting for the airport on Langkawi, which shows them the way. Although Malaysia is a Muslim country, the refugees do not expect solidarity. Belief doesn’t go that far, then. An abstruse number. They are driven to flee by Buddhists and turned away by Muslim co-religionists, as Christians do with Africans. At least Malaysia has little to do with the causes of the escape, and to the rescue of the Buddhists there is a faint ray of hope. All the major Buddhist movements have joined together to sharply criticize what is happening in Myanmar. No, this is not a ray of hope. To me, it is the end of a hope. Buddha: Who knows the teaching and lives contrary to it is a shepherd who tends the herd of a neighbor and abandons his own herd.
The unimaginable horror that takes place there is incomprehensible to any human being. Who of us wants to presume in the face of all this misery from Myanmar, Central Africa to Syria to speak of justified fears of the Germans of uncontrolled refugee movements? It is also the story of Bangladesh. The largest refugee camp in the world. Nearly 1 million people escaped there. As almost always, it is also a remnant of colonialism. The British used the Rohingya to fight the rest of the population. The resulting hatred they share with the Hmong in Laos, who were captured by the Americans in the Vietnam War. Last but not least, good old capitalism comes bending around the corner. In the Rohingya territory, there is uranium, nickel and rare earths under the surface, which the military wants to grab. One particularly colorful figure is a monk named Ashin Wirathu, who cannot be called a Buddhist. The man is a racist, agitator, hate preacher who found an orange cloth on the side of the road. After all, there is now an arrest warrant against him and Thailand, a central point in Theravada Buddhism, refuses him entry.

I always think of the words of a Vietnam veteran when I think of things like this, which I wrote down before. „The Vietnam War did not show what man is capable of. The war showed what man is. A vicious, brutish, intelligent predator who, with those traits, became the dominant species on the planet.“ But predators don’t kill senselessly. They follow the instinct of survival. I made a mental mistake while visiting the Killing Fields in Cambodia, the Vietnam Museum in Saigon/Ho Chi Minh City, or the Amputee Aid Center in Vientiane/Laos. For a very brief moment, I wondered why Asian societies, of all societies, showed such brutality. Strange how one’s own history slips away in such moments. Against the Germans under Nazism, the Khmer Rouge and the Junta in Myanmar look pale. Not that these atrocities somehow deserve a ranking. But it shows that this predator is in all of us. Only one thing tames it: the ability to develop a will that tames it. If this will is removed, however, or not developed at all, the consequences are bestial.

With these thoughts, I was miles away from Teacher. I asked myself at the sight of the carefree looking backpackers, why I had done all these things to myself. No one had forced me to go to these places. Is there a duty for a privileged person to look? I have been asking myself this question for a long time. No one cannot turn back time. There is no reparation. I wanted to understand what the perpetrators saw. How can one, even if blinded or filled with hatred, bear these images, the screaming, the smell, the despair? How can it be? I don’t live and never lived non-violently. Physical struggle, fisticuffs, pain, injuries are not foreign to me. But I know my limits. A friend of mine once said that I should begrudge people for not having some images in their heads. Can this be right? Look away? Move on? Keep silent? On the other side, can something be changed? Change? I don’t believe in that. In all systems, which I got to know a little bit in the last years, a similar type of human being has pushed himself up in hierarchies. Maybe that is exactly the point. You need special characteristics to be able to work and live in a team or within a small anarchy for a long time, just as you have to be suitable to box your way up in a fixed hierarchy. I don’t possess the latter idiosyncrasies, so I won’t change anything. Somehow this is a dead end. The hierarchy freaks won’t change anything, certainly not the hierarchy itself.

A guy like me, can’t get past thinking in a place like this. I know some people who also have this problem and avoid such places. The desire for the simple island is quickly expressed. But who protects you from having to deal with yourself? The many images, stories, decisions that suddenly catch up with you. The presence of young women and guys under thirty doesn’t make it any easier for a man in his fifties. The comparison between their lives and your own practically jumps out at you bare-bottomed. You can hardly think of a better training session for getting rid of the addiction to evaluation that already developed in childhood. Different does not mean wrong and certainly not worse. A process is happening around us that cannot be told exactly when it was started. No one can say exactly when Europeans began to intervene devastatingly in the global system. The course was set with industrialization at the latest. In the case of processes, it may be possible to predict what the outcome will be if the process is unimpeded. But how likely is it that the process will not one day experience a vehement interruption? Clever philosophers could make some prediction under the yoke of church and monarchy. They could not count on the replacement of the centralist worldview and the Enlightenment. Anyone with a little sense can see that neoliberalism and similar capitalist models of society are languishing. The only question now is: when will death occur and who will inherit? Nothing significant will come from the former dominant Western civilizations. Those from the island will have little to do with what is happening.

The day passed little by little. Suddenly, a Coast Guard boat appeared. It was too late to hide. But they showed no apparent interest in us. Nevertheless, a worried mood spread among the sensible ones. They could alert a police boat by radio at any time. Together with Roy, I vigilantly watched the water. After some time the boat returned. I took a hike in the direction of the jungle. But again they did not stop. When I returned to the beach, I found that Roy had joined a small group that was crossing to the beach on a passing fishing boat. For me, this meant being stuck on the island for over hours with the remaining adventure-oriented rest. The guys had already enjoyed a few bongs. Relaxed, they camped by the fire. I had no choice but to resign myself to fate. With a last burst of energy, I asked one to drive to the opposite beach that night. Talking to a palm tree would have promised more success. For a full seven hours I sat on the beach and looked angrily at the black sea. Actually, there were two sitting there. Me and my inner self in dialogue. I thought about Germany and my life there. I wondered if I would ever get rid of the police. As soon as I pondered this, I asked myself why I wanted to achieve this at all costs. Yes, it had been wild times. Much of it, a young detective of today cannot imagine. A different police force in a different society with different demands, ideas, informal rules. There was that day when we realized as a team that every squad has its time. At some point, you arrive at crossroads. There, a decision must be made as to how to proceed. Follow the old direction, or choose to turn left or right? I wanted to go further. But the instructions were different. In this case, one is free to leave the troop. For far too long I followed a path that had nothing to do with me. This feeling of not being able to get away from the island, of not being able to get my butt to safety according to my own ideas, suddenly seemed unpleasantly familiar to me.

When we made the boats ready at high tide, the sun was already high up. Unprotected, we set sail. Except for the Russian woman, who enthusiastically filmed herself and the trip, everyone had a sinking feeling. But we were lucky. The police patrols were still in the quarters. After landing we hurriedly searched for the distance. For me it was clear that I would do without further adventures of this kind. A few days later, most of the locals involved were arrested on the occasion of a small drink at Big Roy. Three months Lock Up and loss of the Dreadlocks, were a hard, and I find disproportionate, punishment. The Russian woman was also arrested, but at that time she could still buy herself free. Teacher got an apprenticeship in Germany and the Austrian is back home. Big Roy was briefly in Germany to see his son. I will definitely return to Langkawi. Why? That is another story and another post.

Dezember 27 2020

The Internet and social media, once a blessing, now a curse

Reading Time: 21 minutes

Introduction:


This is one of the first attempts to publish a BLOG post in English. At one point or another it will be a little jerky with the translation. But I accept that and I hope you do too. I hope to please some of the people I met in the last years. If you find any nasty mistakes – go ahead – I need your help, and I will learn.

Once upon a time

Those who make comparisons between the past and the present quickly find themselves in the trap: „Everything was better in the past! I think the best way to escape it is to say: „It was different! I don’t know how and by whom it was imposed on me one day that I had to develop and be open to the new. That has always been one of those demands that was there with an absolute matter of course. Whoever is no longer open to the new is old. Whereby this „old“ is pronounced more or less like a swear word. Standing still, missing the jump, not moving with the times, all this has a negative connotation for me. „It was different!“, means to me that I can make a decision. The new doesn’t have to be better, the old doesn’t have to be worse, and the other way around. It depends on what I personally like.

For example, I lived a life „on the road“ for thirty years. In the early days, this had the disadvantage that I was not available to my family. I was just not the type of person you could reach in the office or have paged by loudspeaker in the company. And that was mostly 15 hours of the day. If I wanted to call someone, I had to get out of the car and use a phone box. It wasn’t much different before I started working. When I was young, I raced and trained for hours on my bike by myself. Mile after mile, hour after hour, alone with myself and my thoughts. Negative? Would it have been a better time with a smartphone? I don’t know. In any case, a salesperson today would sell it as an increase in my quality of life to be „connected“ to everyone around me via a headset while exercising. Yet solitude on a bike can be something quite beautiful. It started with a pager, then came the first wireless phone, and much later a smartphone. I still remember a mission in which one was used for the first time because a blackmailer demanded it. No one knew how to use it, and the person delivering the money was given a quick briefing. Only we, a special service, could be expected to do something like that. It sounds as if it took place two centuries ago, but it was at the beginning of the nineties. Every time I think about the Internet, e-mails or even social media, I have to consciously recall the shortness of time and the speed of development. From us, every innovation was welcomed. Everything was great, fascinating and made life easier. Suddenly you were sent pictures of the targets in the field. You no longer had to search for lost vehicles with antiquated converted tracking devices that were originally developed for maritime use. A tracking device provided the location to the nearest meter. Lonely decisions no longer had to be made in the field.

The information was compared with the caseworker, the staff, and the top commander. But it was at this point that the first snag became apparent. Previously, there was a certain hierarchy. What there had to be had to be said at the beginning of the day, and the chief had to formulate what he wished. How his will was implemented, he had to trustingly leave to his lower-level executives on the street. Today, they are just chess pieces that are pushed back and forth by means of so-called leadership and deployment tools. Some interpret this as something positive. Why should someone with a lower pay grade make decisions and take responsibility? It’s a good thing if that ends up in the places where it belongs with modern technology. It gave me a sense of self-worth. But that’s an attitude issue. At that time, there was also this attitude to life of not being constantly available, practically by passant. If it was, it was an active act. People decided to stay at home and be reachable via the landline or to communicate their whereabouts. Today, one of the first questions on the phone is: Where are you? Freedom is often not being allowed to do something, but not having to do something. The way of life has changed and I think it’s time to stop passively letting myself be swept along by the current of development, but to take a close look at what I still want from it and what is rather not my way of life.
„You have to move with the times!“, someone once said. I don’t know this person. I am also not ready to accept this demand as a law. I’ve done this bullshit long enough. Looking back, I have rarely to never stated: Nice invention, but I won’t use it because it doesn’t suit me. What appeared on the market, I used. If I was skeptical at first, social pressure made sure of it. I remember a colleague who refused mobile phones for a really long time. Only when the boss threatened to remove him from the team did he relent. Strangely enough, technical innovations are never preceded by an analysis in which the advantages and disadvantages are weighed up.
How will this invention change people’s lives? What impact will it have on all life on planet Earth? Do we want it? Mankind has now experienced this with the beginning of the atomic age and industrialization. Something was invented, uncontrollably put into the world and people slavishly followed the consequences. Hardly anyone dared to say: „Stop! Let’s think for a moment – where is this taking us?“
The few who did became famous and were declared confused enemies of progress right off the bat. With atomic development and industrialization, this might still get by – people simply didn’t know any better – with digitization, this no longer applies. There have now been two test phases that have gotten nastily out of hand, and a third is silly. This time, if we don’t want to turn the cerebrum into an evolutionary joke, we need to think. Who or what is the human being? What controls us? How are we on the move? What in us is serving this Digital Revolution and if we draw on the experiences from the other eras: What can we expect? Is it happening? In my opinion: No! And I am a very small light in this game, one what is to be neglected completely. At the most, I could later serve as a contemporary witness. An interesting term. If you look around a bit on the pages of the German Museum, you will come across contemporary witness reports. People who report how they experienced the time at that period. To a witness also always belongs the characterization, who reports there. In my case, a former young man who was employed by the state of the Federal Republic of Germany as an investigator in criminal cases and who was sworn in on the Freedom Democratic Basic Order in this context. Swearing! This word alone must be explained in more detail to a young person today. Seriously? You have decided to give your life for an idea of women and men, who have blessed the temporal long ago? Are you completely stupid? Seen in this way, it is stupid! I looked at the basic idea at that time. Justice, dignity, freedom, overcome religion, the right to have a voice – I was able to sympathize with that.

I was 21 years old, idealistic, wanted to stand on my own two feet and thought I had learned my lesson. After that it became, I say realistic and complicated, in the end so complicated that I couldn’t cope with it anymore. Today, in 2020, I see many things differently than I did in my suit purchased from my first salary from a men’s outfitter, solemnly pronouncing the oath. The dignity of man is inviolable! Do not be ridiculous, of course you, the community, the state, touch it. All people are equal! Unless they have money or they can play soccer. Religions play no role in Germany! True for Christians and Jews, the new well poisoners are the Muslims. Racism? Poor maniacs! Racism in Europe was almost never a question of skin color, but of other mentalities, appearance, attitude to life and living together. First there was the question: they lead a different life? Why? And because one would have had to admit that this other life is just different, but quite acceptable, one found a way out: must be connected with the race. Anything else would mean that parallel to our answers there are other right ones. When I currently read the contributions on racism, I always have to grin grimly. I got to know quite different things in deportation jail. White people don’t know racism. What nonsense. Every conversation with a Vietnamese, Japanese, former US prisoner of war, teaches you better. It is always about the way of life and the constellation. But I want to focus on something else in this post.

The Internet was once a good tool

In the beginning, the Internet and social media platforms were a good thing. People who had not seen each other for a long time found each other again. Something like an exchange emerged across all borders. The Internet, in its early days, was a new virtual world. The surfing around on the then still informative pages had something completely new about it. Scientists, doctors, students, creative people, programmers and inventors could share their knowledge and the results of their research worldwide. Even one could spread out while creating web – pages. I can still remember well, how I was spinning all sorts of things together on my page. Offline I drew pictures, with which I wanted to create online illusions. One time the Trollhaus was a notebook, full of drawings, a few weeks later I created a totally crazy world with crazy theories about trolls. I created a conspiracy theory in which trolls actually existed. Beings from another time, which have more or less adapted to our society, but they would be recognizable at any time at a closer look. How else could one explain obese smelling men in undershirts and jogging – pants in the queue in front of the supermarket checkout? There was also this time in the newsgroups, where some exchanged meaningfully about topics of all kinds and others opened groups for all imaginable subcultures. Anonymous, unknown, freed from the inhibitions of real existence.

But insidiously, everything changed. In modern societies, one subgroup always wants to be in control. They simply cannot live with others acting uncontrollably and freely. This has never been different in history. First it was a priesthood, military, Caesars, kings, emperors and over two millennia the Christian church. I played out the thought once. What would have happened if today’s digital possibilities had existed in a time characterized by belief in a Christian God and dictatorship by the clergy? At first I thought: What a horror scenario! Then I realized that the differences from today are not as great as one might think. The clergy, the guardians of morality, judges of good and evil, wrong and right, have been replaced. You just have to take apart the concept of religion a little bit. There is a belief. A superior higher authority has its fingers in the pie in some form. How exactly and to what extent requires interpretation. A believing Christian, forced into a corner by a natural scientist, can still retreat to the fact that there must have been something before the big bang. For others this power is not only responsible for the big bang, but has shown up several times and has exclusively told man how they have to behave. Then it is no longer about the believe in itself. Rather it is formulated how one pleases this deity, honors it and arranges its life suitably. A tradition, which takes place only in the Abrahamitic religions, in which God takes the role of a father – figure. This resulted in a deeply rooted hierarchy, with positions of power, means of power, rules, powerful and subjects. Viewed differently: A model for the construction of a society. Conversely, a believer may well adhere to the idea of the Abrahamic religions, but does not have to agree with the structure of the society (community) that unites under it. Manipulations, fake news, myths, stories moving the masses, control over language, use of psychology, studying human behavior with the goal of control, are ancient. History is full of them. Whether it was the Jews who poisoned the wells during the great plague epidemics, or the Templars who were accused of heresy, or foreign peoples who were denied humanity, it doesn’t matter. Only the means have changed. However, to an unprecedented extent. And if already the means, which are primitive from today’s point of view, had the well-known terrible consequences, everybody can imagine alone, where the journey goes. In a hearing before the U.S. Senate, a high-ranking former member of the upper management at Google was asked by a senator: „I find all this terrifying to a great extent and I am grateful that I am already over sixty. Is that because I don’t understand it or is my fear justified?“ The former Google employee replied, „You should be scared!“

When I had my first contact with Asian spiritual teachings a few years ago, I was fascinated by one essential point: the focus on wisdom and the importance it has there. Even if hierarchies exist in Asia, dictators are up to their mischief, brutal autocracies exist, they are always in stark contrast to what the ancient teachings and the wise men had to say to the people or still do. Since I have read Confucius, Lao Tze, as well as the transmitted discourses of the Buddha, the way I think has changed fundamentally. A process that, in my opinion, cannot be prevented when reading the texts. It is like comparing two operating systems like Linux and Windows. There are many similarities, the task is identical, but the approach is still different. Just the fact that Linux has programmers all over the world participating in it and making it available to everyone on Earth is significant and for me even today has something anarchistic or at least something of heresy against the existing system.

There’s this well-known question about what skills you’d like to have. I admire good analog musicians and programmers who understand what they are doing. When musicians meet, no matter what their background or language, they can play a song together after a very short time. It’s similar with programmers. They have a common language and when they pull together they can achieve the greatest things. Drawers, painters, sculptors, have ways to show thoughts and their inner selves to the world, without words, to express something. Authors and writers make a little use of these possibilities by creating images with words, but they are limited by language. Drawing, painting, sculpting, writing texts is usually something individual, which is not created in harmony with others. The digital possibilities could have broken through this. Subjunctive. It rarely happens. I’m thinking, for example, of novels that are created collaboratively online.

Commercialism, the belief in profit, destroys all that is good

The Scrooge Ducks and Klaas Clever of this world got dollar signs in their eyes while watching the developments of the Internet and social media, and the disaster took its actually predictable course. As with the industrial revolution, the digital revolution failed to keep an eye on the profiteers. And as was to be expected with the dusty interpretation of capitalism, a development took off that no one could control. Engine started, steering wheel and gas pedal fixed, let’s see what happens. They have turned the Internet and the platforms from something that unites people into something that divides them and sets them against each other. They cannot do otherwise. Again, art, music, visual arts, is a leading example. Everything is becoming more banal and above all more egoistic, profit-oriented. How disgusting is it when corporations organize talent contests, give the winners contracts in which they, in exchange for money, refrain from signing a publishing contract anywhere in the next few years, so that the corporation protects its already financed “ low-profile“ but popular musicians? Profit, commerce, money, greed, reliably destroys everything. Art that does not serve as decoration, but challenges the viewer, listener, reader, has a hard time under these conditions. All this would not be possible if societies would oppose it. Here the circle closes. With the possibilities offered by the Internet, the platforms, and the tools of manipulation therein, everything has been geared towards decoration. There is in modern art this underestimated silent dialogue between viewer and artist, often accompanied by ridicule. „What is the message?“ The answer cannot be very different. For example, that someone has dealt with something that normally no one consciously deals with. I spontaneously think of a supposedly simple blue painting in large format. Blue! What is the effect of this color? In which condition is the viewer put? Is an impulse transferred, which he does not even notice at this moment? Is the image really just this one color? Which blue do I see, and which one does the woman two meters further see? How does someone get the idea to want to achieve all this by means of a picture in a gallery? Just with the existence of this picture, a lot happens. „I can do that either! Soon I’ll just hang a blue picture in a gallery!“, some growl. Yes, but then it’s just a copy and you didn’t have the idea yourself! What is important to me is the depth. A depth that has always been fought against in Germany, at least since the beginning of industrialization. What was not ostensibly an advantage for industry, profitable innovation, the perfection of weapons systems, economic advancement and in the competition with other nations was blacklisted at all times. The National Socialists took it to the extreme in Germany in a sustained way, and I maintain that the after-effects can still be observed today. When supporters of parties like the CDU/CSU, FDP or the AfD, of all parties, abuse German intellectuals by quoting them, it regularly crosses into the bizarre for me. For some, reflecting on the human is heresy against the belief in growth, the denial of a Social Darwinism that exists in their opinion, danger for the nation, and for others an obstacle to the formation of a powerful united nation that must be overcome. Wisdom, humanity are antagonists to hierarchy and formations of capitalism, for example, in the form of neoliberalism. The Internet and the digitalization could have been a blessing. Linux! Without ulterior motives of profit, make something available to the whole, so that people from other disciplines can do something good with it.

We no longer have to make prognoses about what will happen to the vehicle I have described. We can see against which trees the car will drive or has already driven. Technology and machines change, the human being remains with the principles which made the development possible to what he is and the physiological conditions have changed imperceptibly in several 100,000 years. In theory, everyone is able to let reason and understanding rule by means of cerebrum. Practically everything is put on it that this does not happen. In addition to the targeted measures for circumvention, the peculiarities of the process are added. What catastrophic consequences these could have was shown quite emphatically by director John Carpenter in 1974 in the film „Dark Star“ in the final dialogue with #Bomb20.

For the younger ones in short version: Three spacemen wander around in space and destroy potential threats to the earth. For this purpose, they have smart bombs with them. However, the bomb20 cannot be released after receiving the order to detonate it. In order to avert the impending catastrophe, Captain Doolitle, commander after the death of the actual captain, engages the bomb in a philosophical conversation about phenomenology. Which works at first and then goes wrong in the end – the bomb explodes.

A recent example of what is happening around us are the events that became known as „Pizza Gate“. Starting from 4chan and Reddit, a completely crazy story started, according to which human traffickers would use code words that normally play a role in pizza orders. In 2016, the story spread to several million people and became more and more abstruse. Among others, it was claimed that Lady Gaga, Obama and Hillary Clinton were involved in human trafficking. The complete escalation then resulted with a guy who wanted to free kidnapped children armed from the basement of a pizzeria. Fun fact: the place didn’t even have a basement. In principle, the Pizza Gate story is the basis for the QAnon – bullshit to which the german owner of a vegetarian restaurant Attila Hildmann and the singer Xavier Naidoo believe. (Two German celebrities who organized demonstrations in Berlin and spread the QAnon conspiracy theory on the messenger service Telegram).

It all started with urban legends

In the past, such stories were called „urban legends“. Rolf Brednich summarized some of these stories in 2007 in the book „The Spider from the Yukka Palm“. It cannot be ruled out that nowadays there really is a tropical spider crawling out of a fruit crate. But according to the circulating stories, we have been experiencing a real invasion since 2000. In keeping with Pizza Gate, it was rumored at the time that children from the IKEA „ball paradise“ were kidnapped by human traffickers, but were then freed at the last moment by attentive passers-by. Strangely enough, it was always part of the story that the children had their eyebrows shaved off. Some of the stories circulated already in the 90s. I had collected some of them on my website at that time. The scheme is always identical. A supposedly reliable source, accessible to a very good acquaintance, reported the outrageous facts. Once, however, I was surprised. It was about the unsavory story that had been circulating for years, in which pizza makers masturbate on pizzas. Depending on the narrator, the motive was exchanged. I was then somewhat perplexed when a colleague said to me with conviction that the pre-shift had a pizza delivery examined in the laboratory and that sperm had been found on it. This was at a time when the police easily had to wait two weeks for a lab result!

But Pizza Gate was child’s play against what was happening in Myanmar. The radicals, remarkably forces that see themselves as Buddhists, used Facebook to spread their hate – tirades against the Rohingya, while Facebook blocked Rohingya organizations. A wave of violence swept through the country. If a Buddhist country sinks into violence in this way, what must I imagine for other states in the long term? In Germany, meanwhile, almost all political parties, including the media using the Internet, have joined in the process of dismantling the human status of the women, men, children who endure in camps. First, a term is found that robs individuality and turns the human being into an administrative term. Refugee! It does not even give information about the origin. In the second step, the term is combined with something threatening. Flood, catastrophe, loss of control.

Manipulation with celebrities and their reputation

The other day I read an article in which even the Dalai Lama is mentioned. He was interviewed by the BBC in June by Rajini Vaidyanathan and asked about the above-mentioned topic, among other things.

The Dalai Lama then says to the reporter, „European countries should take in these refugees, give them education and training. The goal should be for them to return to their own country.“
The reporter asks what if these refugees wanted to stay in Europe, should they not be allowed to?
The Dalai Lama said, „A limited number is fine. But for the whole of Europe to eventually become a Muslim country? Impossible. Or an African country? Also impossible.“
The reporter is saying what is wrong with that, the Dalai Lama is a refugee himself.
He replies, „They [the refugees] had better be in their country. That’s better. Leave Europe to the Europeans.“

https://correctiv.org/faktencheck/migration/2019/07/05/was-der-dalai-lama-ueber-migration-und-zuwanderung-in-europa-sagt/

For Europeans, the Dalai Lama is the analogy of the Pope. The peacefulness in person, completely misunderstood by the Chinese and with some esotericists, something like this world completely rapt. No! He is not all that. He is the head of a concrete Buddhist school from Tibet. A person who was taught an interpretation of Buddhism, but throughout his life has been open to Western politicians, scientists. But he is also the head of a Buddhist sect that used Buddhism to establish a hierarchical system with monks at the top. It all started once with a Mongol Kahn who wanted to expand his power in Tibet. And every now and then the Dalai Lama moves on rather thin ice. For example, when he obviously doesn’t understand who sometimes invites him and for which strange esoteric movements he is misused. But all this is of no interest if I want to use him for my purposes. The message is simple: this peaceful spiritual man has said that in time they all have to go back to where they were born. So what? OK! Of course, the statement does not apply to high achievers who are moving our nation forward. History helps there, too. – It doesn’t matter that you supported the Nazis. You can build rockets and atomic bombs. How we sell that is not your problem. – The interview with the Dalai Lama has long since taken on a life of its own and is being spread manipulatively without the background mentioned here.

Self – Control?

What once all started more or less harmlessly has become a frightening problem. Thanks to the development of social media and the Internet, not only has everything spread, it is also being used in a targeted manner. Currently, we are experiencing where this is going in a pandemic. In addition to the platforms, there are also the messenger services. For example, I’ve been sporadically reading Telegram for two days. It is unbelievable and hardly bearable. But this made me a little more attentive, I made an experiment. I entered search queries on Google, Metager and DuckDuckGo using TOR on the topics of climate, artificial intelligence and Corona, using new identities many times. For those who are not familiar with it. With TOR no one has the chance to recognize who and where someone is on the internet. With every identity you end up somewhere else in the world. The search engine thinks one time you are a Turk and the next time you are an Indian. The query „Clima Change is …“ was completed with different suggestions each time. From „Great, then no one freezes to death anymore, so it balances out with the heat deaths“ to „Catastrophe“, everything was there. It was the same with the other topics. Either Corona had never existed or the pandemic was long since over. Fittingly, I was offered the insane statements of Donald Trump.
Self-critically, I had to ask myself at this point whether I am really so good that I can control myself with normal search queries via my standard browser.

I think I would notice the restriction to news that does not fit me at all, especially tendentious news that appears abruptly. But what about a creeping slow process? Day by day a nuance. Quite reliably I notice how the algorithm accompanying me analyzes my musical taste more precisely and tries to push me delicately in directions. My great good fortune in this is that I was once acquainted with a sound engineer who told me a lot about how music works, its structure and effect. Since then I know that composers of pop songs use the tone sequences of children’s songs. I was also impressed by how techno rhythms are used to consciously control the frequencies of body tissues and fluids. I also found helpful the other day Chily Gonzales‘ comments on taste and corruption. Taste is also an interplay of attitude and decision, which solidifies with age. To adapt at any time to youth, to new trends, to go along with everything, means not to face who you are.

For a while I was having fun clicking on abstruse things on the Internet, pausing longer at strange pictures or looking for completely bizarre products. But in the process I noticed something. What I was doing was active effort against something. This requires power, concentration and analytics. I am defending myself against an attacker and this 24 hours a day, 7 days a week. Professionally, I have learned that this does not work. Even the most intelligent and clever crook is overwhelmed one day. Then he has nothing more to resist the observation and makes mistakes. After all, he is highly motivated and plans something forbidden. I, on the other hand, just want to live my life without becoming an object, a product, a thing.

I started differently. At first I saw advantages. Why shouldn’t I have music suggested that matches my taste? Or what’s wrong with recommendations in the jungle of product diversity? When I go to a good men’s outfitter, I also get advice. In the past, when I still had hair, I didn’t oppose a tip for my hairstyle. I take it a step further. I could even relate to the saying, „If you have nothing to hide, you have not to be afraid of surveillance!“ Until one day I realized that there are double standards. There are people, groups, associations that are allowed to be watched, and then there are those that are allowed to avoid it. Why is this so? Then I realized that it is simply not possible to behave in conformity at all times and I feel this strange feeling in the back of my neck. But worst of all was a completely different realization. If I don’t fight it in time and the worst case scenario happens, namely a force takes control that I don’t conform to, I lost. I voluntarily gave out of my hands all the options of resistance. And at the hairdresser, shoe salesman, men’s outfitter, I am faced with someone of flesh and blood, whom I can judge. Maybe I don’t like him or her. I just don’t like their charisma. No matter! I have a choice and a chance. Not with the other stuff.

No, if I am honest, I am no longer in control. I behave as others, whom I don’t know, want me to. I generate money for them, which they stuff into their pockets. I have nothing against it if someone earns his money with honorable work. That’s where the first people are already going to the barricades. What is honorable work? Look at your environment, look in the mirror and ask yourself what contribution you have made to the general life with your work. The production of warm air by means of body temperature and the producing of money from money, is for me no honorable work. Honorable comes in this case not from the opposite illegally, but from the history of the societies and derives from: „It gives one an honor!“ And I see no reason whatsoever to indirectly provide a livelihood to people whose way of life I would never support in real life.

On 12/24, I felt the effects immediately. I was waiting for a package that was important to me. It arrived just in time. Nevertheless, I was a bit displeased because the provider – DHL – did not keep what was paid for. With this mood I met a real person in the course of the day. One who, like me, could not help it. Over stations not to be estimated in the number, we are both victims. Much higher up, people whose names she or he doesn’t know, in a place we’ve both never seen, have made decisions about directives that we both now have to live with. It’s even more extreme on the Internet. Thirty years ago, if I disagreed with a service, there was a phone number. With a little negotiating skill, you ended up with someone in charge to whom you could vent your displeasure. Gone. If you don’t hack the company’s server or steal the internal organization chart, you end up in an online FAQ section or on a contact form. Good for them, bad for you. Why is that? Because you’re a customer at most until the transfer is effective. Old-fashioned things like customer loyalty or even satisfaction, are compensated differently.

How to go on?

The principle is user and dealer! Get addicted, give away a free shot every now and then, lower the price insignificantly for a few days, and then set it far above the original price. Everyone who goes online is a user. A collection of data. The generation born in the mid-90s is the last one from which not everything, every stage of life, every carelessly posted picture, every comment on a life event, is stored forever in the data cloud. Where born, what childhood diseases, parents‘ professions, school graduation, life partner, friends and acquaintances, preferences, pets, driver’s license, personality development, love problems, exalted, introverted, depressed, simply everything. The first generation, which is used to the fact that at any time and on everything, somewhere out there one or the other reacts and responds with a „Like“, is now fully employed. Dopamine junkies! That’s creepy. How is anyone still supposed to determine for themselves that this is a true personal success? Or take yesterday. 12/24, Christmas. One circular email follows the other. How do you still know who really thought of you? Today, a day later, I still refuse. I have responded to just three messages. Not out of disinterest! It was simply a decision not to participate. But I’ll write to a few people in the next few days, and I’ll really make time for them. The new trend among the elderly is to make cheap phone calls anyway. In this way I learned that in the matter of vaccination the Indians will probably be much ahead of the Germans, because they work together with the English and have the world’s largest production facilities for vaccines near Mumbai. A circumstance that had not previously dawned on me.

At Google, Facebook, Twitter, people earn their money by developing exactly such things, like polls, Like – Button, Emojis, reacting with animated Gif’s, matching pictures, videos to holidays, to increase addiction and thus to longer online – time, which in turn generates profit for advertisers. For them, each user is no more or less, as a nameless lab rat. Do I like that? For my part: a clear No! A complete exit is not possible. But I can try to turn the Internet and the possibilities it offers back into a tool that I control and not it me. Effective immediately, I have banned all social media apps from my smartphone. Research will only take place via TOR. Youtube is avoided by me as much as possible and when I do, I only selectively watch posts that I can’t find in Media Counters. Seriously? Youtube is no longer bearable due to the number of advertisements. But here the statement applies, „If you don’t pay for something, you’re not the customer, you’re the product.“

What will remain is the use of Twitter to distribute BLOG posts. Why deprive yourself of this opportunity? In the past, a cartoonist or freelance writer had to roam the pubs if they wanted to get their work out there. Putting yourself outside the existing system doesn’t work overnight and a complete uninstall is not possible after 20 years of excessive use. Especially in the last five years, I’ve really used the net extensively. Self-critically, much too much for my taste. Just the effect on my behavior in the past two days, that is, after uninstalling the app’s and closing my Facebook account, shows me that I made the right decision. There is no longer a need to constantly look at the display. This clears the way for a whole chain of other behaviors that I haven’t even had since the late eighties. Well, let’s see where this journey goes.

Dezember 26 2020

Die Sache mit den Social Media

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Wer Vergleiche zwischen Vergangenen und Heute anstellt, befindet sich schnell in der Falle: „Früher war alles besser!“. Ich denke, am ehesten entgeht man ihr mit der Feststellung: „Es war anders!“ Ich weiß nicht, wie und von wem mir eines Tages aufgedrückt wurde, dass ich mich entwickeln müsse und dem Neuen gegenüber aufgeschlossen sein soll. Das war schon immer eine dieser Forderungen, die mit einer absoluten Selbstverständlichkeit da waren. Wer sich nicht mehr mit dem Neuen anfreundet ist alt. Wobei dieses „alt“ quasi wie ein Schimpfwort ausgesprochen wird. Stehen geblieben, den Absprung verpasst, nicht mit der Zeit gegangen, all das hat für mich einen negativen Beigeschmack. „Es war anders!“, bedeutet für mich, dass ich eine Entscheidung treffen kann. Das Neue muss nicht besser sein, das Alte nicht schlechter und anders herum. Es kommt darauf an, was mir persönlich gefällt.

Zum Beispiel habe ich dreißig Jahre ein Leben „on the road“ geführt. In der ersten Zeit hatte dies den Nachteil, dass ich nicht für die Familie erreichbar war. Ich war halt nicht der Typ, den man in seinem Büro erreichen oder mittels Lautsprecher in der Firma ausrufen lassen konnte. Und das meistens 15 Stunden des Tages. Wenn ich jemanden anrufen wollte, musste ich aus dem Auto steigen und eine Telefonzelle benutzen. Viel anders war das vor meinem Berufsleben auch nicht. In der Jugend fuhr ich Radrennen und trainierte stundenlang alleine auf meinem Fahrrad. Kilometer für Kilometer, Stunde für Stunde, allein mit mir und meinen Gedanken. Negativ? Wäre es mit einem Smartphone eine bessere Zeit gewesen? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall würde es ein Verkäufer heute als eine Steigerung meiner Lebensqualität verkaufen, wenn ich während des Trainings über ein Headset mit allen um mich herum „connected“ bin. Dabei kann die Einsamkeit auf einem Fahrrad etwas durchaus sehr Schönes sein. Es begann mit einem Pager, dann folgte das erste Funktelefon und viel später ein Smartphone. Ich erinnere mich noch an einen Einsatz, in dem erstmals eins zum Einsatz kam, weil ein Erpresser dies forderte. Keiner kannte sich damit aus und der Geldüberbringer bekam eine Schnelleinweisung. Ausschließlich uns, einer Spezialdienststelle, konnte so etwas zugemutet werden. Das Klingt, als wenn es vor zwei Jahrhunderten statt gefunden hätte, dabei war es zum Beginn der Neunziger. Jedes Mal, wenn ich über das Internet, eMails oder gar Social Media nachdenke, muss ich mir bewusst die Kürze der Zeit und die Schnelligkeit der Entwicklung ins Gedächtnis zurückrufen. Von uns wurde jede Innovation begrüßt. Alles war toll, faszinierend und erleichterte das Leben. Plötzlich bekam man im Einsatz Bilder von den Zielpersonen übersandt. Man musste nicht mehr mit antiquierten umgewandelten Peilanlagen, die ursprünglich mal für die Seefahrt entwickelt wurden, verloren gegangene Fahrzeuge suchen. Ein Peilsender lieferte auf den Meter genau den Standort. Im Einsatz mussten nicht mehr einsame Entscheidungen getroffen werden. Die Erkenntnisse wurden mit dem Sachbearbeiter, dem Stab, dem obersten Einsatzführer abgeglichen. Doch gerade an diesem Punkt, zeigte sich der erste Haken. Zuvor herrschte eine gewisse Hierarchie. Was es zu sagen gab, wurde am Anfang des Tages gesagt und der Oberste musste formulieren, was er will. Wie sein Wille umgesetzt wird, musste er vertrauensvoll seinen nachgeordneten Führungskräften auf der Straße überlassen. Heute sind sie nur noch Schachfiguren, die mittels sogenannter Führungs – und Einsatzmittel hin und her geschoben werden. Manch einer interpretiert dies als etwas Positives. Warum soll einer mit geringerer Gehaltsklasse Entscheidungen treffen und die Verantwortung übernehmen? Es ist doch gut, wenn das mit moderner Technik an den Stellen landet, wo es hingehört. Mir gab es ein Selbstwertgefühl. Aber das ist eine Einstellungsfrage. Damals gab es auch dieses Lebensgefühl, eben nicht ständig zur Verfügung zu stehen, quasi en passant. Wenn, dann war das ein aktiver Akt. Man entschied sich zu Hause zu bleiben und über den Festnetzanschluss erreichbar zu sein oder eben seinen Aufenthaltsort mitzuteilen. Heute ist eine der ersten Fragen am Telefon: Wo bist Du? Freiheit ist oftmals nicht, dass man etwas darf, sondern etwas nicht tun muss. Die Lebensart hat sich verändert und ich finde es ist an der Zeit, mich nicht mehr passiv vom Strom der Entwicklung mitreißen zu lassen, sondern genau hinzuschauen, was ich davon noch will und was eher nicht mein Way of Life ist. Man muss mit der Zeit gehen!“, hat irgendwann mal eine oder einer formuliert. Ich kenne diesen Menschen nicht. Ich bin auch nicht bereit, diese Forderung als ein Gesetz zu akzeptieren. Diesen Schwachsinn habe ich lange genug getan. Wenn ich zurück schaue, habe ich selten bis gar nicht festgestellt: Nette Erfindung, aber ich werde sie nicht nutzen, weil sie nicht zu mir passt. Was auf den Markt kam, habe ich genutzt. Wenn ich anfangs skeptisch war, hat der soziale Druck dafür gesorgt. Ich erinnere mich an einen Kollegen, der wirklich lange Mobile Telefone ablehnte. Erst als der Chef mit der Entfernung aus dem Team drohte, lenkte er ein. Seltsamerweise wird bei technischen Innovationen niemals eine Analyse vorgeschaltet, in der eine Abwägung zwischen Vor – und Nachteilen statt findet. Wie wird diese Erfindung das Leben der Menschen verändern? Welche Auswirkungen hat sie für das gesamte Leben auf dem Planeten Erde? Wollen wir das? Die Menschheit hat dies nunmehr mit dem Beginn des Atomzeitalters und der Industrialisierung erlebt. Es wurde etwas erfunden, unkontrolliert in die Welt gesetzt und die Menschen folgten sklavisch den Folgen. Kaum einer getraute sich zu sagen: „Stopp! Lasst uns mal kurz nachdenken – wohin bringt uns das?“ Die wenigen welche es taten, wurden berühmt und aus dem Stand zu verwirrten Feinden des Fortschritts erklärt. Bei der atomaren Entwicklung und der Industrialisierung mag das noch durchgehen – die Menschen wussten es einfach nicht besser – bei der Digitalisierung gilt das nicht mehr. Es gab jetzt zwei böse aus dem Ruder gelaufene Testphasen, eine Dritte ist albern. Dieses Mal müssen wir, wenn wir das Großhirn nicht zur evolutionären Lachnummer machen wollen, nachdenken. Wer oder was ist der Mensch? Was steuert uns? Wie sind wir unterwegs? Was in uns bedient diese Digitale Revolution und wenn wir die Erfahrungen aus den anderen Epochen heranziehen: Was ist zu erwarten? Passiert das? Meiner Auffassung nach: Nein! Und ich bin ein ganz kleines Licht in diesem Spiel, eins was völlig zu vernachlässigen ist. Maximal könnte ich später als Zeitzeuge herhalten. Ein interessanter Begriff. Wenn man sich auf den Seiten des Deutschen Museums ein wenig umschaut, stößt man auf Zeitzeugen Berichte. Menschen, die davon berichten, wie sie die Zeit damals wahrgenommen haben. Zu einem Zeugen gehört auch immer die Charakterisierung, wer da berichtet. In meinem Fall, ein ehemals junger Mann, der vom Staat Bundes Republik Deutschland als Ermittler bei Straftaten beschäftigt wurde und in diesem Zusammenhang auf die Freiheitlich Demokratische Grundordnung eingeschworen wurde. Schwur! Allein dieses Wort muss man einem heute jungen Menschen näher erläutern. Ernsthaft? Du hast beschlossen Dein Leben für eine Idee von Frauen und Männern, die längst das zeitliche gesegnet haben, her zu geben? Bist Du völlig bescheuert? So gesehen, ist es bescheuert! Ich sah mir damals die Grundidee an. Gerechtigkeit, Würde, Freiheit, Religion überwunden, Mitspracherecht – damit konnte ich mich anfreunden. Ich war 21 Jahre, idealistisch, wollte auf eigenen Beinen stehen und dachte die Weisheit mit den Löffeln gefressen zu haben. Danach wurde es, ich sage mal realistisch und kompliziert, am Ende so kompliziert, dass ich damit nicht mehr klar kam. Heute, 2020, sehe ich vieles anders, als in meinem vom ersten Gehalt erworbenen Anzug von einem Herrenausstatter, feierlich den Schwur aussprechend. Die Würde des Menschen ist unantastbar! Macht Euch nicht lächerlich, selbstverständlich tastet ihr, die Gemeinschaft, der Staat, sie an. Alle Menschen sind gleich! Es sei denn sie haben Geld oder sie können Fußball spielen. Religionen spielen in Deutschland keine Rolle! Stimmt für Christen und Juden, die neuen Brunnenvergifter sind die Muslime. Rassismus? Arme Irre! Rassismus war in Europa fast nie eine Frage der Hautfarbe, sondern von anderen Mentalitäten, Auftreten, Lebenshaltung und Zusammenleben. Zuerst stand im Raum: die führen ein anderes Leben? Warum? Und weil man sich hätte eingestehen müssen, dass dieses andere Leben halt anders, aber durchaus akzeptabel ist, fand man einen Ausweg: Muss mit der Rasse zusammenhängen. Alles andere würde bedeuten, dass es parallel zu unseren Antworten auch andere richtige gibt. Wenn ich aktuell die Beiträge zu Rassismus lese, muss ich stets grimmig grinsen. Da habe ich im Abschiebegewahrsam ganz andere Sachen kennengelernt. Weiße kennen kein Rassismus. Was für ein Blödsinn. Jedes Gespräch mit einem Vietnamesen, Japaner, ehemaligen US Kriegsgefangenen, belehren einen eines Besseren. Es geht immer um die Lebensart und die Konstellation. Aber ich möchte mich in diesem Beitrag auf etwas anderes konzentrieren.

Anfangs waren das Internet und die Social Media Plattformen etwas Gutes. Menschen die sich lange nicht gesehen hatten, fand wieder zueinander. Über alle Grenzen hinaus entstand so etwas wie ein Austausch. Das Internet, in seinen Anfangszeiten, war eine neue virtuelle Welt. Das Herumtreiben auf den damals noch informativen Seiten, hatte etwas vollkommen Neues an sich. Wissenschaftler, Ärzte, Studierende, Tüftler, Programmierer, Erfinder konnten sich weltweit Erkenntnisse, Ergebnisse ihrer Forschungen teilen. Selbst konnte man sich beim Basteln von Web – Pages ausbreiten. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich auf meiner Seite alles mögliche zusammen spann. Offline zeichnete ich Bilder, mit den ich Online Illusionen erzeugen wollte. Mal war das Trollhaus ein Notizbuch, voll mit Zeichnungen, ein paar Wochen später bastelte ich eine total irre Welt mit wirren Theorien über Trolle zusammen. Ich ersann eine Verschwörungstheorie, in der es Trolle tatsächlich gibt. Wesen aus einer anderen Zeit, die sich an unsere Gesellschaft mehr oder weniger angepasst haben, sie jedoch bei genaueren Hinsehen jederzeit erkennbar wären. Wie anders sollte man sich fettleibige riechende Männer in Unterhemden und Jogging – Hosen in der Schlange vor der Kasse des Supermarktes erklären? Es gab auch diese Zeit in den Newsgroups, in denen sich manche sinnvoll über Themen aller Art austauschten und andere für alle erdenklichen Subkulturen Gruppen eröffneten. Anonym, unbekannt, befreit von den Hemmungen der realen Existenz.

Doch schleichend änderte sich alles. In modernen Gesellschaften will immer eine Untergruppe die Kontrolle haben. Sie können schlicht nicht damit leben, dass andere unkontrolliert und frei agieren. Dies war in der Geschichte noch nie anders. Erst war es eine Priesterschaft, Militärs, Cäsaren, Könige, Kaiser und über zwei Jahrtausende die christliche Kirche. Ich habe den Gedanken mal durchgespielt. Was wäre passiert, wenn in einer Zeit, die durch den Glauben an einen christlichen Gott und Diktatur des Klerus geprägt war, die heutigen digitalen Möglichkeiten existiert hätten? Erst dachte ich: Was für ein Horrorszenario! Dann bemerkte ich, dass die Unterschiede zu heute gar nicht so groß sind, wie man meinen mag. Der Klerus, die Wächter der Moral, Richter über Gut und Böse, falsch und richtig, wurde ausgetauscht. Man muss nur den Begriff Religion ein wenig auseinander nehmen. Da gibt es einen Glauben. Eine übergeordnete höhere Instanz hat in irgendeiner Form die Finger im Spiel. Wie genau und in welchem Umfang bedarf der Interpretation. Ein von einem Naturwissenschaftler in die Enge gedrängter gläubiger Christ kann sich immer noch darauf zurückziehen, dass es etwas vor dem Urknall gegeben haben muss. Für andere ist diese Macht nicht nur für den Urknall verantwortlich, sondern hat sich mehrfach gezeigt und ausschließlich dem Menschen mitgeteilt, wie sie sich zu benehmen haben. Dabei geht es dann nicht mehr um den Glauben an sich. Vielmehr wird formuliert, wie man dieser Gottheit gefällt, sie ehrt und sein Leben passend gestaltet. Eine Tradition, die nur in den Abrahamitische Religionen statt findet, in denen Gott die Rolle einer Vater – Figur einnimmt. Daraus resultierte eine tief verwurzelte Hierarchie, mit Machtpositionen, Machtmitteln, Regeln, Mächtigen und Untertanen. Anders betrachtet: Ein Modell für den Aufbau einer Gesellschaft. Im Umkehrschluss kann ein Gläubiger durchaus der Idee der Abrahamitischen Religionen anhängen, muss aber noch lange nicht mit dem Aufbau der sich darunter vereinigenden Gesellschaft (Gemeinde) einverstanden erklären. Manipulationen, Fake News, Mythen, die Masse bewegende Geschichten, die Kontrolle über die Sprache, der Einsatz von Psychologie, das Studieren des menschlichen Verhaltens mit dem Ziel der Kontrolle, sind uralt. Die Geschichte ist voll davon. Ob es nun die Juden waren, welche während der großen Pest – Epidemien die Brunnenvergiftung, Tempelrittern Ketzerei unterstellt oder fremden Völkern das Menschliche abgesprochen wurde, ist egal. Geändert haben sich lediglich die Mittel. Allerdings in einem bisher niemals dagewesenen Ausmaß. Und wenn schon die aus heutiger Sicht primitiven Mittel die bekannten furchtbaren Folgen hatten, kann sich jeder alleine ausmalen, wo die Reise hingeht. In einer Anhörung vor dem US – Senat wurde ein hochrangiges ehemaliges Mitglied der oberen Etagen bei Google von einem Senator gefragt: „Ich finde dies alles im großen Maß beängstigend und bin dankbar, dass ich schon über Sechzig bin. Liegt das daran, dass ich es nicht verstehe oder ist meine Angst berechtigt?“ Der ehemalige Beschäftigte von Google antwortete: „Sie sollten Angst haben!“

Als ich vor einigen Jahren den ersten Kontakt mit asiatischen Lehren bekam, faszinierte mich ein wesentlicher Punkt: Die Ausrichtung auf Weisheit und den Stellenwert, die sie dort einnimmt. Auch wenn in Asien Hierarchien bestehen, Diktatoren ihr Unwesen treiben, brutale Autokratien bestehen, stehen sie immer im krassen Gegensatz zu dem, was die alten Lehren und die weisen Verkünder den Menschen zu sagen hatten oder immer noch tun. Seit ich Konfuzius, Lao Tze, sowie die überlieferten Reden des Buddha gelesen habe, hat sich die Art meines Denkens grundlegend verändert. Ein Prozess, der sich meiner Auffassung nach, beim Lesen der Texte nicht verhindern lässt. Es ist, als wenn man zwei Betriebssysteme wie Linux und Windows miteinander vergleicht. Es gibt viele Gemeinsamkeiten, die Aufgabenstellung ist identisch, aber der Ansatz ist dennoch unterschiedlich. Allein der Umstand, dass sich an Linux weltweit Programmierer beteiligen und es allen Menschen auf der Erde zur Verfügung stellen, ist signifikant und hat für mich selbst heute noch etwas anarchistisches oder wenigstens etwas von Ketzerei gegen das bestehende System.

Es gibt diese bekannte Frage, welche Fähigkeiten man gern hätte. Ich bewundere gute analoge Musiker und Programmierer, die verstehen, was sie tun. Wenn Musiker, egal welcher Herkunft oder Sprache aufeinander treffen, können sie nach kürzester Zeit gemeinsam ein Lied spielen. Mit Programmierern ist es ähnlich. Sie haben eine gemeinsame Sprache und wenn sie an einem Strang ziehen, können sie die tollsten Dinge erreichen. Zeichner, Maler, Bildhauer, verfügen über Möglichkeiten, Gedanken und ihr Inneres der Welt zu zeigen, ohne Worte, etwas auszudrücken. Autoren und Schriftsteller bedienen sich ein wenig an diesen Möglichkeiten, in dem sie mit Worten die Bilder erzeugen, werden aber durch die Sprache beschränkt. Zeichnen, Malen, Skulpturen, Texte schreiben ist in der Regel etwas Individuelles, was nicht im Einklang mit anderen entsteht. Die digitalen Möglichkeiten hätten dies durchbrechen können. Konjunktiv! Es passiert selten. Ich denke da zum Beispiel an Romane, die online gemeinsam entstehen.

Die Dagobert Ducks und Klaas Clever dieser Welt bekamen beim Beobachten der Entwicklungen des Internets und der Social Media Dollar – Zeichen in die Augen und das Desaster nahm seinen eigentlich vorhersehbaren Verlauf. Wie bei der industriellen wurde bei der digitalen Revolution versäumt, ein Auge auf die Geschäftemacher zu haben. Und wie es bei der angestaubten Interpretation des Kapitalismus nicht anders zu erwarten war, nahm eine Entwicklung Fahrt auf, die niemand mehr steuern kann. Motor gestartet, Lenkrad und Gaspedal fixiert, mal schauen was passiert. Sie haben das Internet und die Plattformen von etwas was die Menschen vereint, zu etwas gemacht, was sie trennt und gegeneinander aufhetzt. Sie können nicht anders. Auch hier ist die Kunst, die Musik, das bildnerische Gestalten, ein richtungweisendes Beispiel. Alles wird banaler und vor allem egoistischer, am Profit orientiert. Wie abartig ist es, wenn Konzerne Talentwettbewerbe veranstalten, den Gewinnern Verträge geben, in denen sie gegen Geld darauf verzichten in den nächsten Jahren irgendwo einen Publikationsvertrag zu unterzeichnen, damit der Konzern seine bereits finanzierten „flachen“ aber populären Musiker schützt? Profit, Kommerz, Geld, Gier, zerstört zuverlässig alles. Kunst, die nicht der Dekoration dient, sondern den Betrachter, Zuhörer, Leser, herausfordert, hat es unter diesen Bedingungen schwer. Das alles wäre nicht möglich, wenn die sich die Gesellschaften dagegen stellen würden. Hier schließt sich der Kreis. Mit den Möglichkeiten, die durch das Internet, die Plattformen und den darin enthaltenen Manipulationswerkzeugen, wurde alles auf Dekoration ausgerichtet. Es gibt in der modernen Kunst diesen unterschätzten, oftmals von Spott begleiteten, stillen Dialog zwischen Betrachter und Künstler. „Was will der Künstler oder die Künstlerin mitteilen?“ Die Antwort kann sehr unterschiedlich ausfallen. Zum Beispiel, dass sich jemand mit etwas auseinandergesetzt hat, mit dem sich normalerweise keiner bewusst beschäftigt. Mir fällt dazu spontan ein vermeintlich simples blaues Bild im Großformat ein. Blau! Wie wirkt diese Farbe? In welchen Zustand wird der Betrachter versetzt? Wird ein Anstoß versetzt, den er in diesem Moment nicht einmal bemerkt? Ist das Bild wirklich nur diese eine Farbe? Welches Blau sehe ich, und welches sieht die Frau zwei Meter weiter? Wie kommt jemand auf die Idee mittels eines Bildes in einer Galerie dies alles erreichen zu wollen? Allein mit der Existenz dieses Bildes passiert jede Menge. „Das kann ich auch! Demnächst hänge ich einfach ein blaues Bild in eine Galerie!“, knurren manche. Ja, aber dann ist es nur noch eine Kopie und Du hattest die Idee nicht selbst! Was mir daran wichtig ist, ist die Tiefe. Eine Tiefe, die in Deutschland spätestens seit Beginn der Industrialisierung stets bekämpft wurde. Was nicht vordergründig der Industrie, der profitablen Innovation, der Perfektionierung von Waffensystemen, dem wirtschaftlichen Aufstieg und im Konkurrenzkampf mit anderen Nationen einen Vorteil verschaffte, stand zu jeder Zeit auf der schwarzen Liste. Die Nationalsozialisten trieben es in Deutschland nachhaltig auf die Spitze und ich behaupte, dass die Nachwirkungen heute noch zu beobachten sind. Wenn ausgerechnet Anhänger von Parteien wie der CDU/CSU, FDP oder der AfD deutsche Intellektuelle mittels Zitieren missbrauchen, geht es für mich regelmäßig ins Bizarre. Für die einen ist das Besinnen auf das Menschliche Ketzerei gegen den Glauben an Wachstum, die Verleugnung eines ihrer Meinung nach existierenden Sozial Darwinismus, Gefahr für die Nation und für die anderen ein Hindernis zur Bildung eines schlagkräftigen geeinten Volks, welches es zu überwinden gilt. Weisheit, Menschlichkeit sind Antagonisten zu Hierarchie und Ausgestaltungen des Kapitalismus beispielsweise in Form des Neoliberalismus. Das Internet und die Digitalisierung hätten ein Segen sein können. Linux! Ohne Hintergedanken an Profit etwas der Gesamtheit zur Verfügung stellen, damit Menschen aus anderen Disziplinen etwas Gutes damit machen können.

Wir müssen keine Prognosen mehr erstellen was mit dem von mir beschriebenen Fahrzeug passieren wird. Wir können sehen, gegen welche Bäume die Karre fahren wird bzw. schon gefahren ist. Technik und Maschinen verändern sich, der Mensch bleibt bei den Prinzipien, die die Entwicklung zu dem was er ist, möglich machten und die physiologischen Voraussetzungen haben sich in mehreren 100.000 Jahren unmerklich geändert. In der Theorie ist jeder dazu in der Lage mittels Großhirn Vernunft und Verstand walten zu lassen. Praktisch wird alles dran gesetzt, dass dies nicht passiert. Neben den gezielten Maßnahmen zur Umgehung, kommen noch die Eigenarten des Prozesses hinzu. Welch katastrophale Folgen die haben können hat 1974 ziemlich nachdrücklich Regisseur John Carpenter im Film „Dark Star“ im Enddialog mit #Bombe20 dargestellt.

Für die Jüngeren in Kurzfassung: Drei Raumfahrer irren im Weltraum herum und zerstören potenzielle Bedrohungen für die Erde. Hierfür haben sie intelligente Bomben dabei. Besagte Bombe20 kann nach Erhalt des Befehls zur Detonation nicht ausgeklinkt werden. Um die anstehende Katastrophe abzuwehren verwickelt Captain Doolitle, Kommandeur nach dem Tod des eigentlichen Kapitäns, die Bombe in ein philosophisches Gespräch über Phänomenologie. Was anfangs funktioniert und dann am Ende doch schief geht – die Bombe explodiert.

Ein neueres Beispiel für das, was um uns herum geschieht sind die Geschehnisse, welche unter dem Namen „Pizza Gate“ bekannt wurden. Ausgehend von 4chan und Reddit, verselbstständigte sich eine vollkommen irre Geschichte, der nach Menschenhändler bei Bestellungen Codewörter benutzen würden, die normalerweise bei Pizza Bestellungen eine Rolle spielen. 2016 hatte sich die Nummer über mehrere Millionen Menschen ausgeweitet und wurde dabei immer abstruser. Unter anderen wurde behauptet, dass Lady Gaga, Obama und Hillary Clinton am Menschenhandel beteiligt wären. Die völlige Eskalation ergab sich dann mit einem Typen, der bewaffnet aus dem Keller einer Pizzeria entführte Kinder befreien wollte. Fun Fakt: Der Laden hatte nicht einmal einen Keller. Im Prinzip ist die Pizza Gate Geschichte die Basis für den QAnon – Schwachsinn, dem der Koch Attila Hildmann und der Sänger Xavier Naidoo anhängen.

Früher nannten sich solche Geschichten „urban legends“ oder Urbane Legenden. Rolf Brednich fasste 2007 einiger dieser Geschichten im Buch „Die Spinne aus der Yukka Palme“ zusammen. Es ist nicht auszuschließen, dass heutzutage tatsächlich eine tropische Spinne aus einer Obstkiste krabbelt. Doch den kursierenden Geschichten nach, erleben wir seit 2000 eine wahre Invasion. Zu Pizza Gate passend wurde damals verbreitet, dass Kinder aus dem IKEA „Bälleparadies“ von Menschenhändlern entführt wurden, die dann aber im letzten Moment noch von aufmerksamen Passanten befreit werden konnten. Seltsamerweise war es immer Bestandteil der Geschichte, dass den Kindern die Augenbrauen abrasiert wurden. Manche der Geschichten kursierten schon in den 90gern. Einige hatte ich damals auf meiner Internetseite gesammelt. Das Schema ist immer identisch. Eine angeblich zuverlässige Quelle, die einem sehr guten Bekannten zugänglich ist, berichtete von dem ungeheuerlichen Sachverhalt. Einmal wurde ich allerdings überrascht. Es ging um die bereits seit Jahren kursierende unappetitliche Story, in der Pizzabäcker auf Pizzen onanieren. Je nach Erzähler wurde das Motiv ausgetauscht. Ich war dann einigermaßen perplex, als mir ein Kollege voller Überzeugung sagte, dass die Vorschicht eine Pizzalieferung im Labor untersuchen ließ und sich Sperma darauf befunden habe. Dies zu einer Zeit, in der man bei der Polizei locker zwei Wochen auf ein Laborergebnis warten musste!

Aber Pizza Gate war Kinderkram gegen die Vorgänge in Myanmar. Die Radikalen, bemerkenswerterweise sich selbst als Buddhisten sehenden Kräfte, nutzten Facebook zur Verbreitung ihrer Hass – Tiraden gegen die Rohingya, während Facebook die Organisationen der Rohingya blockte. Eine Welle der Gewalt ging durch das Land. Wenn auf diese Art und Weise ein buddhistisches Land in Gewalt versinkt, was muss ich mir langfristig für andere Staaten ausmalen? In Deutschland haben sich mittlerweile nahe alle politischen Parteien inklusive der das Internet nutzenden Medien am Prozess der Demontage des menschlichen Status der Frauen, Männer, Kinder, welche in Lagern ausharren, beteiligt. Zuerst wird ein Begriff gefunden, der die Individualität raubt und den Menschen zu einem Verwaltungsbegriff werden lässt. Flüchtling! Der gibt nicht einmal mehr Auskunft über die Herkunft. Im zweiten Schritt wird der Begriff mit etwas Bedrohlichen kombiniert. Flut, Katastrophe, Kontrollverlust.

Letztens las ich einen Beitrag, in dem sogar der Dalai Lama bemüht wird. Er wurde von der BBC im Juni von Rajini Vaidyanathan interviewt und u.a. zum genannten Thema befragt.

Der Dalai Lama sagt daraufhin zur Reporterin: „Die europäischen Länder sollten diese Flüchtlinge aufnehmen, ihnen Bildung und Training vermitteln. Das Ziel sollte sein, dass sie in ihr eigenes Land zurückkehren.“ 

Die Reporterin fragt, was denn sei, wenn diese Flüchtlinge in Europa bleiben wollen würden, ob sie das nicht dürfen sollten? 

Der Dalai Lama sagte: „Eine begrenzte Anzahl ist in Ordnung. Aber dass ganz letztendlich Europa ein muslimisches Land wird? Unmöglich. Oder ein afrikanisches Land? Auch unmöglich.“ Die Reporterin sagt, was daran falsch sei, der Dalai Lama sei doch selbst ein Flüchtling. Der antwortet darauf: „Sie [die Geflüchteten] sollten besser in ihrem Land sein. Das ist besser. Lasst Europa den Europäern.“ 

https://correctiv.org/faktencheck/migration/2019/07/05/was-der-dalai-lama-ueber-migration-und-zuwanderung-in-europa-sagt/

Für Europäer ist der Dalai Lama die Analogie zum Papst. Die Friedfertigkeit in Person, von den Chinesen vollkommen missverstanden und bei einigen Esoterikern, so etwas wie dieser Welt vollkommen Entrücktes. Nein! All das ist er nicht. Er ist das Oberhaupt einer konkreten buddhistischen Schule aus Tibet. Ein Mensch, der in einer Interpretation des Buddhismus unterrichtet wurde, aber sich zeitlebens gegenüber westlichen Politikern, Wissenschaftlern, aufgeschlossen zeigte. Doch er ist auch Vorstand einer buddhistischen Sekte, die den Buddhismus für die Errichtung eines hierarchischen Systems, in dem Mönche an der Spitze stehen, nutzte. Begonnen hat das alles mal mit einem mongolischen Kahn, der seine Macht in Tibet ausbauen wollte. Und immer mal wieder bewegt sich der Dalai Lama auf ziemlich dünnen Eis. Zum Beispiel, wenn er offensichtlich nicht begreift, wer ihn teilweise einlädt und für welch seltsame esoterische Bewegungen er missbraucht wird. Doch all das ist nicht von Interesse, wenn ich ihn für meine Zwecke benutzen will. Die Botschaft ist simpel: Dieser friedliche spirituelle Mann hat gesagt, dass die beizeiten alle wieder dahin zurück müssen, wo sie geboren wurden. So what? OK! Die Aussage gilt selbstverständlich nicht für Leistungsträger, die unsere Nation nach vorn bringen. Auch da hilft die Geschichte. – Es ist nicht schlimm, dass sie die Nazis unterstützt haben. Sie können Raketen und Atombomben bauen. Wie wir das verkaufen, ist nicht ihr Problem. – Das Interview mit dem Dalai Lama hat sich längst verselbstständigt und wird ohne die hier genannten Hintergründe manipulativ verbreitet.

Was einst alles mal mehr oder weniger harmlos begann, ist zu einem beängstigenden Problem geworden. Durch die Entwicklung der Social Media und des Internets hat sich nicht nur alles ausgebreitet, es wird auch gezielt eingesetzt. Aktuell erleben wir ausgerechnet in einer Pandemie, wohin das führt. Zu den Plattformen kommen noch die Messenger Dienste hinzu. Aus Interesse habe ich bei Telegram zwei Tage lang sporadisch mitgelesen. Es ist unfassbar und kaum erträglich. Doch hierdurch ein wenig aufmerksamer geworden, habe ich einen Versuch unternommen. Ich gab bei Google, Metager und DuckDuckGo unter Verwendung von TOR Suchanfragen zu den Themen Klima, Künstliche Intelligenz und Corona ein, wobei ich viele Male neue Identitäten verwendete. Für diejenigen, welche sich damit nicht auskennen. Bei TOR hat keiner die Chance zu erkennen, wer da gerade und wo jemand im Internet unterwegs ist. Bei jeder Identität landet man weltweit woanders. Die Suchmaschine hält einen mal für einen Türken und beim nächsten Mal für einen Inder. Auf die Anfrage hin „Clima Change is …“ kamen in der Vervollständigung jedes Mal andere Vorschläge. Von „Toll, dann erfriert keiner mehr, also hält es sich die Waage mit den Hitzetoten“ bis zu „Katastrophe“ war alles dabei. Genauso verhielt es sich bei den anderen Themen. Entweder Corona hatte es niemals gegeben oder die Pandemie war längst erledigt. Passend hierzu bekam ich die irren Statements von Donald Trump angeboten.
Selbstkritisch musste ich mich an der Stelle fragen, ob ich wirklich so gut bin, dass ich mich bei normalen Suchanfragen über meinen Standardbrowser selbst unter Kontrolle habe.

Ich denke, die Beschränkung auf zu mir gar nicht passende, vor allem unvermittelt auftretende tendenziöse Nachrichten, würde ich bemerken. Aber was ist mit einem schleichenden langsamen Prozess? Tag für Tag eine Nuance. Recht zuverlässig merke ich, wie der mich begleitende Algorithmus meinen Musikgeschmack genauer analysiert und versucht, mich zart in Richtungen zu schieben. Mein großes Glück dabei ist, dass ich mal mit einem Tonmeister befreundet war, der mir viel über die Funktionsweisen von Musik, Aufbau und Wirkung erzählt hat. Seither weiß ich, das Schlagerkomponisten die Tonfolgen von Kinderliedern verwenden. Ich war auch davon beeindruckt, wie mit Techno – Rhythmen bewusst die Frequenzen von Körpergewebe und Flüssigkeiten angesteuert werden. Hilfreich fand ich letztens auch die Ausführungen von Chily Gonzales über Geschmack und Korrumpierung. Geschmack ist auch ein Zusammenspiel von Haltung und Entscheidung, welcher sich mit zunehmenden Alter festigt. Sich jederzeit der Jugend, neuen Trends anzupassen, alles mitzumachen, bedeutet sich nicht dem zu stellen, was man ist.

Eine Weile lang machte ich mir den Spaß, im Internet abstruse Sachen anzuklicken, bei merkwürdigen Bildern länger zu verharren oder völlig bizarre Produkte zu suchen. Aber dabei ist mir etwas aufgefallen. Was ich da tat, war aktiver Aufwand gegen etwas. Dies erfordert Kraft, Konzentration und Analytik. Ich wehre mich gegen einen Angreifer und dies 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche. Beruflich habe ich gelernt, dass das nicht funktioniert. Selbst der intelligenteste und gerissenste Ganove ist eines Tages überfordert. Dann hat er der Observation nichts mehr entgegen zuhalten und macht Fehler. Immerhin ist der hoch motiviert und plant etwas Verbotenes. Ich hingegen, will einfach nur mein Leben führen, ohne zum Gegenstand, zum Produkt, zur Sache, zu werden.

Gestartet bin ich mal anders. Anfangs sah ich Vorteile. Warum sollte ich mir nicht zu meinem Geschmack passende Musik vorschlagen lassen? Oder was ist gegen Empfehlungen im Dschungel der Produktvielfalt einzuwenden? Wenn ich zu einem guten Herrenausstatter gehe, lasse ich mich auch beraten. Früher, als ich noch Haare hatte, hatte ich nichts gegen einen Tipp für meine Frisur einzuwenden. Ich gehe noch einen Schritt weiter. Ich konnte mich sogar mit dem Spruch „Wer nichts zu verbergen hat, muss die Überwachung nicht fürchten!“, anfreunden. Bis ich eines Tages begriff, dass da mit zweierlei Maß gemessen wird. Es gibt Leute, Gruppen, Vereinigungen, denen darf man auf die Finger sehen und dann gibt es die, welche sich dem entziehen dürfen. Warum? Dann wurde mir bewusst, dass es einfach nicht möglich ist, sich jederzeit konform zu benehmen und ich dieses seltsame Gefühl im Nacken spüre. Aber am schlimmsten war eine ganz andere Überlegung. Wenn ich mich nicht rechtzeitig dagegen wehre und der Fall der Fälle eintritt, nämlich eine Truppe die Kontrolle übernimmt, mit der ich nicht konform laufe, habe ich verloren. Ich gab freiwillig alles an Optionen der Gegenwehr aus den Händen. Und beim Friseur, Schuhverkäufer, Herrenausstatter, steht mir jemand aus Fleisch und Blut gegenüber, den ich einschätzen kann. Vielleicht mag ich sie oder ihn nicht. Mir passt einfach nicht die Ausstrahlung. Egal! Ich habe eine Wahl und eine Chance. Bei dem anderen Kram nicht.

Nein, wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht mehr die Kontrolle. Ich verhalte mich, wie es andere, die ich nicht kenne, wollen. Ich generiere für sie Geld, welches sie sich in die Tasche stopfen. Ich habe nichts dagegen, wenn jemand mit ehrlicher Arbeit sein Geld verdient. Da gehen bereits die Ersten auf die Barrikaden. Was ist denn eine ehrliche Arbeit? Schau Dir Dein Umfeld an, schau in den Spiegel und frage Dich, welchen Beitrag Du mit Deiner Arbeit zum allgemeinen Leben beigetragen hast. Die Produktion warmer Luft mittels Körpertemperatur und das produzieren von Geld aus Geld, ist für mich keine ehrliche Arbeit. Ehrlich kommt in diesem Falle nicht vom Gegenteil illegal, sondern aus der Geschichte der Gesellschaften und leitet sich von: „Es verschafft einem eine Ehre!“, ab. Und ich sehe keinerlei Veranlassung mittelbar Leuten ein Auskommen zu verschaffen, deren Lebensart ich im realen Leben niemals unterstützen würde.

Am 24.12. verspürte ich die Auswirkungen unmittelbar. Ich wartete auf ein für mich wichtiges Paket. Es kam gerade mal noch rechtzeitig an. Trotzdem war ich etwas ungehalten, weil der Anbieter – DHL – nicht eingehalten hat, was bezahlt wurde. Mit dieser Laune traf ich im Laufe des Tages auf einen realen Menschen. Einem, der ebenso wie ich, nichts dafür konnte. Über in der Zahl nicht einzuschätzende Stationen hinweg sind wir beide Opfer. Viel weiter oben, haben Leute, deren Namen sie oder er nicht kennt, an einem Ort, den wir beide noch nie sahen, Entscheidungen über Direktiven getroffen, mit denen wir beide nun leben müssen. Im Internet ist das noch extremer. Wenn ich vor 30 Jahren mit einem Service nicht einverstanden war, gab es eine Telefonnummer. Mit ein wenig Verhandlungsgeschick landete man bei einem Verantwortlichen, bei dem man seinen Unmut loswerden konnte. Vorbei! Wenn man nicht gerade den Server der Firma hackt oder sich per Diebstahl das interne Organigramm besorgt, landet man in einem Online FAQ Bereich oder auf einem Kontaktformular. Für die gut, für einen selbst schlecht. Warum ist das so? Weil man maximal so lange Kunde ist, bis die Überweisung wirksam ist. Altmodische Dinge wie Kundenbindung oder gar Zufriedenheit, werden anders kompensiert.

Das Prinzip lautet User und Dealer! Anfixen, auf Sucht bringen, ab – und zu mal einen freien Schuss verschenken, unwesentlich für ein paar Tage den Preis senken, um ihn dann weit oberhalb des Ursprungs anzusetzen. Jeder der Online geht, ist ein User. Eine Ansammlung von Daten. Die Generation, welche Mitte der 90ger geboren wurde, ist die letzte, von der nicht alles, jeder Lebensabschnitt, jedes unbedacht gepostete Bild, jeder Kommentar zu einem Lebensereignis, für immer im Datennetz gespeichert ist. Wo geboren, welche Kinderkrankheiten, Berufe der Eltern, Schulabschluss, Lebenspartner, Freunde und Bekannte, Vorlieben, Haustiere, Führerschein, Persönlichkeitsentwicklung, Liebesprobleme, exaltiert, introvertiert, depressiv, einfach alles. Die erste Generation, welche es gewohnt ist, dass zu jeder Zeit und auf alles, irgendwo da draußen einer oder eine reagiert und mit einem „Like“ reagiert, ist mittlerweile voll berufstätig. Dopamin Junkies! Das ist gruselig. Wie soll jemand noch für sich selbst feststellen, dass es sich um einen echten persönlichen Erfolg handelt? Oder nehmen wir gestern. 24.12., Weihnachten. Eine Rundmail folgt der anderen. Woher weiß man noch, wer wirklich an einen gedacht hat? Heute einen Tag später, verweigere ich mich immer noch. Ich habe auf gerade mal drei Nachrichten reagiert. Nicht aus Desinteresse! Es war einfach der Beschluss, nicht mitzumachen. Aber ich werde in den nächsten Tage ein paar Leuten schreiben, für die ich mir dann richtig Zeit nehme. Der neue Trend unter den Älteren ist ohnehin das kostengünstige Telefonieren. Auf die Art erfuhr ich davon, dass in Sachen Impfung die Inder den Deutschen vermutlich deutlich voraus sein werden, weil sie mit den Engländern zusammen arbeiten und in der Nähe von Mumbai die weltweit größten Produktionsstätten für Impfstoffe haben. Ein Umstand, der mir bisher nicht eingeblendet wurde.

Bei Google, Facebook, Twitter, verdienen Leute ihr Geld damit, in dem sie genau solche Dinge, wie Umfragen, Like – Button, Emojis, das Reagieren mit bewegten Gif’s, passenden Bildern, Videos zu Feiertagen, zur Suchtsteigerung und damit zu längerer Online – Zeit, die wiederum Profit bei Werbekunden erzeugt, entwickeln. Für die ist jeder User nicht mehr oder weniger, denn eine namenlose Laborratte. Will ich das? Für meinen Teil: ein klares Nein! Ein völliger Ausstieg ist nicht machbar. Aber ich kann versuchen, das Internet und die Möglichkeiten, welche sich hierdurch bieten, wieder zu einem Werkzeug werden zu lassen, welches ich kontrolliere und nicht es mich. Mit sofortiger Wirkung habe ich alle Social Media Apps von meinem Smartphone verbannt. Recherchen finden nur noch über TOR statt. Youtube wird von mir so weit es geht gemieden und wenn, dann sehe ich mir nur gezielt Beiträge an, die ich in Media Theken nicht finde. Ernsthaft? Youtube ist bedingt durch die Anzahl der Werbeeinblendungen nicht mehr zu ertragen. Aber hier gilt die Aussage: „Wenn Du für etwas nicht zahlst, bist nicht Du der Kunde, sondern Du bist das Produkt.“

Was bleiben wird, ist die Nutzung von Twitter zur Verbreitung von BLOG Beiträgen. Warum sich dieser Möglichkeit berauben? Früher musste ein Zeichner oder freier Autor durch die Kneipen ziehen, wenn er seine Werke unter die Leute bringen wollte. Sich außerhalb des bestehenden Systems zu stellen, funktioniert nicht von heute auf morgen und eine vollständige Deinstallation ist nach 20 Jahren exzessiver Nutzung nicht möglich. Gerade in den letzten fünf Jahren habe ich ordentlich Gas gegeben. Selbstkritisch gesehen, für meinen Geschmack viel zu viel. Allein schon die Wirkung auf mein Verhalten in den vergangenen zwei Tagen, also nach Deinstallation der App’s und Schließung meines Facebook Accounts, zeigt mir, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Es gibt keinen Grund mehr, ständig auf das Display zu schauen. Dies macht den Weg für eine ganze Kette von anderen Verhaltensmustern frei, die ich seit Ende der Achtziger gar nicht mehr hatte. Na mal sehen, wo diese Reise hingeht.

Dezember 23 2020

Eine alte Geschichte erinnert …

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„Können sie noch einen Auftrag übernehmen?, schnarrte es metallisch aus dem Lautsprecher im Fahrzeug. Es war irgendwann in den 90gern. Ich glaube mir ging durch den Kopf: „Wenn ich jetzt Nein sage? Was passiert dann?“ Nein, es waren nicht die 90ger. Die Mauer stand noch. Ich war noch grün hinter den Ohren. Erinnerungen kommen zurück. Direktion 3! Da wo das Leben tobt. Moabit, Charlottenburg, der Kurfürsten Damm, Stuttgarter Platz, Rot Licht Milieu, das volle Programm. Meine Güte, war ich damals motiviert. „Sag mal hast Du im Hintergrund auch gehört, was ich gehört habe?“ frage ich meinen Teampartner. Mindestens genauso naiv wie ich. „Machen die immer in der Weihnachtsspätschicht!“, antwortete ich. Der abgebrühte Hund in seiner zweiten Weihnachtsschicht. „Was?“, fragte mein Partner „Na, sich einen Porno reinziehen!“ Kann man mal machen, dachte ich mir, verkniff mir aber jeden Kommentar. Ein Jahr! Nicht mehr als ein Jahr. Aber es war ein Jahr mit Leichen, Mord, Totschlag, Vergewaltigungen, Blut, Gestank, Schicksalen, gewesen. Später nannte ich dieses Jahr „Grundtraumatisierung“. Die benötigst Du als junger Großstadtpolizist. Danach wird es leichter. Eine ist aus dem Fenster gesprungen. Der nächste hat sich mit dem Küchenmesser alles was ihm an seinem Körper nicht gefiel abgeschnitten. Thats the real Life! Willkommen bei der Kripo Berlin. 86? 87? Ich hab es vergessen. Irgendwann nach dem Praktikum. Nach der Urkunde? Wahrscheinlich!

„Hast Du die Adresse?“ „Ja, ist nicht weit von hier.“ Ich denke, es war ein Altbau, sehr gepflegt, eine von den besseren Adressen in der Gegend. Wahrscheinlich kann ich mich deshalb erinnern. Ein Blick auf das Klingeltableau, der Name wie immer ganz oben rechts. Schutzmannsparterre! Wie üblich, also Treppen steigen. Oben an der Tür empfing uns ein älterer Herr. Komisch, dass weiß ich noch ganz genau. Irgendwie hatte er etwas von meinem damals noch lebenden Großvater. Er war blass und sein Gesicht zeigte Züge von äußerster Beherrschung. Wir sollten herein kommen, seine Tochter würde in der Küche warten. Eine schöne Wohnung, aufgeräumt, teurer Teppich, klar und sauber strukturiert. Am Ende des Flures ein Wohnzimmer in dem ein geschmückter großer Weihnachtsbaum stand.

Am Küchentisch saß eine Frau. Vielleicht so etwas um die vierzig Jahre alt. Blick starr vor sich hin. Was auch immer gerade in ihrem Kopf vor ging, ich will mich nicht damit beschäftigen. Neutralität, Professionalität, keinerlei Emotionen zeigen ist in solchen Lebenslagen angesagt. Der Vater erklärte, wer wir sind und holte sich von seiner Tochter das Einverständnis alles Weitere zu übernehmen. Er ging mit uns in den Flur und zeigte auf eine Tür. Wir gingen hinein. Ich machte erst das Licht an, als die Tür wieder verschlossen war. Ein Arbeitsraum, vor dem Fenster ein Schreibtisch. Dahinter ein Fenster. Dort hing er. Er hatte sich mit seiner Krawatte an den Fenstergriff gehangen, eigentlich ein Klassiker. Ich glaube, das Ding war rot und hatte irgendein weißes Muster. Ich betrachtete den Erhängten näher.„Ich halte und Du schneidest ihn ab!“ Dann machte ich eine Pause und setzte hinterher: „Denk dran, nicht vorne stehen!“ Es gab keine Anzeichen, dass jemand nachgeholfen hatte. Ein ganz normales Familien – Drama zu Weihnachten. Zu viele Schulden, kein Geld für Geschenke, entfremdete Kinder aus der ersten Ehe, falsche Worte? Wer weiß schon, was in einem Selbstmörder am Ende vor geht. Gibt es ein Warum? Keine Ahnung? Wollte ich es wissen? Nein, ich wollte das nicht wissen. Depressionen? Schulden? Er wird seine Gründe gehabt haben. Ich wollte aus solchen Nummern immer nur heraus. Ich stellte die üblichen Fragen. Hatte er Depressionen? Nahm er Medikamente? Hat er noch etwas gesagt? Dann passierte etwas, was sich einbrannte. Eins dieser Bilder, die immer wieder kommen, wenn man mal auf einer Parkbank sitzt und zur Ruhe kommt. In der Tür steht plötzlich ein kleines Mädchen. Höchststrafe! Wir schauen alle hilflos. Der Vater der Witwe reagiert und nimmt die Enkelin auf den Arm und geht mit ihr zu den Geschenken am Baum. Ein schöner Baum! Groß, weiß, mit vielen Lichtern. Die Mutter des Kindes fragte mich, was Sie denn jetzt machen muss. Ich sagte ihr, dass sie ein Bestattungsinstitut anrufen muss. Welches sie denn anrufen soll, ob ich Erfahrungen hätte. Ich durfte ihr keines nennen. Es war sinnlos ihr in diesem Moment etwas über Bestechlichkeit zu erzählen, deshalb fragte ich nach einem Telefonbuch und schlug die passenden Seiten auf. Ich wollte dort weg. Noch ein paar Worte, leise gesprochen und raus. Damals bekam man noch ein Disziplinarverfahren, weil man von einem Bestatter einen Kugelschreiber bekam. Na ja, der Preis der Bestechlichkeit ändert sich mit dem Dienstgrad. Jahre später sagte ein Kriminaloberrat zu mir, dass sich Bestechlichkeit mit der Gehaltsklasse verrechnet. Kaum einer könnte ihm unterstellen, dass er mit einer kostenlosen Nummer im Bordell zu bestechen wäre, weil er die locker alleine bezahlen könnte. Die Logik hat etwas.

Wieder auf der Treppe. Endlich wieder tief durchatmend unterbrach mein Teampartner die Stille „Auch eine Form Weihnachten abzuhängen, oder?“ Ich musste dann doch grinsen. Die Anspannung löset sich ein wenig. „Fahren wir noch was Essen?“ Ich stimmte zu, das würde die Gedanken vertreiben. Ich starrtte aus dem Seitenfenster. Am Bahnhof – Zoo sah ich einen Obdachlosen unter der Brücke an der Hardenbergstrasse. „Halt mal an!“ forderte ich meinen Partner auf. Ich ging zu dem Mann und legte behutsam einen großen Schein vor ihn hin. „Was hast‘ n gemacht.?“ , fragte mich mein Partner. „Nichts! Ich finde wenigstens einer sollte heute Nacht Weihnachten haben!“

Man mag es glauben oder nicht. Immer wenn ich zur Weihnachtszeit am Rathaus Spandau von den Arkaden zur Bushaltestelle laufe, denke ich an diese alte Geschichte. Es ist verdammt lange her. Aber es gibt diese Geschichten, die sich einem einprägen. Warum auch immer dies so ist.

Dezember 23 2020

Die seltsame Art Freundschaften zu schließen …

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Ich glaube, es war an einem Sommertag. Mit einer eigens gekauften Sporttasche stand ich irgendwo in Bayern vor einem langgestreckten Gebäude. Vor mir eine automatische Schiebetür, hinter der irgendetwas lag, was ich nicht einschätzen konnte. Ich stellte die Tasche neben mich und zündete mir eine Zigarette an. Es stand zu befürchten, dass ich da hinter dieser Tür nicht mehr rauchen dürfte. Es sollte sein, es musste sein – ich kam nicht daran vorbei. Das waren die Spielregeln. An eine Hilfe glaubte ich nicht. Alles würde sich irgendwie alleine regeln. Manches kommt von alleine und geht auch wieder von alleine. Ja, ich hustete. Ja, ich hustete und übergab mich dabei. Egal, wo ich gerade war. Entscheidend war, dass mir etwas nicht in den Kram passte. Im Berliner Volksmund sagt man dazu: Mich kotzte alles an. Der jahrelang herunter geschluckte Dreck musste irgendwie heraus. Soweit ich mich erinnern kann, war es warm. Wie lange ich dort vor dieser Tür stand, weiß ich nicht mehr.

Irgendwann ging ich durch die Tür und landete in einer psychosomatischen Klinik. Die Höchststrafe am Ende einer Geschichte, die eines Tages anfing und hier in dieser Klinik weiter ging. Ein Ende fand? Nein, dazu kam es nicht. Davon wusste ich an diesem Sommertag aber nichts. Hinter dieser Schiebetür fanden viele Dinge statt, zu denen es noch einiges zu schreiben gilt. Innerlich merke ich, dass langsam der Zeitpunkt kommt, darüber schreiben zu können. Vielleicht ist dies hier ein Anfang. Doch darum soll es nicht gehen. In der Klinik gab es eine Regel. Neue wurden von jemanden eingeführt, der schon etwas länger da war. Bei mir war es eine wirklich nette Lehrerin, die mir einen Benachrichtigunsgzettel an der Tür hinterließ. „Melde Dich nach dem Essen!“ Andere Geschichte! Eines Tages gab es auch für mich einen Neuen. Ich halte nicht viel von dem Begriff Schicksal, aber vielleicht sollte ich mich bei ihm mit einer Ausnahme anfreunden. Chris! Deutsch – Amerikaner, Lehrer, Musiker, interessante Familiengeschichte. Eigentlich ein Typ Mann, mit dem ich schwer umgehen kann. Eine Spur zu empfindsam, zu verständnisvoll, zu selbstkritisch, zu weich und schlicht zu nett. Ich kann nette Menschen nicht ausstehen. Sie bringen mein Weltbild durcheinander. Diese Ausnahmen, welche die Regel bestätigen. Uneigennützig, begeisterungsfähig, hinterfragend, selbstkritisch und auch auch noch talentiert – kurz um, alles was mir Angst macht, in einer Person. Als er nicht mehr der Neue war, bekam ich noch einen weiteren zugeteilt. Der bekam eine ganz andere Einweisung. Chris und ich waren auf die Idee gekommen, „Einer flog über’s Kuckucksnest“ eine neue Version zu geben. Wir brachten Schilder an. „Bitte, nicht stören! Lobotomie“ oder „Schreie ignorieren, Elektrotherapie“. Die erste Führung endete dann in dem kleinem zur Klinik gehörenden Schwimmbad. Chris sprang nur mit einem Handtuch bekleidet hervor und schmetterte das „Phantom in der Oper“. Ich gebe zu, dass ich nichts von seiner Textsicherheit und von seinem Musical – Talent wusste. Jedenfalls war Herbert, der Neue, unser Opfer, späterer Begleiter, schwer beeindruckt.

Meine Tage in der Klinik hatten eines Tages ein Ende. Trotz aller Geschichten, die ich dort erleben durfte, kann ich sie therapeutisch nicht empfehlen, insofern bleibe ich auch den Namen schuldig. Mit Kandidaten wie meiner Wenigkeit, und anderen, denen sie Hilfe in Aussicht stellen, sind sie schlicht überfordert. Sie werben mit Hilfestellungen für Soldaten und Polizisten aus allen Bereichen … na ja … Stabs – Beamte mag funktionieren, alles andere sollten sie überdenken. Der einzige, dem ich mich wirklich verbunden fühlte, war ein ehemaliger Verdeckter Ermittler, vor dessen Augen sich ein Kollege in den Kopf schoss. Dieses Ereignis stellte eine Verbindung zwischen uns her. Chris fragte mich damals unter etwas speziellen Umständen, welcher Song mich ein Leben lang begleitet hätte. Ich nannte ihm den „Piano Man“ von Billy Joel. Dieses Lied ist einfach mein Leben, seit ich halbwegs auf eigenen Beinen stehe. Frauen und Männer in einer Bar, die ihr Leben immer einen Tick unterhalb des Sprungs zur Normalität des Bürgertums geführt haben. Gin Tonic, Cuba Libre, Jägermeister, eine Schultheiß – Bombe und manchmal einen Vodtka – polnisch oder russisch? Ich, der immer einen frei hatte, weil ich alle inklusive des Chefs kannte. Der Typ, welcher immer dabei ist, aber komischerweise doch anders und der Beobachter des Geschehens ist. Eine Eigenschaft, die mir später bei sehr speziellen Aufgaben zuträglich war.

Genau diesen Song spielte dieser … jeder kann sich einen Kraftausdruck selbst ausdenken … als ich ging auf dem Piano und schmetterte ihn ziemlich textsicher, nachdem mich ein ehemaliger Offizier der Carabiniere und Mafia – Jäger an meine emotionalen Grenzen gebracht hatte. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Typ mit sang. Nebenschauplatz: Ich habe danach den Song nochmals in einer Bar in Bangkok mit einem Thailänder gesungen, der großer Fan von Deep Purple ist, aber in seiner Bar kaum noch Alkohol bekommt, weil er dann immer schlechte Gitarrensolo spielt und seine Zahnprothese verliert. Aber auch darum soll es nicht in diesem Beitrag gehen. Dieser Chris, ist etwas Besonderes. Ich habe redlich versucht mich ihm gegenüber zu benehmen, wie eine tiefgefrorene Rinderhälfte in einer Lagerhalle am West – Hafen. Aber das Problem mit solchen Typen ist, dass man sie nicht los wird. Sie können Dinge, die ich nicht kann. Empathie und so etwas wie eine Freundschaft zu lassen. Ich kann das nicht leiden. Jemanden wie mich ruft man an, wenn man in Schwierigkeiten steckt. Ich kannte mal einen, dessen Freundin sagte: „Mit dem triffst Du Dich nicht mehr, danach bist Du immer so rebellisch!“ Das ist vorbei. Ein anderer mochte mich nicht mehr, weil sein Sohn feststellte, dass er noch eine Schwester hat und unterstellte mir, dass ich ihn verriet. Was nicht der Fall war. Sein Sohn heulte sich bei mir aus, weil sein Vater noch übler und härter war, als ich. Alles Geschichte! Ich habe nicht um Erlaubnis gefragt, aber Chris, dieses kreative Genie hat ein Hörspiel aufgenommen, zu dem ich ihn inspiriert habe. Und das ist so gut, dass ich es niemanden, der diesen BLOG liest vorenthalten möchte. Viel Spaß damit:

Trollis Weihnachtsgeschenk … Copyright by Chris

Dezember 22 2020

Polizisten a.D. halten die Fackel in die Benzinlache …

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Aktuell befindet sich ein Verein in der Gründung, deren Mitglieder sich den Namen Polizisten für Aufklärung gegeben haben. Als ich den ersten Tweet hierzu sah, dachte ich noch, dass sich die AfD einen neuen Propagandaschachzug ausgedacht hat und versucht sich der Polizei zu bemächtigen. Das ist nicht neu. Genau genommen, ist es sehr alt. Sich einer Gruppe, also den Arbeitern, den Soldaten und den Polizisten zuzuwenden ist mindestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts immer wieder praktiziert worden. Wer steckt dahinter? Erkennbar zunächst einmal ein 49 jähriger außer Dienst gestellter Polizeihauptkommissar und ein etwas prominenterer pensionierter Polizeihauptkommissar aus München namens Karl Hilz. In der Vergangenheit engagierte er sich in einer frei Wählergemeinschaft und wird bereits seit einiger Zeit durch die Medien gezogen. Mit der Protestbewegung gegen Corona – die längst dieses Terrain verlassen hat – scheint er für sich die passende Bühne gefunden zu haben.

Vorab möchte ich klar sagen, dass ich diesen Mann für brandgefährlich halte. Er kommt bürgerlich daher. Eben als untadelig pensionierter Hauptkommissar, dem Verunsicherte zu hören. Ich hatte gerade letztens selbst ein Erlebnis in dieser Richtung. Eine Nachbarin kam vorbei und fragte mich nach meiner Meinung zu Corona und dem Drumherum. Ich sei doch nicht auf den Kopf gefallen, wäre immerhin bei der Polizei Hauptkommissar gewesen und ich solle doch mal ein Statement ablassen. Es fiel nicht ganz aus, wie sie es sich vorgestellt hatte. Impfen? Ja, natürlich! Maßnahmen? Ja! Viren und Pandemien sind Begleiter der Menschheit. Auf der einen Seite haben wir die Ausgangslage der Wohlstandsgesellschaften. Wenn wir uns schon für diesen Wohlstand entscheiden, sollten wir ihn auch nutzen. Die ärmeren Staaten befinden sich in einer vollkommen anderen Position. Bei uns existiert die Möglichkeit ein Verhältnis zwischen Intensivmedizin, Erkrankten, Problemfällen, Gesunden, Bettenkontingenten und Aufrechterhaltung der Behandlung anderer Krankheiten, herzustellen. Jedenfalls, wenn alle mitmachen. Alle die dagegen reden, sehen alles ausschließlich aus der Perspektive eines Menschen, der das Glück hatte, in einem warmen kuschelweichen Wohlstandstaat geboren zu sein.

Zurück zum Verein. Auf der Seite wird auf eine Rede verwiesen, die Herr Hilz auf einer dieser zahlreichen Demonstrationen hielt. Schnell wird klar, dass es ihm nicht um Corona geht. Nachdem er seinen Einstiegstrumpf „Ich bin Hauptkommissar a.D. und habe immer für die FDGO gekämpft!“ ausgespielt hat, versucht er noch ein wenig Sympathie bei den eingesetzten Beamten/innen zu erzeugen. Dann landet er beim politischen Establishment und der Organisierten Kriminalität (OK). Die paar Rocker oder kleinere Gruppen wären gar nicht die richtige OK, sondern die Richtigen versuchen sich in die Politik und Wirtschaft einzugliedern. Die säßen ganz wo anders. In der Bundesrepublik Deutschland wären Gesetze erlassen worden, die diesen Leuten entgegen kommen und die Politik ist auf allen Ebenen beteiligt.

OKay! Rhetorik! Er hat seinen „Opener“ gebracht. Auf diesen Zug können diverse Kriminalbeamte aufspringen. Die Aussage ist korrekt, lässt sich belegen und ist Gegenstand einer lang andauernden Debatte. Das ist ausbaufähig und landet nach einigen Bier unter Umständen in einer Kapitalismuskritik. In die gleiche Richtung geht sein zweiter „Opener“, welcher an die vermutlich ebenfalls anwesenden ehemaligen Bürger der AfD gerichtet ist. Zur Wende wurden die Bürger aus der DDR über das Ohr gehauen, wurden die Opfer der OK und der Politik. Auch da kann ich nicht widersprechen. Ich weiß nicht, ob der Mann sich darüber klar ist, dass er hier der Rhetorik von Gregor Gysi 1:1 folgt.

Es folgt ein Aufruf zur demokratischen Beteiligung, da die mangelnde Beteiligung zu den von ihm vorher geschilderten Auswüchsen führte. Ab hier wird es schwierig. Klar und deutlich leugnet er die Existenz des Virus, bzw. das bestehen der pandemischen Lage. Alles in dieser Richtung wurde aus seiner Sicht mehr oder weniger erfunden, ist vorgeschoben und dient der Bevölkerungskontrolle. Alle „Religionen“ sollen Weihnachten feiern, wie sie es gewohnt seien. Das dies ausschließlich Christen tangiert entgeht ihm in merkwürdiger Art und Weise. Außerdem holt er gegen die Impfung aus und bietet Polizisten Schutz davor an, weil es sich um eine Körperverletzung handle.

Ab ins Irrationale

Spätestens hier hat er den Weg des Rationalen verlassen. Bewusst oder unbewusst? Also benutzt er die Impfgegner – Bewegung oder ist er Teil? Er zieht die Karte „Gen – Manipulation“. Er könne nicht verstehen, wie man einerseits Gen – Manipuliertes Essen ablehne, sich aber einen Impfstoff aus dieser Richtung spritzen lassen könne. Ein Polizeihauptkommissar ist ein Polizeihauptkommissar, mit Sicherheit kein Wissenschaftler, kein Virologe und kein Arzt. Letztere Fraktion hat er sich bisher als Sponsoren für den Verein gezogen. Wie sagte mal ein Freund: „Eins ist doch festzustellen, Ärzte sind grundsätzlich ehemalige Studenten – und wie wir diese einzuschätzen haben, wissen wir.“ Das Studium liefert die Basics, dann folgt der lange Weg über viele Stationen, an deren Ende eines Tages eine gute/r Ärztin/Arzt steht. Medizin ist auch die Geschichte der ständigen Weiterentwicklung, der es schwer ist, über lange Jahre hinweg zu folgen. Polizisten fällt es schwer genug, immer auf der Höhe der Zeit zu bleiben und alle Gesetzesänderungen mitzubekommen, wie mag es da erst einem hochspezialisierten Internisten gehen?

Und werter Herr Ex – Kollege und ebenfalls pensionierter Polizist: Ob eine Polizistin oder ein Polizist eine Gute oder ein Guter wird, entscheidet sich nicht auf der Fachhochschule oder kurz danach, sondern nach sehr vielen Jahren. Und entgegengesetzt zur alten deutschen Annahme „der Deutsche Offizier kann alles!“, schreiben wir das Jahr 2020, nach dem Kaiserreich, nach dem Dritten Reich und auch nach den Fünfzigern der alten Republik. Diese Aussage stimmte damals schon nicht und ist definitiv nicht inhaltsreicher geworden. Das verändern der Gene ist bei Impfstoffen schon sehr lange der Fall. Mein Herr, sie befinden sich etwa auf dem Stand der ausgehenden Siebziger oder anders, auf dem Stand der letztlich mit sich selbst sprechenden Szene, welche aus Homöopathen/innen, Esoterikern im geläufigen Sinne, Anthroposophen, New Age – Bewegung, Shamanisten u.s.w., besteht. Im übertragenen Sinne eine Art Sekten – Bewegung, die sich gegen alles richtet, was als Medizin erachtet wird, und von ihnen mit dem Kampfbegriff „Schulmedizin“ belegt wurde. Deren Argumentationskette ist wunderbar kompatibel. Mit Medizin und Pharmakologie ist Geld zu verdienen. Also gibt es eine „Mafia“ die sich an den Kranken und den bereit stehenden Geldern kriminell bedienen.

Sie verschweigen dabei geflissentlich, dass auch die Hersteller der sog. „Alternativmedizin“ (auch ein propagandistischer Kampfbegriff) fleißig Profit machen und eine homöopathische „Erstanamese“ bei einer/einem ambitionierten Laien der Körperkunde gibt es erst ab 100 EUR aufwärts. (Nein, ich war nie Patient – ich habe für jemanden anders die Rechnungen geschrieben).

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte

Als ich mir die Rede ansah und die Seite des Vereins aufrief, fragte ich mich sofort nach der Geschichte hinter der Geschichte. Frust, Unzufriedenheit, Status und Identitätsverlust nach der Pensionierung. Eben noch von der Gesellschaft enttäuschter weisungsbefugter Dienstvorgesetzter und plötzlich nur noch enttäuscht. Da fühlt sich so eine Bühne verdammt gut an. Der Verein ist eine Aufgabe und zugleich Identitätsstiftend. Eins hat er verdrängt oder setzt darauf. Die, welche da vor ihm stehen und ihm zuhören. Wo will er hin? Wo wollen die hin? Er findet Worte für eine demokratische Beteiligung, will aber gleichzeitig alle Politiker vor einen internationalen Gerichtshof zitieren. Umsturz? „Demokratische“ Revolution? Schwer zu sagen. Das ist bei Leuten, die gegen etwas oder mit dem Bestehenden unzufrieden sind, aber keine brauchbare Alternative anbieten, immer schwer herauszubekommen. In der Regel heulen sie nachträglich, wenn sie sehen, was sie angerichtet haben.

Was ist an ihm und dem Verein gefährlich?

Gefährlich? Die Zuhörer sind dankbar für Autoritäten, jenseits der installierten Autoritäten. Sie folgen der Logik eines Kindes. Die Erwachsenen haben hier und dort gelogen, also lügen sie auch bei allen anderen Dingen. Doch sie haben auch nicht gelernt, wie man ohne die Autoritäten, auf sich allein gestellt, durch das Leben kommt. Ein Problem, welches die alte Republik seit 1945 und die neue seit 1989 begleitet. Wie von Politikern eines Formats wie Herbert Wehner, Willy Brandt und auch noch Helmut Schmidt befürchtet, haben die Autoritäten der politischen Führung ihre Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit eingebüßt. Begleitet ist dies von einem Ideologieverlust der Parteien, ersetzt durch 100 % wirtschaftliches Denken. Typen, wie dieser Hilz bedienen Ideologie und Autoritätssuche der Verunsicherten. Wenn es bei ungebremster Weiterentwicklung zum Brand kommt, steht er da, zuckt mit den Schultern und verschwindet oder zieht sich darauf zurück, dass er zwar die Fackel in die Benzinlache gehalten hat, aber immerhin nicht für die Lache verantwortlich war.

Was wird folgen?

Was die da betreiben findet in einem begünstigenden Zeitgeschehen statt. Die Digitalisierung und die mediale Landschaft bietet denen mit wenig Aufwand eine Verbreitung, wie sie z.B. 1989 den Republikanern nicht einmal ansatzweise zur Verfügung stand. Kaum jemand der üblichen über die Polizei Empörten wird darauf hinweisen, dass es sich bisher um einen frustrierten Pensionär und einen z.Z. vom Dienst suspendierten Polizisten handelt. Der verallgemeinernde Hashtag lautet #Polizeiproblem. Vermutlich werden sie auch wieder die passenden provokativen Formulierungen finden. Ich habe nichts gegen radikale Einstellungen. Radikal ist auch eine Form von konsequenten Leben. Aber Radikalität hat ihre eigenen Dynamiken. Wer mit einer/m Radikalen diskutiert oder debattiert, hat einen entscheidenden Nachteil. Tritt man nicht selbst mit einer geschlossenen Front auf, wird die andere Seite jede Lücke nutzen, hinein stoßen und von hinten herum mit der Demontage beginnen. „Ja, ich räume ein, es gibt den einen oder anderen fehlgeleiteten Geist bei der Polizei. Dies hat oftmals folgenden Hintergrund!“ „Ach! Dann gibst Du also zu, dass es Nazis bei der Polizei gibt? Wie kannst Du wissen, wie viele es sind? Und vor allem, wie kannst Du in dienstlicher Belastung eine außergesetzliche Rechtfertigung für Fehlverhalten akzeptieren, wenn Du als Polizist dies doch anderen nicht zugestehen darfst? Bist Du Polizei und Richter in Personalunion …?“ „Äh …!“ Ich habe diese Debatten unzählige Male geführt.

Polizisten sind kaum oder nur sehr schwer dazu in der Lage, das Bild von der Polizei, welches Außenstehende haben, einzuschätzen. Dies folgt dem Gesetz, dass es dem Menschen nicht gegeben ist, das Eigenbild einem anderen zu vermitteln, zu wirken, wie man gern möchte, und auf die Filter des Gegenüberstehenden einzuwirken. Ich habe bereits selbst mehrfach in der Situation gehangen, dass ich mich mit Leuten prügeln musste, Bekannte ungerechtfertigt auf der Demo auf die Nase bekamen und wir dann in der Nacht am Tresen unseres Stammlokals wütend gegenüber saßen. Schlimmeres verhinderte die jeweilige Reputation. Aber die gibt es da draußen nicht. Da gibt es nur Misstrauen und Klischees. Deshalb prognostiziere ich eine weitere Eskalation der Nummer. Die Rechten werden die ausgestreckte Hand gerne ergreifen, wie sie auch perfekt den Rest der diffusen „Protestbewegung“ eingeatmet haben. Gleichzeitig erleben wir eine intellektuell und rational vollkommen aus der Kontrolle geratene „Autonome Szene“ begleitet von einigen völlig Desorientierten, die sich selbst als „links“ und „antifaschistisch“ bezeichnen. Ich glaube hierdurch ist einst diese Hufeisentheorie entstanden. Betrachtet wurden die, welche gegen irgendetwas sind, im Zweifel die bestehenden Autoritätsverhältnisse ablehnen, aber nicht wirklich wissen, wo sie hin wollen. Umher irrende Menschen, die mehr oder weniger zufällig in eine Szene gerieten. Irgendjemanden kennengelernt, mal mitgelaufen, die Sicherheit der Gruppe genossen, da geblieben. Ob das nun die rechte Szenekneipe in Marzahn war oder das links ausgerichtete Kulturzentrum ist dabei völlig irrelevant. Ich kenne einige erprobte Kämpfer aus den Achtzigern, die das mit Argwohn beobachten. Wer innerhalb der Pandemie, die von den Rechten instrumentalisiert wird, zu Silvester zum Klassenkampf mit Böllern aufruft, ist schlicht eine lächerliche Figur, die keiner für voll nehmen kann, der noch alle beisammen hat. Da haben Sechsjährige im Kindergarten bessere Ideen.

Doch es sind eben jene irrsinnigen Aktionen, welche Leuten wie diesen Vereinsmitgliedern in die Karten spielen. Machen die Spinner in Berlin und Leipzig ernst und liefern der Polizei innerhalb der Pandemie eine Straßenschlacht, können die sich eine Flasche Schampuss aufmachen. Taktisch alles richtig gemacht. Sie können darauf verweisen, dass für die vermeintlich Linken – ich betone immer wieder, dass sie für mich dies nicht sind – die Pandemie, die von Böllern ausgehende Gefahr, vor allem bei einer Straßenschlacht, auch kein Thema ist. Die Medien werden sich auch darauf stürzen. Sie werden ebenfalls nicht von Spinnern sprechen, sondern von der linken Szene. Da gibt es einige Theoretiker und Vordenker für autoritäre Systeme (nicht immer sofort erkennbar), welche grinsend im Sessel sitzen.

Ich hatte heute überlegt, ob ich auf diesen Verein überhaupt einsteige. Eigentlich ist jeder, der sich mit denen öffentlich auseinandersetzt und damit im digitalen Zeitalter eine Verbreitung erzeugt, eine oder einer zu viel. Auf der anderen Seite: Was kümmert es mich? Die Nummer läuft so oder so! Da kochen diverse Leute ihr Süppchen. Also bleibe ich bei meiner BLOG Linie. Beobachten, analysieren, kommentieren … aus dem aktiven Geschehen heraus halten. Im Zweifelsfall rechtzeitig abhauen.

September 24 2020

Vorurteile, Gangster und nun … ?

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Normalerweise sage ich stets: „Ich habe keine Vorurteile, sondern Lebens – und Berufserfahrung.“ Doch dies ist mehr ein eine scherzhafte Bemerkung. Jeder hat Vorurteile mit unterschiedlicher Qualitäten. Ich glaube, dass es gut ist, sich seiner Vorurteile bewusst zu sein. Dies hat nichts mit einem intellektuellen Anspruch zu tun. Man lernt einfach weniger Leute kennen, wenn man sich von ihnen kritiklos und unachtsam durch das leben treibe lässt. Hinzu kommt, dass dieses Intellektuell für mich eher den Charakter eines Schimpfwortes hat, denn von mir als Kompliment zu verstehen ist. Alles zu bedenken funktioniert nicht. Am Ende kommen die Triebe, Gefühle, das ganze unbewusste Gedöns um die Ecke gebogen und belehren einen eines Besseren.

In mir sitzt eine tiefe Abneigung gegen Mitglieder der Mhallami Familien. Das ich dies so konkret benennen kann, ist bereits ein Ergebnis des bewussten Umgangs damit. Damit werde ich mit Sicherheit nicht dem gesamten Volk in Anatolien gerecht. Ich war nie dort, habe niemals mit ihnen gesprochen oder ihre Lebensumstände kennengelernt. Ich kenne sie ausschließlich aus Berlin, Frankreich und mittlerweile auch aus Malaysia. Zeitweilig ging es soweit, dass mich alleine die arabische Sprache aggressiv machte. Dabei war es mir egal, ob ich einen Syrer, Ägypter, Palästinenser oder Saudi vor mir hatte.

Ich habe sie jahrzehntelang als „Poser“, brutale Schläger, rücksichtslose Räuber, dumm dreist, primitiv, als Mörder, arrogant und schmarotzend kennengelernt. Einer von ihnen hat einen meiner Kollegen erschossen. Seine Kumpels drohten mir und Kollegen das Gleiche an. Kommen sie einem auf der Straße entgegen, beanspruchen sie die gesamte Breite. Hält einer dagegen, kommt es zur Schlägerei. Alle Regeln des menschlichen Zusammenlebens, ich meine damit nicht einmal Gesetze, werden von ihnen konsequent ignoriert. Sie haben in den Großstädten die reale Kulisse eines Hollywood Mafia Films erschaffen. Allein schon, wenn man diese Typen sagen hört: „Das ist unsere Stadt!“, kommt einem der kalte Kaffee hoch.

Ich muss nicht einmal ihre Namen kennen. Ihre Zugehörigkeit präsentieren sie mit ihrem Aussehen. Dicke Bärte, ausrasierte Frisuren, halblange Lederjacken, aufgepumpter Körper, fettes Auto, dicker Goldschmuck, Auftreten. Das ist der Punkt. Ob die Araber, Türken oder Außerirdische sind, ist vollkommen irrelevant. Maximal hat es insofern eine Bedeutung, dass sie eine Stimmung gegen andere aus diesen Regionen erzeugen. Mir ist bisher auch noch kein Asiate, eine oder einer vom Nord – /Südamerikanischen Kontinent, Frankreich, Niederlande, Spanien, begegnet, der diese Vögel leiden konnte. Ich bin der festen Überzeugung, dass man ihnen lediglich mit maximaler Härte begegnen kann. Entweder sie lassen sich davon überzeugen, dass es neben ihnen noch andere Menschen gibt oder sie müssen die Gegenwehr spüren.

Natürlich sind sie nicht die einzigen mit dieser Lebensart. Sie teilen dieses Sozialverhalten mit allen anderen Gangstergruppierungen. Ich schreibe bewusst Sozialverhalten. Es besagt lediglich, dass sie mit anderen Menschen in irgendeiner Form interagieren. Leider nicht in einer Form, die es einem anderen Menschen ermöglicht, der auf ein friedliches Zusammenleben aus ist, mit ihnen auszukommen.

Wahrscheinlich gab es historisch solche Zusammenschlüsse schon immer. Raubritter, Freibeuter, plündernde Horden der Normannen, Mongolen, Hunnen. Wurde oder wird solchen Truppen kein Einhalt geboten, kann es keinen Frieden geben. Sie gehen so weit, wie es ihnen gestattet wird. Ethische, moralische oder spirituelle Überlegungen sind von denen nicht zu erwarten. Sie sind die Verkörperung des Skorpions in der Fabel, in der er einen Frosch bittet, ihn Huckepack auf die andere Seite des Sees zu bringen. Verständlicherweise hat der Frosch seine Bedenken. Was ist, wenn der Skorpion mitten auf dem See zu sticht? Dennoch lässt er sich überzeugen. Es kommt, wie erwartet. Der Skorpion sticht zu. Sterbend fragt der Frosch nach dem Grund, immerhin sterben nun beide. Der Skorpion antwortet lakonisch: Das ist halt meine Art.

Die zur Rede stehenden Typen zerstören das Umfeld, welches ihnen Aufenthalt gewährte. Wenn es sich anpasst und ihr Niveau erreicht hat, ziehen sie weiter und nehmen sich die nächste Gesellschaft vor. In der Welt der internationalen Verbrecherorganisationen gibt es eine Hierarchie der Gewalt. Zum Beispiel residierten in den Neunzigern an der Schwarzmeerküste erst die Serben, dann wurden sie von den brutaler auftretenden Bulgaren verdrängt, die wiederum den Russen weichen mussten. In West – Deutschland wurden zu dieser Zeit die alten Mobster, zunächst von den anrückenden Kriminellen aus der ehemaligen DDR vertrieben. Es folgten die Russen, Serben und eben die Clans. Doch noch heute haben die Clans den Tschetschenen und Russen nicht viel entgegenzusetzen. Wenn die ernst machen, steht der Sieger schnell fest. Fragt man bei einer Festnahme einen russischen Gangster, ob er Schmerzen hat, lautet die Antwort: „Njet!“ Fragt man ein Clan – Mitglied, ist das Gejammere groß.

Kriminelle Parallelgesellschaften gehören zum modernen Leben dazu. Aber selbst hierfür gibt es Regeln. Übertreiben sie es, folgt die Reaktion der staatlichen Organe. Zu laut, zu brutal, zu viel Unruhe, verdirbt dem Bürger die Laune und dem Gangster das Geschäft. In den USA kam es deshalb zu Offensiven gegen die Mafia, die Kolumbianer in Miami und selbst die Südamerikanischen Drogenbarone mussten ihre Lektion lernen. Russland forcierte den Kampf gegen die Banden und diverse „Diebe im Gesetz“ setzten sich ins Ausland ab. Unvergessen ist auch die Hochphase in Italien, in der mehrere Ermittlungsrichter ihr Leben ließen.

Doch die Zeiten und Gesellschaften verändern sich. Teile der deutschen Gesellschaft leiden an Realitätsverlust. In grenzenloser Naivität unterstellen sie Späti -, Barber Shop -, Spielotheken – und Shisha Bar Betreibern ein unternehmerisches Interesse und mutmaßen bei polizeilichen Ermittlungen rassistische Motive. Das Wort Geldwäsche scheint in ihrem Wortschatz zu fehlen. Wären es nur einige naive Heranwachsende, könnte darüber hinweg gesehen werden. Doch manch einer versteht sich als ausgewachsener Politiker. Es ist eine Haltung, die man sich nur in Bibliotheken ohne Feindkontakt mit dem echten Leben zulegen kann.

Aber etwas anderes ist auch nicht von der Hand zu weisen. Ohne diverse Schlupflöcher wäre die Geldwäsche kaum möglich. Warum existieren diese Löcher? Nun, weil die halbseidenen Leistungsträger der „legalen“ Wirtschaft an einem Verschluss keinerlei Interesse haben. Außerdem könnten die Clans ihren Geschäften ohne Kontakte zu Notaren, Immobilienmaklern, Rechtsanwälten, Finanz – und Steuerberatern nicht nachgehen. Skrupellosigkeit und Geldgier sind in Deutschland nicht strafbar – eher ist das Gegenteil der Fall. Den einschlägigen Rechtsanwälten ist die Herkunft des Honorars völlig egal. Hauptsache es kann seitens eines ambitionierten Ermittlers nicht nachgewiesen werden, dass es sich bei den Beträgen um Erlöse aus kriminellen Geschäften handelt. Aber wenn die Überweisung aus Beirut kommt, ist alles in Butter.

Prinzipiell wäre es ein Anfang, wenn beim Auftauchen bestimmter Familiennamen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens Warn – und Hinweismeldungen an Ermittlungsstellen gingen. Wenn dies eine oder einer politisch fordern würde, möchte ich den Aufschrei nicht hören. Gleichfalls könnte man Straßen schlagartig dicht machen und jeden Verdächtigen kontrollieren. Und selbstverständlich sind Aussehen, Frisur, Barttracht, Kleidung und ein teures Fahrzeug verdächtig. Warum soll man den Vorteil der Uniformierung der Gangster nicht nutzen?

Wer solche Zeilen schreibt, landet schnell in einer Ecke. Dabei wäre es mal bedenkenswert, wie man eine bessere Gesellschaft organisieren will, wenn man sich dieser Elemente nicht erwehren kann. Erst wenn ich den Willen besitze, die persönliche Verantwortungsübernahme für das gesamte Wohlbefinden der Gesellschaft zu fördern, im Gegenzuge alles Entgegenstehende sanktioniere, die Aktivposten für ein gedeihliches Zusammenleben mit Vorteilen ausstatte und die Egomanen, Kriminellen, Gierigen, schlechter stelle, wird sich etwas verändern. Woher jemand kommt, welchen Background er inne hat, ist dabei völlig egal. Es bleibt bei der alten Weisheit: Wenn ich etwas verändern will, muss ich die Leute von den Vorteilen gegenüber dem IST – Zustand überzeugen. Bisher liegen alle Vorteile auf der Seite der Gier, der Kriminalität, d.h. in der Schädigung eines anderen zur eigenen Besserstellung und in der Nutzung von Lücken. Alles was nicht verboten ist, darf gemacht werden. Nein! Verbote beziehen sich nur auf die erkannten Sauereien.

Eigentlich ist es ganz einfach. Das Verhalten richtet sich danach, welche Verhaltensweisen von der Mehrheit in der Gesellschaft geächtet sind, und welche im Gegenzuge bewundert und honoriert werden. Die Strippenzieher der Konsumgesellschaft haben es geschafft, Motorräder mit Freiheit und Rebellion zu verbinden, dicke Karossen zum Statussymbol zu deklarieren, den Gangster RAP und die damit verbundene Verblödung hoffähig zu machen, etc. pp. … dann sollten sie das Gegenteil auch hinbekommen. Alles eine Frage des Willens. Doch gibt es den … ?

September 23 2020

Die Insel

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Monkey Island

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Monkey Island 6.262745, 99.756546

 

Wir saßen auf der Holzplattform des traditionell konstruierten Hauses. Unten eine Holzterrasse mit einer kleinen Küche und darüber auf Pfählen der geschlossene Teil, in dem sich eine kleine Radiostation befand. Wir aßen gemeinsam von dem Reis mit Fisch, in dem sich jeder mit den bloßen Händen vom Teller bediente. Dazu gab es aus einer Karaffe kalten Tee mit kleinen Geleestücken. 

„Andreas, kommst Du Morgen mit zur Insel?“, fragte Big Roy. Wie die anderen Einheimischen um mich herum, hatte er sich diesen Namen als Ersatz für seinen islamischen Namen zugelegt. Fat Roy, Indian Roy, Little Roy, aber auch „I“, „AI“, „G“, alles Beachboys, trugen offiziell eine elend lange Aneinanderreihung von Namen des Vaters, des Vaters vom Vater und einem religiösen Symbolnamen. Ziemlich uncool, wenn man das Leben eines Rebellen führen will. Es war die Zeit der Corona Pandemie und der hierauf hin erlassenen „Mobil Control Order“. Gemäß dieser durften ausschließlich absolut notwendige Sachen erledigt werden. Der Strand war gesperrt und jegliche Aktivität dort, war seitens der Behörden untersagt worden. Auf Langkawi, einer Insel in der Straße von Malaka, eine ziemlich überzogene Maßnahme. Wir saßen im April zusammen und die letzten zwei Corona Fälle lagen drei Monate in der Vergangenheit. Seit dem war niemand mehr auf die Insel gekommen. Die anwesenden Einheimischen und die paar Backpacker hockten schon über drei Monate zusammen. Wenn einer von uns Corona gehabt hätte, wäre das längst herausgekommen.

Aber in einer Amtsstube hatte einer für das ganze Land eine Regel aufgestellt. Das Schwimmen in einem Hotelpool zu untersagen ist nachvollziehbar. Aber ein Besuch  eines kilometerlangen leeren Strandes und schwimmen in einem Ozean? Dort ist jederzeit genug Platz um Abstand zu halten. Da ist die Bockigkeit vorprogrammiert. Überhaupt hatte Corona seltsame Dinge zur Folge. In den kleinen Märkten wurde bei den Kunden mit einem Lasergerät die Körpertemperatur gemessen. Die Geräte waren eher nette Gadgets, denn man sie für voll nehmen konnte. Die gemessenen Werte wurden in Listen eingetragen. Demnach was da stand, mussten sich um mich herum eine Menge Zombies mit einer Körpertemperatur von 32 Grad herum treiben. In anderen Läden wurden durch die Bank 42 Grad gemessen. Der Irrsinn machte sich breit. Ein Inselbesuch verstieß nicht gegen die Vernunft, aber gegen Regeln. Ein Verstoß der eine Inhaftierung oder wenigstens eine Geldbuße in Höhe von umgerechnet 200 EUR nach sich ziehen konnte. Jedenfalls galt dies zu dieser Zeit. Mittlerweile hat sich die Lage deutlich verschärft. Kürzlich veranstaltete die Polizei einige Razzien. Jeder der noch nach Mitternacht und vor allem ohne Maske angetroffen wurde eingesammelt und ins „Lock – Up“ verfrachtet. Das entspricht von der Idee her dem deutschen Polizeigewahrsam. In der Ausgestaltung sieht alles ein wenig anders aus. Die kleinen Beton Zellen sind meistens mit 10 Insassen überfüllt. Es können immer nur drei oder vier auf dem nackten Boden schlafen, der Rest muss Stehen oder Hocken. Im hinteren Teil befindet sich eine Rinne für die Notdurft, der Wasserhahn ist mit Vorsatz niedrig installiert. Zu Essen gibt es halbgaren Fisch, der zuverlässig Durchfallerkrankungen verursacht. Kurz um: Da will man nicht landen! Frauen trifft es besonders hart. Sanitäre Mittel sind nicht vorgesehen und bei 10 Frauen ist mindestens eine ihre Periode. Die Behörden hatten sich das Spiel mit den Touristen eine Weile angesehen. Bei der letzten Razzia muss ihnen der Geduldsfaden gerissen sein. Diesmal traf es nicht nur die Locals, sondern auch die anwesenden Touristen. Besser noch, die Locals wurden nach 48 Stunden entlassen, während die Touristen erst zwei Tage später vor Gericht gestellt wurden. Die dortigen Gepflogenheiten dürften den einen oder anderen überrascht haben. Die Polizei trägt standardmäßig einen Widerstand ein. Wenn man diesen bei Gericht einräumt, gibt es einen kleinen Zusatz. Widerspricht man der Aussage der Polizei, gibt es einen ordentlichen Strafzuschlag. Die Polizei ist ohne Wenn und Aber der verlängerte Arm der Regierung. Zweifel an deren Handlungen sind unzulässig. Aber sie müssen auch damit rechnen, im Falle eines Ermittlungsverfahrens, meistens aus Konkurrenzdenken entstanden, böse bestraft zu werden. Im Lock Up gibt es gegen Bezahlung alles. Medikamente, halbwegs verträgliches Essen, Drogen … Außenstehende müssen halt die Wärter bestechen und den zehnfachen Preis zahlen. Blöd, wenn man als Tourist niemanden hat.

Aber wie erwähnt, war es zum Zeitpunkt der Frage an mich noch nicht soweit vorangeschritten. „Wer wird noch dabei sein?“, fragte ich nach. Big Roy zuckte mit den Schultern. „Ich denke die üblichen Leute, vielleicht noch ein paar Backpacker.“ Dabei nickte er in die Richtung einer Gruppe, die sich an einen kleinen zum Grundstück gehörenden See gesetzt hatte. Eine Schwedin, zwei Norwegerinnen, ein Pärchen aus Belgien, zwei Deutsche und eine Österreicherin, alle bereits seit drei Monaten im Lockdown. Ich kannte sie mittlerweile ganz gut. Der Belgier war nicht gerade der Hellste. Seine Freundin hatte er unterwegs kennengelernt. Im Gegensatz zu ihm hatte sie eine ganze Menge im Kopf. Ihr Problem bestand in ihrer Experimentierfreudigkeit mit Magic Mashrooms. Die Norwegerinnen waren keine echten Backpackerinnen. Mit Unterbrechungen waren sie bereits fünf Jahre auf der Insel. Die Schwedin hatte irgendein Problem am laufen. Ich wusste nichts genaues, aber Big Roy hatte erwähnt, dass sie etwas von Trauma erzählt hatte und deshalb ständig Gras rauchte.Weil eine der Deutschen überall herum erzählt hatte, dass sie in Vietnam Englisch unterrichtet hatte, gaben ihr die Einheimischen den Spitznamen „Teacher“. Von der anderen wusste ich nichts. Die Österreicherin war wohl Hals über Kopf von zu Hause weg. Einen echten Plan hatte sie nicht. Sie redete ohne Unterbrechung und vor allem unangenehm laut. Weil ihr das Geld aus ging, hatte sie sich einen der Beachboys geschnappt. Der arme Kerl dachte einen guten Fang gemacht zu haben. Dabei hatte sie den Spieß längst umgedreht.

Eine der beiden Deutschen hatte sich den Spitznamen „Teacher“ eingehandelt, weil sie überall herum erzählte, dass sie in Vietnam Englisch unterrichtet hatte. Sie selbst besaß ein beeindruckendes Selbstbewusstsein. Dem Eigenbild nach war sie mit ihren knappen 24 Jahren eine erfahrene Frau, die das Talent besaß, jeden erfolgreich zu machen. Aus diesem Grunde hatte sie sich in den Kopf gesetzt Lebensberaterin zu werden. Die Beachboys waren ihr suspekt. Sie verstand nicht deren konsequente Abwehrhaltung gegen Karriere, Erfolg und Konsum. Deren Leben hatte tatsächlich einige Tücken. Oberflächlich wirkten sie wie Typen, die ein freies selbstbestimmtes Leben führten.Entweder sie verbrachten den Hauptteil des Tages dösend in einem der Guesthäuser oder sie hatten einen Job am Strand. Dort warteten sie auf Touristen, denen sie einen Jet Ski vermieteten. Manche heizten selbst mit den Dingern auf dem Wasser herum oder verdingten sich als Tourguide. Das Geld reichte für Reis mit Hähnchen. Für Abwechslung sorgten die jungen Backpackerinnen, die ihrem Charme erlagen. Mit denen machten sie Ausflüge auf ihren Scootern. Die Mädels zahlten im Gegenzuge das Essen. Schaute man etwas genauer hin, kamen oft tragische Geschichten zum Vorschein. Die meisten gehörten zu kinderreichen Familien. In Malaysia funktioniert die soziale Absicherung oft noch über die Kinder. Mindestens zwei sind auserkoren, sie im Alter zu versorgen. Damit dies, trotz möglicher Ausfälle funktioniert, haben die meisten Familien um die fünf Kinder. Prügel und drakonische Erziehungsmaßnahmen, die man als solche gar nicht bezeichnen will, sind nicht ungewöhnlich. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Junge Leute aus den westlichen Industriestaaten, die über das Unverständnis der Eltern klagen und dieses als ausreichenden Grund für ihre Verhaltensstörungen ersehen, treffen auf junge Männer, deren Kindheit einen deutlich anderen Verlauf nahm. Auf den Inseln versucht man der Polizei und den Behörden so weit es geht, aus dem Weg zu gehen. Was alleine geregelt werden kann, wird jenseits der „Offiziellen“ verhandelt. Thailänder und Malaien streiten sich darüber, wer mehr Korruption zu bieten hat. Meiner Beobachtung nach, nimmt sich das nicht viel. Die örtliche Polizei beteiligt sich fleißig am Drogenhandel, in dem sie ihre eigenen Dealer unterhalten, die an sie Geld abzuführen haben. Alles was sie an Verfolgung unternehmen, dient dem Ausschalten der Konkurrenz. Hinzu kommt, dass sie selbst alles einwerfen, was sie bekommen. Zweimal im Jahr ist Jagdsaison. Ein Offizier erklärte mir, dass sie dann ihre Quoten erfüllen, die sie an die Hauptstelle in Kuala Lumpur weiter melden. In dieser Zeit wird alles mit langen Haaren und Dreadlocks festgesetzt. Die mit einer positiven Urinprobe gehen für einen Monat in eine Umerziehungsanstalt. Wer Drogen dabei hat, bekommt erst eine Geldstrafe, im Wiederholungsfall landen sie im Arrest. Da in der Regel nur auf THC getestet wird, weichen in dieser Zeit die Beachboys auf andere Drogen aus. Eine Taktik, die die zu erwartenden Folgen hat. Spätestens mit Anfang Zwanzig sind die meisten von Meth, Heroin und Schmerztablettencocktails abhängig. Trotz allem gibt es unter den Beachboys wenig Beschaffungskriminalität. Ganz bleibt sie nicht aus. Ich hörte von diversen gescheiterten Überfällen. Einmal kam einer auf die glorreiche Idee ausgerechnet die Hütte einer am Strand lebenden Rohingya Familie zu überfallen. Ich denke, es war eine Verwechslung. Jedenfalls wurde er erst vom Vater entwaffnet, dann von der Mutter verprügelt. Wie mir einen Tag aufgeregt der jüngste Sohn erzählte, ein Knirps von 9 Jahren, fielen danach die Kinder über ihn her. Bereits nach meinem ersten Besuch der Insel wunderte mich nicht der Soundtrack, der ihnen Halt gab. Reggae! Keiner von Ihnen hat sich jemals mit der Geschichte des Reggae beschäftigt. Ihnen geht es um die Idee, die in den Slums von Kingston Town entstand. Bob Marley, und vor allem „One Love „, ist überall zu jeder Zeit gegenwärtig. Tatsächlich gibt es auch eine Hard Rock, Trash Metal und Jazz Szene. Doch der Reggae setzt sich immer wieder durch. Praktischerweise zieht die Musik die Touristen in die Strandbars. Wenn man schon nicht das Original auf der anderen Seite der Welt haben kann, dann doch wenigstens ein Cover. Auch hier entsteht ein spannender Kontrast. Die Beachboys, welche die Roots des Reggae leben und die jungen Touristen, die sich den Reggae als Fashion Bewegung einkaufen. Es ist für einen Beobachter befremdlich, wenn sich ein Kanadier mit Dreadlocks von einem Beachboy eine Shisha servieren lässt. Am Ende kauft der Kapitalismus alles ein. Manch einer bekam eines Tages die Kurve. Häufig wandten sie sich dann intensiver der Religion zu. So etwas wie eine Entzugseinrichtung nach europäischen Vorstellungen gibt es nicht. Die vorhandenen Einrichtungen haben die gleiche Wirkung, wie Synanon in Berlin. Mittels Gehirnwäsche wird eine Sucht gegen die andere ausgetauscht. Aber immerhin verlängert sie das Leben.

Unter Travellern gibt es ein Motto. Why not? Wer einen festen Plan hat oder Risiken scheut, braucht gar nicht erst auf Tour zu gehen. Pläne sind für Touristen, die sich bei einem Agenten vierzehn Tage Lebenszeit gestalten lassen. Vielleicht ist Tour unpassend. Die meisten fragen untereinander wie lange sie unterwegs sind. Unterwegs trifft es besser. Verbrachte Zeit jenseits des Orts, an dem man gestartet ist. Dieses „Why Not “ ist eine Art Kompass, wie ihn Jack Sparrow benutzt. Er führt einen an Orte, die man niemals auf dem Zettel hatte. Nun, wie beschrieben gab es einige Gründe. Es war etwas vermessen, ausgerechnet während der Pandemie auf einer Insel mit zwei Jahreszeiten zu sitzen und sich nach etwas Neuen zu sehnen. Immerhin saßen weltweit Menschen in ihren Wohnungen fest. Mir ging es weniger um die Insel, als Zeit mit den Einheimischen in einer besonderen Umgebung zu verbringen.

„OK! Ich bin dabei!“, antwortete ich. Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg zum Strand. Vorher kaufte ich noch Zigaretten, sechs Dosen Bier und drei Portionen Reis mit Hähnchen. Roy hatte Mittag gesagt und dabei grinsend hinzugefügt: „Aber Langkawi Style!“ Das bedeutete mindestens eine Stunde Platz. Es wurden zwei Stunden. Selbst die Backpacker kamen anderthalb Stunden später. Ich setzte mich in den Schatten eines wegen Corona brach liegenden Jetski Verleih. Nach und nach sammelten sich alle, als wenn es keine Mobil Control Order geben würde. Roy verfügte über ein kleines Boot, welches er aus dem Rumpf eines Jetskis gebaut hatte. Da passten gerade fünf Leute hinein. Die Jungs hatten noch ein weiteres Boot, welches normalerweise für Tourismus Touren in die Mangroven genutzt wurde, organisiert. Nach zwanzig Minuten erreichten wir das andere Ufer. Mir bereitete ein wenig Sorge, dass der Strand zwar für das bloße Auge schwer sichtbar war, aber mit einem einfachen Fernglas locker beobachtet werden konnte. Die Beachboys hatten sich auf der Insel im Laufe der Jahre einen Abenteuerspielplatz für Erwachsene eingerichtet. Mit allem was gerade da war, errichteten sie kleine Hütte. Um sie herum befanden sich einige improvisierte Sitzgelegenheiten, zwei Feuerstellen und ein langer aus einer alten Bohle gezimmerter Tisch. Ich griff mir eine Machete und begann von alten gestrandeten Bäumen Feuerholz abzuschlagen. Dabei spürte ich im Nacken die skeptischen Blicke der Einheimischen. Ein Westerner mit einer Machete. Mit einem falschen Hieb konnte man sich schnell einen Finger abtrennen. Ich konnte die Sorge nachvollziehen. Die Leute von der Insel bekommen selten einen Westerner zu sehen, der mit seinen Händen umgehen kann. Deutsche Touristen haben bei mir unzählige Male Fremdschämen ausgelöst.

Seit den Vorfällen in den USA wird über Rassismus in Deutschland diskutiert. Die Meute der selbsternannten Linksintellektuellen zieht sich an Kleinigkeiten hoch. Worte, miese Sprüche oder schlechte Witze, werden als Signale für Rassismus ausgemacht. Dabei sind die meisten, welche sie sich vornehmen, einfach harmlose Hilflose, die überfordert sind. Touristen, die in eine Bar gehen und sich zum Bezahlen konsequent an die weiße Anreisserin wenden, leben im Rassismus. Oder im Guesthouse den einheimischen Besitzer ignorieren, weil sie den weißen Volontär für eben jenen halten. Dann sind da die Deutschen, die mit jeder Geste eine herrische Haltung zeigen. „Ich bezahle hier Geld, also haben alle zu springen.“ Einmal liefen ein paar Deutsche auf der Straße vor mir. Es war selbst für Inselverhältnisse spät. Die Gruppe wollte zu einer thailändischen Fußpflege. Ein Frau unter ihnen fragte sich, ob der Laden noch offen hätte. Ihr Begleiter antwortete: „Wir sind Deutsche und die wollen unser Geld haben, da kann man erwarten, dass sie wieder aufmachen.“ Jenseits dieser Aspekte ist die grenzenlose Naivität der jungen Frauen aus Europa bemerkenswert. Die lassen sich von den Kerlen aus Ländern mit härterer Gangart nahezu alles erzählen. Die Brüder verkaufen sich als nahezu alles. Mitglieder der nigerianischen Banden mutieren zur an der Regierung gescheiterten Geschäftsleuten, Rechtsanwälten oder ehemals erfolgreichen Beratern. Locals verkaufen sich als Architekten mit Eheproblemen oder sind mindestens an einem Startup beteiligt, welches eben noch in der Start Phase ist, wie der Name ja andeutet. Europäische Glücksritter erzählen die haarsträubendsten Geschichten, bei denen ich mir nicht sicher war, ob sie nicht teilweise selbst an sie glaubten. Es gibt ja diesen Effekt, dass Lügner irgendwann ihre eigenen Fiktionen glauben. Das Ergebnis eine Meute Lügner, die sich als Opfer darstellen und eine Menge naiver junger Frauen, die ihnen die Storys abkaufen und sich in der Rolle der Retterin sonnen. Bis ihnen eine Story richtig schadet und sie zur frustrierten erwachsenen Frau heranwachsen. Irgendwie eine ziemlich vertrackte Nummer.

Als es ans Essen ging, trennte sich erstmals Spreu von Weizen. Die Österreicherin forderte lautstark Hähnchen und ein Bier ein. Gezahlt hatte sie nichts. Womit sich die Frage stellte, wovon sie einen Anspruch ableitete. Ein wenig später verstand ich es. Ich sprach mit ihr über mögliche Kontrollen. „Dann mach ich auf kleines Mädchen und schöne Augen. Und ich spreche schlechtes Englisch. Machen doch die Ausländer bei uns auch.“ Ich ließ sie in ihrem Glauben. Sie würde allein lernen, dass vornehmlich männliche malaiische Polizisten ein etwas anderes Frauenbild haben, als ihre europäischen Kollegen. „Teacher“ hielt mir einen soziologischen Vortrag und wie sehr sie versucht hatte den armen Beachboys unter die Arme zu greifen. Dabei redete sie sich um Kopf und Kragen. Sie wähnte sich als Abkömmling einer auf einem höheren Niveau rangierenden organisierten Gesellschaft. Eine, in der auf Umwelt geachtet, der Müll getrennt und die Tiere geliebt werden. Mit Sicherheit entspricht dies dem Lebensgefühl vieler Deutscher. Über das Gesicht von Roy, der ein ziemlich gutes Deutsch spricht, flog ein Ausdruck, der auf mich wie eine Mischung von Verachtung, Ablehnung und Zorn wirkte. Doch es war minimaler Anflug. Er hatte jahrelang trainiert, vor Deutschen seine Sprachkenntnisse zu verbergen. Reist man durch Südostasien, kann der Müll und der unbedachte Umgang mit ihm nicht übersehen werden. Überall sind Haufen mit Unrat und ein Heer riesiger Ratten zieht durch die Städte. Die Folgen einer mangelnden Abfallwirtschaft und die Auswirkungen einer sich global ausbreitenden Wegwerfkultur sind jederzeit präsent. Aber ganz so einfach ist es meiner Meinung nach nicht. Ich habe darüber auf einer thailändischen Insel nachgedacht. Dort ging ich jeden Tag auf der Rückseite einer halb ins Meer gebauten Pfahlbausiedlung der idigenen Moken vorbei. Im Auslaufbereich der Flut sammelte sich jede Menge Müll. Plastikverpackungen, allerlei Wohlstandsmüll aus Kunststoff, alte Nylonnetze, nahezu alles war synthetisch. Demnach Müll aus einer Welt, mit der die Moken nur am Rande etwas zu tun hatten. Eher eine, die sie innerhalb der vergangenen vierzig Jahre aus ihrer eigenen vertrieben hat. Alles anfallende musste mit Booten von der Insel abtransportiert werden. Eine Luxushotel Kette behalf sich mit einer Art Müllverbrennungsanlage. Bedienstete sammelten jeden Tag den Müll am Strand ein und abends wurde er durch einen hohen Schornstein gejagt. Selbstverständlich ohne eine Filteranlage. Bis in die Siebziger lebten die Moken das Leben eines Seenomadenvolks. Dann befiel die Inseln eine tödliche Krankheit. Der Massentourismus entdeckte das Gebiet. Damit änderte sich alles. Das Warenangebot in den Läden stellte sich auf die Touristen ein. Die Moken verloren das Recht, sich nach Belieben überall aufhalten zu dürfen. Fischerei, Arbeitsverhältnisse, Business, nichts blieb bestehen. Die sind schlicht mit dem Geschehen überfordert. Das Meer spült an, ihre Traditionen wurden vom Konsum zerstört und hinter dem Haus stapelt sich alles.

In Deutschland wird der täglich entstehende Müllberg straff organisiert aus dem Sinn geschafft. Irgendwo hin, wo sich der Normalbürger nicht mehr daran stört. Der säuberlich, zur Beruhigung des Gewissens in die richtige Tonne entsorgte, Plastikbecher verschwindet, zumindest aus dem Blick. Also er geht mit einem Containerschiff auf eine lange Reise. Dorthin, wo auch all die von deutschen Kuttern gefangenen Krabben landen. Asien! Dort wird er granuliert und aufbereitet, um dann wieder zusammen mit den Krabben, die jetzt frisch gepult sind, in die Heimat zurückzukehren. Wenn Deutsche etwas gut können, dann ist es alles schön zu machen. Chemikalien verschwinden im Meer, in den Flüssen oder werden in Wüstensand versickert. Wird das Abholzen von Wäldern verboten, beauftragt man halt in fernen Ländern über drei bis vier Mittelsmänner eine Söldnertruppe, die ein indigenes Völkchen vom Umzug überzeugen und schiebt es einem rechtspopulistischen Präsidenten in die Tasche, der ist mit einem Lächeln und einer vollen Brieftasche weg steckt. Einerseits demonstrieren wütende junge Demonstranten gegen innerdeutsche Umweltsünden, andererseits posten sie die Gegenwehr des Systems mit Smartphones, deren Bestandteile aus den jeden Tag ein wenig mehr zerklüfteten Steppe der Mongolei stammen. ur Wahrheit gehört auch, dass ihren Altersgenossen, die ihre schicken Klamotten genäht haben, ein wenig die Zeit zum Nachdenken fehlt. Deutsche Häuser haben nicht ohne Grund deutlich mehr Gardinen, Rollos, blickdichte Zäune, Räume, die Gäste niemals zu sehen bekommen. Muss ja nicht jeder alles sehen! Die Moken sind da anders. Ihre Häuser sind in fast alle Richtungen offen, Zäune existieren nicht, jeder sieht alles. Aber ist einer, der etwas Sehen könnte, aber um sich besser zu fühlen, nichts sehen will, ein besserer Mensch?

In die Zeit fiel auch ein Flüchtlingsboot, welches auf der Hauptinsel landete. Um die 150 sunnitische Rohingya hatten es mit ihrem alten Kutter bis nach Langkawi geschafft. Weitere 150 waren auf der drei Monate langen Fahrt gestorben. Die Flüchtenden orientieren sich auf dem letzten Teil der Flucht an der Beleuchtung für den Flughafen auf Langkawi, die ihnen den Weg weist. Obwohl Malaysia ein muslimisches Land ist, haben die Flüchtlinge keine Solidarität zu erwarten. So weit geht der Glauben dann doch nicht. Eine abstruse Nummer. Sie werden von Buddhisten in die Flucht getrieben und von muslimischen Glaubensgenossen abgewiesen, wie es Christen mit den Afrikanern handhaben. Immerhin hat Malaysia wenig mit den Fluchtursachen zu tun und zur Rettung der Buddhisten gibt es einen schwachen Lichtblick. Alle großen Richtungen haben sich zusammengetan und die Vorgänge in Myanmar scharf kritisiert. Nein, das ist kein Lichtblick. Für mich ist es die Endstation einer Hoffnung. Buddha soll gesagt haben: Wer die Lehre kennt und ihr zuwider lebt, ist ein Hirte, der die Herde eines Nachbarn hütet und seine eigene Herde aufgibt. Das unvorstellbare Grauen, was sich dort abspielt ist für kein menschliches Wesen nachvollziehbar.
Wer von uns will sich anmaßen im Angesicht all dieses Elends von Myanmar, Zentralafrika bis Syrien von gerechtfertigten Ängsten der Deutschen vor unkontrollierten Fluchtbewegungen zu sprechen? Es ist auch die Geschichte von Bangladesch. Das größte Flüchtlingslager der Welt. Fast 1 Million Menschen flüchteten dort hin. Wie fast immer ist es auch ein Überbleibsel des Kolonialismus. Die Engländer benutzten die Rohingya zur Bekämpfung der restlichen Bevölkerung. Den daraus resultierenden Hass teilen sie mit den Hmong in Laos, welche von den Amerikanern im Vietnamkrieg eingespannt wurden. Zu guter Letzt kommt noch der gute alte Kapitalismus um die Ecke gebogen. Im Gebiet der Rohingya befinden sich unter der Oberfläche Uran, Nickel und seltene Erden, die sich die Militärs unter den Nagel reißen wollen.
Eine besonders schillernde Figur ist ein Mönch mit dem Namen Ashin Wirathu, den man nicht als Buddhisten bezeichnen kann. Der Mann ist Rassist, Hetzer, Hassprediger, der am Straßenrand ein orangefarbenes Tuch gefunden hat. Immerhin besteht mittlerweile gegen ihn ein Haftbefehl und Thailand, ein zentraler Punkt im Theravada Buddhismus, verwehrt ihm die Einreise.

Mir fallen bei solchen Sachen immer wieder die Worte eines Vietnam Veteranen ein, die ich schon mal niederschrieb. „Der Vietnamkrieg hat nicht gezeigt, wozu der Mensch fähig ist. Der Krieg hat gezeigt, was der Mensch ist. Ein bösartiges, brutales, intelligentes Raubtier, welches mit diesen Eigenschaften die dominante Spezies des Planeten wurde.“ Aber Raubtiere töten nicht sinnlos. Sie folgen dem Instinkt des Überlebens. Mir unterlief beim Besuch der Killing Fields in Kambodscha, dem Vietnam Museum in Saigon/Ho Chi Minh Stadt oder dem Hilfscenter für Amputierte in Vientiane/Laos ein gedanklicher Fehler. Für einen ganz kurzen Moment fragte ich mich, warum ausgerechnet asiatische Gesellschaften diese Brutalität zeigten. Merkwürdig, wie einem in solchen Augenblicken die eigene Geschichte entgleitet. Gegen die Deutschen im Nationalsozialismus sehen die Roten Khmer und die Junta in Myanmar blass aus. Nicht, dass diese Gräuel irgendwie ein Ranking verdienen. Aber es zeigt, dass dieses Raubtier in uns allen steckt. Einzig eins bändigt es: die Fähigkeit einen Willen zu entwickeln, der es bändigt. Wird dieser Wille, wie auch immer entfernt oder gar nicht erst ausgebildet, sind die Folgen bestialisch.

Mit diesen Gedanken war ich meilenweit vom Teacher entfernt. Ich fragte mich beim Anblick der unbekümmert wirkenden Backpacker, warum ich mir all diese Dinge angetan hatte. Niemand hatte mich gezwungen diese Orte aufzusuchen. Gibt es für einen Privilegierten die Pflicht des Hinsehens? Diese Frage stellt sich mir schon lange. Niemand kann die Zeit zurückdrehen. Es gibt keine Wiedergutmachung. Ich wollte verstehen, was die Täter sahen. Wie kann man, selbst wenn man verblendet oder voller Hass ist, diese Bilder, das Geschrei, den Geruch, die Verzweiflung ertragen? Wie geht das? Ich lebe nicht und lebte niemals gewaltfrei. Körperlicher Kampf, Faustschläge, Schmerz, Verletzungen sind mir nicht fremd. Doch ich kenne meine Grenzen. Eine Freundin sagte mal, dass ich doch den Leuten gönnen soll, dass sie einige Bilder nicht im Kopf haben. Kann das richtig sein? Weg schauen? Weiter machen? Schweigen? Anders herum, kann man etwas ändern? Wenigstens kann man lernen! Ändern? Daran glaube ich nicht. In allen Systemen, die ich in den letzten Jahren ein wenig kennenlernte, hat sich ein ähnlicher Typ Mensch in Hierarchien nach oben bugsiert. Vielleicht ist das genau der Punkt. Man benötigt besondere Eigenarten, um lange in einem Team oder innerhalb einer kleinen Anarchie arbeiten und leben zu können, genau so wie man dafür geeignet sein muss, sich in einer festen Hierarchie nach oben zu boxen. Letztere Eigenarten besitze ich nicht, also werde ich auch nichts verändern. Irgendwie ist das eine Sackgasse. Die Hierarchie Freaks werden nichts verändern, schon gar nicht die Hierarchie selbst.

Ein Typ wie ich, kommt an einem solchen Ort nicht am Nachdenken vorbei. Ich kenne einige Leute, die dieses Problem gleichfalls haben und derartige Plätze vermeiden. Der Wunsch nach der einfachen Insel ist schnell ausgesprochen. Doch wer schützt einen davor, dass man sich mit sich selbst auseinandersetzen muss? Die vielen Bilder, Geschichten, Entscheidungen, die einen plötzlich einholen. Die Anwesenheit von jungen Frauen und Typen unter Dreißig macht es für einen Mann in den Fünfzigern nicht einfacher. Der Vergleich zwischen deren Leben und dem eigenen, springt einem quasi mit dem nackten Hintern ins Gesicht. Eine bessere Trainingseinheit für das Abgewöhnen der bereits in der Kindheit entstandenen Sucht nach Bewertung kann man sich kaum ausdenken. Anders heißt nicht falsch und schon gar nicht schlechter. Um uns herum passiert ein Prozess, bei dem nicht genau gesagt werden kann, wann er gestartet wurde. Keiner kann genau sagen, wann die Europäer begannen, verheerend ins globale System einzugreifen. Spätestens mit der Industrialisierung waren die Weichen gestellt. Bei Prozessen kann man unter Umständen voraussagen, wie das Ergebnis bei ungehinderten Ablauf aussehen wird. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass der Prozess nicht eines Tages eine vehemente Unterbrechung erfährt? Schlaue Philosophen konnten unter dem Joch von Kirche und Monarchie eine gewisse Prognose treffen. Mit der Ablösung des zentralistischen Weltbilds und der Aufklärung konnten sie nicht rechnen. Jeder mit ein wenig Verstand kann sehen, dass sich der Neoliberalismus und ähnliche kapitalistische Gesellschaftsmodelle vor sich dahin siechen. Die Frage ist nur noch: Wann tritt der Tod ein und wer tritt das Erbe an? Von den ehemaligen dominierenden westlichen Zivilisationen kommt nichts mehr Bedeutendes. Die von der Insel werden mit dem Geschehen wenig zu tun haben. 

Der Tag verstrich nach und nach. Plötzlich tauchte ein Boot der Küstenwache auf. Zum Verstecken war es zu spät. Doch sie zeigten an uns kein erkennbares Interesse. Trotzdem machte sich unter den Vernünftigen eine sorgenvolle Stimmung breit. Die konnten jederzeit per Funk ein Polizeiboot alarmieren. Zusammen mit Roy beobachtete ich wachsam das Wasser. Nach einiger Zeit kehrte das Boot zurück. Ich verdünnisierte mich in Richtung Dschungel. Aber sie hielten wieder nicht an. Als ich zum Strand zurück kehrte, musste ich feststellen, dass sich Roy einer kleinen Gruppe angeschlossen hatte, die mit einem vorbei gekommenen Fischerboot zum Strand übersetzte. Für mich bedeutete dies über Stunden mit dem verbliebenen erlebnisorientierten Rest auf der Insel fest zu sitzen. Die Jungs hatten sich schon einige Bongs genehmigt. Entspannt lagerten sie am Feuer. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich in das Schicksal zu fügen. Mit einem letzten Aufbäumen bat ich einen in der Nacht zum gegenüberliegenden Strand zu fahren. Das Gespräch mit einer Palme hätte mehr Erfolg versprochen. Volle sieben Stunden saß ich am Strand und schaute wütend auf das schwarze Meer. Genau genommen saßen da zwei. Ich und mein Inneres im Zwiegespräch. Ich dachte an Deutschland und mein Leben dort nach. Fragte mich, ob ich die Polizei jemals los werden würde. Kaum sinnierte ich hierüber, fragte ich mich, warum ich dieses unbedingt erreichen wollte. Ja, es waren wilde Zeiten gewesen. Vieles davon, kann sich ein junger Kriminalbeamter von heute nicht mehr vorstellen. Eine andere Polizei in einer anderen Gesellschaft mit anderen Ansprüchen, Vorstellungen, informellen Regeln. Da war dieser Tag, an dem wir im Team merkten, dass jede Truppe ihre Zeit hat. Irgendwann kommt man an Kreuzungen an. Dort muss eine Entscheidung getroffen werden, wie es weiter gehen soll. Der alten Richtung folgen, oder wahlweise nach links oder rechts abbiegen? Ich wollte weiter gehen. Aber die Vorgaben lauteten anders. In diesem Fall steht einem frei, die Truppe zu verlassen. Viel zu lange folgte ich auf einem Weg, der nichts mit mir zu tun hatte. Dieses Gefühl von der Insel nicht wegzukommen, den Hintern nicht nach den eigenen Vorstellungen in Sicherheit bringen zu können, kam mir plötzlich unangenehm bekannt vor.

Als wir bei Flut die Boote klar machten, stand die Sonne bereits weit oben. Ungeschützt setzten wir über. Bis auf die Russin, welche begeistert sich selbst und die Fahrt filmte, hatten alle ein flaues Gefühl. Aber wir hatten Glück. Die Polizeistreifen hingen noch in den Unterkünften. Hurtig suchten wir nach der Landung das Weite. Für mich war klar, dass ich auf weitere Abenteuer dieser Art verzichten würde. Wenige Tage später wurden die meisten der beteiligten Locals anlässlich eines kleinen Umtrunks bei Big Roy verhaftet. Drei Monate Lock Up und Verlust der Dreadlocks, waren eine harte, und ich finde unverhältnismäßige, Strafe. Die Russin wurde dabei auch einkassiert, aber damals konnte sie sich noch frei kaufen. Teacher hat in Deutschland eine Lehrstelle bekommen und die Österreicherin ist wieder zu Hause. Big Roy war kurz in Deutschland um seinen Sohn zu sehen. Ich werde auf jeden Fall nach Langkawi zurück kehren. Warum? Das ist eine andere Geschichte und ein anderer Beitrag.

Bis dahin …

 

Musik: Job2do bei Wikipedia

September 13 2020

Der verschwindende Unterschied zwischen Kaulquappen und Mensch

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Weil der Mensch nicht fliegen kann, ist er auf Boden angewiesen. Er benötigt zum Leben Wasser, Nahrung, Luft und ein bis zwei Lebensbedingungen, wie zum Beispiel einen Temperaturbereich, innerhalb dessen Leben möglich ist. Ich halte dies für eine banale Feststellung. Gleichermaßen sieht es mit dem Umstand aus, dass das Leben überhaupt existiert und wir uns es nicht ausgesucht haben zu leben oder gar etwas dazu beigetragen haben. Niemand hat uns das Recht gegeben, die Landmasse des Planeten Erde in Besitz zu nehmen. Manche behaupten, dass dies irgendwelche geistigen Konstruktionen mit der Bezeichnung „Götter“ (jedenfalls in unserer Sprache) taten. Dies halte ich persönlich für den Versuch einer Legitimation von etwas, was nicht zu legitimieren ist. Wie auch immer ich es drehe, die einzige Berechtigung auf diesem Planeten zu weilen, ist die Tatsache der Geburt.

Tatsächlich hat die Spezies Mensch aus einem im Großhirn entstandenen Impuls heraus Begriffe wie Besitz, Eigentum, Länder, Nationen, pp. erschaffen. Im rein natürlichen Grundprinzip des Planeten kommt das alles nicht vor. Es läuft darauf hinaus, dass es sich für jedes Lebewesen auf die Grundaussage: „Ich wurde geboren, ich will leben!“,reduziert. Nun stellt sich mir folgende Frage. Woher kann jemand ableiten, dass sie oder er das Recht hat, den Aufenthaltsort eines Lebewesen zu bestimmen? De facto ist dies nicht möglich. Es geht um etwas anderes. Was ist machbar? Menschen machen exakt das, wozu sie fähig sind und was ihnen ermöglicht bzw. zugelassen wird. Haben wir die Gelegenheit über etwas zu bestimmen oder zu handeln tun wir dies in der Regel auch. Selbst ein Unterlassen beruht auf der Tatsache, dass wir erst einmal die Prämisse einer Möglichkeit etwas zu tun, inne haben müssen.

Weder haben wir das Recht, in die Natur einzugreifen, anderen Lebewesen Vorschriften zu machen, noch Land in Besitz zu nehmen. Wir tun es, weil wir es können. Ich denke, in dieser Logik ist bisher kein Fehler. Theoretisch kann ich abhängig von meinen Fähigkeiten überall hingehen und mich niederlassen. Die Grenzen werden mir von anderen gesetzt – schlicht weil sie es aus irgendwelchen Gründen können. Sie sind besser bewaffnet, können mehr Leute aufbringen, mich verprügeln. Aber eine Berechtigung haben sie dafür nicht. Und so, wie sie einfach nach ihren Möglichkeiten handeln, kann ich das auch tun. Hieraus entsteht eine Wechselwirkung, die von Menschen bereits vor einigen tausend Jahren erkannt wurde.

Den Umgang mit den Konsequenzen dieser logischen Wechselwirkung musste die Menschheit seit ihrem Bestehen erlernen. Über ich Gewalt gegen andere aus, werden die dies bei passender Gelegenheit und einer halbwegs vorhandenen Chance einer Überlegenheit auch tun. Ergreift jemand die Macht über andere, werden andere versuchen, sie ihm wieder abzunehmen. Wieder rein theoretisch festgestellt, könnte man versuchen, nach und nach die zurückliegenden 4000 Jahre überlieferte Menschheitsgeschichte auszuwerten und sich an den Dingen zu orientieren, die funktioniert haben.

Theorie und Praxis standen in diesen 4000 Jahren immer in einem Spannungsfeld zueinander. Praktisch neigen Menschen dazu, teilweise aus den absurdesten Überlegungen heraus, eine Rechtsstellung abzuleiten. Mal halten sie sich für das Mitglied einer höher gestellten Rasse, dann pochen sie auf die Zufälligkeit der Geokoordinaten ihrer Geburt, oder auf den Glauben an den einzig richtigen Gott. All diese Ableitungen haben eine simple Gemeinsamkeit: sie sind blanker Unsinn. Die Entwicklungsgeschichte der Menschheit ist eine Aneinanderreihung von Zufälligkeiten.

Als Denis Papin mit Dampfzylindern herum experimentierte und damit den Grundstein für die Industrialisierung legte, hatte er keine göttliche Eingebung, sondern griff auf Wissen aus der Antike zurück. Welcher Zufall in dieser Zeit passierte, der einem aufmerksamen unbekannten Beobachter zur Erkenntnis verhalf, wissen wir nicht. Jedenfalls könnte ich ohne seine Beobachtung nicht diesen Laptop benutzen. Ich habe keinen blassen Schimmer davon, was da unter der Tastatur passiert, geschweige denn, wie so ein Ding hergestellt wird. Gleichfalls sieht es mit Feuerwaffen aus. Ich kann sie benutzen, aber ich habe keine Ahnung davon, wie ich eine moderne automatische Pistole bauen sollte. Bei mir liefe es auf Molotow Cocktails, Pfeil und Bogen, Messer und Knüppel hinaus.

Doch all diese Zufälle und sich daraus ergebenden Erfindungen haben der Menschheit nicht nur Segen gebracht. Im Gegenteil, es hat uns an den Rand einer planetaren ökolologischen Katastrophe versetzt. Das Problem ist dabei nicht die mögliche Vernichtung des Menschen, sondern das Mitreißen aller anderen Spezies. So oder so, wir tragen die Verantwortung für uns selbst und alle anderen Lebewesen, da unser Handeln aus dem Geschehen nicht heraus zu nehmen ist.

Die als westliche Zivilisationen bezeichneten Regionen haben mit der Industrialisierung ein zweites Mal die Büchse der Pandorra geöffnet. Nichts ist danach, wie es vorher war. Es eröffneten sich nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Machbarkeit. Andere Bevölkerungen konnten hemmungslos unterworfen und ausgebeutet werden. Selbst innerhalb der eigenen Welt wurde nicht halt gemacht. Millionen Menschen verloren die Möglichkeit ohne Bezahlung einen Fuß auf den Boden zu setzen. Mit dem industriellen Kapitalismus wurde alles zu veräußerlichen und käuflichen Gütern. In den Zwanzigern Jahren des letzten Jahrhunderts wurde alles nochmals auf die Spitze getrieben. Um noch mehr zu verdienen und ausufernden Wachstum zu ermöglichen, wurde die Verbindung zum Nutzen einer Sache endgültig gekappt. Alles nur irgend wie erdenkliche wurde zum Gut. Gefühle, Emotionen, Status, Anerkennung, Fortpflanzung, Glück, Abgrenzung, Identität, einfach alles wird vom Konsum bestimmt. Wer sich dem entzieht wird als Aussteiger bezeichnet. Ein Beweis, dass es ein System gibt, welches derart gestaltet ist, wie könnte man sonst aussteigen?

Nunmehr 2020, sehen sich die innerhalb des Systems lebenden Menschen bedroht. Andere Menschen machen sich aus unterschiedlichen Gründen auf den Weg und suchen einen anderen Platz. Wie ausgeführt ist das vollkommen in Ordnung. Die Grenzen ihrer Bewegungsfreiheit bestimmen sich aus dem heraus, was ihnen entgegengesetzt wird. Deutlich ist auch, dass sich jeder, der ihnen das verwehrt, mit den Konsequenzen leben muss. Durch das Verwehren der Bewegungsfreiheit, wird ein Recht generiert. Jeder andere darf dies auch. Doch es passiert noch mehr. Den Menschen, welche sich auf den Weg gemacht haben, wird Gewalt angetan. Ihnen wird Nahrung, Wasser, Schutz, Grund und Boden, vorenthalten. Versuchen sie dagegen anzugehen, wird dem Einhalt geboten. Damit wird eine Welt erschaffen, in der diese Verhaltensweisen existent und zulässig sind. Ich darf mich nicht wundern, wenn mir solche Dinge ebenfalls passieren.

Der Mensch hat die Fähigkeit erworben, sein Umfeld, die darin bestehenden Regeln des miteinander selbst zu erzeugen. Der weltweite Umgang mit Mitgliedern der eigenen Spezies, die ihren Geburtsort verlassen, erzeugt Regeln. Machen wir uns nichts vor. Das Ganze ist an Geld gebunden. Eine Regel besagt, dass Bewegungsfreiheit käuflich ist und wie dieses Geld in den Besitz kommt, ist sehr unterschiedlich. Wir gehen noch einen Schritt weiter. Nicht wenige stellen sich auf den Standpunkt, dass wir nur Leute in der Bewegung hindern, die für uns nicht nützlich sind. Jede Frau und jeder Mann, mit Arbeitsfähigkeit und den Willen dazu, bekommt eine Chance zu überleben.

„Nicht der Glaube macht selig, nicht der Glaube an egoistische Pfaffen- und Adelzwecke, sondern die Arbeit macht selig, denn die Arbeit macht frei. Das ist nicht protestantisch oder katholisch, oder deutsch- oder christkatholisch, nicht liberal oder servil, das ist das allgemein menschliche Gesetz und die Grundbedingung alles Lebens und Strebens, alles Glückes und aller Seligkeit.“

Heinrich Beta, Deutscher Nationalökonom

Bekanntlich setzten die Nationalsozialisten diesen Spruch über Konzentrationslager. Angeblich soll der Lagerkommandant Höß von Auschwitz dies als eine Art erzieherische Botschaft tatsächlich ernst gemeint haben. Lebenswertes Leben selektiert von nicht lebenswerten, wobei sich der Wert nach der Arbeitsfähigkeit und Nutzen bestimmt. Diese Überlegung stellen gleichermaßen die an, welche darüber entscheiden, wer sich bewegen darf und wer nicht. Diese Ableitung mag einigen nicht behagen, doch sie ist schlüssig. Nach welchen Kriterien, gestehen die in Wohlstand Lebenden ihren ebenfalls zur Spezies gehörenden Mitmenschen einen Ortswechsel und Hilfestellung zu? Herr Seehofer nannte die Aufnahme einiger hundert Kinder einen Akt der christlichen Nächstenliebe. Ist das so? Ist das Unterlassen von Gewalt, denn nur damit kann die Bewegung gestoppt werden, ein Akt der Nächstenliebe? Im Christentum teilte der heilig gesprochene St. Martin seinen Mantel mit einem Armen. In der Geschichte ist nicht davon die Rede, dass er ihn vorher irgendetwas verwehrt hatte. Anders wäre es, wenn er ihm zum Beispiel den Weg zu einem Brunnen frei gegeben hätte, obwohl er ihn hätte genauso gut Niederstrecken können. Außerdem ist das Kalkül recht durchsichtig. Kinder kann ich in das System eingliedern und nützlich werden lassen.

Irgendwo her leiten einige Deutsche Politiker ein Recht auf das Verwehren der Bewegung ab. Man könnte es aus der staatlichen Souveränität ableiten. Ein Recht, welches mit der Entstehung der Nationalstaaten daher kam. Es ist der Status Quo, aber wird sich dieser bei den sich abzeichnenden weltweiten Veränderungen aufrecht erhalten lassen? Als er entstand, sah die Welt gänzlich anders aus. Alles basierte damals auf der Annahme von unendlich vorhandenen Ressourcen. Diese Annahme ist widerlegt. Wir müssen nicht nur die Endlichkeit zur Kenntnis nehmen, sondern vielmehr einen steigenden regionalen Mangel an allem, da wir die Reproduktionsrate des Planeten überreizt haben. Gemäß einer Studie werden bei steigender Tendenz bis 2050 ca. 30 Staaten für eine Vielzahl ihrer Einwohner unbewohnbar sein. Den Zeitpunkt für eine Lösung an Ort und Stelle hat die Weltgemeinschaft verstreichen lassen. Im Ergebnis sind die Grundpfeiler der bisherigen Aufteilung des Planeten in Staatsgebiete nach und nach hinfällig. Eine, die im Übrigen wirtschaftlich nicht mehr existent ist. Wir gestehen multinationalen Konzernen abhängig vom Vorkommen eine alle Grenzen überschreitende Ausbeutung der Ressourcen zu, versagen es aber den Menschen zum daraus entstandenen Gewinn hinzugehen. Das ist in etwa, wie in der Niederlausitz eine Mondlandschaft zu erschaffen und nach erfolgten Braunkohleabbau, die ehemaligen Bewohner in die Baugrube einzusperren.

Nein, es gibt keine Rechtfertigung, nur die aus der stärkeren Position herrührende Machbarkeit, welche wiederum auf zuvor erfolgter mindestens 200 Jahre andauernder Ausbeutung heraus entstanden ist. Bereits damals übersahen die Verantwortlichen das Gesetz der Wechselwirkung. Sie ignorierten, dass aus Krieg, Ausbeutung, Destabilisierung anderer Gesellschaften etwas folgen wird. Nämlich die Folgen, mit denen wir uns heute auseinandersetzen müssen. Wir übersehen dies gern und versuchen Vergangenes als etwas in sich geschlossenes zu sehen. Das funktioniert nicht und heute schon gar nicht.

Ich kann verstehen, wenn der heute zwanzigjährige Spross einer alt eingesessenen Mafia Familie in seiner Firma sitzt und mit den Schultern zuckt, weil im Lauf der Jahre aus dem kriminellen Vermögen ein legales moduliert wurde. Dies macht er mit der gleichen Haltung, wie deutsche Adelsgeschlechter (z.B. Guttenberg), die ihre Basis im Raubrittertun haben. Aber wir verschaffen damit einem Prinzip Vorschub: Asoziales Verhalten und Verbrechen zahlen sich aus, wenn es geschickt angestellt wird. Die Geschichte Europas ist spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch eine Geschichte von Sklaverei, Verbrechen, Ausbeutung, Kriegsverbrechen und im Zweifel ein Verstoß gegen das, was sich angeblich christliche Kultur schimpft.

Wir haben das Geld gut angelegt und besitzen jetzt die Macht, die den Folgen ausweichenden Leuten die nackte Faust vor das Gesicht zu halten. Auch das wird Konsequenzen haben. Ich glaube, dass wir auf einen Schnellkochtopf starren. Ab und zu macht einer ein Ventil auf … aber niemand nimmt den Topf vom Herd. Erdogan gießt nach Belieben neues Wasser nach. Die anderen Diktatoren machen ihre Deals mit den gierigen Großmächten. Wehe allen, wenn sich die Massen formieren und andere Führer finden. Abwendbar wäre dies mit wahrlich umwälzenden Veränderungen im Denken, bei den Prinzipien und der Haltung zum Leben.

Was sich um Moria rund herum zeigt, lässt nicht darauf schließen, dass sich etwas ändert. Im Grunde genommen, ist es ein Rückfall ins Mittelalter. Wer sich beim Anblick von Menschen, die sich mit dem Trinken von Abwassern, Essen von Resten und Gräsern am Leben halten, ein Auswahlrecht herleitet, haben die Idee des Menschen verwirkt und landen im animalischen. Gleiches gilt für Menschen, die ihre Macht ausleben und davon sprechen, dass vor einer Klärung der Brandursache niemanden geholfen werden kann.

Im Buddhismus ist davon die Rede, dass man sein Leben nicht nur durch seinen eigentliches Handeln gestaltet, sondern auch durch die Auswahl der Menschen, denen man sich anschließt. Oder wie ich es immer formuliere: Wer in eine Güllegrube springt, darf sich nicht beschweren in Exkrementen zu schwimmen und selbst noch nach dem Herausklettern, nach diesen zu riechen.

Egal, wer auch immer und warum Teile des Lagers anzündete, es wurde ein noch weiter sichtbares Zeichen gesetzt, welches in die abgestumpften Wohnzimmer der westlichen Welt transportiert wurde. Bei uns waren weder die SPD, die CDU/CSU oder die SPD zum Handeln bereit. Lediglich die GRÜNEN und die LINKEN unternahmen einen Vorstoß. Wenn die Bundes SPD nun beim Anblick des Fanals einlenkt, hat das einen bösen Beigeschmack. Menschlichkeit verliert ihre Bedeutung, wenn sie an Macht und Wählerstimmen gebunden ist.

Menschen, die in ihrer privaten heilen Welt sitzen und mit dem Finger zeigen, auf die deutsche Wirtschaft verweisen, Bestrafungen fordern, die mich an die Bestrafungen im Partisanenkrieg erinnern, auf mittelalterliche Abschreckung setzen, haben im buddhistischen Sinne mein Bedauern. Einerseits bin ich ihnen dankbar, dass sie mir zeigen, welchen Weg ich garantiert nicht einschlagen werde, anders herum haben sie aber auch für sich alles verwirkt. Allein schon die Haltung einzunehmen, als Mensch über Wert oder Unwert eines anderen Menschen entscheiden zu können, ist ein Ungeist, der mir zeigt, dass das der Nationalsozialismus nicht besiegt ist. Letztens habe ich mir ein Interview mit dem ehem. Reichsjugendführer Artur Axmann angesehen. Die körperlich tüchtige wertvolle Jugend, die der Nation zur Verfügung steht, war sein Idealbild.

Welche Bedeutung ein Leben für alles hatte, ist für uns unübersehbar. Eine der Fähigkeiten, die wir nicht besitzen. Und nur weil jemand von sich behauptet, dass sein Weg der richtige ist, heißt es noch lange nicht, dass er wirklich richtig ist. Aber eins weiß ich mit Sicherheit, keine Demut vor dem Wunder Leben zu haben und die Grundprinzipien zu ignorieren, kann nicht richtig sein. Im Herren der Ringe spricht der weise Zauberer Gandalf von einer Dunkelheit, die sich wieder ausbreitet und an die Grenzen des Auenlandes heran reicht. Ist der Mensch wirklich unbelehrbar? Die Trennlinie zwischen einem primitiven Organismus und dem Menschen ist sehr filigran. Vom Genom her unterscheiden wir uns kaum von einer Kaulquappe. Da ist es bemerkenswert, wie bereitwillig wir die wenigen Unterschiede aufgeben.