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Einfach nur Leben oder Kapitulation?

Jun 13 2019 Published by under Allgemein,Politik,Religion,Texte

Reading Time: 10 minutes

Bin ich ökologisch korrekt unterwegs? Nein! Ich trenne nicht einmal konsequent meinen Müll. Ich esse Fleisch und kaufe auch die billigen Produkte. Im Wissen, dass ich damit die Massentierhaltung unterstütze. Mein Kaffee stammt nicht aus dem Faire Trade. Ich weiß, dass da der letzte Dreck mit verarbeitet wird. Deshalb betreibe ich nicht sonderlich viel Zinnober darum. Im Gegenzuge weiß ich, wie richtig guter Kaffee schmeckt, weil ich ihn mal auf einer Kaffeeplantage getrunken habe. Ich verzichte auf ein Auto und fahre viel Fahrrad. Wenigstens dabei schneide ich ganz gut ab. Unter meinen Klamotten sich bestimmt einige dabei, die von kleinen Kinderhänden in Bangladesch genäht wurden. Werbung prallt an mir ab, weil ich sie mit wenigen Ausnahmen alle für übelste Betrüger halte.
Ich bin mir bewusst, dass der Wohlstand meines Landes auf den Verbrechen der europäischen Länder ab Beginn der Industrialisierung beruht. Mir ist klar, dass die militärischen Einsätze der Bundeswehr nichts mit Humanität zu tun haben, sondern geopolitische Ziele unterstützen. Ebenso weiß ich um den Euphemismus Entwicklungshilfe, weil es sich vornehmlich um Gelder handelt, die Hintertüren für Ressourcenausbeutung öffnen.

Was tue ich nicht?

Ich gebe mich nicht der stinkenden Verlogenheit hin. Ich lebe in einem Land, welches zusammen mit anderen europäischen Ländern große Teile der restlichen Welt ausbeutet und ausnutzt. Mich wundert nicht, dass in vielen Ländern eine Radikalisierung stattfindet. Ich habe mal versucht, mir vorzustellen, wenn ich irgendwo hungrig in Zentralafrika säße und ein Sendeformat von RTL im Fernseher liefe, wo sich ein 2 Meter langer fetter Mann Monster – Steaks in den Wanst stopft. Wahrscheinlich würde ich nach Europa fahren und wahlweise einem die Schnauze polieren. Mir wurde in Malaysia bewusst, wie die Sache mit der islamistischen Radikalisierung läuft.

Die Eltern schicken ihre Söhne nach Saudi – Arabien und werden dort an den Koran Schulen zu orthodoxen Eiferern. Die Wahhabiten verdanken ihre Vormachtstellung wiederum den Briten in der Zeit des Kolonialismus, während wir sie heute aus geopolitischen Gründen stützen. Ähnlich läuft es in anderen Ländern.

Für mich ist das alles wie in einer Kneipe, in der eine rauschende Party mit Prostituierten, Koks, Freibier, Band und allem drum und dran läuft. Irgendwann muss einer die Rechnung zahlen. Wenn nicht, lässt der Ärger nicht lange auf sich warten.

Der Mensch ist unvernünftig und in der Masse absolut verblödet. Wir bestimmen uns politische Führer, die die Masse lenken soll. Ich bin Teil einer Massengesellschaft und ein kleines Teilchen innerhalb eines Systems. Es ist ein System, welches die niedrigsten Triebe der Menschen anspricht und zum Lenken benutzt. Angst, Ablehnung von Fremden, Gier, Neid, Sex, Drogen heißen die Steuerungsmittel. Ich habe mir dieses System lange und sehr genau angesehen. Es ist perfekt auf das Verhalten jenseits der Vernunft zugeschnitten.

Mit der Freiheit und der Demokratie ist das so eine Sache. Die absolute Freiheit gibt es nicht, sie endet immer wieder an Situationen, in denen der Mensch abwägen muss. Ein wesentlicher Faktor ist die Verantwortlichkeit für das eigene individuelle Verhalten.

Wenn mein Verhalten den Kohl auch nicht mehr fett macht oder ich von der Gestaltungsmöglichkeit meiner Umgebung ausgeschlossen bin, schwindet das Interesse und es kommt zum Verfall. Das funktioniert im Kleinen, innerhalb eines Teams, einer Firma, in einer Hochhaussiedlung oder auch in einer Stadt, bis hin zur ganzen Gesellschaft.

Dieses System benötigt eine Führung, die die Menschen und die Wirtschaft, zur Vernunft zwingt. Interessanterweise funktioniert das bei Kriegen hervorragend.

Krieg ist schwachsinnig, unvernünftig, tödlich und ist die ultimative Kündigung der Freiheit. Wir haben in Deutschland eine vollkommen verblödete Diskussion erlebt. Freiheit wurde mit dem Unterlassen einer Geschwindigkeitsregelung auf den Autobahnen verbunden. Wer das braucht, soll sich gefälligst in einen Fahrsimulator setzen und kann da seinen Spaß haben. Es ist gefährlich, doof, zerstört die Umwelt alleine schon durch die Bahnen selbst und mittels CO2 Ausstoß ebenfalls. Keine Sau braucht Geschwindigkeiten über 130 Kilometer in der Stunde. Was für ein Aufschrei ging durch das Land! Parteien, die diesem System die Stirn bieten wollen, werden entweder zur Verbotspartei oder werden zu Kommunisten.

Fakt ist, dass es ohne massive Verbote innerhalb des Systems nicht funktioniert. Ebenso macht es keinen Sinn sich mit Wunschvorstellungen aufzuhalten. Der Klimawandel ist nicht an dem Punkt fünf Minuten vor Zwölf, sondern es ist längst 13:00 Uhr. Die Welt wird sich verändern. Wir werden wahre Völkerwanderungen und die Aufgabe von Siedlungsgebieten erleben. Darauf müsste man sich in irgendeiner Form vorbereiten, vor allem wenn man in einem Gebiet lebt, wo es vermutlich noch eine Weile recht komfortabel bleiben wird. Wie immer: Fehlanzeige!

Ich kann einigermaßen mit Menschen umgehen, die klipp und und klar sagen: Ich bin ein Gauner und nehme den Schaden eines anderen billigend in Kauf. Werde ich erwischt, muss ich damit umgehen. Bekomme ich dafür von einem Opfer auf die Nase, nehme ich das sportlich. Es ist ein gutes Recht, sich zu wehren. Ich habe noch nie einen Einbrecher kennengelernt, der sich als Samariter dargestellt hat und behauptete, er wollte das Opfer nur vom Leid des Besitzes befreien. Ich habe genug Nachrichtendienstler kennengelernt, die sagten: «Selbstverständlich machen wir Sauereien, aber sie sind zu unserem nationalen Vorteil. So läuft das nun einmal.»

Jeder kann von mir halten, was er will, aber ich habe aufgegeben.

Demokratien sind nicht sonderlich gut beim Reagieren auf drohende Gefahren. Es muss erst knallen, bis die Menschen begreifen. Dann beginnen sie zu wimmern. Hätten wir mal … Ja, hätten wir mal. Einige Wissenschaftler haben die Situation bezüglich des Klimas, Verschmutzung des Planeten, mit dem Vorabend des Dritten Weltkriegs verglichen.

Einen Krieg führe ich nicht mit Sprüchen wie: Der einzelne Verbraucher muss umdenken. Es bedarf einer Führung, die dazu in der Lage ist, die Vernunft zu wecken, und die Massen unter Kontrolle bekommt. Es bedarf auch klarer Aussagen, wo die Reise hingehen soll. Wir lassen die Flüchtlinge ersaufen und in der Wüste verrecken, damit sie abgeschreckt werden. Es ist davon auszugehen, dass sich in nächster Zeit noch viel mehr auf den Weg machen werden. Was wollt ihr? Einschränkungen, Abstriche beim Wohlstand und kleinere Flamme, dafür aber humanes Handeln, dann lassen wir sie rein oder wollt ihr weiter dick, fett, satt leben … dann lassen wir sie weiter verrecken und bauen die Grenzen aus. Entscheidet Euch! Nein, wir zahlen keine altruistische Entwicklungshilfe. Haben wir noch nie gemacht. Wir sichern damit Eure Lebensstandards. Die müssen für Sachen, die bei Euch nicht gut gelitten sind, die Märkte öffnen und sie verkaufen uns die Rohstoffe für kleines Geld. Ab und zu stürzen wir eine Regierung oder helfen dabei. Wollt ihr das weiterhin oder sollen wir denen die Schulden erlassen und für reale Preise die Rohstoffe abkaufen? Dann wird es aber recht einfach in Deutschland. Wollt ihr weiterhin Jeans Hosen für 35 EUR kaufen oder sollen wir die Kinderarbeit 24/7 in Asien unterbinden? Schuhe für 10 EUR von Deichmann gibt es dann aber auch nicht mehr.

Ökodiktatur? Warum eigentlich nicht? Verbindliche globale Richtlinien, die im Zweifel auch mit Zwangsmitteln durchgesetzt werden, an denen weniger Politiker, denn mehr Wissenschaftler beteiligt sind. Eine Utopie … die nicht passieren wird. Jedenfalls noch nicht. Was passiert, wenn es richtig zur Sache geht, weiß niemand.

Man kann von Vladimir Putin halten, was man will, aber der Mann ist ein eiskalter Stratege und Realist. Die NATO liegt derzeit mit 29 Staaten bei 963 Milliarden Dollar. Die Russen liegen bei 61 Milliarden. Beide Seiten rasseln mächtig mit den Säbeln. Man mag meinen, die befürchten etwas. Ich glaube fest daran, dass man sich auf die Situationen vorbereitet, die sich aus den anstehenden Veränderungen ergeben werden. Die Militärs und die Nachrichtendienste agieren nicht mit Wunschvorstellungen. Sie versuchen, nationale Verteidigungslösungen zu finden, mit denen sie ihre Staaten vor Flüchtlingen, inneren Unruhen und Konflikten um Ressourcen schützen können.

So läuft es …

Nein, ich bin nicht ökologisch korrekt unterwegs. Ich versuche es mit Bescheidenheit und habe meinen Konsum massiv eingeschränkt.

Auf meiner zurückliegenden Reise habe ich mit Erschrecken gemerkt, wie viel sinnloses Zeug ich eigentlich habe. Mich hat die Apathie der Menschen schockiert, mit der sie den Wohlstandsmüll der Touristen verbrennen und die beißenden Rauchgase in Kauf nehmen. Die traurigen Blicke der einheimischen Fischer in Thailand und der mongolischen Nomaden in den Slums haben mich tief getroffen und das war nicht einmal Indien. Mich hat es mit Wut erfüllt, wenn sie mir erzählten, dass sie zu Gunsten der Konzerne und ihrer Plantagen alle Lebensgrundlagen verloren, weswegen sie nun als Lakaien in Hotels Laken aufziehen.

Ich lese die Kommentare in den Social Media, höre die Reden der Politiker, sehe tumbe Menschen, die: Wir sind das Volk!, skandieren und dabei Klamotten tragen, die für Bergexpeditionen entworfen wurden und billig in Asien zusammengeknallt werden. Hätte ich den Glauben, mit meinem Verhalten auch nur ein wenig etwas an diesem System und bei meinen Mitmenschen signifikant etwas zu verändern … würde ich es tun.

nochmal von vorn?

Im Buddhismus wird zwischen dem kleinen und dem großen Weg unterschieden. Grob skizziert kann man sagen: Beim kleinen Weg kümmert man sich um seinen eigenen, und beim großen um den für alle. Letztens wurde mir gesagt, ich wirke in meinem BLOG belehrend und besserwisserisch. Kann man so sehen, ist aber unter Umständen ganz anders. Mal abgesehen davon, dass von mir geschätzte Autoren heutzutage tatsächlich öfter mal den Erklärbär herauskehren müssen, weil schlicht die nötigsten Grundlagen fehlen und sie nie so genau wissen, was man reinschreiben soll und was man weglassen kann.

Ich weiß vieles nicht, will es auch gar nicht wissen und werde niemanden etwas aufdrücken. Was bei mir hier steht, sind meine persönlichen Rückschlüsse, die ich aus meinen Erfahrungen, dem Gesehenen und der Beobachtung von Menschen ziehe. Ich unterscheide sehr wohl zwischen Annahmen, Glauben, Wissen, Erkenntnis, Realität, Meinung und Vermutungen. Jemanden anders ändern zu wollen, ersehe ich als ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.

In vielen Dingen bin ich mit Verlaub ein ziemlich kaltes abgebrühtes Wesen, welches sich mittlerweile eine gesunde Portion Egoismus leistet. Das liegt an einer gewissen Desillusion. Wie ich bereits mehrfach in meinen BLOG Texten beschrieb, ist dies für mich der Verlust einer Illusion. Mein Leben, mein Weg, meine Regeln, meine Verantwortung! Ich meide die Masse und versuche es hauptsächlich mit kleinen Kontakten. Genau so meide ich die Spaßgesellschaft, der Kram ist mir unterwegs in Asien zu doof geworden und ich halte vieles davon – für mich – als Verschwendung von Lebenszeit. Manche kommen mir vor, als wenn sie nur noch ein Ziel haben, nämlich so lustig und unterhaltsam wie möglich ihre Lebenszeit abzuleben. Jedem seine eigene Entscheidung, dann aber bitte die Klappe halten, wenn sich ein paar Leute aus Afrika auf dem Weg machen, weil sie auch etwas vom Kuchen abhaben wollen.

Wenn ich nichts verändern will und mich auch nicht selbst darstellen will, warum schreibe ich dann?

Ziemlich einfach! Charles Bukowski hat es auf den Punkt gebracht. Wenn in einem etwas ist, was raus muss und es wert ist aufgeschrieben zu werden, mach es einfach und frage nicht nach dem Warum. Was aus meinen Worten am Ende wird, steht nicht unter meinem Einfluss. Vielleicht sagt sich der eine oder andere: Danke, einer der es sieht wie ich, dann bin ich nicht mehr alleine. Dieses «heraus schreiben» hat mir Gelassenheit verschafft. Die Erkenntnis, dass Menschen immer genau das machen, was sie können und zugelassen wird, habe ich nach langer Zeit begriffen. Ich habe auch verstanden, dass jeder sein eigenes Abbild von der Welt in sich trägt. Dies lässt sich nicht ändern. Gleichfalls kann ich nicht das Bild von mir bei einem anderen Menschen in meinem Sinne oder Wunsch, verändern. Mir bleibt also einfach nur, nach meiner Façon zu leben.

Ich habe volles Verständnis für junge Menschen, die von alledem gefrustet sind und mit Gewalt gegen den Staat und das System angehen. Ich glaube in Anbetracht der Entwicklungen und der Stase der internationalen Politik, haben sie sogar ein Recht dazu. Unterschwellig passiert eine ganze Menge. Auch die elektronische Zerstörung ist in Zeiten der Digitalisierung Gewalt. Mein Ding ist es nicht. Ich halte von Gewalt ausgehend von mir, nicht sonderlich viel. Doch die Zeit ist gekommen, dass folgende Generationen die Unsinnigkeiten des 20 Jahrhunderts überwinden. Mit Teebeutelweitwerfen und Wattebäuschen wird das nicht funktionieren. So wurde der Absolutismus überwunden, dies vergessen viele. Ich bin da raus und widme mich lieber der Gestaltung meines restlichen noch verbleibenden Lebens. Es ist die Zeit der aktuell Zwanzigjährigen. Sie müssen für sich entscheiden, wo es hingehen soll. In Deutschland werden einige von Ihnen merken, dass es durchaus andere Länder gibt, wo diese Generation aus der Not heraus wesentlich giftiger und bissiger ist. Sich in die Hängematten der Marken «Doof» u. «Business as usual» zu legen, wird sich als schwerer Fehler erweisen. Doch wie geschrieben: deren Problem!

Nein, ich weiß nichts besser und ich will niemanden belehren. Ich versuche, mich selbst zu reflektieren, und schreibe meine Gedankenfehler bzw. Irrtümer, beinahe wie der Versuch einer Wiedergutmachung auf. Ich glaubte an vieles, was man mir eintrichterte. Das gab ich an Jüngere weiter. Dies bereue ich zutiefst. Für jedes Mal, bei dem ich sagte: «Du musst Dich auch mal anpassen.», «Du musst Dich in diesem System durchbeißen!», «Lerne Härte, nur so kommst Du weiter und bring Deine Gefühle unter Kontrolle!», könnte ich mir nachträglich ein Stück Zunge abbeißen.

Heute würde ich sagen: «Suche Dir einen Platz, wo Du glücklich, nach eigener Verantwortung handeln kannst und die Früchte Deiner individuellen Arbeit siehst. Lass Dir Zeit damit und entziehe Dich dem Druck, der nützt nämlich nur den anderen, die an Dir verdienen. Und vor allem, lass die Alten reden. Wenn sie mit allem Recht hätten, wäre die Welt gerechter, in Deutschland gäbe es weniger Spannungen, Gewalt, soziales Gefälle, die Industrie würde weniger Psychopharmaka verkaufen, weniger Jugendliche würden sich für Dahinvegetieren entscheiden, die Rechten hätten keinen Zulauf, kein junger Mann müsste sein Leben in einem Gefecht lassen, inhumane Arbeitsbedingungen wären längst überwunden und das Individuum bzw. der Mensch würde wieder im Vordergrund stehen.»

MEINER Meinung nach, leben wir in einem System, welches eben genau die Antagonisten oder die Problemerzeuger, in der gesellschaftlichen Hierarchie befördert. Was will ich von diesen studierten Wachstumsreligionsangehörigen, auf Statussymbole und Macht fixierten Typen erwarten? Jedenfalls keine internationalen kooperativen Lösungen, die wenigstens noch das Schlimmste verhindern. Die sind wie kleine Kinder. Man sagt ihnen zigfach, dass sie etwas unterlassen sollen. Am Ende ist es dann doch kaputt und sie sagen traurig: «Das wollte ich nicht!» Jeden Tag sagt man ihnen: «Fasse nicht auf die Herdplatte!» Lernen tun sie es erst, wenn die Hand verbrannt ist.

Ob ich nun meinen Yoghurt Becher trenne, eine Bio – Wurst kaufe oder sonst was tue, oder der berühmte Spaten umfällt, ist so derartig egal. Die Containerschiffe werden weiter die Krabben von der deutschen Küste nach Asien zum Pulen bringen, sie werden weiter mit Schleppnetzen fischen, die Wale torpedieren, Atomkraftwerke auf tektonisch unsichere Plätze stellen, den Chemie Müll in die Dritte Welt exportieren, Ölquellen anzünden, Tanker absaufen lassen, Kaffee Kapseln verkaufen und mit schicken SUV durch die Gegend fahren. Um das zu ändern … bräuchte es Dinge, die ich nicht tun kann.

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Brief eines Linksversifften …

Feb 18 2019 Published by under Allgemein,Ethik,Philosophie,Politik,Religion

Reading Time: 7 minutes

«Denn das ist Konservatismus: Das Nachdenken über die Erfahrung und die theoretische Ausformulierung des Empfindens, Macht zu haben, sie bedroht zu sehen und zu versuchen, sie zurückzugewinnen.»


Aus einem Essay des amerikanischen Politikwissenschaftlers Corey Robin Quelle: Spiegel, 14.1.2018

Sehr geehrte Damen und Herren von der konservativen Fraktion in Deutschland,

ich hoffe zunächst einmal, die richtige Anrede gewählt zu haben. Bewusst habe ich auf «Hallo», «Hi» oder Ähnliches verzichtet, damit sie sich nicht sofort brüskiert fühlen. Wahrscheinlich haben sie sich entweder in einer Partei, wie der CDU/CSU, der AfD oder vielleicht in der FDP organisiert, einige von Ihnen sind eventuell Mitglied in einer Burschenschaft. Manche mögen auch nur ein Kreuz an passender Stelle auf dem Wahlzettel hinterlassen.

Ich wende mich an Sie, weil ich vieles nicht verstehe, logisch nicht nachvollziehen kann oder schlicht zu simpel in meinem Denken bin. Sie fragen sich zu Recht, wer ich bin. Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst nicht genau. Ich besitze die deutsche Staatsbürgerschaft, war verheiratet, habe einen Eid auf das Grundgesetz abgelegt, bin Vater von zwei Töchtern, war 33 Jahre im Staatsdienst und habe eine ganze Menge Steuern in meinem Leben bezahlt. Ich habe in den Achtzigern ein Abitur absolviert, studiert und einen akademischen Titel.

Die Geschichte meiner Familie ist meiner Meinung nach typisch deutsch. Meine Vorfahren kamen einst aus Osteuropa und landeten irgendwann in Berlin. Teile meiner Verwandtschaft, waren in der KPD, im engeren Umfeld betrachtete sich meine Familie immer sozialistisch. Durch meine Heirat erweiterte ich das Spektrum ein wenig. Da gab es dann auch ehemalige Mitglieder vom Bund Deutscher Mädel, Absolventen der Elite – Schule NaPoLa und diverse Konservative. Ich gebe zu, dass ich darüber nicht sonderlich glücklich war.

Mir wurde vermittelt, dass die alten Kommunisten in den Zwanziger Jahren im Wesentlichen gegen die nicht zu bestreitende Ausbeutung der Arbeiter waren und sich auch nicht in einer auf Krieg ausgerichteten Industrie verheizen lassen wollten. Im Gegensatz dazu fand das profitierende konservative Bürgertum, dies trotz eines christlichen Anspruchs vollkommen in Ordnung.

Ihre Vordenker konstruierten irgendwann einmal den sogenannten völkischen Anspruch. Entgegen dem uns bekannten Geschichtsverlauf wurde aus vielen unterschiedlichen Stämmen und zig Einwanderern aus allen Teil Mitteleuropas ein Deutsches Volk. Dem «Deutschen» wurden Wunschvorstellungen zugeordnet. Aus dem Menschen, der in einer Region lebt, wurde per Definition der «Deutsche».
Plötzlich sollten alle Menschen dieser Region einem künstlich gebildeten Ideal entsprechen. Das erscheint mir unlogisch und ziemlich willkürlich.

Anhänger ihrer Position berufen sich auf aus herausragende Leistungen dieses konstruierten «Deutschen». Wenn ich mir so die Menschheitsgeschichte ansehe, fällt mir zu herausragend die Bändigung des Feuers, die Erfindung des Rades, die Einführung von Zahlen, die griechischen Philosophen, das römische Staatssystem, die französische Revolution, die Entdeckung der Elektrizität und die Erfindung der Dampfmaschine ein.
Ich lasse mich gern von Ihnen korrigieren, aber nichts von alledem geht ursächlich auf einen «Deutschen» zurück. Woraus leiten Sie ihre Aussage ab? In diesem Zusammenhang verweisen sie auch gern auf die deutschen Denker. OK, in erster Linie ist ein Denker ein intelligenter Mensch. Unsere Wissenschaftler haben zuverlässig nachgewiesen, dass das wenig mit der Herkunft zu tun hat. Wenn überhaupt, dann etwas mit dem System und den Möglichkeiten, die einem Menschen geboten werden. Wie erklären Sie sich, dass nahezu alle dieser benannten großen «Denker» den Konservativen enttäuscht den Rücken zu wandten und sich schon zur Kaiser – Zeit in andere Regionen absetzten?
Später wurde es nicht besser. Mehrheitlich lehnten diese Denker Ihre Vorstellungen ab. Ich erinnere sie an Nietzsche, der sich in jungen Jahren enttäuscht von Wagner abwandte. Erst seine ungeliebte Schwester verfasste dann ein eigenes Pamphlet, welches sie Ihnen zu Liebe verfasste.
Konkret könnte ich anführen, dass nach Preußen entweder die Intelligenz abgebaut wurde. Hauptsächlich konzentrierten Sie sich auf die Wissenschaften, welche industriell ausgenutzt werden konnten. Geisteswissenschaften waren zu allen Zeiten verpönt, da sie im Wettstreit mit anderen Ländern nicht erkennbar benutzbar waren. Ist das Ihre Vorstellung von Intelligenz? Alles muss kommerziell in einem Wettstreit einen Sinn ergeben?

Was genau haben Sie eigentlich gegen Individuen und individuelles Verhalten? Bereitet Ihnen die Unkontrollierbarkeit Sorge? Ist es das? Wie weit reicht Ihr Sicherheitsbedürfnis? Diese entflohenen Denker sprachen viel darüber, dass mit der Geburt das Risiko zu sterben um 100 % steigt. Das Leben birgt Risiken, und mit aller Mühe werden Sie das nicht ändern. Wenn Sie sich nicht selbst einsperren wollen, kommen sie daran nicht vorbei. Und immer wenn Sie etwas gebannt haben, werden sie eine neue Bedrohung entdecken.

Sehen Sie das anders? Haben Sie in Erwägung gezogen, dass das auch sehr individuell sein kann? Neige ich dazu, ängstlich zu sein, kann ich auch eine Menge für die Absicherung alleine machen bzw. Orte meiden.

Was gefällt Ihnen nicht daran, einfach nur ein Mensch zu sein? Warum benötigen Sie eine Überhebung in dem Sie sich das deutsche Idealbild erschaffen. Es ist doch grundsätzlich angenehm, der den Planeten dominierenden Spezies anzugehören. Können Sie mir die Gründe für das Bedürfnis nach einem fixierten vorhandenen Unter – Ober – Hierarchiesystem erläutern? Oder ist das bei Ihnen einfach so? Der Instinkt kann es eigentlich nicht sein. Primaten organisieren sich an einer der Situation angepassten Struktur. Sie bilden Verbände, die sich in Gruppen situativ unterteilen und unbeständige Hierarchien aufbauen.

Worin besteht die Problematik im Umgang mit Frauen? Welche Probleme haben ihre weiblichen Vertreter? Wenn sie geschlechtsbezogenes Unterwerfungs – oder Dominanzverhalten bevorzugen, steht es Ihnen doch frei sich der BDSM Szene anzuschließen. Aber das müssen doch nicht gleich alle mitmachen.

Ich meine, wenn Eure Dorothee Bär auf «Submissive» steht, kann Sie das doch machen. Genug passende Burschen werden sich beim RCDS finden. Oder wenn Markus Söder mehr den «Dom» spielen will, kann auch niemand etwas dagegen haben. Aber bitte alles privat und nicht andere dazu verpflichten.

Was ich auch nicht verstehe, ist Ihre Sprache. Ich habe Sie zeitlebens als die «Schwarzen» oder die Konservativen bezeichnet. Warum sind Sie so unfreundlich mich als linksversifft zu titulieren? Ja nun, sie legen vermutlich beim Sexualakt ein Handtuch auf die Couch. Ich bin hingegen ein wenig unordentlich. Aber deshalb gleich versifft benutzen?

Ich kann doch nichts dafür, dass Sie, wie bei Jan Fleischauer zu sehen und zu hören, ein Problem mit dem Ablösungsprozess von den Eltern haben. Irgendwie haben wir das doch alle, aber man muss deshalb nicht gleich als trotziger Junge stellvertretend alle «Links» vermuteten Personen beschimpfen. Ich weiß auch nicht so recht, warum sie immer von der Generation der 68er sprechen. Wenn, dann müsste man von einer Bewegung und ihrer Anhänger sprechen. Es müsste doch in ihrem Sinne gewesen sein, dass die damals gegen übriggebliebenen Fragmente vom Nationalsozialismus rebellierten.

Der ist teilweise mit Ihrer Tradition verbunden, kann Ihnen aber nicht allen zum Vorwurf gemacht werden. Oder fanden Sie das unangebracht? Und was ich so gehört habe, war der Sex in den 50ern nicht der tollste, spätestens an der Stelle sollte man den 68ern Dankbarkeit zollen. Die Musik war auch nicht schlecht. Was ich vom «Rechtsrock» nicht gerade behaupten kann. Der ist ziemlich anstrengend. Speed – Metal gespielt und gesungen von zugedröhnten tibetanischen Yak. Volksmusik können Sie gern weiter hören. Ich weise Sie nur darauf hin, dass Kinderlieder und Volkslieder musikalisch nah beieinander liegen und Sie sie deshalb mögen.

Was finden Sie an Militär so geil? Die Kameradschaft? Es gibt von hart bis soft alle möglichen Sportvereine. Gehen sie doch da hin. Geht es Ihnen wirklich um die Vaterlandsliebe? Wissen Sie, ich bin als gelernter West – Berliner Veralberungen gewöhnt. Mir wurden als ziviler Polizist, lauter Sachen beigebracht damit ich zusammen mit einer hand voll alliierter Soldaten die Russen stoppe.Militärischer Schwachsinn. Die wären um dieses geringe Ärgernis einfach herum gelaufen. Mit Deutschland sieht es nicht anders aus. Vor dem Rhein ist heutzutage im Falle einer konventionellen Kriegsführung kein Frontverlauf zu erwarten.
Finden Sie schießen und schweres Gerät fahren toll? Machen Sie doch einen Baggerschein oder melden Sie sich im Schützenverein an. Mögen Sie Männern zuschauen, die aufeinander losgehen. Kaufen Sie sich eine Karte für eine MMA Veranstaltung oder ein Rugby – Spiel. Das lässt sich doch auch ohne Kriegsspiele regeln. Die Sache mit den großen Waffenarsenalen und Armeen geht doch immer irgendwann schief. Wissen Sie, ich habe viel Zeit mit solchen Leuten verbracht. Ich kann Imponiergehabe, Identitätsfindung und den ganzen Kram nachvollziehen, aber irgendwann ist doch jeder aus dem Alter heraus, oder? Oder?

Ein Letztes, was ich nicht verstehe, ist die Tatsache, dass sie an diesem Kapitalismus so vehement festhalten. Wie angesprochen wurde ich im alten West – Berlin groß. Da war es normal, dass ich mich in der Schule mit der Sowjetunion, dem Ost – Block und der DDR beschäftigte. Von Kommunismus war bei uns selten die Rede. Meistens wurde vom Stalinismus, dem sogenannten real existierenden Sozialismus, dem Maoismus und den Trotzkisten gesprochen. Kommunismus wurde uns unter philosophischer Betrachtung näher gebracht. Das ist nebenbei die Frankfurter Schule. Karl Marx als Philosophen zu sehen, der sich noch zu Lebzeiten fragte, was eigentlich ein Marxist sein soll. Ihre Vertreter sprechen gern vom Liberalismus bzw. dem Neoliberalismus. Die Worte suggerieren Freiheit. Hauptsächlich läuft es auf eine Freiheit für die hinaus, die etwas haben. Die anderen schauen in die leere Röhre. Die Wirtschaft, einer abstrakten Definition, setzen Sie mit einem lebenden Organismus gleich. Gut, warum nicht? Die Idee und Herangehensweise klingt ja erstmal interessant. Gier reguliert sich gegenseitig und organisiert sich. Aber zwei wesentliche Dinge wurden damals, wie wir heute wissen, übersehen. Erstens der Mensch und zweitens ein eintretender Mangel an Ressourcen. Immer wenn ein Mangel herrscht, kommt es zu einem Verteilungsproblem. Genau das haben wir. Sie bieten als Lösung an: Mit ein paar anderen zusammen klauben wir alles auf, was wir finden können und verwenden wir für uns. Meinen Sie, die anderen lassen sich das auf Dauer gefallen?

Innerhalb von Deutschland gehen Sie davon aus, wenn ich einzelnen genug Überfluss gebe, fließt auch ausreichend Rest für die Armen heraus. Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Irgendwie hat das bei den Päpsten und im Absolutismus auch nicht funktioniert. Die benannten Stalinisten, Trotzkisten, DDR Sozialisten, Maoisten, sind auch daran gescheitert, dass sich immer ein Trottel über die anderen erheben will, also am Menschen. Da wäre es doch mal an der Zeit über alle geschaffenen Grenzen hinweg darüber zu sprechen. Also über Veränderungen und nicht wie man das System verzweifelt aufrecht erhalten kann.

Sie stehen nicht auf Geisteswissenschaftler und innovative Künstler. Alles was abweicht, ist Ihnen suspekt. Das kann ich aus Ihrer Perspektive ein wenig verstehen, aber was haben sie gegen Naturwissenschaftler? Wissen Sie, die haben eine bestimmte Art zu denken.

Ob das, was bei den Forschungen heraus kommt, wirtschaftlich ist, sich in Geld umwandeln lässt oder man damit etwas kaputt machen kann, ist denen nicht wichtig. Die sind einfach nur neugierig. Wenn jemand nur noch für Geld forscht, verliert er seinen Anspruch Naturwissenschaftler zu sein. Diese Wissenschaftler sagen Ihnen nun schon geraume Zeit: Das haben wir heraus gefunden! Was sie daraus machen ist nicht unsere Aufgabe. Dummerweise passen die Aussagen auf den ersten Blick überhaupt nicht in den Plan «Big Money». Aber dürfen sie deshalb ignoriert werden? Was ist Ihr Plan bzw. Ihr Problem? Sie brechen sich doch keinen Zacken aus der Krone, wenn Sie auf Vernunft umschalten.

Manchmal frage ich mich, ob Sie nicht längst selbst von dem Monster eingesperrt wurden, welches Sie selbst geschaffen haben. Ich habe Sie auf einer philosophischen Ebene und nicht als Kapitalist angesprochen. Die «Größen» des Kapitalismus haben doch längst unsere Geschicke übernommen. Der Mensch und seine Bedürfnisse sind doch längst zu einem bewertbaren Wirtschaftsgut geworden. Das betrifft Sie, wie auch mich. Alles, unsere Zeugung, unsere Entwicklung im Mutterleib, der erste Schrei, Emotionen, Bedürfnisse, Krankheiten, Alter und der Tod ist Business. Selbst wenn wir uns gegenseitig Töten, ist es ein millionenschweres Geschäft.

Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Wir setzen gedanklich nochmals neu an und ziehen mal alle unsere «Denker», «Naturwissenschaftler» unter Ausschluss der «Verdiener» heran und hören denen mal aufmerksam zu und bewerten die Lage. Damit gäben wir der Vernunft eine Chance. Die Ergebnisse werten wir aus und stellen dann einen Forderungskatalog an die Großverdiener des bisherigen Systems. Wer von denen nicht mitmacht, bekommt den Hintern versohlt … so klassisch konservativ.

In tiefer dauerhafter Verbundenheit, denn es würde Sie nicht ohne mich und anders herum, mich nicht ohne Sie geben.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr „Linksversiffter“

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Eine Gesellschaft von Richtern

Feb 13 2019 Published by under Allgemein,Ethik,Philosophie,Psychologie,Religion,Texte

Reading Time: 7 minutes

Es gibt eine Menge Leute auf der Welt, die in der Hölle sind, weil sie zu sehr vom Urteil anderer abhängen.

Jean Paul Sartre

«Nur die allein leben in Muße, die ihre Zeit der Weisheit widmen: Sie allein leben. Sie hüten nämlich nicht nur ihre eigene Lebenszeit gut, sie fügen ihr auch noch jede Zeit Epoche hinzu. Alle Jahre, die vor ihnen gelebt wurden, haben sie für sich gewonnen … Man kann mit Sokrates diskutieren, mit Karneades zweifeln, mit Epikur zurückgezogen leben, das Wesen des Menschen mit den Stoikern überwinden, mit den Kynikern hinter sich lassen.»

Senecea, Das Leben ist kurz

Das menschliche Großhirn verarbeitet Informationen, die zuvor durch die älteren Hirnareale gegangen sind und von unzulänglichen Sensoren ermittelt wurden. Diese unzulänglichen Daten werden basierend auf individuellen Erfahrungen, dem bestehenden Gefühlszustand, den individuellen Fähigkeiten und vorhandenen Routinen ausgewertet. Diverse Fehlerquellen, die evolutionär begründet sind, sind nur mit äußerster Konzentration und viel Übung einigermaßen umgehbar.

Am Ende lautet das Ergebnis: Ich habe recht. Mein Abbild von der Welt ist korrekt. Meine Lebensvorstellungen sind die richtigen und wer dagegen verstößt, handelt falsch.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass zu irgendeinem Zeitpunkt die Kapazität des Gehirn größer wurde, denn der Mensch zum Überleben benötigte. Es begann sich zu langweilen. Damit begann eine neue Ära. Es erzeugt in uns ein individuelles Universum. Wollen wir einem anderen Menschen mitteilen, wie dieses Universum aussieht, müssen wir kommunizieren. Dies tun wir mit der Körpersprache, Gestiken, hormonellen Ausströmungen, der Stimme, Wörtern, erzeugten Klängen und Bildern.

Eine äußerst komplizierte Sache, die trotz aller Sorgfalt grundsätzlich nur bedingt funktioniert.

Im Prinzip ist jeder ein Maler. Mit einer individuellen Farbpalette und einer Sammlung an Pinseln, zeichnen oder malen wir ein Bild auf einer inneren Leinwand unseres Gegenübers. Wir haben keinerlei Einfluss darauf, welche Art Projektionsfläche uns der andere zur Verfügung stellt, wir wissen nicht, welche Farben er erkennen kann und wir haben auch keine Kenntnis über seine Interpretationen. Wir müssen erfragen, wie der andere das Bild auslegt. Außerdem kann sich das, bei der Veränderung eines einzigen Faktors, innerhalb einer Sekunde ändern. Gleiches widerfährt uns. Im Ergebnis haben wir keinerlei Möglichkeiten unser Bild, welches ein anderer von uns hat, zu beeinflussen. Dennoch sind wir mit dem Versuch rund um die Uhr beschäftigt.

All diese Dinge sind menschlich. Immer wenn ein Mensch handelt, ist es von der logischen Ableitung her, menschlich! Unmenschlich ist an sich ein vollkommen unsinniges Wort. Gemeint ist ein vom Gehirn erzeugtes «Idealbild» eines Menschen, welches variiert.

In unterschiedlichen Kulturen zeichnete irgendwann mal jemand ein Bild auf der inneren Leinwand und definierte: So sollte meiner Auffassung nach, ein Mensch handeln. Mit der tatsächlichen Natur des Menschen hat dieses Bild wenig zu tun. Je idealer es aussieht und von den 200.000 Jahre alten Verhaltensmustern des Säugers aus der Ordnung Primaten, Unterordnung Trockennasenprimaten, Familie Menschenaffe – kurz: nackter Affe abweicht, umso unerreichbarer wird es.

In den Buchreligionen wird alles vom Idealbild abweichende mit dem Begriff Schuld belegt, dem totalen Ideal entspricht ausschließlich Gott. Die Anhänger versuchen sich dem Bild zu nähern, sind aber am Ende auf Vergebung angewiesen, weil sie es nicht erreichten. Konfuzius und einige Griechen beschrieben den Weg und die Unternehmungen zum Erreichen des Idealbilds als das Lebensziel des Menschen. Buddha ging auf die Suche, warum der Mensch es nicht erreichen kann, und vertrat die Meinung, dass erst einmal die Hinderungsgründe beseitigt werden müssten.

Der nüchterne Verhaltensforscher und Psychologe sagt: Ihr könnt anstellen, was ihr wollt, am Ende landet ihr immer bei dem, was in der Evolution entstanden ist. Um dieses Verhalten zu ergründen, beobachten sie und testen den Menschen in verschiedenen Lebenssituationen aus. Damit nähern sie sich ein wenig Buddha an. Mit dem Unterschied, dass der einen Weg gefunden haben will, wie man dem Verhalten entkommt.

Diese Schuld, also nicht dem Idealbild zu entsprechen, laden wir im Alltag mal mehr oder weniger gravierend, auf uns. Wir entschuldigen uns, wenn es sich nicht gerade um Gibbs in Navy CIS handelt, rund um die Uhr. Für Unaufmerksamkeiten, Unterlassungen, Gedankenlosigkeiten, Fehlleistungen, falsche Lagebeurteilungen und vieles mehr. Zusammengefasst für lauter Dinge, die schlicht dem menschlichen Verhalten bzw. Fehlbarkeiten entsprechen.

Oftmals deshalb, weil wir für diese Handlungen oder die Umwelt einfach ungeeignet sind. Dinge, die uns das gelangweilte Gehirn beschert hat. Ausgelegt sind wir für das Leben in Horden/Verbänden, die eine flexible Gruppenunterteilung und Hierarchien haben. Verhaltensforscher haben das bei uns nah verwandten Primaten beobachtet und Abiturienten, die in den Achtzigern Bio – Leistungskurs hatten, wurden damit belästigt. Ein Leben in einer Massengesellschaft, die Industrialisierung und die damit einhergehenden enthumanisierten Arbeitsprozesse künstliche starre Hierarchien und ähnliche Phänomene waren in der Evolution niemals vorgesehen.
Die daraus resultierenden Folgen beschäftigen Psychologen und Psychiater, die versuchen zu retten, was zu retten ist. Meiner ganz persönlichen Meinung nach, kann sich ein im eigentlichen Sinne psychisch gesunder Mensch in der überwiegenden Zahl moderner Berufe und Gesellschaftsstrukturen nicht eingliedern.

Das Idealbild ist abhängig von der Kultur. Jede Gesellschaft benötigt Regeln des Zusammenlebens. Das ist bei den anderen Primaten nicht anders. Hierzu gehören sehr praktische, deren Zweck klar erkennbar ist und ritualisierte Handlungen, bei denen der Ursprung bisweilen schwer ermittelbar ist. Eine Regel soll ein soziales Gefüge ermöglichen und Konflikte verhindern, bzw. im Falle eines Entstehen Schlimmeres verhindern (z.B. Demutsgeste). Damit haben gut überlegte Regeln für alle einen Vorteil. Sind sie einseitig und begünstigen lediglich einen Teil, wird es kompliziert. Damit diese Regeln eingehalten werden, bedarf es eines Sanktionssystems. Ich denke, die meisten werden mir bis hier zustimmen.

Da wir aber in einem System leben, welches ein Ergebnis der nicht ausgelasteten Gehirnregionen ist, welches in großen Teilen nicht den natürlichen Bedürfnissen des nackten Affen entspricht, wird es in vielen Bereichen kompliziert.

Dem künstlich erzeugten Idealbild auch nur ansatzweise zu entsprechen wird immer schwieriger, womit es auch immer wahrscheinlicher wird, mit der Definition Schuld belegt zu werden. Die Beurteilung, ob eine Diskrepanz zwischen Idealbild und festgestellten Handeln besteht, nennen wir Richten. Und wer richtet, ist ein Richter. Jedes Mal, wenn wir um Entschuldigung bitten, ernennen wir einen anderen zu unserem Richter. Am Ende leben wir in einer Welt, die sich aus Richtern und Schuldigen zusammensetzt.
Die andere Formel lautet: «Ich entschuldige mich!» Anders: «Ich verhalte mich nicht den Regeln des Ideals entsprechend, aber ich habe gute Gründe dafür oder ich bin Opfer meiner menschlichen Unzulänglichkeiten geworden.»

Ich mag es nicht, wenn mich jemand um Entschuldigung bittet oder sich selbst entschuldigt. Ich mag nicht zum Richter gemacht werden, eine Rolle, die ich nicht einnehmen kann. Da ich dem gleichen Problem unterliege, kann ich schlecht etwas dazu sagen.
Im anderen Fall handelt er oder nicht! Bin ich dadurch benachteiligt, war er sich aus seiner Perspektive selbst oder etwas anderes offensichtlich wichtiger, denn meine Belange. Vielleicht war er auch nur Opfer seiner Fehlbarkeiten. Dafür kann ich ein Verständnis entwickeln oder es lassen.


In unserer Gesellschaft sieht das alles ein wenig anders aus. Eine große Anzahl ernennt sich selbst zum Richter über andere, in dem sie eine Schuldzuweisung betreiben. Ist einem anderen Menschen seine Abweichung vom Idealbild, welches ohnehin niemand in Gänze erfüllt, vorzuwerfen? Hätte er bei reiflicher Überlegung und Abwägung aller ihm zugänglichen Informationen – die erwähnten unzulänglichen – das Abweichen verhindern können? Auch die eigenen Informationen über das Handeln des anderen sind unzulänglich und mit jede Menge Fehlerquellen versehen. In der Regel sehe ich nur das Endergebnis einer langen Geschichte. Wie soll ich da als Mensch richten?

Irgendjemand muss diesen Menschen suggeriert haben, dass sie die Befähigung dazu haben. Sie überheben sich über die Fehlbarkeit, das wird Überheblichkeit genannt. Die meisten davon leben in einem Umfeld, welches dazu geeignet ist, bei einem unauffälligen Verhalten, geringe Abweichungen vom deutschen Idealbild zu ermöglichen. Sie entschuldigen sich dafür, dass sie fünf Minuten zu spät zur Arbeit kommen. Vielleicht haben sie vergessen, dem Vorgesetzten die Tür aufzuhalten, oder den Hochzeitstag vergessen. Das dichte deutsche Regelwerk ermöglicht ein scheinbares Einhalten eines künstlichen Idealbildes, welches nicht zwingend mit einem ethischen Idealbild im Einklang stehen muss. Jenseits dessen, gibt es in der Deutschen Gesellschaft diverse sogenannte Subkulturen mit eigenen Idealbildern. Zum Beispiel lädt ein Rocker aus einer 1 % – Gang Schuld auf sich, wenn er mit der Polizei kooperiert und wird deshalb ins «Bad Standing» gestellt. Dies ist nur ein Beispiel von vielen.

Ein Teil der Gesellschaft, die gesetzestreuen Bürger, die sich im Allgemeinen mittels ausreichender Machtmittel zur dominanten Gruppe gemacht haben, hat sich der Gerichtsbarkeit und damit eines benannten Richters unterworfen. Er richtet im Abgleich mit dem von dieser Gruppe akzeptierten Idealbild. Zugestanden wird, dass es Umstände geben kann, die es auch einem gesetzestreuen Bürger nicht möglich machen, dem Bild zu entsprechen. Dies sind die sogenannten Schuldausschliessungsgründe. Eventuell war das Abweichen auch gerechtfertigt. Töten gehört normalerweise nicht zum gesetzlichen Idealbild, kann aber gerechtfertigt werden, dann passt es wieder. Für das Vaterland im Krieg zu töten, wird von den Gesetzestreuen zum Beispiel akzeptiert, während es von religiösen Idealbildern abweicht. Doch diese Beurteilung der Diskrepanz, steht alleinig dem dazu berufenen Richter zu, hierauf hat sich die dominierende Untergruppe der Gesellschaft geeinigt.

Wenn auch in unserem System nicht vorgesehen, könnten sich die selbst ernannten Richter, die zugleich die passenden Sanktionen zu ihren Urteilen fordern «Kopf ab, Schwanz ab, Einsperren bis er verfault u.s.w.» auf ein religiöses Idealbild berufen. Dominierend ist hierzulande das Christentum. Die höchste Gerichtsbarkeit ist Gott. In der Bibel wurde hierzu ausgeführt: «Wer da frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein!» Wer also nicht dem göttlichen Idealbild entspricht, darf auch nicht richten. Ergo … Fehlanzeige.

In der Ethik und Philosophie ist richten immer schwer, eher nahezu ausgeschlossen. Kant versuchte es mit einem Idealbild des Menschen, bekam es aber von diversen ebenso nicht zu verachtenden Zeitgenossen um die Ohren gehauen. Fazit, es ist nicht vorgesehen, dass sich ein Mensch über einen anderen zum Richter erhebt, außer im Konstrukt einer Gerichtsbarkeit auf der Basis von Gesetzen, und innerhalb dessen obliegt es nur dem dazu berufenen Richter.
Nochmal: Das variiert mit der bestehenden Kultur. Deutlich wird das am Beispiel eines südamerikanischen Kopfjägers. Das Köpfen von Menschen ist bei uns aus der Mode gekommen. Wir betrachten dies als barbarischen Mord. Dort ist es Teil der tief verwurzelten Kultur. Es entspricht nicht meinem persönlichen Geschmack, der ist aber im Sinne einer Verurteilung irrelevant. Der würde erst relevant werden, wenn unter meinen Füssen Blumen wachsen und mich ein seltsamer Schein umgibt. Der Fairnesshalber müssten sie allerdings akzeptieren, dass ich sie im Gegenzuge auch töte.


Mir bleibt nur übrig: Ich hätte anders gehandelt oder ich füge mich der Gerichtsbarkeit der dominierenden Gesellschaftsgruppe. Und weil die am längeren Hebel sitzen, muss ich auf die Fairness des berufenen Richters hoffen. Ob ich mich selbst schuldig fühle, hängt von meinem eigenen Idealbild und Selbstverständnis ab.
Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich diesbezüglich einiges abgekratzt habe. Ich versuche immer mehr, in mir den Menschen zu akzeptieren. Der Vorteil daran ist, dass ich dies auch jedem anderen zugestehen kann. Das schont die eigenen Ressourcen. Andere zu verurteilen, sich selbst zu bezichtigen, ständig einem Ideal hinterherzurennen kostet Kraft und ist recht unsinnig. Ich muss mich auch für nichts entschuldigen oder Dinge in der Vergangenheit innerlich anprangern. Eigentlich muss ich mich nur im gerade jetzt stattfindenden Augenblick fragen, ob ich gerade meine Lebenszeit nach meinen Vorstellungen nutze.

Ja! Während des Schreibens sind mir einige Sachen noch deutlicher geworden, ich lasse andere daran teilhaben … Why not!

« … Wohlan, überschlage dein Leben und gib Rechenschaft davon. Berechne, wie viel dir davon der Gläubiger, wie viel die Geliebte, wie viel der Angeklagte, wie viel der Klient entzogen hat, wie viel der eheliche Hader, wie viel die Sklavenzucht, wie viel das dienstbeflissene Umherrennen in den Straßen der Stadt; nimm dazu die selbstverschuldeten Krankheiten und was unbenutzt liegen blieb, so wirst du sehen: die Zahl deiner Jahre ist geringer, als du annimmst.»

Senecea, Das Leben ist kurz

Atti gewidmet, dem der Text glaube ich ganz gut gefallen könnte

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