Nord Laos

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Der Bustrip über die thailändisch – laotische Grenze von Chiang Rai nach Huay Xai und die anschließende Bootstour nach Luang Prabang liegt auf dem Back Packer Treck durch Südostasien. Die meisten bekommen von Huay Xai nichts zu sehen. Sie fahren mit dem Bus direkt zur Anlegestelle am Mekong, wo sie die Longboats besteigen.
Ich hatte von einem Selbsthilfeprojekt der Hmong in dem Grenzort gelesen. Gemäß Reiseführer konnte man sich dort eine kleine Holzhütte mieten und zusammen mit den Bewohnern des Selbsthilfeprojekts kochen. In Chiang Rai hatte ich im Internet einiges über die Hmong gelesen. Sie waren die klassischen Kriegsverlierer einer US Amerikanischen Militärintervention, wie sie die Amis in den Jahrzehnten nach dem II. Weltkrieg immer hinterliessen. Einmarschieren, alles kaputtmachen, wieder heraus gehen und die Kombattanten im Regen stehen lassen.
Die Hmong wurden von der CIA als eine Art Dschungel – Scouts benutzt, um abgestürzte Kampfpiloten aufzulesen, die im Vietnam Krieg Bomben auf die Nachschublinien der Vietcong abwarfen, die durch den laotischen Dschungel gingen. Bekanntlich verloren die USA den Krieg. Die Kommunisten übernahmen in Laos die Macht und fortan verschlechterten sich die Lebensbedingungen der Hmong. Manche flüchteten in die USA, andere retteten sich in den Wald. Hauptsächlich leben sie im bergigen Norden.
Sie sind bitterarm, abgeschnitten von jeglicher medizinischer Versorgung und Verdienstmöglichkeiten. Ein paar von ihnen versuchen es mit einer Rebellion. Seitens der Regierung werden sie als Banditen betrachtet und entsprechend behandelt. Hinzu kommt, dass Laos beschlossen hat, zur Batterie Südostasien zu werden. Hierfür stauen sie die Flüsse mit Staudämmen. Häufig sind dies ausgerechnet die Gebiete, in die sich die Hmong zurückgezogen haben.
Die Bevölkerung in Laos, ist wie in den Nachbarländern, jung und auf dem Sprung. In jeder etwas größeren Stadt merkt man, dass die Jugend nach vorn will. Doch die Bergvölker haben davon wenig.
Bevor ich mich bei ihnen einmietete, suchte ich mir in dem kleinen Ort ein Hostel. Dabei hatte ich ausgesprochenes Glück. Ich sagte einem Fahrer an der Grenze, er soll mich zur Stadtmitte bringen, von dort aus werde ich schon weiter sehen. Kaum vom Pick-up herunter drehte ich mich einmal um die eigene Achse und hatte ein Zimmer. Ein einfaches, aber sauberes Haus, mit einer zuvorkommenden Besitzerin.
In unmittelbarer Nähe des Hostels waren zwei Café, die gleichzeitig als Restaurant und Bar durchgingen. In einem davon traf ich am zweiten Abend eine alte verlebte Französin und einen siebzigjährigen Potsdamer. Die Spezialität des Ladens waren selbstaufgesetzte Obstschnäpse. Eine in Laos ungewöhnliche Spirituosensammlung. Ich kannte den Ort von einem Asientrip vier Jahre zuvor. Er war kaum wiederzuerkennen. Bei meinem ersten Besuch musste ich in einem kleinen chinesischen Hotel übernachten und am Ende der Straße befand sich ein einsamer mit einem Generator betriebener ATM.
Von einem prosperierenden Ort war immer noch nicht zu sprechen, aber in den Lokalen hatte sich eine Menge getan.
Der Potsdamer war eine schräge Erscheinung. Er trug eine weiße Hose mit einer akkuraten Bügelfalte, ein frisch gebügeltes rotes Hemd und dazu einen weißen Seidenschal. In diesem Aufzug mutete er an, wie die laotische Version von Fitzcarraldo. Ich war wenig überrascht, als ich erfuhr, dass er in Potsdam an einem Theater engagiert war. Aus der Französin wurde ich nicht schlau. Doch letztlich entsprach sie ebenfalls allen Klischees. Sie hatte sich in weite Tücher gehüllt, rauchte filterlose Zigaretten, und der harte Akzent verriet ihre Herkunft aus Marseille.
Beide waren sie am Ende einer jahrzehntelangen Reise durch Südostasien. Sie erzählten mir einiges über die Orte, die noch vor mir lagen.

Holzbrücke von Vang Vieng

Der Potsdamer sagte: «Wenn Du nach Vang Vieng kommst, und Du wirst nach Vang Vieng kommen, geh über die Holzbrücke. Die ganze Stadt ist ein Drecksloch und jeder will Dich dort abziehen, aber auf der anderen Seite der Brücke geht’s.» Jedem, der dies hier liest rate ich dazu, sich diese Worte für einen Trip durch Laos zu merken. «Vang Vieng? Gehe über die Holzbrücke!» Auch alle anderen Tips erwiesen sich als nützlich. Aber der erwähnte, war mit Abstand der wertvollste.
Er hatte 1989 nach der Grenzöffnung nicht lange gezögert. Kaum waren die Verhältnisse geklärt, schnallte er sich den Rucksack um und machte sich auf den Weg. Immer mit dem gleichen Spleen. Von dem wollte er nicht lassen. Nach einigen Stunden der Plauderei wurde er vertraulich.

«Ich habe auf dem Zimmer eine ganze Tüte voll mit Weed. Die kann ich schlecht über die Grenze nehmen. Wie sieht’s aus? Ich will kein Geld haben. Doch es wäre echt schade darum. Verdammt gutes Zeug aus dem Süden.»

Ich lehnte ab. In allen südostasiatischen Staaten wird gekifft, was das Zeug hält. Und angeblich interessiert sich die Polizei ausschließlich für synthetische Drogen und Kokain, aber das Risiko ist mir für meinen geringen Bedarf deutlich zu hoch. Im Norden von Laos ist unter der Landbevölkerung traditionell der Konsum von Opium weit verbreitet. Besonders die alten Männer sieht man auf den Dörfern mit einer Opiumpfeife in den Hütten liegen. Ich bekam sogar einige Felder zu sehen. Immerhin befindet man sich dort in der Region, die als Goldenes Dreieck bekannt wurde. Korrekterweise muss man dazu allerdings anmerken, dass die Bezeichnung geografisch auf einen kleinen Punkt begrenzt ist.

Einmal verwechselte ich hinter einem Haus ein Toilettenhaus mit einem Schuppen. Dort waren mindestens 20 Kilogramm Opium gestapelt. Ich sah zu, dass niemand meinen Fehler bemerkte. Gut vorstellbar, dass die Besitzer es nicht sonderlich schätzen, wenn neugierige Langnasen ihre Depots entdecken.

Am Tag nach dem Zusammentreffen suchte ich nach dem Selbsthilfeprojekt. Zu meiner Überraschung war ich im Prinzip schon da. Ich brauchte lediglich wenige Meter einer Seitenstraße folgen. Eine steile in einen Hang hineingegrabene Treppe führte mich ein Stück in den Wald hinein.

Wohnhütte

Zwischen einfach Holzhütten tobte eine Kinderbande im Alter von vier bis zehn Jahren zwischen Hühnern, Katzen, Hütten und einer offenen Küche mit einer Holzfeuerstelle und einem Lehmofen. Auf einer Holzplattform traf ich eine junge Frau, die auf mich den Eindruck machte, dass sie den Überblick über alles hatte.
Tatsächlich war sie die Leiterin. Überschwänglich freundlich, nicht gekünstelt, sondern mit ehrlicher Wärme, zeigte sie mir das Innere einer Hütte. Zehn Quadratmeter, eine roh gezimmerte hölzerne Pritsche mit einigen Lagen Decken zur Polsterung, ein kleiner Nebenraum mit einem Klosettbecken ohne Spülung, sowie einer abenteuerlich wirkenden Elektroapparatur, die einem Warmwasserboiler ähnelte. Gespült wurde mit Wasser aus einem Bottich und einer Schöpfkelle.

Das war meine Unterkunft für drei Tage. Zur Hütte gehörte ein kleiner Vorbau, auf dem eine Hängematte installiert war. Dort machte ich es mir, nachdem ich die Hühner herausgeworfen hatte, bequem und beobachtete das Treiben. Besonders viel mir ein kleiner Junge auf, der mit einer Machete sein Spielzeugauto reparierte. Zu Hause wäre vermutlich das Jugendamt angerückt, und der Bengel hätte seine Eltern niemals wieder gesehen. Ein Vierjähriger ackerte begeistert mit der Ruine eines Kinderfahrrads an mir vorbei. Plötzlich wurde mir gewahr, dass ich damit fast alle Spielzeuge für zwanzig Kinder gesehen hatte. Daneben gab es nur noch einen Bastball, den die älteren Jungen mit Füssen über eine Leine kickten.

Am zweiten Tag hatte ich die Funktion der Einrichtung verstanden. Die Kinder waren entweder Waisen oder im Kindesalter selbst Eltern geworden. Vier Betreuer, die selbst gerade mal um die Zwanzig waren, kümmerten sich um die Meute.
Während die Touristen auf der Holzplattform einiges von einer Karte zum Essen bestellen konnten, aßen die Kinder zusammen in der offenen Küche. Es gelang mir nicht, das Essen zu identifizieren, aber es war ein sehr einfaches Mahl. Ich haderte mit meiner Bestellung. Jeder Happen der Pizza, die sie im Lehmofen gebacken hatten, blieb mir im Halse stecken. Doch auf der anderen Seite stellte dies eine der wenigen Möglichkeiten dar, Geld zu verdienen.

Drachenboot Fest

Nach Sonnenuntergang bereiteten sich die Bewohner der Stadt auf das jährliche Drachenbootfest vor. Sie setzen dabei Papierboote oder kleine Blumengestecke zu Wasser, die dann den Mekong entlang schwimmen. Außerdem werden Heißluftlaternen in den Himmel geschickt. Das alles ist begleitet von Wünschen für die Zukunft. Ich kaufte mir eins der Gestecke. Was ich nebenbei immer wieder tun würde, statt mich für ein Papierboot zu entscheiden. Die Dinger sind eine frustrierende Angelegenheit. Kaum eins nahm richtig Fahrt auf. Die meisten kippten um oder verbrannten nach wenigen Metern.

Neben mir am Wasser standen ein paar kindliche Mönche, die es zunächst mit einem Boot versuchten. Als ich ihre enttäuschten Blicke sah, eilte ich los und kaufte ihnen Gestecke. Denen schauten wir dann gemeinsam wehmütig hinterher.

Wieder in der Einrichtung dachte ich darüber nach, was ich über eine Spende hinaus den Kindern zukommen lassen konnte. Mir war aufgefallen, dass sie keinerlei Papier oder Stifte besaßen. Meiner Meinung nach, mit zwei der wichtigsten Dinge, die man neben Essen, Trinken, Schlafplatz, benötigt.
Wir können nicht alles mit Wort ausdrücken. Das funktioniert einfach nicht. Schon gar nicht als Kind. Mit Zeichnungen, Kreativität, erweitern sich die Optionen erheblich. Es ist vollkommen unerheblich, ob jemand zeichnen kann. In diesem Zusammenhang von Können zu sprechen ist ohnehin Blödsinn. Wer will das beurteilen? Eine realistische Darstellung kann geübt werden. Alles eine Frage des Aufwands und der Zeit. Eins der sichtbaren Zeichen, wie unsere Gesellschaft funktioniert. In der Schule fordern uns eine Lehrerin oder Lehrer auf eine Blume zu malen. Dann malen wir eine und es wird uns gesagt, dass eine Blume nicht so aussieht, wie wir sie gemalt haben.

Nach ein oder zwei Jahren malen wir sie, wie alle sie malen. Später bekommen wir einen Karton, in dem sich eine Pappe mit einem aufgedruckten Bild und Zahlen, einige nummerierte Näpfchen Ölfarbe, ein paar Pinsel, befinden. Malen nach Zahlen! Das Ergebnis ist die schlechte Kopie eines berühmten Bildes, welches ein Maler malte, der sich eben genau an solche Vorgaben nicht gehalten hat. Nur die unter uns, welche mit einem starken Widerspruchsvermögen gesegnet sind, können sich dem dauerhaft Widersetzen. Was reden die Menschen ständig über Kreativität und Talent? Damit wird jeder Mensch geboren. Die Fähigkeit, sich mittels Bildern auszudrücken gehört zu den Eigenarten der Spezies.

Aber wir bekämpfen sie, damit der Mensch sich in ein bestehendes System einpasst. Perverserweise freuen wir uns über die, welche dies nicht zulassen. Wir bezeichnen sie dann als die großen kreativen Köpfe unserer Zeit. Dabei sollten wir sie als Widerstandskämpfer betrachten, die alles unternehmen, um die Gesellschaft nicht in einer vollkommenen Stase verkommen zu lassen.
Diese Kinder brauchten etwas in dieser Richtung. Gleich am Morgen zog ich los und versuchte etwas Geeignetes aufzutreiben. Fehlanzeige! Im Umkreis von fünf Kilometern war nicht ein Malblock oder wenigstens ein paar Stifte aufzutreiben.
Bei der Suche entdeckte ich eine kleine von Studenten betriebene Buchhandlung. Ich fand keine Malsachen, aber etwas Geniales, was sie nachhaltig prägen könnte. Vier Ausgaben des «Kleinen Prinzen» in laotischer Übersetzung. Ich konnte mir nichts Besseres für die Kinder vorstellen. Wieder in der Einrichtung legte ich sie auf einen Tisch. Kaum hatte ich mich ein wenig in der Hütte auf Vordermann gebracht, sah ich einen der jungen Betreuer in eins der Bücher vertieft. In diesem Moment fühlte ich mich großartig. Es war, als wenn ich der harten ungerechten Welt einmal richtig in die Eier getreten hätte. Wie ein wahnsinniger Wissenschaftler, der einen fiesen Virus freigesetzt hat. Niemand kann sich der Philosophie des «Kleinen Prinzen» entziehen.

Dennoch hinterliessen die Kinder bei mir Spuren. Ich musste an meine Kindheit denken. Ich hatte alles und wusste es nicht. Genau so, wie meine Töchter alles hatten.

Fahrrad, Malblöcke bis zum Abwinken, Farben in jeder Gestalt, Plüschtiere, Puppen, Bücher, Radio, Kassetten, Platten, einfach alles. Mir war bis zu diesem Tag nicht aufgefallen, dass ich meine Kreativität verloren hatte. Früher zeichnete und malte ich. Doch plötzlich kam mir alles, was ich auf Papier oder Leinwand brachte, wie Plagiate vor. Schon einmal wo anders gesehen! Da war nichts Eigenes mehr. Zugemüllt, überflutet, begrenzt, einfallslos. Keine Chance zu bekommen ist eins, sie nicht zu nutzen, ist etwas anderes. Diese Erkenntnis schmerzte.

Ich flüchtete vor mir selbst und bestellte mir einige der beschrieben Obstschnäpse. Angetrunken lief ich danach die Hauptstraße herunter. Bis ich an die Treppe zum auf einem Berg liegenden buddhistischen Kloster kam. Langsam stieg ich die Stufen empor. Im Tempel hatten sich um die zwanzig Mönche zum Abendgebet versammelt. Sie knieten vor einer großen goldenen Buddhastatue. Ich setzte mich in eine der hinteren Ecke und lauschte ihrem Singsang. Meine Anwesenheit war ihnen nicht entgangen. Als ich nach dem Gebet am Rand der Anlage stand und auf den Mekong unter mir blickte, sprach mich einer der Mönche an.
«Darf ich fragen, wo Du herkommst?»
«Deutschland. Kennst Du Deutschland?»
«Nein, wo liegt das?»
«Europa. Mitten in Europa!»
«Und was machst Du in Laos?»
«Umherreisen und mir die Welt anschauen.»
Der junge Mönch musterte mich. «Bis Du ein Buddhist?»

«Nein, ich habe mich ein wenig damit beschäftigt … aber ich glaube nicht wirklich an etwas.»
«Was heißt das? Damit beschäftigt?»
«Gelesen, Bücher, Texte, den Pali Kanon.»
Er schloss die Augen und begann in einer mir nicht verständlichen Sprache zu murmeln. Ich vermute, es war Sanskrit. Als er damit fertig war, sah er mich wieder an.
«Gehst Du manchmal auf ein Konzert?»
«Ja, manchmal! Warum?»
«Warum tust Du das?»
«Weil ich die Musik mag. Die Band, die Stimmung!»
«Kennst Du alle Texte?»
Die Frage verblüffte mich etwas, aber ich ließ mich darauf ein.
«Nein, ich denke nicht. Wahrscheinlich nur wenige.»
«Stell Dir vor, Du würdest von all den Liedern nur die Texte kennen. Könntest Du dann die Musik verstehen? Wie willst Du nur mit Texten den Buddhismus verstehen?»
Der junge Mann war gut. Verdammt gut! Er hatte mich festgenagelt. Mit guter alter buddhistischer Logik hatte er mir eine schwierige Denkaufgabe gegeben.
«Ja, Du hast Recht mit Deinen Worten. Wenn ich wirklich verstehen will, muss ich mir wohl das gesamte Konzert anhören.»
«Warum bleibst Du nicht eine Weile bei uns?»
Ich schüttelte mit dem Kopf. «Nein, ich danke Dir für das Angebot. Aber auf diesem Weg bin ich nicht unterwegs. Wer weiß … vielleicht, eines Tages, wer kann das schon wissen, aber derzeit bin ich auf einer Art Wanderung.»

«Du suchst Dich?»
«Ja, und weiß, dass ich in Deinen Augen zu rastlos bin, um zu finden, was ich suche.»
Über das Gesicht des Mönchs glitt ein Lächeln. «Immerhin, weißt Du dies.»
«Wie lange bist Du schon im Kloster?»
«Seit mich meiner Eltern hier mit fünf Jahren abgaben. Sie leben in Myanmar und konnten nicht für mich sorgen.»
«Hast Du sie jemals wieder gesehen?»
«Oh ja … ich besuche sie jedes Jahr.»
«Ganz schön lange Zeit, die Du schon hier bist.»
«Nein, ich habe sie kaum gespürt.»
Während wir uns unterhielten, ertönte aus einem anderen Teil des Geländes ein Gong.
«Ich muss jetzt zum Essen. Du bist jederzeit willkommen.» Danach legte er seine Hand auf meine Schulter und murmelte wieder unverständliche Worte und ging.

Wieder bei den Hmong legte ich mich in die Hängematte. Ich weiß nicht mehr, was ich dachte. Irgendwie ist da keine Erinnerung geblieben. Es war mehr ein nicht zu beschreibendes Gefühl. Kennen Sie dieses Gefühl, wenn sie lange Zeit vieles vor sich hinschoben und ein unbestimmtes Unbehagen entsteht, welches einem sagt, dass man irgendetwas Wichtiges hätte tun sollen, aber Sie sich nicht mehr daran erinnern kann? Ich glaube, so war es. Auf jeden Fall, passierte etwas an diesem Abend.

Am nächsten Tag ging ich zu einer Agentur und buchte die Flussfahrt nach Luang Prabang über die Zwischenstation Pakbeng. Früher ging der Hauptverkehr in Laos über die Flüsse. Mit den Staudämmen hat sich das grundlegend verändert. Jetzt geht viel über die Sandpisten. Durch die übermäßigen Regenzeiten der letzten Jahre und Bodenerosion, sind in den Bergen einige davon abgerutscht. Die alten LKW und Busse quälen sich durch losen Sand und Matsch. Dort wo die Straßen fest sind, reihen sie die Schlaglöcher aneinander. Ich auf ihnen mehrere hundert Kilometer in einem VW Bus Baujahr 1972 mitgefahren. Aber das ist eine andere Geschichte.

Für den Reisenden stehen mehrere Verkehrsmittel zur Wahl. Da wären die Pick – ups und Mini Vans der Agenturen. Die werden bis auf den letzten Sitzplatz belegt. Keine besonders bequeme Fahrt, aber dafür relativ sicher. Bequemlichkeit kann ohnehin bei allen Fortbewegungsmitteln ausgeschlossen werden. Des Weiteren existieren Buslinien. Die Preise variieren stark. Für einen Ausländer ist das schwer zu durchschauen. Ich empfehle die Nachtlinien zu meiden. Die Fahrer sind Selbstmörder. Unter ihnen gibt es Wettbewerbe, wer die Strecke am schnellsten schafft. In der Dunkelheit verlassen sie sich darauf, dass die Lichter ihnen entgegenkommende Laster rechtzeitig ankündigen, und fahren durch die Serpentinen mit einer Geschwindigkeit, welche die meisten Deutschen nicht vertragen. Abenteuerlustige können sich ein Motorrad mieten. Hartgesottene Weltreisende nehmen das Fahrrad. Besonders Australier sind diesbezüglich völlig schmerzfrei.
Egal, wie auch immer sich die Lage gestaltet, am besten ist es immer noch, falls vorhanden, den Flussweg zu wählen. Hier aber nur die Longboats. Die Speedboats sind Höllengeräte, mit denen es regelmäßig zu Todesfällen kommt.
Ich kannte die Strecke bereits aus der anderen Richtung und wusste, was mich erwarten würde: Eine Fahrt durch eine malerische Landschaft begleitet vom ohrenbetäubenden Lärm eines alten chinesischen Dieselmotors. Wer sein Gehör nicht in den Achtzigern zerstört hat, sollte sich Ohrenstöpsel mitnehmen.

Es galt Abschied von den Hmong zu nehmen. Vielleicht schafft der eine oder andere kleine Racker den Sprung und kann etwas für seine Leute tun. In einem ausliegenden Prospekt las ich, dass dies tatsächlich einigen aufgrund der Förderung gelungen ist. Wie das halt manchmal so läuft. Wegen ihrer besonders prekären Lage sind sie an einer Stelle gelandet, wo sie plötzlich einen Namen und eine Identität haben. Spender aus dem Westen unterstützen sie, in der Hoffnung einen Schneeballeffekt auszulösen. Vielleicht hilft dabei auch der «Kleine Prinz» mit ein wenig Geld von mir. Aber eins waren die Kinder und die Betreuer auf jeden Fall: Glücklich! Das konnte ich in ihren Augen sehen. Trotz aller Schwierigkeiten, haben sie mehr positive Kraft ausgestrahlt, als ich sie bei deutlich besser gestellten Menschen erlebt habe. Das gibt mir zu denken. Nein, dies ist kein Plädoyer für Armut und Glück. Ihr Verhalten gibt mir lediglich die Gewissheit, dass Geld und Besitz nicht fest mit Glück gekoppelt sind. Dies sind Nebengeräusche, die Haltung, welche man im jeweiligen Zustand einnimmt. Der Mensch kann sein inneres Glück auch ohne Besitz finden.

Einige Tage später sprach ich mit einem Inder darüber. Ich lernte Eddy auf dem Boot kennen. Er kam aus Mumbai. Wer dort herkommt, hat nochmals einen anderen Blick auf Armut. Wir waren uns darüber einig, dass Armut von Einfachheit abzugrenzen ist. Armut ist ein aufgezwungener Zustand, der mich von dem fernhält, was Teile der Gesellschaft nutzen können. Dabei kommt es noch darauf an, welchen Teil der Gesellschaft ich mir anschaue. Den national begrenzten, den kontinentalen oder den globalen Part.

Mich stört dieses Geschwurbel über absolute Armut und die relativ auf die Herkunftsgesellschaft bezogene. Worüber wird denn dabei geredet?
Die absolute Armut bezieht sich auf einen Lebensfaktor. Der Mensch hat genug, um nicht innerhalb der nächsten Stunden zu sterben, aber auch nicht mehr. Verhungert oder verdurstet er aus Versehen, stimmte etwas mit der Statistik nicht. Sorry! Wir haben die Kalorien falsch berechnet.

Es geht also um den Zustand, den Menschen seit Urzeiten versuchen hinzubekommen. Überleben! Würde ich ihn machen lassen, suchte er sich einen Platz, an dem es Essen, eine Unterkunft und Wasser gibt. Genau jenes wird verwehrt. Mit anderen Worten: Leute, denen es besser geht, drücken anderen absolute Armut auf.
Einfachheit basiert auf Freiwilligkeit oder Unkenntnis. Abgeschottete indigene Völker haben keine Entscheidungsoption. Sie kennen die andere Seite nicht. Aber diejenigen, welche beides kennen, wissen um die Gefahren. Man könnte auch sagen, dass wir die Welt außerhalb des biblischen Paradiesgartens kennenlernten. Bis der Mensch auftauchte, war sie nicht vom Garten zu unterscheiden. Ich rede nicht von einem utopischen Land, in dem die gebratenen Hühner an den Bäumen hängen.

Ich meine schlicht das sich selbst generierende und regulierende funktionierende System mit der Bezeichnung Natur. Das Großhirn begann sich zu langweilen und erschuf die Hölle: Das Gegenteil eines natürlichen Systems, nämlich eins von Menschen gestaltetes.
In den westlichen Wohlstandsgesellschaften geht es bei den Überlegungen häufig darum, dass die relativ Armen mehr von dem Reichtum der wenigen Profiteure des menschlich erdachten Systems abbekommen. Sollte es wirklich darum gehen?

Wäre es nicht sinnvoller, zu schauen, was das ursprüngliche natürliche System jedem Einzelnen zugesteht? Gingen wir von diesem Wert aus, müssten einige angehoben werden, manche könnten weitermachen wie gehabt und andere hätten Verluste. Daraus ergeben sich drei Typen. Am unkompliziertesten sind diejenigen, welchen ein Überleben ermöglicht werden soll. Sie landen auf der nächsten Stufe. Wichtig ist, dass sie die Statik begreifen und nicht selbst der Gier nach mehr verfallen. Bisher haben sie sich diesem Gedanken nicht stellen müssen. Die Geschichte ist voll von ehemaligen Armen, die kaum hatten sie die Möglichkeiten, andere ausbeuteten.

Die bereits alles Notwendige haben, müssen über ihre Haltung zur Gier und Behalten des dadurch Zusammengerafften nachdenken. Kriegen die diese nicht unter Kontrolle, geht alles von vorn los. Am schwierigsten zu managen sind die Reichen und Gierigen. Ihre Gier haben sie mit ihrem Reichtum nachdrücklich unter Beweis gestellt. Außerdem können sie nicht loslassen.

Mir ist klar, dass das eine theoretische Betrachtung ist. Aber mir sagt sie, dass wir keine Chance haben. Wir sind bockig. Dem Menschen werden seitens des natürlichen Systems, die gleichen Ressourcen wie allen anderen zugestanden. Das passt dem Großhirn nicht in den Kram. Statt der angesagten Stagnation und teilweisen Herunterstufung, setzen wir auf Wachstum. Ein Euphemismus, der das reale Geschehen vernebelt. Tatsächlich geht es um einen Krieg gegen die anderen Lebensformen auf dem Planeten, damit wir mehr bekommen, als uns zusteht. Dazu kann nur die alte Kriegsregel angeführt werden: «Sollten wir noch mehr solcher Schlachten gewinnen, haben wir den Krieg verloren!»

Der spirituelle Führer der Christen Papst Franziskus hat die Welt ermahnt. Seine Heiligkeit der Dalai Lama, hat Stellung bezogen. Beide wiesen sie auf die Ausbeutung hin und forderten Mäßigung. Anzumerken ist dabei, dass der Dalai Lama dies weniger in seiner Eigenschaft als oberster Lama der Gelug tat, sondern stellvertretend für das Netzwerk „Buddhist Peace Fellowship“ (wer darüber mehr wissen will: http://www.buddhanetz.org/netzwerk.htm u. http://www.buddhistpeacefellowship.org/ ) in dem sich Buddhisten aller Schulen und Ränge organisieren. Dort wird immer wieder betont, dass es nicht um Aktivismus geht, sondern um die Besinnung auf die Rolle des Menschen im gesamten Konzept „Leben auf der Erde“. Die britischen Naturwissenschaftler schickten die Ikone Stephen Hawking als Verkünder der Botschaft nach vorn. Tausende Wissenschaftler haben sich organisiert und sich positioniert.

Doch die Gier ist nun einmal Teil des Menschen und sie ist mit der stärkste Antrieb. Sie wird niemals zu überwinden sein, aber es ist erstrebenswert daran zu arbeiten, statt sich ihr ungezügelt hinzugeben. Überall auf der Welt wird nicht die Überwindung angestrebt, sondern auf die Förderung gesetzt. Diese Vorgehensweise ist falsch und widerspricht jeder Logik. Das ist das Verhaltensschema eines Süchtigen. Nicht das Heroin macht mich kaputt; ich habe zu wenig Stoff, dann würde es mir wieder besser gehen.

An meinem letzten Abend bei den Hmong, fanden die Erlebnisse mit ihnen und mein Gespräch mit dem Mönch zusammen. Gautama Siddhartha, einer der im Buddhismus als erleuchtet geltenden, probierte es mit Extremen. Er kam aus dem Reichtum und probierte die extreme Armut. Dann stand er auf und sagte: «Alles Blödsinn! Die Mitte macht es aus! Keine Völlerei, aber auch kein Hunger! Keine Entsagungen, aber auch keine Eskapaden!»

Der Mönch benutzte nicht ohne Hintergedanken das Gleichnis eines Konzerts. Die Lyrics eines Liedes geben meistens die Richtung der Musik vor. Ausnahmen wirken in der Regel befremdlich. Ich habe mal eine Folkband aus Irland erlebt, die nette irische Klänge produzierten. Nicht den harten Sound der Pogues oder Dropkick Murphys. Dann übersetzte mir ein Ire die Texte.

Es ging darum den Engländern in den Hintern zu treten und sie mit Bomben dahin zu schicken, wo sie aus der Sicht der Bandmitglieder hingehörten. Normalerweise spielen selbst Punkrocker bei Herzschmerz andere Melodien. Bei unserer Lebensart passt einfach nichts zusammen. Der Text hat nichts mit dem zu tun, was sich auf der Bühne abspielt.
Manche spüren das und versuchen irgendwie damit umzugehen. Bisweilen sind die Gemeinsamkeiten nicht auf den ersten Blick zu sehen. Aber Punks, Buddhisten, Autonome, Aussteiger, Hippies, Traveller, Revolutionäre, verbindet das Wissen über die Unstimmigkeit und die Suche nach einer Option der Gier zu entkommen. Die Rückschlüsse sind unterschiedlich.

Wer durch Südostasien reist, kommt am Buddhismus und dem Grund seiner Existenz nicht vorbei. Jedenfalls, wenn man einen Tempel und die Mönche nicht für ein asiatisches Disneyland hält. Ab dem Beginn meines Trips durch Laos achtete ich darauf, wer durch sein Verhalten diese Haltung offenbarte. Ausschließlich gut aufgestellte Besucher aus Wohlstandsgesellschaften. Daraus ergibt sich die Frage: War der Verlust des Respekts und das eingeschränkte Sozialverhalten ein Ergebnis des Wohlstands oder vielmehr die Voraussetzung?
Könnte dies unter Umständen das Leben auf dem Planeten retten? Degenerative Prozesse in der Entwicklung einer Spezies führen langfristig in eine Sackgasse und zum Untergang. Demnach hätte unser Gehirn eine Art eingebaute Selbstzerstörungsfunktion, die am Ende das natürliche Gesamtsystem vor weiteren Regelbrüchen und Vernichtung schützt.

Übermäßiger Reichtum, Wohlstandsgesellschaften, Menschen, die diesen stetigen Wachstum und Reichtum anstreben, wären dann eine Stufe des Count-down. Das lässt mich für die Erde hoffen. Gleichzeitig hat dies derart komplexe gigantische Ausmaße, dass man sich da nicht einmischen kann. Es bleibt, das eigene Leben zu bestreiten. Da haben die Hmong alles richtig gemacht, wenn sie trotz der Armut noch Lächeln können. Sie können es ja nicht ändern.

Karst in Laos

Mir ist ebenso bewusst, dass sich kaum einer, der auf der Suche nach einem Reisebericht über Laos ist, mit derartigen Dingen beschäftigen will. Die Backpacker sind auf der Suche nach Landschaft, Erlebnistouren mit dem Buggy durch den Dschungel, exotisches Essen und schöne Bilder. Doch wer sich mal einen ruhigen Platz sucht und nachdenkt, wird an einigen Sachen nicht vorbeikommen.

Es ist nicht nur die Armut und der Buddhismus. Es ist auch die sichtbare Geschichte eines imperialen Staats, der sein eigenes Interesse, die Abwehr eines kommunistischen Gesellschaftssystems, dem Leben der Menschen in Laos voranstellte. Auf Laos sind mehr Bomben heruntergegangen als im gesamten II. Weltkrieg auf Europa abgeworfen wurden. Überall wird der alte Kriegsschrott mit eingebaut oder zu Alltagsgegenständen umfunktioniert. Täglich gehen heute noch im Dschungel Blindgänger hoch. Übers ganze Jahr hinweg, sterben Menschen oder verlieren Gliedmaße, weil sie mit den Altlasten in Kontakt gekommen sind.

Die Kinder finden „lustige“ Kugeln und spielen damit Fangeball. Bombies! Sie sind Bestandteil von Clusterbomben, die sich nach dem Abwurf auf der Fläche eines Fussballfeldes verteilen. Finden sie nicht die Kinder, fetzen sie den Bauern Hände und Füsse bei der Feldarbeit weg. Manchmal lauert die tödliche Gefahr unter den Feuerstellen in den Hütten. Nirgendwo sieht man so viele amputierte junge Menschen, wie in Kambodscha, Laos und Vietnam.

Die zur Entlaubung eingesetzten Chemikalien wirken ebenfalls nach. Zu den Folgen gehören u.a. Prostatakrebs, Wirbelsäulenspalt, Nervenleiden, Diabetes, Parkinson. Die Amerikaner können sich nicht einmal auf Unwissenheit berufen. Sie wurden ab 1965 über die Schädlichkeit, die einem gezielten Chemie Waffeneinsatz gleich kommt, hingewiesen. An Vietnam zahlten sie immer mal wieder Gelder, doch jeweils mit dem Hinweis: „unabhängig davon, was die Ursache ist“. Offiziell führten die USA gegen Laos niemals einen Krieg. Also zahlen sie auch nicht. Kriege enden nicht mit der Einstellung der Kriegshandlungen, sondern erst, wenn die letzten Folgen nicht mehr sichtbar sind.

Der hochgelobte Anti – Kriegsfilm Apokalypse Now, hat bei mir nach Laos eine andere Wirkung. In der Idee basiert der Film auf der Erzählung des Schriftstellers Joseph Conrad „Herz der Finsternis“, welche von den Grauentaten der Kolonialherren am Kongo berichtet. In beiden Werken wird die Seite der Aggressoren geschildert. Die Laoten und die Vietcong sind eine reine Kulisse. Sie rennen panisch in der Gegend herum, werden abgeknallt oder gefoltert. Die handelnden US Amerikaner philosophieren darüber, was richtig und falsch ist. Eigentlich sind sie die Guten, die aber dort etwas Falsches machen. Es heißt, dass der Krieg die Mutter von allem Bösen ist. Mord, Perversitäten, Verstümmelungen und Folter, werden lapidar den eigenen Gesetzen des Krieges untergeordnet. Im Krieg ist der Mensch halt so.

Ein Vietnamveteran hat gesagt: “ ‚Nam hat nicht gezeigt, wozu der Mensch fähig ist, sondern was er ist. Das Raubtier, welches durch Brutalität, Grausamkeit, Rücksichtslosigkeit, kombiniert mit taktischer Intelligenz, sich als dominante Spezies auf dem Planeten durchgesetzt hat.“

Weder die Kolonialisten, noch die US Amerikaner, sind eigentlich Gute, die mal etwas falsch machen. Sie sind von Anfang Raubtiere, die ihre Beute vor anderen Räubern schützen wollen.

Mir hat sich in Laos die Frage nach dem, vor dem Krieg gestellt. Viel früher wurden die Waffen entwickelt, welche in erster Linie nicht töten sollen, sondern mittels Verstümmelung Grauen erzielen sollen. Sie sind nicht vom Himmel gefallen. Sondern von Frauen und Männern konstruiert worden, die dafür ein Gehalt bekamen, mit dem sie ihren Kindern Spielzeug kauften, ein Haus bezahlten und sich den schicken Wagen vor die Tür stellten. Und sie tun es immer noch. Jeden Tag stehen in Deutschland Frauen und Männer auf, um tagsüber solche Waffen zu konstruieren. In Büros diskutierten sie darüber, dass ihnen im Fall einer kommunistischen Machtübernahme wichtige Rohstoffe verlustig gehen. Sie kamen nicht auf die Idee nach Alternativen zu suchen. Sie beschlossen, dass die anderen sterben müssen, damit sie sich weiterhin Menschen leisten können, die an Waffen herum Tüfteln.

Ist dies alles längst vergangene Geschichte? Allein mein Land exportiert für 7 Milliarden EUR Waffen in alle Regionen dieses Planeten. Daran verdienen Mechaniker/innen, Fließbandarbeiter/innen, Monteure/innen, Ingenieure/innen, Laboranten/innen, Elektroniker/innen, Buchhalter/innen, Manager, Justitiare, Lobbyisten. Immer noch gibt es Länder, deren Existenz einem Beutetier in der Savanne gleich kommt, um das sich eifersüchtig und hungrig die großen Räuber, USA, Russland und China prügeln. Alles nur, um mehr zu bekommen, als ihnen zusteht.

In Laos begreift man, was ein Beuteland ist. Auch das ist ein Teil der Vorgeschichte. Die Europäer und ihre Ableger, die USA und Australien, die sich den Rest der Welt zum Untertan gemacht haben, um sich schadlos zu halten.

Ich kann nicht anders. Wenn ich in einer Kathedrale sitze, muss ich zwangsläufig über die Geschichte des Christentums nachdenken. Und wenn ich mir ein buddhistisches Kloster ansehe, geht mir die Geschichte des Buddhismus durch den Kopf. Ich bin kein Goldschmied oder Bildhauer, der sich auf die Handwerkskunst konzentriert.
Die Sache mit der Missgunst, den Ressourcen, Beutestaaten ist nichts Neues. Das gab es auch schon in der Antike. Mit einem Unterschied, es wurde noch fair gekämpft. Damals wurde noch keiner im Rahmen eines Videospiels, in dem ein US Soldat mit einem Joystick eine Drohne bedient, abgeschlachtet.

Ein indischer König mit dem Namen Ashoka, dessen nahe Vorfahren sich mit Alexander dem Großen prügeln mussten, führte am Beginn seiner Herrschaft ausgiebig Krieg. Den Überlieferungen nach, war er dabei nicht zimperlich. Seine Truppen wüteten verheerend. Bis er nach der Brandschatzung einer Stadt seelisch bis zum Ertrinken in Blut stand. Fortan stellte er alle kriegerischen Handlungen ein und sorgte für die Verbreitung des Buddhismus, der dann über die Khmer in Kambodscha bei den Laoten landete. Heute bekennen sich 90 % der Bevölkerung zum Buddhismus.

Ashoka stellte unter Beweis, dass es auch anders geht. Seit dem Aufkommen der großen Richtungen Kommunismus und Kapitalismus, einhergehend mit Imperialismus, Kolonialismus, stehen die Mönche zwischen den Fronten. So richtig kann keine der genannten Parteien mit ihrer Denkweise etwas anfangen. Ich finde dies ziemlich nachvollziehbar. Ein Mönch der mit einer von denen harmoniert, würde bei mir einige Verwunderung auslösen.

Laos ist schön. Die Leute sind freundlich und warmherzig. Doch das Land hat mehr zu bieten, wenn man genauer hinsieht und Nachdenken will. Das ist alles keine Frage von Intelligenz oder Schlauheit. Es ist der Wille Verantwortung zu übernehmen. Wer nachdenkt, wird auf Fragen stoßen und die ziehen Antworten nach sich. Mit diesen gilt es zu leben und die Konsequenzen daraus zu ziehen.

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